Die Monatsbotin Dezember 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertvierte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Zuerst einmal begann dann doch die Heizperiode, allerdings in höchst eingeschränktem Maße. Kein Wunder, wurde uns doch eine Erhöhung der Gas- und Stromabschläge ab Januar um das Dreifache angekündigt. Im Arbeitszimmer im vierten Stock trage ich jetzt also gern mal Fingerstulpen und einen Wollponcho, der wirklich gut warmhält. Und warme Gedanken mache ich mir ja sowieso … Zum Beispiel, indem ich mich auf meine Kurzreise nach Lappland Ende Januar freue, die ich überraschenderweise mit einer Lesereise in die Schweiz verbinden kann. A propos Lesereise in die Schweiz – die für die vorletzte Novemberwoche Reise nach Luzern musste ich leider, leider absagen; denn während meiner höchst erfreulichen Lesereise zur Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche ereilte mich dann doch ein höchst böser und hartnäckiger grippaler Infekt, der mir die letzten beiden Tage ziemlich vermieste und mich nach meiner Rückkehr nach Berlin sofort in die Waagerechte zwang. Noch immer habe ich mich nicht ganz davon erholt, aber da ergeht es mir wie Zigtausenden anderen, die sich nach zwei nahezu erkältungsfreien Wintern jetzt üble Infektionen und Grippeerkrankungen einfangen.

Jedenfalls haben mir die von der GEW Niedersachsen bestens organisierten Lesungen vom 14. bis 18. November in Einbeck-Greene, Duderstadt, Northeim und Göttingen ausnehmend gut gefallen.  In der HRS Kreiensen in Greene wurde mir nebst einer liebevoll gestalteten Collage sogar ein phänomenaler Präsentkorb überreicht, über den ich immer noch staune!

..und überreichen mir hinterher einen Korb voller Einbecker Köstlichkeiten!

Sechstklässler in der HRS Kreiensen lauschen interessiert …

Vor meiner Reise nach Göttingen hatte ich am 8. November noch Gelegenheit, meine Lesung im Berliner Theater Morgenstern nachzuholen, die ich im September krankheitsbedingt hatte absagen müssen. Eine rege 9. Klasse hatte, gut vorbereitet von den dortigen Theaterpädagogen, sichtlich Spaß an Manne aus „Und wenn schon!“ und Co., und das Theater selbst, im Rathaus Friedenau angesiedelt, beeindruckte mich wiederum mit seiner architektonischen Pracht. Ein Vergnügen! 

Nebst den Lesungen und der Arbeit am neuen Buch widmete ich mich im November noch dem Endlektorat meines dritten Co-Autorinnen-Projekts, der Biografie einer bekannten deutschen Rocksängerin, die im kommenden Jahr erscheinen wird. Dann werde ich auch das Geheimnis, um wen es sich handelt, lüften.

Das zweite Co-Autorinnen-Buch ist soeben erschienen, aber da die illustre Filmemacher-Persönlichkeit, unter deren Namen es erschienen ist, doch eher damit hinter dem Berg hält, mache ich das auch … vielleicht entdeckt ja jemand zufällig, um welches Werk es sich handelt, denn mein Name steht im Impressum. Wer mir den Titel des Werkes und die Art der Tätigkeit, unter der ich dort vermerkt bin, unter meiner Mailadresse kontakt@karen-susan-fessel.de mitteilt, der bekommt ein signiertes Exemplar eines meiner Werke, je nach Vorrat und Absprache … ich bin gespannt!

Und natürlich liefen meine beiden Online-Schreibwerkstätten im November auch weiter, zum einen der siebenwöchige Schreibworkshop für den Verein JES NRW e.V., der Interessenvertretung für Drogen Substanzen (das habe ich jetzt gelernt!) gebrauchende Menschen, Ehemalige und Substituierte, der allerdings nun leider beendet ist, zum anderen die sehr rege angenommene Neuauflage des sechswöchigen Online-Workshop, den ich für die Aids-Hilfe NRW e.V. anbieten darf und der mir wieder ungemein viel Spaß macht. 

Und was kommt?

Nebst dem letztgenannten Workshop stehen in meinem Lieblingsmonat noch drei Veranstaltungen an: am 12. lese ich beim Lesefest der Berliner Johanna-Eck-Schule aus „Blindfisch“, am folgenden Tag wiederum für die Achtklässler des Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in der Janusz-Korczak-Bibliothek und am 20. Dezember reise ich dann nochmal nach Braunschweig, um an der dortigen Wilhelm-Bracke-Gesamtschule einen Lese- und Workshoptag für Elftklässler zu gestalten. Dann bin ich auch gerade 58 Jahre alt geworden, woran ich mich unbedingt erst noch gewöhnen muss! Dazu habe ich dann hoffentlich über die Feiertage Zeit.

Einen besinnlichen Dezemberwünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  5. Januar; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Camilla Grebbe und Åsa Träff: Durch Feuer und Wasser. btb, München 2019 / Von den fünf Bänden um die Polizeipsychologin Siri Bergmann, die die beiden schwedischen Schwestern zusammen verfasst haben, ist dieser eindeutig der beste. Zwei Geschwister verschwinden nacheinander aus ihren Pflegefamilien – und tauchen später auf einem Foto mit einer fremden Frau im Internet wieder auf. Siri Bergmann und ihre Ermittlerkollegen erkennen erst spät, welch infamer Zusammenhang sich hier eröffnet … In diesem spannenden Krimi stimmt nicht nur das Setting und das Personal, sondern auch die gesamte, vielschichtig angelegte Handlung. Schade, dass es vermutlich keinen weiteren Band geben wird! // Alice Schwarzer und Chantal Louis (Hg.): Transsexualität. Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Eine Streitschrift. Kiepenheuer  Witsch, Köln 2022 // Abgesehen vom behämmerten Titel – insbesondere der beiden Fragen, auf die sich natürlich niemals eine verbindliche Antwort geben lässt – finde ich diese streitlustige Textsammlung gar nicht so verkehrt. Schwarzer und Louis haben extrem viel Schimpfe von vielen Seiten bekommen, ihnen wird Verbohrtheit, Transphobie und Unreflektiertheit vorgeworfen, was ich persönlich nicht unterschreiben kann. Natürlich ist der eine oder andere Textbeitrag in der Tat transkritisch und engstirnig, aber auch so kann man Diskussionen beflügeln und ausweiten. Wenn alle ins gleiche Horn tuten, entsteht keine Vielfalt. Interessant finde ich vor allem die älteren Textbeiträge, die noch einmal eine ganz andere, nicht immer veraltete Sicht auf Fragen der Geschlechtervielfalt bieten. Ob die von den Autorinnen gewünschte „Aufklärung“ gelingt, bezweifle ich sehr, aber Denkanstöße liefern sie mit ihrer Textsammlung durchaus. 

