Zwei Geschichten zum Thema HIV von Karen-Susan Fessel

Soeben erschienen ist die Neuauflage der Broschüre „Wie sag ich’s meinem Kind? – Tipps und Anregungen für Eltern, die mit HIV leben“, herausgegeben von der Deutschen Aidshilfe, mit zwei Einlegern: Die Geschichten „Pinkie Pop und Pinkie Pups“ und „Ponkie Puh und du“ von Karen-Susan Fessel, die sich an Kinder und Jugendliche von Eltern mit HIV richten und in denen die HIV-Infektion der Eltern altersgerecht thematisiert wird. Als Printausgabe bestellbar oder direkt zum Herunterladen unter https://www.aidshilfe.de/shop/sag-ichs-meinem-kind.

dav

 

Schreibworkshop „Biografisches Schreiben für Frauen jenseits der Lebensmitte“ im emsländischen Meppen

So frisch vereinbart, dass es noch nicht einmal auf der aktuellen Programmseite der Koppelschleuse steht: Karen-Susan Fessels beliebtester Schreibworkshop „Biografisches Schreiben für Frauen jenseits der Lebensmitte“ erfährt eine Neuauflage – im emsländischen Meppen, wo das Jugend- und Gästehaus einige Zimmer für auswärtige Teilnehmerinnen bereithält.

Natürlich ist der Workshop auch ohne Übernachtung buchbar; eine rasche Anmeldung wird empfohlen, denn die Teilnehmerinnenanzahl ist begrenzt!

„Das interessiert doch sowieso niemanden!“ bis hin zu „Irgendwann schreibe ich noch mal ein Buch über mein Leben“ – so weit reicht die Bandbreite dessen, was viele, insbesondere ältere Frauen über ihre ganz eigene (Lebens-)Geschichte denken.

Dabei hegen viele, wenn auch oft nur insgeheim, den Wunsch, das, was sie erlebt haben, was ihnen geschehen und manchmal auch zugestoßen ist, sich von der Seele oder einfach mal aufzuschreiben und damit festzuhalten, ob für sich oder für andere: Kinder, Verwandte, Freundinnen, nachfolgende Generationen.

Einen Schritt weiter über die Tagebuchaufzeichnung hinauszugehen, lebendige und lesenswerte Texte zu verfassen, in deren Zentrum die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse stehen, dazu will dieser Workshop Gelegenheit geben. Sich „den Kummer von der Seele schreiben“ oder Spaß haben mit Stift und Papier: Alles ist möglich. Unter fachkundiger Anleitung und praktischer Hilfestellung der Schriftstellerin Karen-Susan Fessel (geb. 1964 in Lübeck, aufgewachsen in Meppen, lebt in Berlin) entstehen kürzere Texte, die auf Wunsch auch in der Gruppe vorgestellt und diskutiert werden können. Dazu werden Tipps zum Handwerk des Schreibens und ein Grundgerüst für die eigene Biografie vermittelt. Auch des Schreibens Ungeübte sind herzlich willkommen!

Termin: 26./27. Oktober 2019.

Kurszeiten: Sa, 14-18h und So, 10-13h und 14-17h.

Kosten: Mit Ü von Samstag auf Sonntag, Abendessen am Samstag, Frühstück und Mittagessen am Sonntag: 142 €; Mit Abendessen am Samstag und Mittagessen am Sonntag: 99 €

Anmeldung unter info@koppelschleuse.de oder auch hier.

 

Die Monatsbotin April 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein wechselhafter Monat liegt hinter mir, in dem ich mich hauptsächlich in der Tat mit meiner Haupttätigkeit befasste: Schreiben! Und zwar wiederum in der Hauptsache, aber nicht nur, mit meinem in Arbeit befindlichen Roman, der mittlerweile den Arbeitstitel „Anderswo“ trägt. Vor einem Monat hatte ich noch hoffnungsvoll in Aussicht gestellt, diesen Monat die 250-Seiten-Marke zu überschreiten; daraus ist leider nichts geworden: 187 Seiten sind es nun. Was keineswegs etwa daran liegt, dass ich nur wenig weitergeschrieben hätte, sondern daran, dass ich viel schrieb und viel wieder herausstrich und umarbeitete.

Aus drei geplanten Teilen wurden fünf, daraus wiederum sieben; aus zunächst geplanten 350 Seiten Umfang wurden nun ca. 500 – ersichtlich ist daraus gewiss, dass sich das Konstrukt eines „großen“ Romanes sich manchmal – wenn auch bei mir sehr selten – unter der Arbeit verändern kann. Aber das gehört dazu, und es kann auch Spaß machen, vor allem, wenn man einen so verständnisvollen Verleger wie Jim Baker an seiner Seite weiß.

Vorgelesen habe ich aber auch: am 26. März in der Stadtteilbibliothek Marienfelde vor sehr jungem, sehr begeistertem Publikum, nämlich zwei zweiten Klassen, die  erstaunlich ruhig den Abenteuern Frieda Frickes lauschten …

Und natürlich war ich auf wieder auf der Leipziger Buchmesse unterwegs, und zwar am 21. März als Gast auf der von der sehr rührigen und wichtigen Initiative #verlage gegen rechts initierten Podiumsdiskussion „Bei aller Toleranz. Eine Broschüre, ein Bildungsplan und die Angst vor „Frühsexualisierung““. Das Publikum zeigte sich sehr interessiert, meine Hoffnung bleibt, dass derlei Veranstaltungen auch nachhaltig Gehör finden.

Und was kommt?

