Die Monatsbotin Januar 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein endlich mal recht entspannter Lieblingsmonat Dezember, denn diesmal gelang es mir tatsächlich, die anvisierte Arbeitspause einzulegen. Allerdings erst in der zweiten Monatshälfte, denn immerhin liefen die Onlineworkshops ja weiter. Und eine letzte Lesung gab es auch noch, am 7. Dezember in der Stadtbücherei Berlin-Prenzlauer Berg, wo ich zwei sechste Klassen der Käthe-Kollwitz-Grundschule mit einer Lesung aus „Und wenn schon!“, „Ein Stern namens Mama“ und „Hip-Hop, Hund und Herzgehüpfe“ zum Lachen und vielleicht auch Nachdenken brachte.

Lesungen vor Schüler*innen in diesem Alter, aber auch vor älteren Schülern, beginne ich zunächst damit, von meinem Leben und meinem frühen Wunsch, Schriftstellerin zu werden, zu erzählen. Dann stelle ich meine wichtigsten altersgerechten Werke vor und präsentiere Auszüge aus zwei bis drei Büchern, anschließend gibt es Zeit für Fragen, wobei jüngere Kinder gern auch mal zwischendurch etwas Wichtiges auf dem Herzen haben oder einen Kommentar loswerden möchten. Eine Faustregel gibt es dabei: je jünger die Schüler*innen, desto zahlreicher die Fragen. (Und je jünger die Schüler*innen, desto eher strömen sie beim Hereinkommen nach vorn in die erste Reihe. Ab der achten Klasse setzen sich alle lieber nach hinten, werden dann aber von mir freundlichst nach vorn komplimentiert.) Am Ende dann gibt es auf Wunsch noch signierte Autogrammkarten – und natürlich greift auch hier die Regel: Je jünger die Kinder, desto mehr Karten sind gewünscht …

Und was kommt?

… ein wiederum arbeitsintensiver Januar. In diesem Monat nämlich starten nicht nur wieder neue Online-Workshops, sondern mehrere „Textarbeiten“ stehen an. Zunächst werde ich mich einem Herzensprojekt widmen, das ich schon vor vielen Jahren zum ersten Mal in Angriff genommen habe: zwei Kurzgeschichten mit dem Thema „Wie kläre ich mein Kind darüber auf, dass ich HIV-positiv bin?“ für die Deutsche Aids-Hilfe stehen an. Die Broschüre „Wie sag ich’s meinem Kind? – Tipps und Anregungen für HIV-positive Mütter und Väter“, für die ich im Erscheinungsjahr 2010 bereits eine extra einliegende Kurzgeschichte verfasst habe, muss nun aufgrund der veränderten Entwicklung der Behandlungsmöglichkeiten von HIV dringend aktualisiert werden, und damit steht auch eine Überarbeitung der Kurzgeschichte an.

Danach warten dann die Einkommenssteuererklärung für das vergangene Jahr und die Umsatzsteuer-Voranmeldung für das vierte Quartal 2017; desweiteren steht eine umfangreiche Acquise an: Um die Lesungen aus dem im Februar erscheinenden Buch „Mutter zieht aus“ Cover Mutter zieht aus“ (konkursbuch Verlag Claudia Gehrke) nämlich kümmere ich großenteils gern selbst.

Wer mir übrigens eine Buchhandlung oder einen Veranstalter vermitteln kann, in der oder durch den dann tatsächlich eine Lesung stattfinden wird, bekommt direkt nach Erscheinen im Februar 2018 ein handsigniertes Exemplar zugeschickt. Also nur her mit den Tipps!

Einen friedlichen Januar wünscht Karen-Susan Fessel!

Onlineworkshops: Die nächsten Onlineworkshops „Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 8. Januar – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Åsne SeierstadZwei Schwestern. Im Bann des Dschihad“. Aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock. / Das neue Werk meiner Lieblingsjournalistin musste ich natürlich sofort nach Erscheinen lesen – den biografischen Roman um zwei norwegische Mädchen, die in den Dschihad ziehen, hat Seierstad derart gut konstruiert und recherchiert, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen habe. Entstanden nach einer wahren Geschichte, zeichnet der dokumentarische Roman die Radikalisierung der 16- und 18-jährigen Norwegerinnen mit somalischen Wurzeln auf der einen Seite und den verzweifelten Versuch des Vaters, seine Kinder aus Syrien zurückzuholen, bis ins kleinste Detail nach. Bis zur letzten Seite bleibt offen, ob die mittlerweile in Rakka verheirateten und Mütter gewordenen Töchter zurückkehren; und deshalb werde ich das Ende hier auch nicht verraten. Das Werk lässt die Leser sehr gut informiert, aber dennoch ratlos zurück. // Åsne SeierstadDer Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte. / Im Sog der klaren Sprache Seierstads griff ich dann doch zum letzten ihrer Werke, das ich noch nicht gelesen habe. Große Lust hatte ich bislang nicht, mich mit einer afghanischen Familie eingehend zu befassen, da hätte ich andere Ethnien spannender gefunden. Das aber hat sich grundlegend geändert: Einen derart spannenden, feinfühligen Einblick in eine mir vollkommen fremde Kultur habe ich nicht erwartet. In vielen einzelnen Erzählungen, die diverse Mitglieder der afghanischen Großfamilie zur Hauptperson machen, berichtet Seierstad, die selbst ein halbes Jahr in der betreffenden Familie gelebt hat, von fremdartig anmutenden, extrem frauenverachtenden Traditionen und Gebräuchen. Die Dominanz der männlichen Familienoberhäupter aber führt nicht nur zu ausufernder Unterdrückung von Frauen und Mädchen, sondern auch jüngerer männlicher Familienmitglieder. Das Buch, entstanden 2002, ein Jahr nach dem Fall der Taliban, hat mich schockiert und zornig gemacht wie kaum ein anderes – ob sich in Afghanistan seither viel geändert hat, scheint fraglich. Das Oberhaupt der afghanischen Familie jedenfalls hat Seierstad nach dem Erscheinen des Buches Ausnutzung seiner Gastfreundschaft vorgeworfen, einer seiner Ehefrauen, die 2006 nach Norwegen geflüchtet war, mussten Seierstad und ihr Verlag Schadensersatz zahlen, da nicht für alle Behauptungen Belege vorgelegen hätten. Da nützte es Verlag und Autorin auch nichts, dass sie extra auf den fiktiven Erzählcharakter des Romans verwiesen. Ein Roman ist zwar eigentlich ein Roman, aber manchmal eben doch kein Roman …

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