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 3: Bilder von ihr (1996)

„Bilder von ihr“ hatte ich in Grundzügen schon im Kopf, bevor ich mich an mein erstes Buch „Und abends mit Beleuchtung“ machte. Nur traute ich mich nicht so recht an diesen schwierigen Stoff: Eine junge Frau, von Verlust- und Bindungsängsten geprägt, lernt ihre große Liebe kennen, lässt sich schließlich darauf ein und ist glücklich – und dann stirbt die andere. Thea, so heißt die Hauptfigur, flüchtet nach Paris, die Heimat ihrer großen Liebe Suzannah, und schreibt dort ihrer beider gemeinsame, aber auch ihre eigene Lebensgeschichte auf.

Alle drei Ausgaben von „Bilder von ihr“: links die Neuausgabe von 2016, rechts die Taschenbuchausgabe von 2000, in der Mitte die Erstausgabe (1996)

Liebe und Tod, die beiden großen Themen der Weltliteratur sind auch die zentralen Themen in „Bilder von ihr“. Alles in mir drängte danach, dieses Buch zu schreiben, nachdem ich mit meinen Erzählband „Heuchelmund“ fertig geworden war. Ich war bereits mittendrin, als ich mich mit Jim Baker, der die Gründung eines neuen schwullesbischen Verlages plante, traf, um ein etwaiges gemeinsames Sachbuchprojekt zu besprechen. Daraus wurde nichts, aber Jim fragte mich beiläufig, ob ich nicht eine Frau wüsste, die einen dicken lesbischen Roman in Arbeit hätte. „Ja“, sagte ich. „Ich.“ Jim und seine Mitverlegerin Ilona Bubeck lasen mein Exposé und die ersten zwanzig Seiten und waren sofort begeistert. Und so kam es, dass ich mit „Bilder von ihr“ zum neugegründeten Querverlag wechselte, in dessem zweiten Programm der Roman dann im Herbst 1996 erschien. Ein wenig haderte ich damit, den Konkursbuch Verlag und damit meine Entdeckerin Claudia Gehrke zu verlassen, aber die Platzierung in einem ausgesucht schwullesbischen Verlag sprach unbedingt für den Wechsel. Und das erwies sich als richtig, denn mit „Bilder von ihr“ gelang mir der Durchbruch in der schwullesbischen Literatur; der Roman zählt heute als Klassiker der deutschen Lesbenliteratur und wurde zum 20-jährigen Jubiläum vom Querverlag als Taschenbuch neu aufgelegt, nachdem sich die vorherige Taschenbuchausgabe des Piper-Verlages über Jahre hinweg enorm gut verkauft hatte.

Unzählige Lesungen habe ich mit diesem Roman in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland gehalten und viel dabei gelernt, über Literatur an sich, mein Lesepublikum und den großen Wunsch der Leserschaft, nicht nur sich selbst mit den Protagonist*innen identifizieren, sondern auch mich. Unvergesslich eine Lesung im KCR Dortmund Ende der 90er Jahre, als ich aus dem vollbesetzen Publikum gefragt wurde, ob ich diese Geschichte denn selbst erlebt und somit nacherzählt habe. „Nein“, begann ich, „selbst erlebt habe ich sie glücklicherweise nicht, aber …“ Ein vielstimmiges, enttäuschtes Seufzen des Publikums unterbrach mich. Mit meinem „Nein“ hatte ich eine Illusion geraubt, die mein Publikum offenbar genossen und herbeigesehnt hatte. Seither antworte ich anders auf diese Frage, die mir immer wieder gestellt wird.

Und auch unvergesslich: eine Lesung in einer Rostocker Buchhandlung, in der meine Mutter und meine damalige Freundin mich begleiteten. Keine sonderlich gute Idee, denn beide brachen immer wieder in ausgedehntes Kichern aus, und das in der ersten Reihe sitzend. Seitdem ist mir klar: Verwandte, Freunde und Bekannte immer außerhalb meines Sichtfeldes platzieren, am besten ganz hinten seitlich.

Zum Schluss kam eine sehr junge Frau mit einer unglaublich zerfledderten, mit zwei Gummibändern zusammengehaltenen Taschenbuchausgabe von „Bilder von ihr“ und bat mich, dies zu signieren. „Meine Bibel“, sagte sie und lächelte breit.

Karen-Susan Fessel: Bilder von ihr. Querverlag, überarbeitete Neuausgabe Berlin 2016, 360 Seiten, 14,99 €

Die Monatsbotin November 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertdritte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Überraschend warm wurde es im Oktober, aber das wundert ja niemanden mehr in diesen Zeiten … und den Heizkosten kam es auch zu Gute. So ließ es sich im Arbeitszimmer im vierten Stock, zur Nordseite gelegen, noch ganz gut aushalten, ohne die Heizung allzusehr hochdrehen zu müssen. Die Arbeit am nächsten Jugendbuch ging dann auch ganz gut voran und wurde nur von zwei Reisen unterbrochen: Mitte des Monats ging es auf Kurzreise zur lieben alten Freundin nach Kiel und dann weiter zur Mutter nach Meppen, um dort die Wohnung ein bisschen aufzuhübschen; eine Tätigkeit, die mir immer wieder Spaß macht. Das Ergebnis: ein helles, schimmelfreies Schlafzimmer, das sich sehen lassen kann. Und gemeinsames Aussortieren von Unterlagen und Broschüren, die keiner mehr braucht und in die niemand je wieder hineinsehen wird; eine famose Übung in Loslassen, was ja wiederum eines meiner Lieblingsthemen ist, im Beruflichen wie auch Privatem …

Detail aus meinem Hotelzimmer in Bad Homburg

Zurück in Berlin, ging es dann bald wieder los zur Frankfurter Buchmesse, um zunächst im nahen Bad Homburg zu übernachten und dann am nächsten Morgen einen kleinen Messekürlauf hinzulegen:  Nach Kurzbesuchen an den Ständen meiner verschiedenen aktuellen Verlage, als da wären der Querverlag, der Psychiatrieverlag und der konkursbuchverlag Claudia Gehrke, ging es dann zum Verla

Tontechniker Michael vom Oetinger Verlag hatte auch die Monitore bestens im Griff

g Friedrich Oetinger, der mich zu einer Lesung aus meinem neuen Roman „Blindfisch“ eingeladen hatte. Der gut vorbereitete und redegewandte Moderator Lennart Schäfer erfreute mich und das Publikum mit interessanten Fragen, eine gelungene Veranstaltung!

