Die Mini-Monatsbotin August 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Die Mini-Monatsbotin August 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Nein, hier kommt sie leider nicht, die neue Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg! Aus organisatorischen Gründen muss die achtundfünzigste Ausgabe leider in den nächsten Monat verschoben werden. Dann aber erscheint sie umso frischer und praller – und zur Entschädigung mit einem brandneuen Preisrätsel! Bis dahin schöne Sommertage wünscht Karen-Susan Fessel

Die Monatsbotin Juli 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die siebenundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein überaus sonniger Juni, der mich mit einer gelungenen Mischung aus ruhigen Schreibphasen und reizvollen Reisen erfreute – und auf Trab hielt. Den Anfang machte eine Fahrt ins schöne Tübingen, wo mein erster und auch wieder derzeitiger Verlag, der konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, seit nunmehr 40 Jahren beheimatet ist. Das musste natürlich gefeiert werden, mit einem dreitägigen Fest, dessen Auftaktlesung ich bestreiten durfte – und so las ich am 8. Juni in der Begegnungsstätte Hirsch vor einem trotz der Hitze zahlreich eingetroffenen und fragefreudigen Publikum aus meiner derzeitigen Neuerscheinung „Mutter zieht aus“. Auch meine äußerst aktive Verlegerin Claudia Gehrke war anwesend und freute sich mit mir über die gelungene Lesung und die interessierten Fragen und Diskussionen. Das Thema – die langsam aussterbende Kriegskindergeneration und der Umgang der Kinder mit dem Altwerden der Eltern – stößt generell bei den Lesungen auf großes Interesse; vielleicht, weil die meisten Menschen ab dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt sich mit denselben Fragestellungen beschäftigen (müssen): Was bleibt von einem gelebten Leben, was bedeutet die Kindheit der eigenen Mütter für das Verhältnis der Generationen, was lässt sich auch im Alter noch positiv verändern?

Leider musste ich die zweite geplante Lesung am Abend dann wegen eines übel verdorbenen Magens absagen, aber dennoch war die Reise nach Tübingen ein wirklich schönes Erlebnis; und ich freue mich schon auf das 50-jährige Jubiläum des Verlages …

In der 25. Kalenderwoche, nach Tagen der intensiven Arbeit am gerade entstehenden Roman, ging es dann zum dritten Mal in eineinhalb Jahren wieder einmal auf Lesereise ins Saarland, das sich jetzt, im Juni, von seiner allerbesten, grünenden und blühenden Seite präsentierte. Auf dem Weg dorthin zeigte sich aber auch Rheinland-Pfalz im Sonnenschein, was ich nicht nur beim Übersetzen mit der Fähre über den Rhein in St. Goar bewundern konnte, sondern vor allem auch vom höchsten Punkt des Bundeslandes und des Taunus aus zugleich, dem Erbeskopf. Von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Ja, Reisen bildet!

Im Saarland selbst las ich zunächst am 20. in der wunderbar sortierten u Buchhandlung Bücherhütte in Wadern. Dem höchst interessierten Publikum wurde von der Inhaberin selbst gebackenes Gebäck gereicht; kein Wunder, dass die Buchhandlung 2016 den deutschen Buchhandlungspreis erhielt!

Die Lesung in der FrauenGenderBibliothek in der Landeshauptstadt Saarbrücken am Tag darauf war ein ebenfalls sehr schönes, gut besuchtes und heiß diskutiertes Ereignis, und Hund Luki machte bei beiden Events mal wieder eine hervorragende Figur.

Beim Schreibworkshop anlässlich des Hamburger Vorlesevergnügens in der Woche darauf allerdings war er dann nicht dabei, die Veranstaltung selbst aber machte dem Programmnamen alle Ehre: Geschrieben und vorgelesen wurde von den engagierten TeilnehmerInnen – Hamburger Gymnasiasten zwischen 10 und 16 Jahren samt zwei Lehrerinnen und einer Journalistin – mit großem Vergnügen!

Und was kommt?

Nein, noch kein Ferienmonat für mich, im Gegenteil! Aber neben dem Schreiben am Roman warten zwei meiner Lieblingsveranstaltungen auf mich:  die alljährlichen Schreibwerkstätten in der Akademie Waldschlösschen nämlich, und zwar vom 16. bis 19. im Rahmen des Bundespositiventreffens und in der Woche darauf bei der Sommerakademie. Beide sind seit längerem ausgebucht, die Wartelisten lang, und ich freue mich schon sehr auf die TeilnehmerInnen und ihre Texte.

Wer keinen Platz mehr bekommen hat: die Onlineworkshops sind die perfekte, höchst individuelle Alternative! Interessierte an „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ müssen zwar bis Mitte August warten, aber der Kreativ-Quickie läuft durchgehend weiter. Nichts wie ran also, gerade jetzt in der Ferienzeit!

