Die Monatsbotin Januar 2021 / Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die vierundachtzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Und: Wer nicht lesen will, kann hören: hier!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein nicht ganz so ruhiger Dezember, wie es der erneute Corona-Lockdown hätte erwarten lassen können, liegt hinter mir. Die besinnliche Adventsstimmung fiel, so kam es zumindest mir vor, bundesweit aus, vielleicht auch, weil ich reichlich zu tun hatte. Nach monatelanger Veranstaltungsdürre hatte ich schon im Frühjahr beim ersten Lockdown drei Lesungen, die über den Berliner Autorenfonds gefördert wurden, in den Dezember verschoben, und diese fanden dann tatsächlich auch statt; allerdings nicht in den Bibliotheken für je zwei Klassen wie ursprünglich geplant, sondern in den jeweiligen Schulen und stets nur für eine Klasse: Am 1. Dezember las ich also für Achtklässler im Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium, am 9. Dezember in der Lichtenrader Annedore-Leber-Grundschule und am 10. Dezember in der Grundschule am Tempelhofer Feld. Dazu kam zu meiner Freude noch eine weitere Lesung am 11. Dezember in der Johanna-Eck-Schule in Tempelhof, meiner speziellen Partnerschule, deren neu im Entstehen begriffene Schulbibliothek nach mir benannt werden wird. Unter dem neuen Schulleiter Engin Catik und dem regen Verwaltungsleiter Axel Jürs mausert sich die einst so umstrittene Sekundarschule langsam zu einem Vorzeigeobjekt, in dem die aktive Miteinbeziehung der Schüler*innen bereits jetzt, ein knappes Jahr nach dem Leitungswechsel, Früchte trägt. Selten habe ich an einer Oberschule eine so entspannte und freundliche Atmosphäre erlebt wie hier; ich freue mich auf weitere Termine vor Ort.

Am 17. und 18. Dezember dann hielt ich noch drei weitere sehr rege Onlinegespräche mit der Luzerner Hubelmattschule, deren 9.-Klässler allesamt mein Jugendbuch „Liebe macht Anders“ gelesen und bearbeitet hatten. Und auch mit der Wiener Buchhandlung Löwenherz war ich online im Gespräch und las noch dazu eine halbstündige Passage aus meinem aktuellen Roman „In die Welt“ vor.

Alles in allem, so mein Fazit für dieses gebeutelte Lesungsjahr, funktionieren Online-Lesungen und -veranstaltungen durchaus, vor allem, wenn sie von allen Beteiligten gut vorbereitet sind, aber lieber lese ich live. Doch das geht vermutlich fast allen Autor*innen so … der direkte Kontakt zum Publikum ist einfach nicht zu ersetzen. Und außerdem – da stimmen mir die meisten Kolleg*innen sicher ebenfalls zu – sieht man online einfach meistens viel unattraktiver aus als in natura. Ich jedenfalls, und damit lüfte ich jetzt ein lange gehütetes Geheimnis, habe immer den Eindruck, dass meine Zähne am Bildschirm viel schiefer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Vom dadurch begünstigtem unvorteilhaften Schattenwurf ganz zu schweigen …

Gleiches gilt auch für Interviews, von denen ich bislang insgesamt acht für mein in Arbeit befindliches Reportagebuch „Paare mit Paketen“ geführt habe, sieben davon vor Ort, eines per Zoom. Der Band, der im Frühjahr beim psychiatrie-Verlag erscheinen wird, porträtiert elf Paare, von denen ein oder beide Partner an psychischen Erkrankungen leiden oder gelitten haben. Zwei Paare werde ich Mitte Januar in Süddeutschland interviewen, ein drittes und letztes Paar dann wiederum online.

Die Arbeit an diesem Buch macht mir ungemein viel Freude, liebend gern würde ich dreimal so viele Paare interviewen und an den jeweiligen Texten arbeiten, aber leider ist der Platz begrenzt. Doch wer weiß, ob es nicht einen weiteren Band geben wird oder ein ähnliches Projekt ….

Und was kommt?