Immer wieder verblüffend: Wofür stehen bloß all diese Menschen an?

All das machte den Kurztripp zu einem wahren Vergnügen – so fuhr ich fröhlich wieder nach Hause. 

Und widmete mich neben der Schreibarbeit dann auch wieder mittwochs dem achtwöchigen Schreibworkshop für den Verein JES NRW e.V., der Interessenvertretung für Drogen gebrauchende Menschen, Ehemalige und Substituierte, der mir ungemein viel Freude macht … 

Und was kommt?

… und noch den ganzen November weiterläuft, dann parallel zum sechswöchigen Online-Workshop, den ich für die Aids-Hilfe NRW e.V. anbieten darf.  Dazu kommen wie immer im November reichlich Lesungen: zunächst am 8. und 10. November die im September krankheitsbedingt ausgefallenen Kinderbuch-Lesungen im Berliner Theater Morgenstern und der Tucholsky-Bibliothek, dann reise ich vom 14. bis 18. November zur Kinder- und Jugendbuchwoche nach Göttingen, um in verschiedenen Schulen in Göttingen, Northeim, Einbeck und Duderstadt vorzutragen, danach geht es dann in der Woche darauf auf Einladung der Pädagogischen Hochschule Luzern nach Wollerau, Edingen und Luzern. Also volles Programm!

Einen ereignisreichen November wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  1. Dezember; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Andrea Rödig: Man kann Müttern nicht trauen. dtv, München 2022 / Ein seltsamer Titel – das finde ich auch nach der ein wenig zwiespältigen, aber immer mitreißenden Lektüre dieses autobiografischen Romans über eine tragische Gestalt, die immer wieder im Leben der Autorin auftaucht und verschwindet und nie so ganz ergründet wird. In den letzten Jahren erscheint ja eine ganze Reihe von Büchern, in denen die Autorinnen mit ihren unnahbaren Müttern abrechnen; dieses hier zählt zu den eindringlichsten. Doch der Klappentext wie auch die sonstigen Zusammenfassungen, die ich über das Buch gelesen habe, sind schlichtweg unrichtig: Nicht hat die Mutter die Familie verlassen, sondern die Kinder wurden ihr entrissen und vorenthalten, als die Ich-Erzählerin 12 Jahre alt war. Für mich als Leserin ändert das vieles im Hinblick auf die Rezeption des Werkes, aber mehr will ich dazu nicht verraten: lieber selbst lesen, es lohnt sich! // Shon Faye: Die Transgenderfrage. Ein Aufruf zu mehr Gerechtigkeit. Hanser Verlag, München 2022 // Wer sich gründlich in das Thema Transgender einlesen möchte, dem sei dieses umfassende Werk an Herz gelegt. Die junge britische Autorin legt damit ein Grundlagenwerk zu allen Themen, die Trans*Menschen betreffen und bewegen, vor und zeigt zugleich Lösungsansätze auf. Ein wenig bedauerlich jedoch: Auch wenn aktuelle Daten aus Deutschland mit in die Übersetzung mit eingeflossen sind, wird dennoch immer deutlich, dass es sich um die Analyse britischer Verhältnisse handelt, eben nicht deckungsgleich mit den deutschen. Gleichwohl sehr informativ. // Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt. Kriminalroman. Rowohlt Verlag, Hamburg 2022 / In derselben Nacht, als Olof Palme in Stockholm erschossen wird, meldet sich wein Mann telefonisch bei der Polizeiwache im südschwedischen Halmstad und erklärt, eine Frau ermordet zu haben: „Und ich werde es wieder tun.“ Kommissar Sven Jörgensson ist der Erste am Tatort, und er ist auch der Erste, der spürt, dass der Täter Wort halten wird … So beginnt der spannende Roman um eine Mordserie, die einen ganzen Landstrich in Atem halten und das Leben mehrerer Familien für immer verändern wird. Carlssons sehr spannend geschriebenes Werk ist beste Kost für lange Winterabende, auch wenn mich ein gravierender Perspektivbruch zu Anfang fast davon abgehalten hätte, weiterzulesen. Aber auch dieser klärt sich am Ende noch auf. Bestimmt nicht das letzte Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe.

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 2: Heuchelmund (1995)