Einen sonnigen Juli wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 20. August und 17. September; der Kreativ-Quickie heute, am 2. Juli, am 20. August und am 17. September – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Henning Sußebach: Deutschland ab vom Wege – eine Reise durch das Hinterland / Davon hatte ich mir mehr versprochen: Der renommierte Zeit-Redakteur und vielfach ausgezeichnete Reporter unternimmt in seiner Langzeitreportage eine Wanderung durch Deutschland von der Ostsee bis zur Zugspitze mit dem erklärten Zielt, die 6,2 Prozent asphaltierter Fläche nach Möglichkeit zu meiden – also auch Straßen, gepflasterte Wege und dergleichen. Das klingt spannend, ist es auch, aber Sußebachs Dauerbeschwörung der stets unterschätzten Bedeutung des „kleinen Mannes“ verleidete mir schon nach dem ersten Viertel die Lesefreude. Ist ja gut, die Politiker sollten mehr auf die „einfache“ Landbevölkerung hören. Und ja, die Großstädter nehmen sich zu wichtig. Der Autor sich allerdings auch. // Leila Slimani: Dann schlaf auch du // Die Großstädter Myriam und Paul hingegen nehmen ihre Karrieren zu wichtig und stellen deshalb ein Kindermädchen für die beiden Kleinkindersprösslinge ein, eine Entscheidung mit fatalen Folgen. Denn die „Perle“ hat eine merkwürdige Vergangenheit und ein schräges Eigenleben, eine ungünstige Kombination, die in einer Katastrophe endet. Die eine französisch-marokkanische Schriftstellerin Slimani wurde für diesen sanften, vielschichtigen Roman vielfach ausgezeichnet, durchaus zu Recht. // Maylis de Kerangal: Die Lebenden repaieren / Diese französische Autorin wiederum hat sich ein absolut spannendes und rares Thema ausgesucht und ausgezeichnet in Szene gesetzt: Simon, 19, wird nach einem schweren Unfall als hirntot diagnostiziert. Seine Eltern müssen entscheiden: Soll Simon Organspender werden? De Karangal porträtiert nicht nur den Leidensweg der Eltern, sondern eine ganze Reihe von Menschen, die in eine Organtransplantation involviert sind. Gelegentlich ein wenig überfrachtet und zu detailliert, aber hochinteressant und virtous beschrieben! //Georg Metger: Für immer. Die unfassbare Tat von Rupperswil und ihre Folgen / Dieser Tatsachenbericht hingegen macht da weiter, wo Slimanis Roman aufhört: Metger zeigt in klaren Worten und ohne jegliche Überfrachtung auf, was Hinterbliebene einer Gewalttat zu erleiden haben. Der Lebensgefährte von Carla S., die mit ihren beiden Söhnen und der Freundin des Älteren im Dezember von einem pädophilen Sadisten überfallen und umgebracht wurde, stand lange unter Verdacht und schildert in diesem von Franziska Müller solide und locker aufgeschriebenem Text die Zerstörung einer Familie – für immer. // Thomas T. Blatt: Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór / Warum, diese selbstgefällige und verständnislose Frage wird immer wieder gestellt, warum haben die Juden sich damals eigentlich nicht gegen die Nazischergen gewehrt? Haben sie ja – sofern sie überhaupt im Ansatz die Möglichkeit dazu hatten und Bescheid wussten, was sie erwartete. So in Sobibór, dem Vernichtungslager an der polnisch-ukrainischen Grenze. Während des einzigen Aufstandes wurde mehr als die Hälfte der SS-Besatzung von den Insassen getötet, ein Dutzend Bewacher verwundet. Von den 550 Insassen überlebten genau 35 am Ende das Lager, den Aufstand und die Flucht. Blatt, einer dieser wenigen Überlebenden, schildert äußerst spannend und klar die Ereignisse selbst, die Vorbereitungen und die Folgen. Unbedingt lesenswert! // Jakob Weiß: Treibholztage / Die Geschichte von Lasse, der nicht weiß, woher er kommt und wohin er gehört, nur, dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen will – und das macht er dann auch, egal, was die anderen sagen: sein depressiver Ziehvater, die schrullige Puppenmacherin von nebenan, das geheimnisvolle Mädchen Ailo … Das Debüt des 17-jährigen Autors erinnert an einen Rohdiamanten: Es gibt noch einiges zu schleifen, aber sein künftiger Glanz und die Formschönheit sind bereits jetzt zu erkennen. 

Die Monatsbotin Juni 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die sechsundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein heißer Wonnemonat Mai, der mit einem Paukenschlag begann – dem von mir lange geplanten Familientreffen nahezu sämtlicher Nachkommen meiner Großeltern mütterlicherseits. Knapp 60 Personen zwischen 4 und 83 und ein Hund – nämlich unserer! –  fanden sich vom 10. bis 13. Mai in der Jugendherberge Meppen zusammen, die durch weitläufige Räumlichkeiten und Freizeitanlagen und eine wunderbare Architektur besticht. Erstaunlich harmonisch und lustig ging es zu, aber es wurde auch zeitweilig sehr emotional – nicht zuletzt auch,  als ich vor diesem illustren Kreis aus meiner neu erschienenen Familiengeschichte „Mutter zieht aus“ vorlas, in der ich meine Mutter porträtiere, aber auch die langsam aussterbende Kriegskindergeneration. Selbst der 8-Jährige Bosse hörte gebannt zu, dessen Oma als Einzige der Kriegskindergeneration nicht mehr dabei sein konnte. 