Leider keine Lesereise in die schöne Schweiz, genauer gesagt in den Kanton Zürich. Nach 19 Jahren in Folge vermasselt mir Covid 19 das kleine Jubiläum zum 20-jährigen, aber das lässt sich nun mal nicht ändern (es sei denn, ich würde nach meiner Rückkehr nach Deutschland dann zwei Wochen in Quarantäne gehen, was ich natürlich nicht möchte). Aber das Volksschulamt hatte wohlweislich vorgesorgt und die Schulen verpflichtet, die Lesungen und Workshops online stattfinden zu lassen – oder in voller Höhe zu entschädigen. Und so kommt es, dass ich dann am 11. und 12. Januar je zwei Lesungen in Kloten und Illnau halte und vom 13. bis zum 15. Januar Schreibworkshops in Stäfa und Dietlikon, das alles online natürlich. Vor allem auf die Workshops bin ich gespannt, denn das ist Online-Neuland für mich.

Danach mache ich mich dann wieder an das „Paare mit Paketen“-Buch, auf geht es zu den letzten Interviews nach Süddeutschland, und im Anschluss dann an die Ausarbeitung der letzten Texte. Außerdem habe ich einige kleinere Lektoratsarbeiten vor mir und noch dazu natürlich die weiterhin laufenden Onlineworkshops. Danach steht dann ein größeres Lektorat ins Haus, und dann eine Textprobe für ein neues Jugendbuch, das mir schon seit längerem im Kopf herumgeistert. Anschließend … ach, das reicht doch fürs Erste, glaube ich. Ich möchte ja auch nicht zu weit vorgreifen, sondern erstmal mit Schwung ins neue Jahr starten!

Einen beflügelten Januar wünscht Karen-Susan Fessel

Online Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 4. Januar und 1. Februar; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Jo Nesbø: Ihr Königreich. Ullstein, Berlin 2020 / Roys kleiner Bruder Carl kommt nach gut einem Jahrzehnt zurück auf den einsamen Berghof oberhalb des kleinen norwegischen Ortes. Aber er kommt nicht allein, sondern mit seiner geheimnisvollen frischgebackenen Ehefrau, der Architektin Shannon. Gemeinsam wollen die beiden ein riesiges Hotelprojekt aufziehen, für das sie allerdings die Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft brauchen. Letzteres gelingt ihnen, aber mit dem Beginn der Bauarbeiten kommen nicht nur ein paar Felsbrocken ins Rollen, sondern zugleich ein paar lange gehütete Geheimnisse ans Tageslicht. Roy sieht sich gezwungen, einzugreifen … Nesbø ist es mit diesem umfangreichen Roman gelungen, genau wie seine Figuren neues Terrain zu betreten und eingetretene, sehr gut gangbare Pfade zu verlassen. Spannende, klug ausgetüftelte Lektüre für lange, dunkle Winterabende.

Karen-Susan Fessels EXTRA-Monatsbotin Dezember 2020

Einmal zum Gucken, einmal zum Hören:
Karen-Susan Fessels Laudatio zur virtuellen Preisverleihung des Förderpreises „Verein(t) für gute Kita und Schule“ 2020 ab dem 8. Dezember um 12h hier zu sehen

und

ein ausführliches Gespräch mit dem Wiener Buchhändler Veit Georg Schmidt mit Karen-Susan Fessel über „In die Welt“ samt Audiolesung ab dem 20. Dezember um 16h hier zu hören.