Auch diesen Monat vorrangig die Arbeit am Schreibtisch; neben dem Roman arbeite ich auch an mehreren anderen Projekten, zum Beispiel den neuen Online-Workshops „Mein Buch“ und „Kreativ-Quickie“, aber auch an einer geplanten Broschüre für die AIDS-Hilfe Niedersachsen, in der Texte von Frauen mit HIV zum Thema „Aids, Kinder und Familie“ erscheinen werden. Zu diesem Anlass findet auch vom 5. bis 7. April eine Schreibwerkstatt in der Nähe von Celle statt; die entstandenen Texte sollen Eingang in die Broschüre finden. Noch ein (kostenloser) Platz ist frei, Interessentinnen melden sich zügig unter mumm@niedersachsen.aidshilfe.de.

Eine weitere Broschüre, die lange brauchte, um richtig gut zu werden, ist soeben erschienen: „Eine von uns* – Texte zu queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern; herausgegeben von Lola für Demokratie e.V. Die meisten der enthaltenen Texte sind 2017 auch in einem von mir geleiteten Schreibworkshop entstanden, für das Konzept und Lektorat zeichne ich ebenfalls verantwortlich – und morgen, am 2. April findet dann auch punktgenau die Präsentation statt, im Wismarer Rathaus, wo heute Abend wiederum die dazugehörige Ausstellung „Wir* hier“ eröffnet werden wird. Lesen werden drei der Autor*innen, weitere Texte werden von mir präsentiert.

Und dann gibt es auch noch brandneu mein Projekt für das Goethe-Institut: die monatlich online erscheinende Bücherkolumne „Auserlesen!“, in der jeden Monat neu tolle Bücher zu gewinnen sind … nur ein bisschen aktiv werden muss die werte Leserschaft dazu!

Und Lesungen für die Jüngeren unter uns stehen natürlich auch auf dem Programm: am 2. April in der Grundschule am Eichenwald in Berlin-Spandau, am 5. in der Stadtteilbücherei Falkenhagener Feld, ebenfalls in Berlin-Spandau, und am 9. April in meiner Lieblingsgrundschule im Berliner Umland, der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien. So werden am Ende des Monats also ca. 140 Sechstklässler mit meinen Büchern Bekanntschaft gemacht haben; mal sehen, wie viele sich dann auch später eigenständig in die Bücher vertiefen werden!

Einen prickelnden April wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im April:  2. April, 19h, Rathaus WIsmar, Am Markt 1: Präsentation der und Lesung aus der Broschüre „Eine* von uns“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 1. April und am 2. Mai, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Anja Tuckermann: Muscha. Berlin: Klak Verlag (2015) / Josef versteht die Welt nicht mehr: Was haben die Leute plötzlich gegen ihn? Warum wird er überall angefeindet, beschimpft und geschlagen? Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erfährt er den wahren Grund … Anja Tuckermann, preisgekrönte Jugendbuchautorin, die sich gern auch schwieriger Thematiken annimmt, erzählt in klarer, einfacher Sprache die wahre Lebens- und Leidensgeschichte des Sintojungen Muscha in der Zeit des Nationalsozialismus und danach. Tuckermann gelingt das Kunststück, die Vergangenheit ganz dicht heranzuholen und dadurch erfahrbar zu machen. Ein beeindruckendes Buch! /Yoko Tawada: Abenteuer der deutschen Grammatik. Tübingen: konkursbuch Verlag Claudia Gehrke (2017) / Abenteuer der deutschen Grammatik / Allein schon der Titel zeigt das komische Talent der vielfach ausgezeichneten japanischen Autorin, die seit 1982 in Deutschland lebt und mittlerweile auf deutsch und japanisch schreibt: In beiden Sprachen zu Hause, nimmt Tawada die Fallstricke der deutschen Grammatik humorvoll aufs Korn. Immer wieder gelingt es ihr, einen neuen Blick auf unsere Sprache zu werfen und ihre Leserschaft zum Rätseln zu bringen: er hemt / wenn ich bluse. Ein Vergnügen, auch für Menschen, die einen großen Bogen um Lyrik machen! / Roman Voosen/Kerstin Signe Danielson: Erzengel. Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag (2018)/ Fall Nr. 6 für die langsam etwas altersmüde Kommissarin Ingrid Nyström und ihre Borderline-kranke junge Kollegin Stina Forss, die in den vergangenen Fällen endlich gelernt hat, ihre Affekte zu regulieren. Die Geschichte um sieben ermordete junge Metal-Musiker ist die beste, die das deutsch-schwedische Erzählerduo bislang geschaffen hat, das lässt auf noch weitere, gute Krimis der beiden hoffen! // Freya Klier: Wir letzten Kinder Ostpreussens. Freiburg: Herder Verlag (2017) / Um diesen Stoff habe ich jahrzehntelang einen Bogen gemacht, riecht er doch nach Deutschtümelei und heimatvertriebenen Landsmannschaften, die sich nach den blühenden Landschaften Königsbergs zurücksehnen. Was sie sicher auch tun, aber die Geschichte der Kriegskinder Ostpreussens ist sowohl spannend als auch schockierend zugleich und hat mein Bild auf diese Region komplett neu aufgestellt. Sehr informativ und wissenswert, an keiner Stelle pathetisch oder von überkommenem Gedankengut triefend. Auch diese Geschichte gehört zu Deutschland, wer sie liest, versteht mehr vom Krieg an sich und seinen grausamen Folgen.