Im Januar 1994, also knapp zehn Monate vor der Veröffentlichung meines ersten Romans „Und abends mit Beleuchtung im Oktober 1994 konkursbuchverlag Claudia Gehrke in Tübingen erschien im selben Verlag meine erste erotische Erzählung: „Der richtige Name“ wurde im Sammelband „Mein heimliches Auge IX“ gedruckt, ein Text, den ich auf Anfrage des Verlages hin an einem Tag heruntergeschrieben hatte. Erstaunt darüber, wie leicht mir das Verfassen dieser kurzen erotischen Erzählung gefallen war, schrieb ich in loser Folge einige weitere, und mit jeder folgenden wurde mir klarer, dass mir das Verfassen erotischer Texte einfach liegt. Das sah auch meine Verlegerin Claudia Gehrke, die mich deshalb kurz nach der  Frankfurter Buchmesse 1994 fragte, ob ich nicht einen ganzen Band mit derlei Erzählungen schreiben wollte. Wollte ich. Und so machte ich mich mit Feuereifer daran, die nächsten erotischen Geschichten zu schreiben, fast alle mit lesbischen Bezügen, einige davon auch mit leicht sado-masochistischen Anflügen, was kurz nach Erscheinen im Hebst 1995 mehrere der damals noch in allen größeren Städten vorhandenen Frauenbuchläden dazu bewog, mein Buch zu boykottieren und mich nicht zu Lesungen einzuladen. Der Vorwurf: Mein Buch „Heuchelmund“ enthalte gewaltverherrlichende und frauenverachtende Pornografie. Was mich wiederum dazu brachte, mich noch einmal eingehend mit der Definition und Bedeutung von Pornografie zu befassen. Das Resultat: Mein Buch enthält weder Texte, die Frauen verachten noch Gewalt verherrlichen, und auch keine Pornografie, sondern Erotik. Der Unterschied, ganz marginal heruntergebrochen: Pornografie beschreibt sexuelle Akte, um Lust zu entfachen, Erotik schildert sexuelle Thematiken, mit Sehnsucht verbunden. Die Frage, warum ich solche Texte schreibe, kann ich seitdem gut beantworten: Weil ich es gut kann. Viel spannender hingegen finde ich ja auch die Frage, warum die Menschen so gern derartige Texte lesen. Denn „Heuchelmund“ ist bis heute eines meiner meistverkauften Bücher; zu schade, dass die damalige Verlagsauslieferung ein Jahr später in Konkurs ging und mir somit ein hoher vierstelliger Betrag an Autorenhonorar komplett verlorenging. Was mich aber nicht davon abhalten sollte, schon am nächsten Buch zu arbeiten …

Ein ganz besonderes und bisher einmaliges Erlebnis bescherte mir der Erzählband, zu dem meine damalige Freundin Gabriele-Maria Scheda, heute als Künstlerin international bekannt unter dem Namen Jonny Star, sowohl das Umschlagfoto als auch mehrere weitere Fotos im Innenteil beitrug, in einer Berliner Buchhandlung: Ich stöberte gerade im Krimiregal, als ich am Tresen eine Frau fragen hörte: „Haben Sie ein Buch von einer Karin Fessler oder so ähnlich, der Titel heißt ungefähr Heuchelmond?“ Die Buchhändlerin runzelte die Stirn und schlug ihren Katalog auf, und ich nahm meinen Mut zusammen, trat vor und sagte: „Heuchelmund. Das Buch heißt Heuchelmund, von Karen-Susan Fessel“. Die Kundin nickte: „Ja, genau!“, die Buchhändlerin nickte ebenfalls und klappte den Katalog wieder zu, und ich ging mit rotem Kopf und rasendem Herzen hinaus. Hach, war das schön!

Karen-Susan Fessel: Heuchelmund. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1995, 160 Seiten, 10,50 €

Die Monatsbotin Oktober 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertzweite Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der September gestaltete sich wechselhaft, in jeder Hinsicht. Plötzlich war der Sommer vorbei und machte dem erstaunlich kühlen Herbst Platz. Im Arbeitszimmer des vierten Stocks, auf der Nordseite gelegen, sank die Temperatur dann auch in den letzten Tagen auf schon etwas unangenehme 18 Grad, aber die Wegmarke 1. Oktober, ab der wir uns frühestens zu heizen vorgenommen hatten, wurde dann nur um einen Tag verfehlt.  Mal sehen, was der Winter in dieser Hinsicht noch so bringt …

Der September brachte jedenfalls weiterhin eifrige Arbeit am nächsten Jugendbuch, das im nächsten Herbst erscheinen soll. Das Thema, das ich hier noch nicht verraten möchte, erfordert immer wieder neue Recherchen, so das der Text selbst noch nicht im geplanten Tempo entsteht, aber das sind durchaus vorhergesehene Erschwernisse, die meinen Zeitplan keinesfalls durcheinanderbringen. Bis Ende April plane ich fertig zu sein. I, ich werde berichten, ob das auch genau so geklappt hat.

Weitaus weniger komplikationslos als geplant verliefen dahingehend die Septemberveranstaltungen, die auf meiner Agenda standen. Von 18 Lesungen fand nur eine einzige statt, aber die war dann auch besonders gelungen: In der „Fruchtbar“ im schleswig-holsteinischen Heide las ich am 9. September auf Einladung von „Westküste denkt queer“ aus meinem Roman „In die Welt“, das sich anschließende, sehr anregende Gespräch mit dem kleinen, aber feinen Publikum dauerte dann fast länger als die Lesung selbst, eine schöne Sache!

Das Publikumsgespräch bei der nächsten Veranstaltung am 15. September im Rahmen des Dyke-Dog-Literatursalons im Literarischen Colloquiums Berlin musste dann aufgrund des winzigen Zeitfensters leider komplett ausfallen, schade, denn zum Thema „Sichtbarkeit lesbischer Literatur“ gäbe es wirklich viel zu sagen. So aber hatten wir drei Podiumsgäste – Hengameh Yaghoobifarah,  Kaśka Bryla und ich – trotz der fein akzentuierten Moderation  Magda Albrechts nur wenig Zeit, unsere Positionen auszubreiten und zu diskutieren. Interessant fände ich ja eine weitere Diskussion zum Thema „Wer oder was ist eigentlich queer?“, so aber fuhr ich mit vielen weiteren Fragen im Kopf nach Hause und dem vagen Eindruck, dass für viele junge Menschen das Wort „lesbisch“ allmählich in eine graue, weit zurückliegende Vorzeit gehört – auf jeden Fall nicht auf einen Buchrücken, wo es wohl unweigerlich die literarische Bedeutsamkeit des Werkes zu schmälern scheint … Neu ist das nicht für mich, aber fragwürdig weiterhin.

Das war es auch schon mit den Live-Veranstaltungen meinerseits im Monat September, denn die nächste Lesung am 20. vor dem Planetarium in Prenzlauer Berg zum Internationalen Kindertag aus „Selina Stummfisch“ und anderen Büchern fiel buchstäblich ins Wasser und wird voraussichtlich am 26. Oktober in der Berliner Tucholsky-Bibliothek nachgeholt.