Viel Spaß und eine schöne Weihnachts- und Winterzeit wünscht Karen-Susan Fessel

Die Monatsbotin Dezember 2020 / Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die dreiundachtzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Und: Wer nicht lesen will, kann hören: hier!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Gleich zwei Monate liegen hinter mir, die ich jetzt tunlichst zusammenfassen möchte, um meiner werten Leser*innenschaft einen Rundumeinblick in mein Schaffen in dieser Zeit zu geben. Da muss ich nun ja richtig weit zurückblicken – in den Oktober, der sehr weit zurückzuliegen scheint. Einigermaßen von meiner zweiten Karpaltunneloperation (diesmal der rechten Hand) genesen, gelang es mir tatsächlich noch, gerade rechtzeitig vor dem nächsten Teillockdown eine Lesereise nach Baden-Württemberg zu unternehmen. Am 11. Oktober also reiste ich auf Einladung der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen nach Baden-Württemberg und besuchte im Laufe der Woche Schulen und Bibliotheken in Lehrensteinsfeld, Unterriet, Untergruppenbach, Nürtingen, Deggingen, Schwaikheim und Gerstetten. Meistgewünschter Titel dabei: „Frieda Fricke, unmöglich“. Das bedeutete, ich hatte jede Menge 8-10-Jährige vor mir, allerdings nicht so viele wie ursprünglich geplant – denn die Teilnehmer*innenzahl wurde durch die steigenden Corona-Zahlen deutlich nach unten begrenzt. Und fast hätte alles dann doch nicht geklappt, denn unmittelbar vor Antritt der Reise wurde Berlin zum Corona-Hotspot erklärt. Und gleich das erste Hotel, das ich nach siebenstündiger Autofahrt erreichte, wollte mich dann deshalb auch nicht beherbergen. Doch zum Glück hatte ich akribisch vorgesorgt und einen nagelneuen Covid-19-Test sowie eine Bescheinigung dabei, dass ich mich nach dem Test nicht in Berlin-Kreuzberg, sondern im Brandenburgischen aufgehalten hatte. So klappte es denn doch noch mit der Übernachtung, misstrauisch beäugt wurde ich vom Hotelpersonal dennoch. Die weiteren vier Nächte jedoch verbrachte ich dann allesamt in einem Reutlinger Hotel, statt täglich weiterzureisen, denn auch die danach gebuchten Hotels wollten einen max. 48 Stunden alten Covid-19-Test vorgelegt wissen, was mir verständlicherweise nicht möglich war. Aber immerhin konnte ich im Freiluftpool jeden Tag schwimmen, allerdings mit mehreren Schichten Pflastern und Plastikhandschuhen um die frische OP-Narbe. Nun, die Corona-Regelungen haben eben so ihre Tücken, aber immerhin ging dann bei den Lesungen alles glatt und es machte mir wirklich viel Freude, aus „Frieda Fricke“ vortragen zu können. Autogrammkarten konnte ich hingegen nur bedingt verteilen, auf Zuruf aus der Ferne nämlich, was nur bei einer kleinen Teilnehmer*innenanzahl möglich war.

Die weiteren geplanten Lesungen wurden dann allesamt abgesagt oder verschoben, so auch meine Reise zu den Bad Harzburger Kinder- und Jugendbuchwochen, die Lesungen in Berlin-Falkenhagener Feld, Falkenberg/Elster und Luzern wie auch der Schreibworkshop in Bremen. Letzterer ist nun für das Wochenende 26. und 27. Juni 2021 geplant, die Reise nach Bad Harzburg ist auf den Oktober kommenden Jahres verschoben, und zwei der Luzerner Lesungen habe ich online durchgeführt, weitere folgen dann noch am 17. und 18. Dezember. Geht also auch und macht sogar Spaß – auch das Autogramme schreiben über knapp tausend Kilometer Entfernung hinweg!

Sehr beschäftigt war ich dann im Oktober noch – abgesehen von den weiter gut laufenden Online-Workshops – mit den Vorbereitungen für mein aktuelles Buchprojekt: Für den Psychiatrie-Verlag arbeite ich an einem Band mit Reportagen von Paaren, die – entweder eine/r oder beide – an psychischen Erkrankungen leiden oder gelitten haben. Die Vorauswahl zu treffen, war allein schon nicht einfach; auf einen öffentlichen Aufruf des Verlages hin, erschienen auf mehreren Plattformen, meldeten sich zahlreiche interessierte Paare, die ich am liebsten allesamt interviewt hätte. Aber nur elf fanden aus Platzgründen schließlich den Weg in die Endauswahl. Drei in Berlin ansässige habe ich bereits im Oktober interviewt und vier weitere Paare auf einer eigens dafür geplanten kleinen Rundreise durch Nord- und Mitteldeutschland. Die letzte vier Interviews stehen dann im Dezember und Januar noch an. Das war ungemein spannend und vor allem sehr intensiv, eigentlich habe ich auf und nach der Reise kaum eine Nacht richtig geschlafen, weil mich die Gespräche so sehr beschäftigt haben.

Und was kommt?

Nun geht es an die Ausarbeitung und teils auch schon Überarbeitung der Texte, was mir ausnehmend viel Freude macht – gut und gern könnte ich mich damit noch ein weiteres halbes Jahr beschäftigen, aber Abgabe des gesamten Textes ist bereits im Januar. Schade fast!

Die Überarbeitung der Sonderedition meines vergriffenen Kinder- und Jugendbuches „GG-was ist das?“ hingegen habe ich ausgesetzt; die Geschichten selbst bleiben in der Originalform bestehen, ein neuer Mantelteil wird aber von einem Autorenkollektiv übernommen, was mir sehr gut passt. Mehr dazu, wenn das ganze aktuell wird.