Die Monatsbotin März2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die vierundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Monat begann mit einer leicht missglückten Schneereise ins nördliche Tschechien. Doch, Schnee gab es, aber leider zuviel! Schon die Anreise war beschwerlich, aber dann gelang es mir mithilfe meiner Begleitung, der weltbesten Autofahrerin, dann doch, mit meinem flotten Toyota Auris Hybrid an mehreren in den Schneeverwehungen liegengebliebenen dicken Karren vorbeizuziehen. Allerdings: Nur die Zufahrt zum Hotel war freigeräumt, von eigenmächtigen Wanderungen im Wald wurde wegen Schneebruchgefahr dringend abgeraten – und bei über einen Meter fünfzig hoher Schneedecke wäre es auch gar nicht gegangen. So führten wir den Hund mehrfach täglich die Auffahrt hoch und runter, aßen uns durch die Hotelspeisekarte und lümmelten in Pool und Sauna herum, um dann noch einen kleinen Abstecher ins weniger verschneite Prag zu unternehmen. Schön war es dennoch …

Die ausgedehnte Schreibphase am heimatlichen Schreibtisch – der in Arbeit befindliche Roman ist mittlerweile schon auf knapp 180 Seiten angewachsen, aber der anvisierte Umfang ebenfalls – wurde am 13. Februar mit einer Lesung in Meppen im Café Koppelschleuse unterbrochen. Eine denkwürdige Lesung: komplett ausverkauft, fünf Männer und 67 Frauen hörten meinem Vortrag aus „Mutter zieht aus“ zu, natürlich in Gegenwart der Hauptfigur, meiner Mutter. Danach aber wurde, absolute Premiere, keine einzige Frage gestellt, was dem Buchverkauf und der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat.

Ebenfalls bemerkenswert war dann mein dreitägiger Gastaufenhalt an der Nordendschule in Eberswalde, Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, gefördert durch den Boedecker-Kreis Berlin-Brandenburg. Vier Jungen und acht Mädchen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren verfassten unter meiner Anleitung eifrig und mit viel Spaß und Engagement Geschichten, Gedichte und Dialoge und sich dann auch noch trauten, diese vor Publikum vorzutragen. Zuvor hatte ich noch das Vergnügen, vor den Schüler*innen der dritten bis siebten Klassen meine Bücher vorzustellen. Und reich beschenkt wurde ich dann auch noch, mit handgefertigten Unikaten, wofür die engagierte Lehrerin Frau Mücke verantwortlich zeichnet. Ein tolles Erlebnis!

 

Der neue Roman übrigens wird, ganz aktuell vereinbart, nun doch nicht in diesem Herbst, sondern im Frühjahr 2020 erscheinen. Ja, gut Ding will eben wirklich Weile haben …

Und was kommt?

Schreibarbeit natürlich, denn der Roman soll jetzt endlich an Fahrt gewinnen und auf mindestens zweihundertfünfzig Seiten in diesem Monat anwachsen. Mal sehen, ob ich das schaffe; möglich ist es durchaus, denn die Handlung und auch der genauere Inhalt der insgesamt voraussichtlich sieben Teile stehen nun in groben Zügen fest. 

Allerdings habe ich noch andere Dinge in Arbeit: ein spannendes Projekt für das Goethe-Institut (nächsten Monat mehr dazu!), mehrere weiterlaufende Onlineworkshops, ein Sachbuchlektorat, nicht zu vergessen die Gespräche mit verschiedenen Verlagen über eventuelle Veröffentlichungen unterschiedlichsten Inhalts und dann auch noch zwei Veranstaltungen: die Teilnahme an der von der Initiative Initiative #verlagegegenrechts veranstalteten Podiumsdiskussion „Bei aller Toleranz. Eine Broschüre, ein Bildungsplan und die Angst vor „Frühsexualisierung““ am 21. März auf der Leipziger Messe, zusammen mit Thomas Kugler und Stephanie Nordt von „KomBi – Kommunikation und Bildung“, einer Berliner Bildungseinrichtung zu Diversity, Gender und queerer Bildung und, passend dazu, am 26. März eine Lesung vor Zweitklässlern in der Stadtteilbibliothek Berlin-Marienfelde aus „Frieda Fricke“. Das neue Jahr nimmt also Schwung auf!

Einen frühlingsbunten März wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im März:  21. März, 16h, Messe Leipzig, Forum Sachbuch Halle 3, Stand E201: Podiumsdiskussion zum Thema Pädagogischer Umgang mit sexueller Vielfalt, elterliche Sorgen und politische Instrumentalisierung

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 4. März, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Angelika Schrobsdorff: Die Herren / Im Erscheinungsjahr 1961 sorgte dieses Buch für einen handfesten Skandal; die unverblümte Schilderung weiblicher Begierden und sexueller Aktivitäten schien der Vor-Apo-Zeit vollkommen anrüchig und unangemessen. Mich hat wiederum die poetisch-klare Sprache Angelika Schrobsdorffs in den Bann gezogen; was mich bei anderen Autoren vielleicht stören würde  – der stete autobiografische Bezug – wirkt hier belebend und spannend. Endlich mal ein Gegenpart zur egomanischen Männerliteratur von Knausgård und Co., aber auf wohltuend leicht zurückgenommene weibliche Weise. // Elizabeth Strout: Alles ist möglich / Vielgerühmt, hymnisch besprochen, aber mich überzeugte diese zusammengebastelte Beschreibung diverser Kleinstadtbiografien aus einer amerikanischen Kleinstadt nicht recht. Zu gewollt erschienen mir die ausgedachten Leben, auf jeder Seite war ich mir der Konstruktionsfreude der Autorin, die sichtlich Spaß am gekonnten Fabulieren hatte, nur zu bewusst. Die besten Bücher sind ja immer noch die, denen man die akribische Konstruktion nicht anmerkt. Das ist Strout, jedenfalls was mich angeht, absolut nicht gelungen, und da nützt auch die unbestrittene Schreibkunst der Autorin nichts. // Schoschana Rabinovici: Dank meiner Mutter / Erst, als ich das Buch wieder zuschlug, entdeckte ich die Altersangabe auf dem Buchrücken: ab 12. Aber ja, dieses absolut spannend und locker geschriebene Werk sollte durchaus von allen ab 12 gelesen werden: Rabinovici schlägt den großen Bogen von einer glücklichen Kindheit alsEinzelkind jüdischer Eltern in Wilna über die Deportation als Elfjährige zusammen mit der Mutter in verschiedene Konzentrationslager, das Überstehen des Todesmarsches, die Befreiung aus Stutthof und schließlich die Rückkehr nach Wilna. Gerade die letzten Passagen haben mich besonders gefesselt; die meisten Berichte von KZ-Überlebenden enden doch mit der Befreiung, was danach geschah, wird meist in ein paar Sätzen abgehandelt. Absolut empfehlenswert! 