Das Treffen bot reichlich Stoff für einen ganz eigenen neuen Roman, aber der muss warten, denn mein aktuell in Arbeit befindlicher Roman hat natürlich Vorrang. Noch befindet er sich im Anfangsstadium, denn für Bücher, vor allem „dicke“ Romane gilt natürlich der altbekannte Spruch: „Gut Ding will Weile haben!“

Das spüren auch die Teilnehmer der laufenden Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“, denn die Arbeit daran nimmt viel Zeit in Anspruch – auch für mich natürlich. Aber es macht mir immer ungemein viel Spaß, die TeilnehmerInnen bei ihren kreativen und manchmal auch schmerzlichen Prozessen zu begleiten und zu beraten. Und zuweilen gemeinsam mit ihnen an Grenzen zu stoßen, die dann doch überwunden werden …

Aber auch Lesungen standen auf dem Programm: am 17. Mai in Berlin, wo ich in der historischen Adlermühle, dem Vereinsheim des Berliner Schwimmvereins BSV Friesen e.V., aus „Mutter zieht aus“ las, dann am 29. Mai in Osnabrück in der Lagerhalle – und zwar im Rahmen von „Gay in May“. Zuletzt war ich vor sieben Jahren dort zu Gast und bekam seinerzeit den Rosa-Courage-Preis verliehen, für den Einsatz für die Akzeptanz queerer Lebenswelten. Darüber freue ich mich heute noch!

Am 30. Mai hatte ich dann die Ehre, den 24. Saarner Bücherfrühling in Mülheim an der Ruhr mit einer Lesung in der legendären Buchhandlung Hilberath & Lange zu beschließen. Dort lauschten gut vierzig Menschen, vorrangig Mitglieder der Kriegskindergeneration und ihre Töchter, Auszügen aus „Der Zahlendieb“ (gem. mit Oliver Sechting) und „Mutter zieht aus“, hinterher gab es noch eine spannende Diskussion zum Thema und für mich dann noch einen liebevoll zusammengestellten „Kulturbeutel“ zum Mitnehmen. InhaberInnengeführte Buchhandlungen sind einfach immer etwas Besonderes. An diese drei sehr speziellen Lesungen im Mai werde ich mich noch lange erinnern! 

Und was kommt?

Viel Arbeit, in vielerlei Hinsicht! Die Onlineworkshops sind für den Juni komplett ausgebucht; der Roman drängt, und weitere Lesungen und Workshops stehen natürlich auch noch an: am 8. Juni gleich zweimal in Tübingen, wo ich das Vergnügen habe, die Auftaktlesung zum 40-jährigen Jubiläum meines ersten Verlages, in dem aber auch mein neuestes Buch „Mutter zieht aus“ erschienen ist, zu präsentieren, und zwar um 17h in der Begegnungsstätte Hirsch. Der konkursbuchverlag Claudia Gehrke feiert mit einem aufwendigen Programm, ab 20h dann so richtig im Kino Löwen mit Moderation der Verlegerin höchstselbst und einer von musikalischen Einlagen begleiteten Lesung der Kleist-Preisträgerin Yoko Tawada, an die ich mich mit einer Kurzlesung dann anschließe.

Zwei Wochen später geht es mal wieder ins Saarland: am 20. Juni in die Bücherhütte in Wadern – ebenfalls eine ausgezeichnete Inhaberinnengeführte Buchhandlung mit exzellentem Programm! – und am nächsten Tag in die FrauenGenderBibliothek Saar in Saarbrücken; beide Male natürlich mit „Mutter zieht aus“. Und am 27. Juni habe ich dann das Vergnügen, an die 20 SchülerInnen zwischen 10 und 15 Jahren beim Lesefestival „Hamburger Vorlesevergnügen“ mit einem Schreibworkshop in Schreiblaune zu versetzen.

Viel Abwechslung also im Frühsommer, genau so, wie ich es mag!