Am folgenden Tag erwischte mich dann eine üble Magen-Darm-Infektion, der die für den 23. September im Theater Morgenstern in Berlin-Steglitz geplante Lesung aus „Und wenn schon!“ zum Opfer fiel. Und auch die Lesereise in der Woche darauf zur  15. Jugendbuchwoche in Celle vom 26. bis zum 30. September musste ich krankheitsbedingt absagen – zu schade, aber vielleicht gibt es ja in zwei Jahren bei der nächsten Auflage eine neue Chance.

Sehr erfreulich aber in diesem Monat: Mein aktuelles Jugendbuch „Blindfisch“ (Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2022) wurde im September vom Deutschlandfunk auf die Liste der 7 Besten gewählt, eine feine Auszeichnung, über die ich mich sehr freue!

Und was kommt?

Weiterhin die Schreib- und Recherchearbeit an meinem neuen Roman, nicht zu vergessen aber auch die vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung, die ich brav bis zum 15. Oktober hinter mich und dem Finanzamt zur Vorlage bringen muss.

Wenn alles klappt, freue ich mich ab dem 5. Oktober  über einen neuen achtwöchigen Online-Workshop, den ich im Auftrag des Vereins JES NRW e.V., der Interessenvertretung für Drogen gebrauchende Menschen, Ehemalige und Substituierte, jeden Mittwoch anbieten darf.

Und auf meine Lesung am 23. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse freue ich mich auch, wo ich natürlich „Blindfisch“ präsentieren werde. Alle Termine sind auch auf meiner Website und hier einzusehen!

Einen nicht allzu stürmischen Oktober wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  4. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Torbjörn Ekleund: Gehen. Eine Wiederentdeckung. Malik, München 2021 / Ekelund ist Norweger und als solcher dem Wandern viel näher als der gemeine Mitteleuropäer, aber darum geht es in diesem feinen, gut erzählten Essay nicht – sondern um, grob gesagt, das Gehen auf Wegen. Und die Wiederentdeckung des sich nur langsam Fortbewegens, das den Geist in eine ganz neue Offenheit versetzen kann. Auch wenn ich selbst kaum je wandere, dafür aber spazierengehe und radfahre, so hat mir Ekelunds umfassende Betrachtung des Gehens doch viele neue Gedankengänge über das Tempo, in dem wir Menschen heutzutage in jeder Hinsicht unterwegs sind, eröffnet. Ein sehr zu empfehlendes Buch, bei weitem nicht nur für Wanderfreunde, sondern erst recht für Bewegungsmuffel.

Und hier nun wie angekündigt meine neue Rubrik, in der ich alle meine 44 Bücher in chronologischer Reihenfolge vorstellen werde:

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 1: Und abends mit Beleuchtung (1994)

Nein, was war ich aufgeregt, als ich im März 1993 den Vertrag für mein erstes Buch in den Händen hielt! Der erste Schritt hin zu meinem Traumberuf Schriftstellerin war tatsächlich gemacht, der konkursbuchverlag in Tübingen würde mein Erstlingswerk pünktlich zur Frankfurter Buchmesse 1994 veröffentlichen. Damit würde ich mein großes Ziel erreichen: mein erstes Buch zu veröffentlichen, bevor ich 30 Jahre alt sein würde.

Wie gut, dass ich ein Jahr zuvor so naiv gewesen war und mein Manuskript nach Fertigstellung einfach an zehn Verlage geschickt hatte, die ich mir in der Amerika-Gedenkbibliothek und mehreren Buchläden als ungefähr passend herausgesucht hatte. Die Zeit davor war eine wirklich glückliche gewesen: Nach Abschluss meines Studiums der Theaterwissenschaften, Germanistin und Romanistik in Berlin hatte ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mich an meinen ersten Roman gesetzt, der nun unter dem Titel „Und abends mit Beleuchtungerscheinen würde. Über eineinhalb Jahre hatte ich immer, wenn ich Zeit fand, in meinem Arbeitszimmer mit Blick auf den Berliner Kreuzberg an der Geschichte um die Zwillinge Nan und Leo und einer Handvoll ihrer Freunde gearbeitet, die wilde Abenteuer erleben und herauszufinden versuchen, wohin ihr Leben sie führen soll – oder sie ihr Leben … Heute noch kann ich das überwältigende Gefühl von Freude und Freiheit empfinden, das mich an meinem Schreibtisch in der Wohnung, in der ich heute noch lebe, überkam, das tiefe, klare Bewusstsein darüber, dass ich jetzt und hier genau das machte, was ich schon immer wollte, dass ich meine Bestimmung und meine Berufung gefunden hatte. In meiner Erinnerung hat in dieser langen Zeit an jedem einzelnen Tag die Sonne auf meinem Schreibtisch geschienen, die gesamte Schreibzeit scheint wie in warmes, klares Licht getaucht, in dem ich auf eine bestimmte Art auch heute noch bade.

Wenn ich nicht schrieb, frönte ich dem Nachtleben, arbeitete ich bei der Post und sortierte, vorrangig in Nachtschichten, Briefe und Pakete und war als Fahrradkurier im Auftrag von American Express unterwegs, um Flugtickets an Firmenkunden auszuliefern – tja, damals steckte das Phänomen Internet noch in den Kinderschuhen …

Von den zehn angeschriebenen Verlagen antworteten gleich zwei positiv, beide empfahlen mir jedoch dringend, das damals noch 450 Seiten umfassende Manuskript deutlich zu kürzen. Eine harte Schule für mich, aber eine wirklich hilfreiche. Dass der alte Spruch „In der Kürze liegt die Würze“ tatsächlich gerade beim Schreiben oft seine Wahrheit entfaltet, habe ich damals gelernt – das betrifft übrigens auch den Titel, den sich kaum jemand merken kann. An die 160 Seiten, also knapp ein Drittel des Textes, habe ich gestrichen, die Geschichte gestrafft, ganze Nebenstränge herausgenommen. Dem Roman tat das gut, und die (wenigen) späteren Besprechungen waren auch durchweg positiv.

Das Cover gestaltete eine meiner besten Freundinnen, die 2020 überraschend und viel zu früh verstorbene Illustratorin Heidi Kull; das Original, auf Pappe gezogen, ziert bis heute mein Büro im vierten Stock.