Die Monatsbotin Februar 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die dreiundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein guter Einstieg ins neue Jahr liegt hinter mir – das nämlich begann mit zwei Wochen ausgedehnter Schreibzeit. Der neue Roman für Erwachsene, der höchstwahrscheinlich noch diesen Herbst erscheinen soll, ist nach mehreren Anläufen und umfangreichen Überarbeitungen auf mittlerweile 138 Seiten angewachsen, zugleich aber haben sich meine Planungen hinsichtlich des Gesamtumfanges geändert und sind ebenfalls mitgewachsen. Es sieht also so aus, als ob ich meinem alten Ziel, endlich mal einen Roman mit mindestens 500 Seiten zu schreiben, durchaus näher komme. Wieviel genau es am Ende sein werden, weiß ich naturgemäß dann erst kurz vorher; noch bin ich selbst gespannt, ob ich die „alte“ Ziellinie überschreiten werde – oder wie 2010 mit „Leise Töne“ (497 Seiten) um einige Seiten verfehlen werde …

Vorgelesen habe ich auch: am 15. Januar in der Berliner Janusz-Korczak-Bibliothek in Pankow vor Achtklässlern des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums aus „Alles ist echt“; am 24. Januar dann im Klotener Schulhaus Spitz aus diversen Jugendbüchern. Kloten? Ja, ganz richtig, Kloten in der Schweiz im Kanton Zürich, wo ich zu meiner Freude zum nunmehr 18. Mal in Folge vom Volksschulamt zu einer einwöchigen Lesereise eingeladen wurde. Diesmal allerdings leitete ich hauptsächlich Schreibworkshops für Siebent- bis Neuntklässler, jeweils einen Vormittag lang. Das machte viel Spaß, auch wenn natürlich nicht lauter begeisterte Schreibfans auf mich warteten. Mitgemacht haben aber dann alle, zumeist mit großer Begeisterung. Und so manch eine Lehrkraft war dann auch ganz erstaunt, was für Texte dabei herauskamen …

Und was kommt?

Zunächst einmal eine kleine Schneereise, erstmals nach Tschechien. Nein, nicht mit Skiern und großem Brimborium, sondern mit Schlitten und Hundewintermantel. Mit Schnee sind wir Berliner nämlich bislang noch nicht gesegnet worden, und in der Schweiz lag davon auch nur wenig davon herum. Hoffentlich ist das im Sandsteinlabyrinth der Tyssaer Wände anders!

Danach geht es dann wieder einmal in heimatliche Meppen an der Ems, wo ich am 13. Februar im Café Koppelschleuse aus meinem aktuellen Buch „Mutter zieht aus“ vorlesen werde, natürlich in Gegenwart der Hauptfigur – meiner Mutter!

Die folgende Woche widme ich dann wieder mit großem Eifer meinem Roman, um die letzten drei Tage des kurzen Februars an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Nordendschule in Eberswalde, Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, zu besuchen. Am 26./27. darf ich mit einigen freiwilligen Schüler*innen einen Schreibworkshop gestalten, dessen Ergebnisse dann am dritten Tag vor großem Publikum präsentiert werden, flankiert von zwei Lesungen aus meinen Kinder- und Jugendbüchern. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon sehr!  

Einen knackig kalten Februar wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Februar:  13. Februar, 20h, Café Koppelschleuse, Helter Damm 1, 49716 Meppen: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 4. März,Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Angelika Schrobsdorff: Du bist nicht so wie andre Mütter / Für mich die Neuentdeckung des vergangenen Jahres: Die 2016 verstorbene Autorin stand für mich schon lange auf der Leseliste; eindeutig zu Recht – die klare, eindringliche Sprache, in der die Autorin, die ihr Leben lang rastlos und umtriebig blieb und lebte, ihre eigene Mutter und Familiengeschichte porträtiert, hat mich wirklich in den Bann gezogen. So sehr, dass ich nun nach und nach möglichst alle Werke der Autorin lesen werde. // Angelika Schrobsdorff: Von der Erinnerung geweckt / Über tausend Erzählungen sind im Laufe ihres langen Lebens entstanden, fünfzehn davon versammelt dieser wunderbar lakonisch-amüsant-bewegende Erzählband. Mit präziser Beobachtungsgabe porträtiert Schrobsdorff Menschen und ihre Marotten, zerrissene Biografien und Nachkriegswirren in Jerusalem. Das macht wirklich Lust auf mehr! // Walter Zwi Bacharach (Hg.): DIes sind meine letzten Worte … Briefe aus der Shoah / A propos Jerusalem: Dieses Werk wollte ich mir schon bei meinem letztjährigen Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vachem in Jerusalem zulegen, aber leider versäumt. Umso erschütternder nun die Lektüre der sorgsam übersetzten und gesammelten letzten Briefe und Grüße von an die zweihundert Menschen, die in den Vernichtungslagern oder auf dem Weg dorthin umgebracht wurden, manche im Bewusstsein dessen, was sie erwartete, andere in verzweifelter Hoffnung auf Rettung geschrieben. Wie Bacharach schreibt: „Wir sind in der Tiefe angekommen. Noch tiefer geht es nicht; ein noch erbärmlicheres Menschendasein gibt es nicht …“ Es sollte jede*m eine selbst auferlegte Pflicht sein, diese Zeugnisse nicht gehörter Stimmen zu lesen. // Max Mannheimer: Spätes Tagebuch und mit Marie-Luise von der Leyen: Drei Leben / Ein weiteres Zeugnis, in zweifacher Ausführung: Max Mannheimer, Jude tschechischer Herkunft, hat fünf KZ überlebt und sich viel später daran gemacht, seine Erlebnisse im Späten Tagebuch niederzuschreiben. Die zweite Fassung Drei Leben entstand wiederum 25 Jahre später, als Mannheimer sich längst aufgemacht hatte, Schulklassen als Zeitzeuge vor dem nationalsozialistischen Gedankengut zu warnen. Nicht nur im unmittelbaren Vergleich sehr berührend und erhellend zu lesen.  // Ketil Bjørnstad: Die Unsterblichen / Bjørnstads behutsames Porträt eines Endfünfzigers, der rückblickend Bilanz zieht und dabei mit Erschrecken erkennt, welche Chancen nicht nur er, sondern seine gesamte Familie verpasst haben, kommt leise und nachdenklich daher, kann aber auch wachrütteln – für den zögerlichen Helden allerdings leider zu spät …