Einen prickelnden Juni wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Juni: 8. Juni, 17h, Tübingen, Hirschgasse 9, Hirsch Begegnungsstätte für Ältere e.V.: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 20h, Kino Löwen: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 20. Juni, 19h, Bücherhütte Wadern, An der Kirche 3, Wadern: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 21. Juni, 19.30h, FrauenGenderBibliothek Saar, Großherzog-Friedrich-Straße 111, 66121 Saarbrücken: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Der Kreativ-Quickie“, „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 4. Juni – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger / Die ersten drei Bände von Meyerhoffs  Lebensgeschichte habe ich mit Genuss verschlungen, aber dieser vierte Band hat mich nicht in den Bann ziehen können. Ein ganzes, dickes, äußerst ausführliches Buch über die Liebesgeschichte zwischen dem einzelgängerischen Jungschauspieler und der genialen, aber gestörten Studentin, die dann zu einem heimlichen Menuett zu dritt ausartet, aufgebauscht mit der zusätzlichen platonischen Beziehung des Helden zu einer prolligen Ruhrpottbäckerin, und am Ende bricht alles zusammen – also irgendwie reicht das einfach nicht.  Und bringt mich dazu, mir selbst die Frage zu stellen, die mir vor zwanzig Jahren ein gelangweilter Gymnasiast nach einer Lesung aus „Ausgerechnet du“ entgegenschleuderte: „Warum soll ich das lesen?“ Weil es ganz gut erzählt ist? Nein, das reicht leider wirklich nicht. Klein gelungener Abschluss der Tetralogie, schade! // Christina Krüsi:  Das Paradies war meine Hölle / Die Schweizerin wuchs unter Missionaren auf – und wurde von einigen von ihnen über Jahre hinweg schwer missbraucht. Viele Berichte über ritualisierte Kindesvergewaltigungen gibt es nicht, dieses rare Exemplar liest sich schnell und schnörkellos, lässt die Leserschaft aber am Ende frustriert zurück – denn Aufdeckung heißt noch lange nicht, dass die Täter auch einer Strafe zugeführt werden. Ein weiterer Tiefpunkt in der langen Geschichte der Missbrauchsskandale im Namen der Kirche(n). // Paul Kalanithi / Bevor ich jetzt gehe / Diese ungemein gut geschriebene biografische Erzählung hat mich sehr berührt – der im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs gestorbene Neurochirurg und angehende Neurowissenschaftler Paul Kalanithi erzählt in seinem Vermächtnis in klarer, schöner Sprache von seiner Beschäftigung mit der großen Frage nach dem Sinn des Lebens, die ihn bereits lange vor seiner Erkrankung in umtrieb und bis zuletzt in Atem hielt. Dieser Mann wäre, hätte er nur die Zeit dazu gehabt, ein wunderbarer Schriftsteller geworden. Aber manchmal muss ein einziges Werk als Lebenswerk reichen, und das ist ihm hervorragend gelungen. 

Angeguckt Kerstin Polte (Regie): wer hat eigentlich die Liebe erfunden? / Eigentlich bespreche ich ja keine Filme in dieser Rubrik, aber das kann sich ja ändern – und diesen hier muss ich einfach erwähnen: Das Erstlingswerk der Berliner Regisseurin hat es einfach in sich. Melancholisch-humorvoll erzählt und wunderbar besetzt, erzählt „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ von den Widrigkeiten und Banalitäten des heutigen Großstadtlebens und driftet dann nach und nach ab in eine moderne filmische Utopie, gewürzt mit Humor, Fantasie und Traurigkeit. Corinna Harfouch glänzt als an Demenz erkrankte Ehefrau und (Groß-)mutter, Karl Kranzowski als ihr lakonisch-liebevoller Gatte, Meret Becker (die mir sonst oft auf die Nerven geht, hier aber wirklich paradiert) als schräge, ihrerseits dauergenervte Tochter, die sich am Ende auch noch in eine LKW-Fahrerin (Sabine Timoteo) verlieben darf. Ein Gute-Laune-Film, der die deutsche Behäbigkeit einfach links liegen lässt und dem man deswegen auch verzeiht, dass er gelegentlich auch ins Alberne und allzu Bemühte abdriftet. Der perfekte Film zum Einstieg in einen heißen, flirrenden Sommer!

Die Monatsbotin Mai 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein sehr abwechslungsreicher und intensiver Monat mit frischem Wind, viel Sonne und pladderndem Regen, wie sich das für einen wechselhaften April so gehört … Begonnen hat er natürlich mit den Einsendungen zum Preisrätsel: Manjack D. aus Berlin war schneller als alle anderen und wusste, dass ich erst nach einem geschriebenen Drittel über mein in Arbeit befindliches Werk spreche. Ein signiertes Exemplar von „Nebeltage, Glitzertage“ ging also auf die Reise nach Friedrichshain, also sozusagen nach nebenan …

Der April war reiseintensiv: Zunächst stand am 6. April die erste „richtige“ (nach der kurzen Messe-) Lesung aus „Mutter zieht aus“ auf dem Programm, und zwar in der Buchhandlung Prolibri in Mönchengladbach. Neben den gespannt lauschenden ZuhörerInnen – viele davon Mitglieder bei LesLie e.V., dem einladenden Verein – saß auch der wichtigste Ehrengast im Publikum: meine Mutter, der ich das Buch ja zum 80. Geburtstag in einer leicht verkürzten Fassung geschrieben und geschenkt habe. Ein bewegendes Ereignis, über das wir uns auf der gemeinsamen nächtlichen Rückfahrt nach Meppen noch längere Zeit unterhielten.

