Karen-Susan Fessels Dreimonatsbotin Nr. 10/2026 // Neuigkeiten aus dem vierten Stock

Hier kommt die zehnte Ausgabe der Dreimonatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie jeweils im März/Juni/September/Dezember im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Der Sommer ist so gut wie vorbei, aber mich stört das nicht weiter, im Gegenteil: zum einen, weil ich gerade durch Kroatien, Slowenien, Österreich und Bayern toure, und zwar gleich mehrere Wochen lang, und zum anderen, weil nun der Herbst naht und damit meine Lieblingsschreibzeit. Denn im Sommer schreibe ich so gut wie nie, jedenfalls nicht an einem Roman; im Sommer habe ich anderes zu tun, bin draußen unterwegs und genieße die langen Tage, während im Herbst alles zur Ruhe kommt und damit auch ich – und Ruhe, das geht sicher allen Autor*innen so, Ruhe brauche ich zum Schreiben.

Deshalb freue ich mich schon auf den Herbst, denn dann werde ich endlich mit meinem neuen Roman beginnen – bislang habe ich dazu Notizen gemacht und kleine Versatzstücke geschrieben, mit dem eigentlichen Schreiben noch nicht begonnen. Und darauf freue ich mich sehr!

Auf der faulen Haut gelegen habe ich dennoch nicht den Sommer über – und wer jetzt aufmerksam aufgepasst hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass damit die gesamte Zeit von April bis August gemeint ist. Denn genau zu der Zeit, als ich die sommerliche Dreimonatsbotin, die Ende Juni hatte erscheinen sollen, verfassen wollte, machten mir gesundheitliche Gründe einen Strich durch die Rechnung. Deswegen musste ich auch leider die schon lange geplanten neuerlichen Schreibworkshops bei den „Berliner Denkspielplätzen“ am 22. und 23. Juni auf Einladung des Netzwerks Philosophie absagen – und dann war auch schon Juli und ich auf Reisen (unter anderem mit der gesamten Herkunfts- und Teilen der Wahl-Familie in Meppen zum 90. Geburtstag meiner immer noch rüstigen Mutter!), und dann war auch schon August und so beschloss ich, die Sommermonatsbotin einfach in die Herbstbotin zu integrieren, was ich hiermit ja auch mache.

Hinter mir liegen einige schöne und auch interessante Veranstaltungen, allen voran die Lesung aus „Einfach nur Noni“ am 8. April in der Berliner Programmschänke „Bajszel„, die aufgrund ihrer klaren Haltung gegen Antisemitismus mehrfach Zielscheibe von Anschlägen propalästinensischer Fanatiker war. Die Diskussion im Anschluss daran war sehr ungewöhnlich, wie ich fand, noch nie habe ich so viele Fragen nach der Haltung meiner Hauptperson beantworten müssen, was gar nicht immer so leicht war – schließlich ist und bleibt eine Romanfigur ja eine ideelle Figur, deren Einstellungen und Meinungen auch ich als Autorin nicht sofort aus dem Ärmel schütteln kann. Spannend!

Am 11. und 12. April hatte ich dann auf Einladung zweier sehr umtriebiger Hamburger – Olav Meyer-Sievers und Yasha Müller – die schöne Gelegenheit, im wunderbar in den Parkanlagen des Hamburger Planten und Blomen gelegenem Teehaus einen queeren Workshop zu halten – mit zehn hochmotivierten Teilnehmenden zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Siebzig, eine fantastische Mischung. 

Am 30. April dann las ich wieder wie jedes Jahr in der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde/Glien für die 6. Klassen, um vom 19. bis 26 Juli wiederum hatte ich das große Vergnügen, die komplett ausgebuchte Sommerakademie in der Akademie Waldschlösschen bei Göttingen zusammen mit meinem Kollegen Ulrich Klaum nicht nur zu leiten, sondern dabei auch einen zweiteiligen Schreibworkshop abzuhalten. Mein ganz persönliches Sommerhighlight!

Und natürlich laufen auch die Jahresworkshops und individuellen Coachings weiter, desgleichen die diversen Lektorate, die ich zur Zeit in Arbeit habe. Das geht übrigens auch ganz bequem von unterwegs aus …

Im November geht es dann in Berlin wieder weiter mit den nächsten Veranstaltungen, und zwar am 3. November mit zwei Kinderlesungen in der schönen Bücherei am Falkenhagener Feld in Spandau. Im Anschluss winkt ab dem 10. November wieder ein sechswöchiger Online-Schreibworkshop für HIV-Positive, veranstaltet von POSITIV HANDELN NRW e.V.