Die Monatsbotin Januar 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die zweiundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein mäßig geruhsamer, aber schöner Dezember liegt hinter mir, in dem ich mich erstmal ein wenig von den extrem arbeits- und reiseintensiven Wochen davor erholen musste. Da machte dann die einzige Lesung des Monats besondere Freude: Drei dritte Klassen einer Tempelhofer Grundschule lauschte am 12. Dezember in der Bezirkszentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg den Abenteuern Frieda Frickes und erfreuten mich danach mit einer Reihe von lustigen Fragen – und Aussagen. Die Krönung dabei: ein niedlicher Achtjähriger, mit dem ich folgendes Gespräch beim Signieren seiner Autogrammkarte führte: „Wie heißt du denn?“
„Ammar!“
„Mit zwei M, ja?“
„Ja.“
„Ammar, das ist doch ein arabischer Name, oder?“
„Ja!“
„Der hat doch sicher eine Bedeutung. Weißt du vielleicht, was dein Name bedeutet?“
„Ja.“
„Und was?“
„Bauarbeiter.“

Ich habe später nachgesehen: Ammar bedeutet so etwas wie „langes, glückliches, wohlhabendes Leben“. Das kann man ja auch in der Tat als Bauarbeiter haben …

Den restlichen Monat über widmete ich mich meinem in Arbeit befindlichen Roman; noch liege ich im Zeitplan zurück, aber …

Und was kommt?

… das kann sich in diesem Monat durchaus ändern. Den Januar werde ich nämlich hauptsächlich zum Schreiben nutzen, abgesehen, von der vierten Kalenderwoche, die ich wieder einmal in der Schweiz verbringen werde, um im Kanton Zürich diverse Schulen mit Schreibwerkstätten und Lesungen zu besuchen. Schüler*innen der Klassen 7 bis 9 sind eingeplant, mein besonderes Steckenpferd. Obwohl es natürlich immer einen Unterschied macht, wenn die Jugendlichen sich freiwillig für eine Schreibwerkstatt anmelden oder als ganze Klasse „zwangsverpflichtet“ werden. Das aber weckt dann wiederum meinen besonderen Ehrgeiz; wenn es gelingt, die sich sträubenden Jugendlichen dann doch mehr oder minder zu begeistern, ist eventuell ein kleiner Keim gesät.

In den zurückliegenden Jahren habe ich immer wieder erlebt, dass gerade diejenigen, die vorher nicht das geringste Interesse an Sprache und Schreiben zeigten, dann am Ende sichtlich stolz waren, einen eigenen, unverwechselbaren Text vorweisen und im Idealfall auch präsentieren zu können. Mal sehen, was sich diesmal entwickelt!

Einen guten Jahreseinstieg  wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie und die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 7. Januar; Informationen und Anmeldung auch für das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Eva Schloss: Evas Geschichte: Anne Franks Stiefschwester und Überlebende von Auschwitz erzählt / Ein bisschen geschummelt ist es ja schon, aber Klappern gehört zum Handwerk: Zwar ist Eva Schloss durch die Heirat ihrer Mutter mit Anne Franks Vater tatsächlich zu Anne Franks Stiefschwester geworden, aber eben erst lange nach deren Tod. Das tut dem glänzend geschriebenen Erfahrungsbericht aber keinen Abbruch – die Besonderheit liegt hierin nämlich für mich in der detaillierten Beschreibung der ersten Tage und Wochen nach der Befreiung von Ausschwitz und der Irrfahrt durch halb Europa, bis Eva Schloss und ihre ebenfalls überlebende Mutter – Vater und Bruder starben auf einem der grausamen Todesmärsche – endlich wieder ihre Heimatstadt Amsterdam erreichten. Damit beleuchtet Schloss eine bislang wenig geschilderte Phase zwischen Holocaust und Nachkriegszeit, die leider für allzuviele Menschen immer noch den Tod mit sich brachte. Sehr empfehlenswert! // Barbara Bišický-Ehrlich: Sag‘, dass es dir gut geht! Eine jüdische Familienchronik / Und auch bei diesem Werk gibt es ein sehr interessantes Alleinstellungsmerkmal: Bišický-Ehrlich, deutsche Jüdin aus Frankfurt am Main, erzählt spannend und klar, wenn auch ein wenig holprig konzipiert, von ihren tschechischen Vorfahren. Dreiviertel der jüdischen Familie wurden im Holocaust umgebracht, alle Großeltern aber überlebten die Lager; eine Seltenheit sondergleichen. Einmalig auch der Familienzusammenhalt, aber auch die Offenheit, mit der die Autorin von ihren eigenen Schwächen und Ängsten berichtet. 