Ein paar Tage später hielt mich wiederum ein 80. Geburtstag in Atem: Zu dem nämlich begleitete ich meine liebe Nenntante nach Sylt; durchaus eine wunderschöne Insel mit einer sehr interessanten Vogelwelt und vielerlei merkwürdigen anderen Säugetieren auf zwei Beinen.  Der Wind pfiff mir dabei tüchtig um die Ohren und pustete den mitreisenden kleinen Hund fast über die Dünen ins weite, tosende Meer. Aber dann hätten ihn die riesigen Möwen mir sicher wieder zurück gebracht … oder eine der schicken Segelyachten, von langhaarigen Naturburschen gehobenen Alters in Bogner-Jacken gesteuert …

Am 19. April stand dann die Berlin-Premiere von „Mutter zieht aus“ im „Goldenen Handwerk“ an. Dabei handelt es sich um meine sehr zu empfehlende urige Berliner Eckkneipe hier unten in der Obentrautstraße, zwei Häuser weiter. Und da ich immer besonders nervös bin, wenn sich Menschen, die ich kenne, im Publikum befinden, war ich so aufgeregt wie fast noch nie vor einer Lesung. Die dann zu einem ganz wunderbaren Erlebnis geriet: Nur zwei Personen im zahlreich erschienen Publikum waren mir nicht persönlich bekannt, auch aus der Nachbarschaft hatten sich einige Leute eingefunden, ganz zu schweigen natürlich von Familie und Freunden. Ein denkwürdiges Ereignis, für das ich dem aufgeschlossenen Wirt Micha und seinem liebenswert-ruppigen Personal noch einmal herzlich danken möchte!

Damit war der Lesereigen erst so richtig eröffnet: Am 23., dem Welttag des Buches, las ich in der Bibliothek Falkenhagener Feld vor Sechtsklässlern aus „Hiphop, Hund und Herzgehüpfe“, und, noch eine Premiere!, vor Viertklässlern aus „Frieda Fricke – unglaublich!“, dem neu erschienenen zweiten Band um die freche Frieda, die es mit Hilfe ihrer Freunde schafft, einen fiesen Spekulanten zu vergraulen – oder besser: zu bekehren …

Am nächsten Tag erfreute ich die Sechstklässler der Grundschule Menschenskinder in  Schönwalde-Glien mit zwei Lesungen und wurde wiederum im Gegenzug prompt mit der Einladung zum nächsten Jahr erfreut. Und zwei Tage später las ich dann in der Zentralen Landesbibliothek Berlin wiederum vor einer vierten Klasse aus „Frieda Fricke – unglaublich!“. Um einen Tag darauf zur Akademie Waldschlösschen abzureisen, wo ich beim Treffen HIV-positiver Frauen zum wiederholten Mal in Folge einen Schreibworkshop leitete, was mir ungemein viel Freude bereitete. Diesmal standen angeleitete Porträts HIV-positiver Frauen auf dem Programm, und ich hoffe sehr, dass sich eines Tages ein Medium zur Veröffentlichung für diese berührenden Texte finden wird.

Aber nicht nur Reisen und Lesen stand in diesem Monat im Vordergrund, sondern auch Schreiben: am neuen Roman natürlich, der so ganz langsam vor sich hin wächst. Und daneben arbeite ich auch immer wieder an den Onlineworkshops, die mir immer ganz besonders viel Spaß machen. Ich weiß ja nie im voraus, was da kommt an Texten, vor allem beim Biografischen Schreiben. So bleibt es stets spannend …

Und was kommt?

Selbstverständlich der Wonnemonat Mai, in dem ich den Faden wieder aufnehme und weiterspinne. Und zu Himmelfahrt zum Familientreffen der Geschwister meiner Mutter und deren Nachkommen nach Meppen in die dortige Jugendherberge reise. Über siebzig Familienmitglieder werden dort einige Tage miteinander verbringen. Aber auch dort ruft die Arbeit: Lese ich doch am Freitag, dem 11. vor ebendieser Sippe, die ja am Rande auch mitporträtiert ist, aus „Mutter zieht aus“ vor, und danach ist eine Frage- und Diskussionsrunde angezeigt. Eine der letzten Gelegenheiten sicherlich, im Kreise fast aller Geschwister meiner Mutter – meine Tante Thyra ist leider im letzten Monat verstorben – etwaigen Familiengeheimnissen auf den Grund zu gehen und unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren. Ich bin gespannt!

In der historischen Adlermühle, dem Vereinsheim des Berliner Schwimmvereins BSV Friesen e.V., lese ich dann am 17. Mai erneut aus „Mutter zieht aus“ – nicht nur für Vereinsmitglieder, sondern für alle Interessierten; die vorerst letzte Gelegenheit, mich in Berlin aus dem Buch lesen zu hören. Wer in Osnabrück lebt, hat dazu dann wiederum am 29. Mai im Rahmen von „Gay in May“ die Gelegenheit, und in Mülheim/Ruhr anlässlich des Saarner Bücherfrühlings am Folgetag, dem 30. Mai. Wenn das mal keine guten Aussichten sind …