Die Frankfurter Buchmesse 1994 war dann zwar eher ein Schockerlebnis für mich (so viele Bücher, so viele Autoren! Wer sollte sich denn da für mein Buch interessieren?), aber dennoch spannend. Außerdem lernte ich dort meine gleichaltrige Schriftstellerkollegin Regina Nössler kennen, die ebenfalls ihr erstes Buch beim konkursbuch Verlag veröffentlicht hatte und mit der mich bis heute eine gute und enge Freundschaft verbindet. Und meine allererste Lesung aus einem eigenen Buch hielt ich dort auch, ein unvergesslich nervöses Erlebnis.

So ist „Und abends mit Beleuchtung“, das erste von bisher 44 veröffentlichten eigenständigen Werken, also mein Einstieg in den Beruf der Schriftstellerin geworden. Bis ich davon leben konnte, verging allerdings noch geraume Zeit, aber davon in den nächsten Ausgaben mehr!

Karen-Susan Fessel: Und abends mit Beleuchtung. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1994, 288 Seiten, 12 €

Die Monatsbotin September 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hunderterste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein reger August mit vielen Hitzetagen, aber auch einigen milden Regengüssen liegt hinter mir. Letztere leider ausgerechnet während des von mir kuratierten und von langer Hand vorbereiteten Ruinenfestivals im märkisch-oderländischen Reichenow. Die ersehnte Abkühlung tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch: Zum Glück waren genügend Schirme vorhanden, um Autor*innen wie auch das Publikum damit zu versorgen.

Im Regen lesen: Alexander Osang und Moderatorin Manuela Kay (vorne rechts) trotzen gemeinsam mit dem tapferen Publikum den Regenschauern am 20. August beim Ruinenfestival Reichenow (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)
Reichenower Jungleser*innen holen sich Autogrammkarten bei meiner (Ersatz-)Lesung am 10. August (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

Das war bereits bei der Auftaktveranstaltung mit dem saarländisch-senegalesischen Künstler Ibrahima Ndiaye der Fall; die  Lesungen von Lutz van Dijk aus „Kampala – Hamburg“, Anne Maar („Mehr Affen als Giraffen“

Lutz van Dijk und Anne Maar (Foto: Jörn Jacob Rohwer, Berlin)

und Heike Brandt („Der tote Rottweiler“) fanden dann vorsorglich lieber im kleinen, aber feinen Vereinsheim delicati statt, wo allabendlich ein köstliches Abendessen serviert wurde.  Für Salah Naoura, der coronabedingt kurzfristig absagen musste, sprang dann am 19. August ich selbst ein, was (nicht nur) die örtlichen Kinder durchaus erfreut zur Kenntnis nahmen. Marion Poschmanns

Marion Poschmann liest in der abendlichen Kulturruine aus „Laubwerk“ (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

darauffolgende Naturlyrik-Lesung wurde wiederum von bestem Sommerwetter begleitet,  während Daniel Höra seinen Roman „Braune Erde“ am Samstagnachmittag unter Schirmen präsentierte, genau wie Alexander Osang „Das letzte Einhorn“ am selben Abend.

Die beiden Workshops jedoch konnten ihre Ergebnisse im Sonnenschein zeigen,

Leseinseln im Sonnenschein: Ilka Schneider erfreut das bequem gebettete Publikum am 21. August bei der Abschlussveranstaltung (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

auch die Abschlussveranstaltung mit örtlichen Autor*innen beim Lese-Speed-Dating fand am Sonntag dann bei gutem Wetter mit Blick auf den See statt.

Alles in allem ein gelungenes kleines Festival, gefördert im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“, einem Projekt der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Literarischen Colloquium Berlin); mal sehen, ob es eine Wiederauflage gibt …

Vom vielgelobten „Butchfunk“, dessen bisherige acht Folgen überall dort zu hören sind, wo es Podcasts gibt, wird es allerdings in nächster Zeit keine Wiederauflage geben, zumindest nicht in der bisherigen Besetzung. Meine Mitstreiterinnen Manuela Kay, Ina Rosenthal und ich haben im Moment zu viele andere Projekte, um uns dem „Butchfunk“ so widmen zu können, wie er es verdient hätte.  Schade zwar, aber unumgänglich, jedenfalls im Moment …

Mein neues Jugendbuch „Blindfisch “ (ab 13, Verlag Friedrich Oetinger 2022) startet ziemlich gut durch und wurde bereits in den Berliner Zeitungen Tagesspiegel und Morgenpost ausführlich und sehr gut besprochen.

Besonders interessant dabei: Über Lons sexuelle Identität kursieren die unterschiedlichsten Meinungen. Ich selbst halte mich dahingehend bedeckt und habe beschlossen, Lons für mich wahre Identität erst in genau zehn Jahren zu lüften. Das dürfte dann ungefähr in der 211. Monatsbotin der Fall sein, denn: Ja, es bleibt bei der monatlichen Erscheinungsweise!

Dafür haben sich nahezu alle gut vierzig Leser*innen ausgesprochen, die meinem Aufruf aus der letzten Monatsbotin gefolgt sind und mir geschrieben haben, mit zum Teil sehr ausführlichen, fruchtbaren Vorschlägen für eine Neugestaltung. Und unschlagbar überzeugend fand ich die Argumentation von Holger F. aus Bielefeld: „Stell Dir den Aufwand vor, Du müsstest dann alle zu versendenden Mails in Zweimonatsbotin umschreiben. Das Wort allein sieht schon schrecklich aus.“ Stimmt haargenau – also bleibt es bei der Monatsbotin!

Ich werde aber dem Vorschlag von Margit M. aus dem Schwarzwald folgen und nun ab der nächsten Monatsbotin in jeder Ausgabe eins meiner nunmehr 44 Bücher vorstellen, in streng chronologischer Reihenfolge, mit einer kleinen Hintergrundgeschichte zu jedem einzelnen.

Die  Gewinner*innen der signierten Ausgabe von „Blindfisch“ bzw. „Unter meinen Händen“: Axel J. und Stefan R. (beide Berlin) und Michaela W. aus Cuxhaven. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Lesen!

Und was kommt?