Und Lesungen gibt es auch noch im schönen Dezember, drei durch den Berliner Autorenfonds geförderte und aus dem Frühjahr verschobene nämlich: am 1. Dezember im Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasium, am 9 Dezember in der Lichtenrader Annedore-Leber-Grundschule und am 10. Dezember in der Grundschule am Tempelhofer Feld. Wollen wir hoffen, dass Corona hier nicht noch einen letzten Strich durch die Rechnung macht!

Ja, und jetzt doch noch mal eine kleine Erklärung: Die letzte Monatsbotin musste leider ausfallen, nicht etwa, weil ich durch Covid-19 lahmgelegt wurde, sondern weil sich die Operationsnarbe an meiner rechten Hand fünf Wochen nach der Karpaltunneloperation schwer entzündet hatte. Zwei Wochen lang durfte ich also das rechte Handgelenk, das mit einer Schiene zudem stillgelegt war, nicht bewegen, eine wahre Tortur für mich, die ich doch täglich tippe oder per Hand schreibe. Aber nun ist alles fast wieder gut. Deshalb:

Einen friedlichen Dezember wünscht Karen-Susan Fessel

Online Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 3. Dezember und 6. Januar; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Randi Crott und Lilian Crott Berthung: Erzähl es niemandem. Die Liebesgeschichte meiner Eltern. Dumont, Köln 2013 / Lilian ist 19, als sie den deutschen Soldaten Helmut kennen- und liebenlernt. Das aber darf zunächst niemand erfahren, den Lilian lebt in Norwegen und Helmut ist feindlicher Besatzer – und Sohn einer jüdischen Mutter. Die Liebenden müssen schweigen, aber natürlich bleibt die Liaison den Nachbarn in der nordnorwegischen Kleinstadt nicht verborgen. Nun sind beide in Gefahr … Erst viele Jahrzehnte später lüftet Lilian ihrer Tochter gegenüber das Geheimnis. Und gemeinsam machen die beiden Frauen sich auf die Reise in die Vergangenheit. Ein sehr bewegendes biografisches Buch, das noch dazu ausnehmend gut geschrieben ist! // Deniz Ohde: Streulicht. Suhrkamp, Berlin 2020 / Die Mutter der namenlosen Ich-Erzählerin stammt aus der Türkei und kann kaum lesen und schreiben, der Vater, deutscher Arbeiter, spricht kaum, schlägt seine Frau und sammelt alles, was man noch gebrauchen könnte. Was soll aus der Tochter solcher Leute schon werden? Deniz Ohde, 1988 in Frankfurt/Main geboren, macht sich auf Spurensuche im Ruhrpott und zeichnet dabei das eindringliche Bild einer mehrdimensionalen Klassengesellschaft, in der die Einsamen von vorneherein die Verlierer zu sein scheinen. Aber sie zeigt auch, wie es gelingen kann, sich daraus herauszukämpfen. Selten habe ich einen deutschen Roman gelesen, der Sprachlosigkeit auf vielen Ebenen so wortreich und detailliert beschreiben kann. Ein großer Erstlingswurf! // Heidi Benneckenstein: Ein deutsches Mädchen. Mein Leben in einer Neonazi-Familie. Tropen, Stuttgart 2019 / Ebenfalls eine Parallelgesellschaft wird in dieser Autobiografie präsentiert, auf andere Art eindringlich: Benneckenstein, geboren 1992, wächst in einer stramm rechten Familie auf; ihr Lebensweg scheint vorprogrammiert: Kinder, Küche, Linientreue. Doch sie bricht aus, gemeinsam mit ihrem Mann kehrt sie dem Neonazimilieu den Rücken. Was genau jedoch den Antrieb dazu gab und wie die Autorin ihre neuen Überzeugungen gewinnt, bleibt letztlich nebulös, und genau deswegen wirkt dieses „Aussteigerbuch“ am Ende dennoch unentschlossen. Sehr bestürzend jedoch die Beschreibungen der Kinder- und Jugendcamps der Heimattreuen deutschen Jugend, in denen noch heutzutage junge Menschen auf nationalsozialistische Spur gedrillt werden, und deshalb durchaus lesenswert.

Besondere Paare gesucht – für Karen-Susan Fessels neues Buchprojekt

Mitwirkende gesucht! Paare mit Gepäck – Beziehungsporträts von Menschen mit einer psychischen Erkrankung

Für ein neues Buchprojekt suchen wir Paare, die mit einer psychischen Erkrankung umgehen müssen!