Einen blühenden Mai wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Mai:  17. Mai, 20h, Berlin, Buchsteinweg 32, Vereinsheim Adlermühle: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 29. Mai, 20h, Spitzboden in der Lagerhalle: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 30. Mai, 19.30h, Buchhandlung Hilberath&Lange, Düsseldorfer Str. 11, Mülheim an der Ruhr: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Der Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 7. Mai und am 4. Juni – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin tot / Ein seltsames Werk, dieses hochgelobte und vielfach ausgezeichnete Buch über eine englisch-amerikanische Familie, die schwer unter Depressionen und ihren gravierenden Folgen zu leiden hat. Mich wiederum hat schwer irritiert, dass alle Protagonisten immerzu druckreife und ellenlange Gedanken hegen. Nichts geschieht, ohne dass das Familienmitglied, aus dessen Perspektive gerade erzählt wird, bedeutungsschwangere Interpretationen dazu liefert. Alle beobachten einander und denken schlaue Sachen dazu. Das ermüdet dann doch, auch wenn der Roman ansonsten eine interessante Thematik behandelt. Für mein Gefühl aber wollte der Autor einfach zu sehr zeigen, was er alles drauf hat. Das nennt man vermutlich übermotiviert. // Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel / 1971 überlebte die 17-jährige Tochter eines Naturforscherehepaares als einzige einen Flugzeugabsturz aus 3.000 Meter Höhe über dem peruanischen Regenwald. Nach elf Tagen erreicht sie schwer verletzt die erste menschliche Niederlassung und wird gerettet. Vierzig Jahre später erzählt sie in diesem hochinteressanten, spannenden und erstaunlich umfangreichen Buch ihre Lebensgeschichte. // Robert Pleyer mit Axel Wolfsgruber / Der Satan schläft nie. Mein Leben bei den Zwölf Stämmen / Pleyer, 2011 aus der Sekte ausgestiegen, erzählt in diesem nüchtern und klar erzählten Buch von den haarsträubenden Praktiken der vermeintlichen Urchristen im Hinblick auf Kindererziehung. Schläge, Bewegungs- und Sprechverbot sind ab dem jüngsten Kindesalter gängige Erziehungsmethoden. Auch wenn es nur ca. 2.500 Mitglieder weltweit gibt, die 1.500 Kinder darunter verdienen es, besser geschützt zu werden – durch ein radikales Verbot der Sekte. Zu einem anderen Schluss lässt sich nach der Lektüre wohl kaum gelangen.

 

Welttag des Buches am 23. April 2018

Und was macht eine waschechte Schriftstellerin an diesem bedeutsamen Tage? Das steht hier … in der Märkischen Allgemeinen Zeitung, verfasst und fotografiert von Ralf Stork

Lesung in Schönwalder Schule zum Welttag des Buches
Schönwalde-Glien

Der Welttag des Buches war zwar eigentlich schon am Montag, aber das Warten hat sich gelohnt: Mit Karen-Susan Fessel war Dienstag eine waschechte Schriftstellerin in der Klasse 6a der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde zu Gast.

Eine Schriftstellerin, die nicht nur bis jetzt 36 Bücher geschrieben hat, sondern die auch mit Schwung und kindgerechten Humor über ihren besonderen Beruf erzählen kann: Darüber, dass sie Bücher schreiben will, seit sie im Alter von fünf Jahren das Märchen von Rumpelstilzchen gehört hat und es großartig fand, dass man sich einfach so Geschichten ausdenken kann. Darüber, wie man als Autor hofft und bangt, wenn man am Anfang ein fertiges Buch an zehn Verlage schickt und sechs Monate nichts zurück hört. Immer wieder bezieht Fessel die Schüler mit ein.

Eines ihrer Bücher ist in Japan ein Bestseller

„Was braucht man alles, wenn man Schriftstellerin sein möchte“, will sie wissen. Viel Fantasie – sagen die meisten Kinder. Einem Mädchen fällt noch Ausdauer ein. „Dann braucht man noch viel Disziplin und noch mehr Glück“, sagt Fessel. Denn die meisten geschriebenen Bücher werden am Ende nicht veröffentlicht. Die Autorin schreibt abwechselnd Bücher für Kinder und für Erwachsene. Eines ihrer erfolgreichsten heißt „Ein Stern Namens Mama“, in dem ein elfjähriges Mädchen den Tod ihrer Mutter verarbeitet. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und in Japan zum Bestseller.

Schon mit fünf wollte sie Schriftstellerin werden

Zum Vorlesen in der Klasse hatte Fessel aus ihrem reichen Fundus aber zwei lustigere Bücher ausgewählt: „Und wenn schon“ handelt von einem Jungen, der aus einer großen, aber armen Familie heißt und mit dem altertümlichen Namen Manfred gestraft ist. Das Buch ist aus der Perspektive Manfreds geschrieben und deshalb gespickt mit umgangssprachlichen Ausdrücken wie Penner, alter Knacker oder ,Leck mich doch’.

Die Schüler amüsieren sich köstlich und erfahren nebenbei, wie so die Verhandlungen zwischen Autorin und Lektorat aussehen können. „Die Lektorin hat nachgezählt. Zehn Mal hatte ich in dem Buch ,Scheiße’ geschrieben. Wenigstens fünf Mal sollte ich das Wort wieder streichen“, erzählt Fessel.