Die Monatsbotin Dezember 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein extrem reisefreudiger Monat mit vielen, vielen Veranstaltungen. Der November ist ja stets DIE Lesungs-Hochzeit, für diesen Monat werden die meisten Autor*innen bereits lange im voraus gebucht, denn in zahlreichen Städten finden stets im November jährliche Lesewochen und Lesetage statt. Warum ausgerechnet im November, weiß ich nicht so recht, vermutlich, weil es langsam dunkler und kälter wird und das Lesen sich zur Einstimmung auf die dunkle Jahreszeit empfiehlt.

Meine diesjährigen Novemberveranstaltungen hatten aber allesamt nichts mit etwaigen Lesewochen zu tun, sondern es handelte sich um lauter Einzelveranstaltungen – und sehr interessanten noch dazu. Den Anfang machte meine Lesung aus „Mutter zieht aus“ am 7. November im schleswig-holsteinischen Neumünster, wo eine recht ansehnliche Zahl von Zuhörenden sich danach noch in eine rege Diskussion vertiefte – was bei den Lesungen aus diesem Buch fast schon der Regelfall ist. So auch drei Tage später im Berliner Eisenherz Buchladen, wo ich im Rahmen des „Lsebischen Literatursalons“ zudem aus der neuen Taschenbucherscheinung „Liebe macht Anders“ vorlas.

Zwei Tage später dann hatte ich im Regenbogencafé Falkensee das Vergnügen, vor einer bunten Zuhörerschar im Alter zwischen vier und vierundsechzig einen ebenso bunten Querschnitt meiner Bücher zu präsentieren: Auszüge aus „Frieda Fricke“ für die Kleineren, „Liebe macht Anders“ und „Steingesicht“ für die Mittleren und „Bilder von ihr“ und „Mutter zieht aus“ für die Älteren. 

Auch in der Leselounge der Universität Hildesheim am 14. November zeigte sich die Zuhörerschaft altersmäßig sehr gemischt, sodass ich auch hier – neben „Mutter zieht aus“ – spontan einige Bücher auch für Teenager vorstellte. Der jüngste Fan aus Hildesheim war leider dann doch zu jung für die Lesung, aber zum Trost tauschte ich mit Eliot Paul (9) dann vorab unsere Werke: „Die drei ??? Kids – Achtung Katzendiebe!“ für ihn, während ich von ihm wiederum eine signierte Ausgabe von „Fip und Kicki und die verzauberten Tiere“ überreicht bekam. Ja, so ähnlich habe ich früher auch angefangen, wer weiß, was wir von dem jungen Hildesheimer noch zu lesen bekommen …

Ziemlich junge Leute (und eine auch noch gar nicht so alte Deutschlehrerin) waren dann auch bei meiner Lesung am 16. November in Berlins erstem queeren Jugendzentrum dabei, bei der ich auf Einladung vom Jugendnetzwerk Lambda e.V. „Liebe macht Anders“ und andere Jugendbücher mit queerem Personal vorstellte, genau wie drei Tage später im erstaunlich großen Bielefelder Jugendzentrum „begin“.

Am darauffolgendenTag dann aber begann eine besonders spannende Aufgabe für mich: Im Rahmen meines Aufenthaltes als Bielefelder „Poet in Residence“ hatte ich das große Vergnügen, an die dreißig überaus interessierte Studierende der Fakultät für Literaturwissenschaften und Linguistik an drei Tagen  während eines Blockseminars zu unterrichten – über meine eigene Arbeit als Kinder- und Jugendbuchautorin und diverse werkimmanente Aspekte. Das machte mir großen Spaß, was nicht zuletzt auch an der wunderbaren, engmaschigen Betreuung durch Prof. Dr. Petra Josting lag. Den krönenden Abschluss bildete dann die zentrale Lesung, eine Werkschau, während der jährlichen Lesenacht vor knapp dreihundert Zuhörenden, gefolgt von zwei weiteren Lesungen am folgenden Morgen, bei denen zunächst ebensoviele Drittklässler Frieda Frickes Abenteuern lauschten und hinterher zahlreiche Fragen stellten. Bei der zweiten Lesung waren es dann gut zweihundertfünfzig Achtklässler, die sich konzentriert auf „Alles ist echt“ einließen und kaum weniger Fragen hatten. Alles in allem eine sehr spannende, anregende, dabei auch höchst intensive Woche – die noch einen späten Nachhall finden wird, denn im kommenden Winter wird eine von den Studierenden erarbeitete Monografie über all die angesprochenen Themen in meinen Büchern und meine Arbeit als Kinder- und Jugendbuchautorin erscheinen. Auf die ich mich ungemein freue!

Damit war der November aber noch nicht vorbei: Am 26. erfreute ich wie alljährlich die Sechstklässler der Berliner Lenau-Schule mit einer Lesung, um zwei Tage später bei der Lübecker Jugendgruppe von Lambda e.V. „Steingesicht“, „Jenny mit O“ und „Liebe macht Anders“ zu präsentieren. Und am nächsten Tag dann packte ich Hund Luki ins Auto, um ganz nach Süden, nach Mühldorf am Inn in Oberbayern zu reisen. Ein knappes Dutzend hauptamtlicher Mitarbeiter*innen des St- Anna-Hospiz-Vereins hatte sich im lichten, großen Dachgeschoss des örtlichen Pflegeheims versammelt, um unter meiner Leitung Texte über ihre wichtige und oftmals sehr belastende, aber auch sehr erfüllende Arbeit zu schreiben und daran bis hin zur Druckreife zu feilen.