Nun stehen neben der Schreib- und Recherchearbeit an meinem aktuellen Jugendbuch eine Reihe von Veranstaltungen an: Zunächst lese ich am 9. September im schleswig-holsteinischen Heide auf Einladung von „Westküste denkt queer“ aus meinem Roman „In die Welt“

In die Welt (Roman, 2020)

, dann werde ich am 15. September im Rahmen des Dyke-Dog-Literatursalons auf dem Podium des Literarischen Colloquiums Berlin zusammen mit Hengameh Yaghoobifarah und Kaśka Bryla, moderiert von Magda Albrecht, über Strategien und Perspektiven lesbischer Literaturproduktion diskutieren. Am 20. dann lese ich vor dem Planetarium in Prenzlauer Berg zum Internationalen Kindertag aus „Selina Stummfisch“ und anderen Büchern, um am 23. wiederum im Theater Morgenstern in Steglitz „Und wenn schon!“ zu präsentieren. 

Und dann geht es zur 15. Jugendbuchwoche in die schöne Fachwerkstadt Celle, um vom 26. bis zum 30. September täglich drei Lesungen in verschiedenen Schulen des Ortes und der Umgebung zu halten. Ein wahres Mammutprogramm also, das ich mit Vergnügen gestalten werde!

Alle Termine sind auf meiner Website und hier einzusehen!

Einen abwechslungsreichen September wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  4. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Åsa Larsson: Wer ohne Sünde ist. C. Bertelsmann, München 2022 / Larsson gilt als die große Landschaftskünstlerin der schwedischen Literatur, und genau das kann ich nur bestätigen:  Ich lese ihre spannungsreichen, sprachgewaltigen Romane besonders gern, um meine Sehnsucht nach Lappland wenigstens ein bisschen stillen zu können  … In ihrem sechsten und vorläufig letzten Band der Reihe um die in den Ort ihrer Kindheit zurückgezogenen Staatsanwältin Rebecka Martinsson verwebt Larsson geschickt zwei Handlungsstränge ineinander: Martinsson muss sich zum einen erneut mit ihrer tragisch-traumatischen Familiengeschichte auseinandersetzen, zum anderen den Fall eines nach Jahrzehnten aufgetauchten Toten untersuchen, den auch dessen Sohn, der Boxer Börje Ström, aufklären will. Beide kommen sich auf unangenehme Weise in die Quere … Ein Muss für Lappland-Fans, eine Bereicherung für alle, die tiefenpsychologische Kriminalromane schätzen.

 

Die Monatsbotin August 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Die beiden ersten Sommermonate hatten es in sich – vor allem mit positiven Nachrichten. Allen voran erreichte mich die überaus erfreuliche Mitteilung, dass der Deutsche Literaturfonds e.V. mich mit einem zehnmonatigen Stipendium bedacht hat, um meinen bereits in Arbeit befindlichen Jugendroman in Ruhe zu Ende schreiben zu können. Das hat mich sehr beglückt, ich musste in der Tat ein bisschen in meinem Arbeitszimmer umhertanzen und jubeln.

Genau passend dazu habe ich Ende Juni mein Co-Autorinnen-Buchprojekt in Rohfassung fertigstellen können und mich kurz danach an meiner aktuellen Neuerscheinung, dem Jugendbuch „Blindfisch „,

Blindfisch (ab 13, Verlag Friedrich Oetinger 2022)erschienen im Verlag Friedrich Oetinger, erfreuen können.

„Blindfisch“ ist mein 44. Buch und erzählt die Geschichte von Lon, 16 und am seltenen Usher-Syndrom erkrankt, das zum einen eine fortschreitende Schwerhörigkeit mit sich bringt, zum anderen in den meisten Fällen auch noch eine sich zusehends verschlechternde Sehfähigkeit, die zur völligen Erblindung führen kann. Das sich zunehmend verengende Gesichtsfeld wird zu einer echten Herausforderung, denn Lon erzählt niemandem davon, selbst der Mutter oder dem Arzt nicht. Und auch Nelly und Oscar, Lons Freunde, ahnen nichts.  Auf dem Weg in die Dunkelheit sehnt sich Lon nur nach einem: Liebe. Und schwankt dabei gehörig hin und her … im körperlichen wie übertragenen Sinne.

Ich selbst schwanke auch: Soll ich die Monatsbotin nach nunmehr 100 Ausgaben in dieser Variante beibehalten, oder wäre eine zweimonatliche Ausgabe attraktiver? Was sagt denn meine Leserschaft dazu, gibt es von dieser Seite vielleicht auch andere Vorschläge und Ideen? Unter allen Zuschriften, die mir dazu bis zum 15. August per Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de zugehen, verlose ich drei signierte Exemplare von „Blindfisch“!

Mitmachen können dabei natürlich auch die insgesamt 20 Teilnehmer*innen der diesjährigen Sommerakademie im Waldschlösschen bei Göttingen, mit denen ich vom 24. bis zum 31. mit viel Spaß, Vergnügen und Ideenreichtum beim Schreibworkshop zusammengearbeitet habe, zum nunmehr 12. Mal!

Und was kommt?

Und natürlich gingen und gehen auch die Vorbereitungen für das von mir ins Leben gerufene und kuratierte „Ruinenfestival Reichenow: Zukunft lesen„, das am letzten Berlin-Brandenburger Ferienwochenende vom 18. bis zum 21. August im märkisch-oderländischen  Reichenow stattfinden und im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“ – ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung von Kultur und Medien (Förderprogramm „Kultur in ländlichen Räumen“) und des Literarischen Colloquiums Berlin gefördert wird.  Das bunte Programm aus acht Lesungen und zwei Workshops richtet sich an alle Altersgruppen und will nicht nur Literatur aufs Land holen, sondern zum Zuhören und Mitreden anregen. Namhafte Kinder- und Jugendbuchautor*innen wie Anne Maar, Salah Naoura, Heike Brandt und Daniel Höra laden zur Auseinandersetzung mit Glück und Pech, Waffenhandel und braunen Sekten ein. Die Lyrikerin Marion Poschmann und der Autor und Kulturjournalist Alexander Osang präsentieren ihre Sicht auf Stadt, Land, Menschen und Natur, während Lutz van Dijk und Ibrahim Ndiaye den Blick über Europa hinaus auf ferne Länder richten. Ein Theaterworkshop der örtlichen Theatermacherin Janina Sasse lädt Jugendliche zum Mitmachen ein, während die Reichenower Schreibgruppe zum Biografischen Schreiben animieren möchte. Den Abschluss des Festivals gestalten eine Reihe von örtlichen Profi- wie auch Amateurautor*innen. Moderiert werden die Tage von Inga Selck, Moritz von Rappard, Manuela Kay und mir selbst, die dem ganzen mit Spannung entgegensieht. 