Ein Buch ist komplett in Jugendsprache geschrieben

Dann liest sie noch aus ihrem neuesten Buch „Hip-Hop Hund und Herzgehüpfe“, das im rosa Einband eher als Mädchenbuch daherkommt, aber eigentlich mit den Geschlechter-Klischees spielt. Erzählt wird die Geschichte von den Zwillingen Milla und Mika, die beide unheimlich gerne tanzen. Sie liebt Hip-Hop und er Ballett. Auch das Buch wird begeistert von den Schülern aufgenommen, unter anderem auch deshalb, weil Fessel anders als manch anderer Autor eine hervorragende Vorleserin ist.

Von Ralf Stork

Die Monatsbotin April 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die vierundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein trotz seiner 31 Tage viel zu kurzer Monat März, der durch wechselhaftes Wetter und abwechslungsreiche Tätigkeiten glänzte. Zunächst stand am 6. März die erste Lesung des Jahres auf dem Programm: die Achtklässler des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow durfte ich in der Janusz-Korczak-Bibliothek mit „Alles ist echt“ und weiteren Werken erfreuen, gute zehn Tage später ging es dann auf die Leipziger Messe, um zwei meiner drei Neuerscheinungen dieses Frühlings zu präsentieren: Zuerst im Duett mit der Illustratorin Heidi Kull unser gemeinsames  Bilderbuch „Nebeltage, Glitzertage – Kindern bipolare Störungen erklären“ (Psychatrie-Verlag, ab 4),

Mutter zieht aus

 

 

 

dann meinen Roman „Mutter zieht aus“ (konkursbuch Verlag Claudia Gehrke). Messelesungen sind ja immer ein Fall für sich – gern nutzen erschöpfte Messebesucher die raren Sitzplätze zum Stullen verzehren und Handynachrichten abrufen -, aber zum Glück waren beide für den Sonntag angesetzt und die hohen Schneeverwehungen des plötzlichen Wintereinbruchs stellten kein Hindernis mehr dar.

Am 21. stellte ich dann in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam meine dritteFrieda Fricke - unglaublich! (ab 8, Kinderbuch, Kosmos Verlag 2018)

Frühjahrsneuerscheinung „Frieda Fricke – unglaublich!“ (Kosmos, ab 8) vor.  Gleich vier 4. Klassen lauschten amüsiert, wie Frieda und Mitja es hinkriegen, eine Schubkarre voller Schafskacke zu sammeln, die einem bestimmten, aber sehr guten Zweck dient …

Zwischen diesen Terminen standen natürlich auch die Online-Workshops auf dem Programm – und selbstverständlich die Schreibarbeit am kommenden Roman, dazu einiges an Organisatorischem:  die Akquise von Lesungen zeitigt Wirkung: „Mutter zieht aus“ werde ich in diesem Jahr auf jeden Fall in folgenden Städten präsentieren: 6. April:  Mönchengladbach, 19. April und 17. Mai: Berlin, 29. Mai: Osnabrück, 30. Mai: Mülheim/Ruhr, 20. Juni: Wadern, 21. Juni: Saarbrücken, 1. September: Hamburg, 4. September: Mildstedt, 6. September: Heide, 7. April: Westerland, 13. September: Meppen, 18. Oktober.:Kassel. Weitere Lesungen sind in Vorbereitung! 

Und Pressearbeit stand auch an. Kleine Kostprobe gefällig? Das aktuelle Interview mit dem queeren Bielefelder Stadtmagazin weird – hier zum Nachlesen …

Und was kommt?

Viele Lesungen stehen an, wie immer im April: „Mutter zieht aus“ steht gleich mehrfach auf dem Programm: am 6. April in der Buchhandlung Prolibri in Mönchengladbach, am 19. als Berlin-Premiere im „Goldenen Handwerk“, eine der wenigen noch erhaltenen und von mir heißgeliebten original Berliner Eckkneipe in meiner eigenen Straße – wo Hund Luki übrigens täglich vom freundlichen Wirt mit Leckerlis hereingelockt und verwöhnt wird. Zwischen 12 und 15h werden dort werktags auch die menschlichen Gäste verköstigt, mit üppiger zumeist deutscher Hausmannskost.

Danach sind dann erstmal wieder die Kinder dran – in der Stadtbücherei Falkenhagener Feld, der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien und der Amerika-Gedenkbibliothek. Was übrigens bislang der meiner Wohnung im vierten Stock am nächsten gelegene Leseort war, aber das ist dann passé, denn das Goldene Handwerk liegt näher!

Und danach geht es dann auch wieder in die Akademie Waldschlösschen, um beim Treffen HIV-positiver Frauen zu meiner großen Freude neuerlich einen Schreibworkshop zu leiten.