Und mein neues Buch wartet schon auf mich und die langen dunklen Herbst- und Winterabende, an denen ich daran schreiben werde …

Einen schönen, bunten Herbst wünscht Karen-Susan Fessel

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Online-Workshops und -Coaching: Die nächsten „Kreativ-Quickies“ starten am  5. Oktober  und 2. November.  Informationen und Anmeldung auch für die weiteren Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“, Begutachtungen, Lektorate und Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

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Ausgelesen: Eli Sharabi: 491 Tage in den Tunneln der Hamas. suhrkamp Nova, Berlin 2026 / Ein bisschen habe ich mich vor der Lektüre gefürchtet, aber am Ende habe ich das Buch, mit übler Erkältung im Bett liegend, in vier Stunden durchgelesen, ohne dass meine Befürchtungen wahr geworden sind: Weder ist Sharabis erstaunlich flüssige Erzählung allzu unerträglich schockierend, noch einigermaßen vorhersehbar oder auch sensationslüstern geschrieben. Im Gegenteil, Sharabi erzählt sehr klar und strukturiert von seiner Entführung und Gefangenschaft durch Hamas-Terroristen, von seiner Angst und der Zuversicht, die er immer wieder beim Gedanken an seine draußen auf ihn wartende Familie empfindet, und auch vom mangelnden Wissen und der niedrigen Bildung seiner unberechenbar agierenden Wärter – und dem durch das Leben im Kibbuz vermittelten Gemeinsinn, der ihn und seine Mitgefangenen durch diese grauenhafte Zeit führt. Gern hätte ich mehr über Sharabis Leben danach erfahren, aber das ist seine Privatsache – die Qualen der Opfer der Hamas aber sind es keineswegs. // Zora Del Buono: Seinetwegen. C.H.Beck, München 2024. Die Schweizerin und ehemalige Wahlberlinerin Del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall tödlich verunglückte. In ihre sowohl für den Schweizer als auch den Deutschen Buchpreis nominierten Roman recherchiert sie diesen mehr als sechzig Jahre zurückliegenden Unfall akribisch, sichtet alte Unterlagen, interviewt Zeugen und Verwandte und Bekannte des mutmaßlichen Todesfahrers und entwirft so ganz nebenbei das Panorama einer Familie, in der die Trauer sich eingenistet hat und dem Leben von Mutter und Tochter für immer ihren Stempel aufgedrückt hat. Ein feinsinniges, zuweilen anrührendes Werk wie eine kleine Hommage an den abwesenden Vater – und das Leben selbst. 

 

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 16: Lametta am Himmel. Kinderbuch (2004)

Im Jahr 2001 erhielt ich das Stipendium des Kunstvereins Röderhof e.V., das in einem Aufenthaltsstipendium im winzigen Örtchen Röderhof am Höhenzug des Huy in Sachsen-Anhalt. Drei Monate im Spätsommer und Herbst verbrachte ich in der dortigen ehemaligen Brauerei, Wand an Wand mit einem Bildenden Künstler, dem nach einem Monat ein Stein so unglücklich auf den Fuß fiel, dass er seinen Aufenthalt vorzeitig abbrechen musste. Auch ich konnte nicht bis zum Ende bleiben, zwei Wochen vorher fing ich mir eine bakterielle Lungenentzündung ein und musste ebenfalls abreisen. 

Die Zeit aber in dem großen Atelierraum und dem gemeinschaftlich genutzten, im Rohbau befindlichen Badezimmer ist mir unvergesslich – meine täglichen Spaziergänge auf dem Kamm des vorgelagerten Höhenzugs mit dem weiten Blick über die Börde, die vielen freundlich blickenden Kühe auf den Feldern ringsum, das weitläufige Gelände einer ehemaligen verfallenden LPG und natürlich der dichte Wald, der den Huy bedeckte und den ich zu Fuß erkundete, immer in Begleitung meines treuen Hundes Kuba, all das bleibt mir in angenehmer Erinnerung. Und hier entstand auch die Idee zu „Lametta am Himmel“, meinem Kinderbuch, das von der zehnjährigen Kaya erzählt, die aufgrund einer Augenmissbildung von ihren Altersgenossen verspottet wird, sich mit einer kleinen Künstlergruppe anfreundet und das Malen für sich entdeckt. „Lametta am Himmel“ ist tatsächlich in Röderhof und Umgebung angesiedelt, aber heute würde ich den Titel ändern – kaum ein Kind heutzutage weiß nämlich noch, was Lametta überhaupt ist, seit die silbrigen Metallstreifen als Weihnachtsschmuck nicht mehr hergestellt werden. Aber daraus vorlesen für die dritten und vierten Klassen lässt sich immer noch gut … und nebenbei erklären, was Lametta eigentlich war, damals, in einer lange vergangenen Zeit …

Lametta am Himmel. Kinderbuch. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2004. Nur noch antiquarisch erhältlich. 

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