Foto: Meta Biehn

Ein sehr bewegender und schöner Abschluss dieses kräftezehrenden, aber ebenfalls sehr erfüllenden Monats!

Und was kommt?

Endlich mein Lieblings- und Geburtstagsmonat, der Dezember! In dem ich mich erstmal ein wenig erholen muss von den zurückligenden Reisen, aber dann geht es natürlich weiter mit der Arbeit am neuen Roman ab Seite 64 …

Einen gemütlichen Dezember wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Dezember:  12. Dezember, Bezirkszentralbibliothek Tempelhof – Schöneberg, 10h: Lesung aus „Frieda Fricke – unmöglich!“ 

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 3. Dezember und 7. Januar, der nächste Kreativ-Quickie beginnt am 7. Januar; Informationen und Anmeldung auch für das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Joan Didion: Blaue Stunden / Didion gilt als eine der größten amerikanischen Autorinnen, elegant und intellektuell. Letzteres stimmt mit Sicherheit, doch ist Didions von Trauer getränkte Erinnerung an ihre verstorbene Adoptivtochter weitaus einfacher zu lesen, als ich bei all den ehrfürchtigen Huldigungen im deutschen Feuilleton vermutet hätte. Die Welt der Autorin ist eine extravagante, reiche, fremde, sie lebt im Luxus und Überfluss, und ich weiß bis zur letzten Seite nicht, ob es daran liegt, dass mich ihre gestochenen Einlassungen und Nachdenklichkeiten nicht wirklich bewegen. //Barbara Vine: Aus der Welt / Zur Hand genommen habe ich diesen relativ neuen Roman der britischen Bestsellerautorin eigentlich nur, weil er den Titel trägt, den ich mir für meinen eigenen neuen Roman ausgesucht hatte – und der damit natürlich bereits vergeben ist. Aber Vines detaillierte Studie einer dysfunktionalen, einstmals reichen Oberschichtsfamilie auf dem platten Lande in den Sechziger Jahren, deren unausgesprochene Probleme in einem Desaster enden, hat mich dann doch gepackt.  Vine, Pseudonym der ebenso erfolgreichen Autorin Ruth Rendell, glänzt hier mit anhaltendem Spannungsaufbau und feinen Psychogrammen; auch wenn das Ende dann ein wenig mager daherkommt. // Stephan Harbort: Wenn Kinder töten / In einer Bahnhofsbuchhandlung erworben und in einem Rutsch durchgelesen: Harborts schnörkellose Beschreibung der Taten Unter-14-Jähriger wirkt von der ersten bis zur letzten Seite ernüchternd und beklemmend. Und lässt mich ratlos, aber sehr nachdenklich zurück. 

Die Monatsbotin November 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die sechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein sehr wechselhafter Oktober, und das nicht nur, was die Temperaturen anging …

Die erste Woche stand dabei ganz im Zeichen des neuen, in Arbeit befindlichen Romans, dessen Konzeption ich noch einmal grundlegend überdachte und teilweise änderte. Das hatte zur Folge, dass ich einen Teil der bereits entstandenen Seiten erneut um- und einiges sogar neu schreiben musste. Am Ende des Monats also war ich trotz fleißiger Arbeit wieder bei der Seitenzahl angelangt, mit der ich Anfang Oktober begonnen hatte: 63 Seiten sind jetzt fertig, das erste Kapitel ist damit noch nicht ganz abgeschlossen, aber allmählich nimmt der Text Form an. Tja, Gut Ding will Weile haben …

In der zweiten Woche reiste ich zum dritten Mal – nach 2010 und 2014 – ins schöne Geislingen an der Steige, am Schwäbischen Albtrauf gelegen, um dort auf Einladung der Stadtbücherei in sechs Lesungen eine üppoge Schar Sechst-, Siebst- und Neuntklässler*innen mit meinen Werken bekannt zu machen. Das machte mir großen Spaß, und auch Luki, mein treuer vierbeiniger Begleiter, fand Gefallen an der Reise, zumal wir in einem wunderbaren Hotel oben am Berg, im idyllischen Weiler ob Helfenstein, untergebracht waren. Natur pur und nächtliche Käuzchenschreie als musikalische Untermalung …

In der Woche darauf las ich dann am 16. Oktober zum ersten Mal aus „Mutter zieht aus“ in meiner Heimatstadt Meppen, dem Wohnort meiner Mutter, der Hauptfigur des Buches. Der Gemeindesaal der evangelischen Gustav-Adolf-Kirchengemeinde – in dem ich das letzte Mal bei der Trauerfeier anlässlich der Beerdigung meines Vaters im Jahre 1998 gewesen war, ein seltsames Gefühl –  war bestens gefüllt und meine Mutter natürlich auch dabei und hinterher als Ehrengast vielfach fotografiert. 

Foto: Christiane Kock 

Anrührend für uns beide waren die vielen Wortmeldungen danach, in denen einige der Anwesenden sich an meinen Vater zurückerinnerten, der ja den Posaunenchor der Kirchengemeinde lange Jahre geleitet hatte.  Weitere Fotos sind hier zu finden!

Weiter ging es dann am 18. in die Kasseler Zentralbibliothek, wo gut zwei Dutzend Kasseler*innen interessiert lauschten und hinterher diskutierten.

Gleich danach ging es in altbewährter Fünfer-Reisegruppe samt Hund nach Danzig, eine wirklich schöne, bestens restaurierte Stadt mit historischem Kern und einigen sehenswerten Museen, die uns leider ab dem zweiten Tag mit ergiebigem Regen beschenkte. Was dazu führte, dass ich mit einem saftigen grippalen Infekt zurückkam und prompt die letze Lesung des Monats am 27. in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg absagen musste – zu meinem großen Bedauern.