Bei Paaren, von denen ein Partner, vielleicht aber auch beide, unter psychischen Problemen leidet, potenzieren sich die Problematiken, heißt es. Aber ist das wirklich und immer so?

Wie lebt es sich als Paar mit psychischen Problemen im Gepäck? Erzählt man gleich, was einen so umtreibt und festhält? Wie lernt man sich überhaupt kennen, und wann kommt die Wahrheit auf den Tisch?
Entwickeln Paare, die mit einer oder mehreren psychischen Erkrankungen umgehen müssen, ganz eigene Strategien in der Alltagsbewältigung? Entsteht vielleicht eine sogar fruchtbare Dynamik? Wer stützt wen, und gibt es darin ein Gleichgewicht? Oder braucht es das gar nicht?
Wie gelingt es, Schwere in Leichtigkeit aufzulösen und sich den eigenen Humor zu bewahren?

Karen-Susan Fessel spricht mit betroffenen Paaren unterschiedlichen Alters und Geschlechts bei ausgiebigen Kaffeegesprächen in privatem Rahmen und lockerer Atmosphäre über die Schwierigkeiten, aber auch eventuellen Vorteilen, die eine anscheinend vorrangig problematische Grundkonstellation mit sich bringt.

Die in privatem Rahmen entstandenen Interviews werden von der Autorin zu jeweils ca. zehn- bis fünfzehnseitigen Reportagen verdichtet und von schwarz-weißen Porträtfotos (Fotograf: Werner Krüper) der jeweiligen Paare illustriert. 

Wir freuen uns sehr, wenn Sie und Ihr*e Partner*in Teil dieses Buchprojekts sein möchten, und sind gespannt auf Ihre Geschichten!

Zuschriften bitte per E-Mail an: kluenter@psychiatrie-verlag.de

Betreff: Buchprojekt Paare mit Gepäck

Einsendeschluss ist der 31.10.2020

Autorin: Karen-Susan Fessel ist Schriftstellerin und lebt und arbeitet in Berlin. Seit 1994 sind mehr als dreißig Romane und Erzählungen für Kinder, Erwachsene und Jugendliche erschienen, die teils mehrfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. 2020 wurde ihr für ihr literarisches Schaffen und soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Fotograf: Werner Krüper absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger, dann wandte er sich der Fotografie zu und studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld. Seit 1990 ist er als freier Fotograf tätig. Sein Interesse für die Menschen, die Pflege in Anspruch nehmen, ist ihm geblieben und schlägt sich unter anderem in Arbeiten für Institutionen und Medien im sozialen Bereich nieder. Für das Erfahrungsbuch »Die Hoffnung trägt« mit Recoverygeschichten von psychisch erkrankten Menschen, das im BALANCE buch + medien verlag erschienen ist, hat er die Porträtfotos gemacht. Weitere Informationen und Fotos unter www.werner-krueper.de

Die Monatsbotin Oktober 2020 / Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundachtzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Und wer die Monatsbotin lieber hören möchte: Hier geht das!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein durchmischter September liegt hinter mir – zunächst aber freute ich mich noch sehr daran, dass mein Computer dann doch gerettet werden konnte, nachdem er Ende des Monats nach einem Update komplett abgestürzt war. Jetzt läuft er schneller denn je, eine Wohltat!

Nur kann ich ihn derzeit kaum nutzen, denn gegen Ende des Monats musste ich mich einer lange fälligen Handoperation unterziehen. Mich ereilte das Karpaltunnelsyndrom, ein unangenehmes Leiden, das Vielschreibern, aber auch Feinmechanikern, Schustern und anderen feinteilig Arbeitenden wohlbekannt ist. Was zur Folge hat, dass diese Monatsbotin sehr kurz ausfällt, ich muss nämlich mit links tippen, die rechte Hand ist erst wieder in ein, zwei Wochen richtig einsatzfähig.