Wer also vom 18. bis 21. August nochmal so richtig in Kultur und Literatur schwelgen möchte, ist in Reichenow herzlich willkommen!

Einen entspannten August wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  3. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Helene Flood Aakvaag: Die Psychologin. btb, München 2022 / Saras Mann ist verschwunden. Sigurds letzter Anruf sollte sie beruhigen, aber nach und nach stellt sich heraus, dass er offenbar gelogen hat – statt mit Freunden in den Bergen zu einem Ausflug ist er offenbar ist seine eigene, abgelegene Hütte gefahren.  Und nicht nur das – Sara fühlt sich zusehends mehr bedroht. Jemand geht nachts in ihrem Haus ein und aus, und die Angst beginnt, zu einem alltäglichen Begleiter zu werden. Floods vielfach prämiertes Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine geschickt konstruierte Handlung mit Tiefgang aus, was es zu einer idealen Ferienlektüre macht.

 

Die minimale Monatsbotin Juli 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die … nein, hier kommt sie noch nicht, die hundertste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Aus gegebenem Anlass – Ferien nämlich! – fällt die Juliausgabe ausnahmsweise mit der Augustausgabe zusammen und erscheint in den ersten Augusttagen.  Dann aber gibt es reichlich Stoff zum Lesen, Hören und … Gewinnen! Bis zum August wünscht Karen-Susan Fessel sonnige Tage!

Die Monatsbotin Juni 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die neunundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Wonnemonat Mai hat mich tatsächlich mit schönem, nicht zu heißem Wetter, ein bisschen Regen und viel Arbeit erfreut. Meine beiden Buchprojekte – das Jugendbuch wie auch die Biografie, bei der ich als Co-Autorin (was hier deutlich besser passt als Ghostwriterin) tätig bin, gedeihen weiter vor sich hin, und der im Juli im Verlag Friedrich Oetinger erscheinende Jugendroman Blindfisch ist nach letzten Feinarbeiten in Druck gegangen. Mitte Juli wird der Roman dann erscheinen und damit mein Buch Nr. 44, passend zur dann 100. Ausgabe der Monatsbotin!

Natürlich gingen auch die Onlineworkshops, diesmal „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“, weiter. Und die Vorbereitungen für das von mir ins Leben gerufene und kuratierte „Ruinenfestival: Literatur lesen“, das vom 18. bis zum 21. August im märkisch-oderländischen Ort Reichenow stattfinden wird. Näheres dazu folgt in der nächsten Monatsbotin!

Und drei Lesungen standen auch wiederum an: Am 10. Mai hatte ich das Vergnügen, vor Erst-, Zweit- und Viertklässlern in der Stadtbibliothek Falkenhagener Feld aus „Frieda Fricke“, „Ein Stern namens Mama“ und anderen Kinderbüchern vorzutragen, am 18. Mai dann führte mich eine Lesung in der Klinik Dr. Fontheim – Mentale Gesundheit ins malerische Liebenburg nahe Goslar.  Vor rund dreißig Zuhörenden hatte ich die Ehre, die erste Veranstaltung nach gut zwei Jahren im dortigen Patiententreff abhalten zu dürfen und dabei „Paare mit Paketen“ zu präsentieren. Die vielen positiven Rückmeldungen nach der Lesung haben mich sehr erfreut und darin bestärkt, weiterhin solch schwierige Thematiken zu bearbeiten: „Ich fand es sehr ermutigend, von Paaren zu hören, die solche Krisen tatsächlich gemeinsam bewältigt haben“, erklärte eine der Zuhörenden. „Das gibt mir Hoffnung, eines Tages vielleicht auch einen Partner zu finden, der sich nicht wegdreht, wenn es mir schlechtgehen sollte!“

Meine eigene heißgeliebte Partnerin wiederum feierte im Wonnemonat Mai ihren 50., was wir mit gemeinsam mit zwei Freunden mit einer höchst eindrucksvollen und lustigen Kurzreise nach Görlitz, die vielleicht schönste Stadt Deutschlands, gebührend feierten.

Und was kommt?

Eine weitere Reise nach Pfingsten, wiederum privater Natur, denn mein liebes Mütterchen will im lauschigen Meppen mal wieder besucht werden. Aber natürlich geht die Arbeit an meinen aktuellen Projekten weiter, desgleichen am Podcast „Butchfunk – Lässig. Lustig. Lesbisch.“, dessen Juniausgabe ab dem 2. Juni zu hören ist. Die Pop-Redakteurin des Berliner Tagesspiegel, Nadine Lange klärt diesmal darüber auf, was Popkultur eigentlich bedeutet und welche interesseranten Stars noch auf ihrer Interview-Wunschliste stehen. Diese und die vorigen sieben Folgen sind zu hören auf vielen Plattformen, unter anderem auch hier auf Pink.Life. Und: Wem es gefällt, nicht vergessen, zu liken und zu abonnieren!

Einen schönen, milden Juni wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  2. Juni; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Lizzie Doron: Was wäre wenn. dtv, München 2020 / Yigal, ein Kindheitsfreund, bittet Lizzie an sein Sterbebett, vierzig Jahre nachdem sie sich zum letzten Mal gesehen haben. Einst hatte Lizzie, Tochter einer Holocaust-Überlebenden, ihn als Verräter angesehen, da er sich nach seinem Wehrdienst gegen die Siedlungspolitik Israels gestellt hatte. Jetzt, so viele Jahre danach, sieht Lizzie ihn und sich selbst in einem neuen Licht – und muss ihre eigenen politischen und persönlichen Maßstäbe noch einmal ganz neu in Frage stellen. Ein sehr tiefsinniger, nachdenklich machender Roman der israelischen Autorin, deren literarische Stärke mit jedem autobiografischen Roman weiter anwächst, statt sich abzunutzen und zu verflachen.