Und was kommt?

Hoffentlich eine baldige vollständige Genesung – denn nun folgt ein wahrer Veranstaltungsmarathon, beginnend am 7. November mit einer Lesung aus „Mutter zieht aus“ in der Stadtbücherei Neumünster. Zwei Tage später bin ich dann zu Gast beim Lesbischen Literatursalon im Berliner Eisenherz-Buchladen mit einer Doppelvorstellung: „Mutter zieht aus“ und „Liebe macht Anders“; Freikarten gibt es hier zu gewinnen.

Am Sonntag darauf, dem 11., geht es dann ins nahe Falkensee, um im Rahmen des Regenbogencafés „Liebe macht Anders“ und weitere meiner Jugend- und Kinderbücher mit diesem Themenschwerpunkt zu präsentieren. Drei Tage später präsentiere ich dann in der Leselounge der Universität Hildesheim „Mutter zieht aus“, um am 16. November wiederum die Berliner mit einer Lesung im Queeren Jugendzentrum in Prenzlauer Berg aus „Liebe macht Anders“ zu erfreuen.

Und dann geht es nach Bielefeld, um in meiner Funktion als „Poet in Residence“ ein Blockseminar für die Studenten der Literaturwissenschaft abzuhalten. Das ist eine besondere Ehre und Herausforderung, der ich mich mit Freunden stelle – gekrönt dann von einer öffentlichen Lesung am Donnerstag, dem 22. November im Rahmen der Lesenacht der Universität.

Damit ist der Monat aber noch nicht vorbei, denn am 26. November freue ich mich, wieder einmal die Schüler*innen der Lenau-Schule in Kreuzberg unterhalten zu dürfen; am 28. geht es ganz nach Norden, um in Lübeck auf Einladung des Jugendnetzwerkes Lambda e.V. aus „Liebe macht Anders“ vorzulesen. Und nächsten Tag  reise ich dann noch einmal wiederum ganz nach Süden, ins bayerische Mühldorf am Inn, um dort am Freitag und Samstag einen Schreibworkshop für die Mitarbeiter*innen des Anna Hospizvereins im Landkreis Mühldorf e.V. zu leiten.

Der Monat hat es also in sich! Aber danach winkt ja die beschauliche Adventszeit … die es ebenfalls in sich hat, aber dazu mehr im nächsten Monat.

Einen freundlichen November wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im November:  7. November, 19.30h, Stadtbücherei Neumünster, Wasbeker Str. 14: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 9. Oktober, 20.30h, Buchladen Eisenherz, Motzstraße 23: Lesung aus „Mutter zieht aus“ und „Liebe macht Anders“ / 11. November, 16h, Regenbogencafé im Interkulturellen Zentrum B80, Bahnhofstraße  80, 14612 Falkensee: Lesung aus „Liebe macht Anders“ / 14. November, Leselounge der Universitätsbibliothek, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim, 18h: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 16. November, Queeres Jugendzentrum Berlin, Sonnenburger Str. 69, 10437 Berlin : Lesung aus „Liebe macht Anders“ / 19. November, Jugendzentrum Kamp, Niedermühlenkamp 43, Bielefeld, 19h: Liebe macht anders/ 22. November, Universität Bielefeld, SCHEINWERFER, Bauteil U0, 21h: Werkschau 

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 3. Dezember und 7. Januar, der nächste Kreativ-Quickie beginnt am 7. Januar; Informationen und Anmeldung auch für das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Sigrid Rausing: Desaster / Im Sommer 2012 entdeckten Polizisten die Leiche von Eva Rausing, die ihr Mann, der Tetra-Pak-Erbe Hans Rausing, seit Monaten in seinem Schlafzimmer verborgen gehalten hatte. Seine Schwester Sigrid beschreibt in diesem Werk, das mich etwas ratlos zurücklässt, die Geschichte der Drogensucht ihres Bruders und seiner Frau und deren gravierende Folgen. Allerdings: Eigentlich erzählt sie nicht davon, sondern darum herum. Das, was mich als Leserin eigentlich interessiert – die Entwicklung dieser menschlichen Tragödie – spart Rausing aus und verliert sich statt dessen in langen Erklärungen über das Wesen der Sucht, was zuweilen den Eindruck einer Rechtfertigung erweckt – und damit einen privaten Charakter erhält, der mich zu dem Gedanken bringt, dass dieses Buch vielleicht auch eher hätte privat bleiben sollen.  // Steffen Jacobsen: Hybris / Nun liegt das Buch seit drei Wochen ausgelesen auf dem Stapel, und ich muss nachlesen, worum es überhaupt ging. Ach ja, um ein in Scheidung begriffenes Ermittlerpaar, das haarsträubende Machenschaften durchgedrehter Megareicher aufdeckt. Da hat sich der – in der Tat gut erzählende – Autor aber wirklich ausgelebt; für Liebhaber von Actionfilmen sicher ein Genuss. // Dirk Schümer: Die Kinderfänger. Ein belgisches Drama von europäischer Dimension. / Der FAZ-Autor Schümer erweist sich in diesem glänzend recherchierten Werk über die Äffare um den belgischen Kindermörder Dutroux und die darauffolgende Staatskrise als versierter und kluger Aufklärer, – und obendrein als unumstößlicher Humanist. // Oliver Polak: Gegen Judenhass / Dieses schmale Buch, im Grunde eher ein Essay, soll mit seinem signalfarbenen Einband sicher wie ein Fanal wirken. Aber dafür ist es ein kleines Bisschen zu mager bestückt. Zum Nachdenken und Aufmerken bringt es dennoch, und das ist schon mal Gold wert in diesen Zeiten des aufkeimenden Antisemitismus.