Vorher aber gab es noch neben der Arbeit an den Onlineworkshops und einigen Lektoraten zwei sehr gelungene Veranstaltungen: Am zweiten September-Wochenende hatte ich das Vergnügen, eine sehr nette und fröhliche Truppe hessischer HIV-Positiver zunächst mit einer Lesung aus „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ und dann mit einem Schreibworkshop zu erfreuen. Die entstandenen Texte setzten mich, wie so oft, in Erstaunen – ich finde es immer wieder aufs Neue sehr spannend und oftmals auch bewegend zu entdecken, welche Talente und Geschichten in den Menschen so schlummern. Umso schöner, wenn diese dann ans Tageslicht treten dürfen …

Von da aus ging es dann schnurstracks ins brandenburgische Falkensee, um dort im Regenbogencafé erstmalig live aus meinem neuen Roman „In die Welt“ vorzulesen. Eine wirklich denkwürdige Freiluftpremiere, bei der auch viel gelacht wurde; was mich besonders erfreute. Hatte ich mein eigenes Buch doch gar nicht so lustig in Erinnerung. Eine schöne Überraschung für mich und eine gelungene Veranstaltung!

Und was kommt?

Wiederum weiter geht es mit allen anstehenden Projekten und Online-Workshops. Auch die Sonderedition meines vergriffenen Kinder- und Jugendbuches „GG-was ist das?“ harrt noch immer der Überarbeitung. Außerdem beginne ich ein neues Buch, diesmal allerdings kein Roman und auch kein Kinder- oder Jugendbuch, sondern ein Band mit Porträts von ganz besonderen Paaren. Mehr dazu in der nächsten Monatsbotin!

Und: Es geht wieder auf Lesereise! Vom 12. bis zum 16. Oktober reise ich auf Einladung der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen durch Baden-Württemberg und besuche dabei Schulen und Bibliotheken in Lehrenssteinsfeld, Unterriet, Untergruppenbach, Nürtingen, Deggingen, Schwaikheim und Gerstetten. Meistgewünschter Titel dabei: „Frieda Fricke, unmöglich“. Das heißt, ich werde viele aufgeregte 8- bis 10-Jährige vor mir haben. Wie und ob ich in diesen Corona-Zeiten dem jungen Publikum dann die sonst so heißbegehrten Autogrammkarten geben kann, berichte ich in der kommenden Monatsbotin.

Für die letzte Oktoberwoche ist dann eine Lesereise ins sachsen-anhaltinische Bad Harzburg geplant. Auch davon werde ich berichten – und nun meine armen Finger schonen. „Ausgelesen“ fällt deshalb diesmal aus. Dabei liegen schon vier Bücher auf meinem Tisch, die auf eine Besprechung warten …

Einen stürmisch-fröhlichen Oktober wünscht Karen-Susan Fessel

Online Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 5. Oktober und 2. November; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Die Monatsbotin September 2020 / Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundachtzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Und: Die Monatsbotin zum Hören wird aus technischen Gründen erst in den nächsten Tagen nachgeliefert!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein höchst interessanter August liegt hinter mir – zwar hielt die Sommer- und noch dazu die Coronapause noch an, aber ich hatte dennoch allerlei zu erledigen: Zu meiner Freude haben meine Online-Workshops regen Zulauf, nebst dem Kreativ-Quickie vor allem auch das Biografische Schreiben. Wie das funktioniert? Ich gebe per Mailanhang Aufgaben, die in einer gewissen Zeit erledigt werden (Schreibaufgaben natürlich, beim BIografischen Schreiben kommt auch ein Fragebogen zum Einsatz). Beim Kreativ-Quickie sind das immer 48 Stunden, bei den anderen Workshops in der Regel zehn Tage, aber es kann auch ein individueller Zeitraum vereinbart werden. Dann begutachte ich den Text (und kommentiere und redigiere ihn bei den „größeren Workshops“ zusätzlich) und schicke ein ausführliches Feedback zurück, zusammen mit der neuen Aufgabe/dem neuen Modul. Und so geht es dann munter weiter … Mir macht das immer viel Spaß, vor allem, weil es immer wieder neue Überraschungen gibt, vorrangig im positiven Sinne!

Weiterhin habe ich natürlich einige eigene Buchprojekte in Planung, aber da ist noch nichts richtig spruchreif oder gar unter Dach und Fach. Was ich allerdings auch erst sagen dürfte, wenn der jeweilige Vertrag unterschrieben ist, und auch dann muss noch eine Weile Geheimniskrämerei betrieben werden – damit nicht etwa andere auf die Idee kommen, sich mit der gleichen Idee zu befassen …

Das heißt, dass ich leider offiziell nicht allzuviel zu berichten habe, obwohl inoffiziell ziemlich viel los ist zurzeit. Und dann passierte allerdings in der letzten Augustwoche das, was alle Menschen, die am Computer arbeiten, sehr fürchten: Mein PC stürzte nach einem Update ab und präsentierte sich mir nur noch mit schwarzem Bildschirm.

Die Ferndiagnosen diverser Computerspezialisten zeichneten noch dazu ein tiefschwarzes Bild. Aber dank des grandiosen Einsatzes eines Fachmannes, der mir über einen lieben Freund vermittelt wurde. musste ich nur eine Woche auf mein Arbeitswerkzeug verzichten. Nun ist er wieder wie neu, mein schöner All-in-One-PC, und in Zukunft werde ich auch immer brav täglich meine externe Festplatte anschließen und ein Backup machen. Puh, gerade noch mal gut gegangen!

Und eine Lesung gab es dann auch noch, am 30. August im ehemaligen Luftkurort Hangelsberg, unweit von Berlin. Der Verein Historischer Bahnhof Hangelsberg e.V., der sich für die Restaurierung und (kulturelle) Neubewirtschaftung eines der ältesten Bahnhöfe Deutschlands einsetzt, hatte mich eingeladen, sein Sommerfest mit einer Lesung für Kinder aus „Frieda Fricke, unmöglich“ zu bestücken. Aber nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen lauschten und amüsierten sich, eine rundum gelungene Veranstaltung, gekrönt von einer charmant geführten Sightseeingtour per Rad.

Dass ich dann hinterher auf dem Rückweg mit dem Rad quer durch den Wald auf dem Weg zum nächsten Bahnhof Fangschleuse genau in den einsetzenden Starkregen hineinfuhr und klatschnass noch gut eine Stunde mit Regional-, S- und U-Bahn unterwegs war, konnte den schönen Nachmittag aber nicht schmälern …

Veröffentlicht habe ich auch etwas: einen dreiseitigen Text zum Thema Tod im gleichnamigen Konkursbuch 56, das sich ungemein lesenswert mit Ansichten über und vom Tod beschäftigt. Herausgekommen ist dabei ein dicker Wälzer, mit dem es sich trefflich an dunkler werdenden Herbsttagen zurückziehen lässt.

Und was kommt?

Na, weiter geht es mit allen anstehenden Projekten und Online-Workshops. Außerdem wartet eine Sonderedition meines vergriffenen Kinder- und Jugendbuches „GG-was ist das?“ auf die Überarbeitung. Und eine Lesung samt Kurz-Schreibworkshop für HIV-Positive im hessischen Knüllwald ist auch geplant, worauf ich mich sehr freue – die Arbeit mit HIV-Positiven macht mir ja immer sehr viel Freude.

Aber dann wird es nicht so schön: Die dringend nötige zweite Handoperation steht an; ein ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom macht mir zusehends das Leben schwer. Am 23. September ist nun nach der linken die rechte Hand dran, und das heißt, dass ich danach dann mindestens zwei Wochen nicht mehr fröhlich in den PC tippen kann, geschweige denn mit der Hand schreiben. Die Oktober-Monatsbotin wird also sehr kurz ausfallen müssen, wofür ich schon vorab um Verständnis bitte. Aber danach geht es dann umso frischer ans Werk!

Einen milden September wünscht Karen-Susan Fessel

Online Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 3. September und 1. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Alice Sebold: Glück gehabt. Manhattan, München 2004 (vergriffen, antiquarisch erhältlich). / Auch beim dritten Lesen bin ich wieder beeindruckt und ergriffen: Sebold, die mit „Unter meinem Himmel“ (dessen ungewöhnliche Perspektive mich ebenfalls nachhaltig beeindruckte) zu Weltruhm kam, wurde mit 18 Jahren als frischgebackene Studentin auf ihrem Campus vergewaltigt. Der aufnehmende Polizeibeamte erklärte ihr, da habe sie noch Glück gehabt, an derselben Stelle sei kurz zuvor eine junge Studentin nicht nur ebenfalls vergewaltigt, sondern zudem noch ermordet worden. Sebold verarbeitet ihre Geschichte nicht nur literarisch auf erstaunlich bewegende und dabei sachliche Weise, sondern setzte sich auch gesellschaftspolitisch stark dafür ein, Männergewalt gegen Frauen nicht weiter unter den Tisch fallen zu lassen. Einfach hervorragend, nicht nur das Buch …