Und dazwischen werden noch die Onlineworkshops betreut, und natürlich wird  geschrieben – nebenbei an einem internen Projekt, vorrangig aber am neuen Roman, über den ich noch nicht viel erzählen möchte.  Und wer mir jetzt zuerst schreibt, warum ich anfangs über meine in Arbeit befindlichen Bücher noch nicht reden möchte und ab welchem Stadium dann doch, der bekommt ein handsigniertes Exemplar von „Nebeltage, Glitzertage“ zugeschickt …

Einen munteren April wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im April:  6. April, 19h, Mönchengladbach, Buchhandlung Prolibri, Schillerstraße 22 : Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 19. April, 20h Berlin-Kreuzberg, Zum Goldenen Handwerk, Obentrautstr. 36: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshop „Der Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 3. April und am 3. Mai – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Lizzie Doron: Who the Fuck is Kafka / Mit diesem Buch hat die spannende israelische Autorin ihre literarische Beschäftigung mit der „zweiten Generation“ der Holocaust-Nachgeborenen abgeschlossen, was ich in der Tat bedauere. Als eine Art Zwiegespräch zwischen ihr und einem arabischen Israeli fungiert dieses Buch zugleich aber auch als faszinierendes Dokument einer bislang vergeblichen Annäherung, die viele erstaunliche Einsichten eröffnet. // Lizzie Doron: Sweet Occupation / Unmittelbar daran schließt dann Dorons neuestes Werk an, mit dem ich allerdings nur wenig anfangen kann. Der ehrgeizige Versuch, den Boden für einen vielleicht auch nur brüchigen Frieden zwischen Juden und Arabern in Israel vorzubereiten, indem die Autorin die Bewegung der Friedenskämpfer porträtiert, wirkt auf mich zusammengestoppelt und hingehetzt und lässt genau jene Eindringlichkeit vermissen, für die ich Doron so schätze. Schade, aber geht sie literarisch eben einen neuen Weg, auf dem zumindest ich ihr nicht folgen möchte. // Amira Hass: Bericht aus Ramallah. Eine israelische Journalistin im Palästinensergebiet / Diese Sammlung von Reportagen aus dem Westjordanland, verfasst von der einzigen dort lebenden israelischen Journalistin, hat mich dann schon eher gepackt. In nüchterner Sprache schildert Hass nahezu wertfrei die großen und kleinen Schikanen, unter denen die Palästinenser zu leiden haben. Die Frage, ob die Bevölkerung Israels und Palästinas jemals in Frieden zusammenleben kann, bleibt nach der Lektüre der vor gut zehn Jahren entstandenen Texte auch weiterhin unbeantwortet. // Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth: Als die Juden nach Deutschland flohen / Das ist spannende Geschichtslektüre: Dieser locker geschriebene Bericht über ein vergessenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte hat mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Die beiden  Autoren schildern das Leben in den Lagern für Displaced Persons, in denen sich nach Kriegsende zigtausende heimatlose Juden vorübergehend einrichteten. Teils bis 1957 lebten sie abgeschottet von den deutschen Nachbarn, die ihnen noch kurz zuvor nach dem Leben trachteten, zogen Kinder auf, bereiteten sich auf die Ausreise nach Erez Israel vor, die dann doch oft nicht stattfand. Eine Art Niemandsland für Verfolgte, Vertriebene und Gequälte, bis sie am Ende dann auch von dort vertrieben wurden … // Daniel Schreiber: Nüchtern. Über das Trinken und das Glück / Ein wenig mehr hatte ich mir dennoch erwartet, obwohl Schreiber wirklich ausführlich und fundiert recherchiert hat: Wie Alkoholmissbrauch in unserer Gesellschaft geduldet und gestützt wird, beschreibt er gekonnt und niemals langweilig. Aber wie genau sein persönlicher Alkoholkonsum aussah, welchen Unterschied das Nüchternsein dann wirklich macht und wie genau dessen Qualitäten aussehen, das steht dann irgendwie doch nicht in diesem Buch – und lässt mich vielleicht nicht nüchtern, aber ein bisschen ernüchtert zurück.

Die Monatsbotin März 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die dreiundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein sehr spannender kurzer Monat, der zunächst mit einer kurzen Privatreise in meine Heimatstadt Meppen begann. Drei Tage besuchte ich mit Kind und Kegel mein liebes Mütterchen, der ich zum 80. Geburtstag das soeben erschienene Buch „Mutter zieht aus“ schrieb, in dem nicht nur die Lebensgeschichte meiner Mutter, sondern auch der gesamten Familie verewigt ist.

Der Roman lässt sich ebensogut als Biografie und erzählendes Sachbuch bezeichnen, beschreibt er doch exemplarisch am Beispiel des Lebens meiner Mutter die Kriegskindergeneration und deren Auseinandersetzung mit den eigenen Töchtern. Ebendies ist jenes „geheimnisvolle“ Projekt, von dem ich immer mal wieder in der Monatsbotin berichtete

– nun ist es frisch erschienen, und so verbrachte ich im Februar auch einige Zeit damit, Lesungen zu akquirieren und die Werbetrommel zu rühren. Im März stelle ich das Buch auf der Leipziger Buchmesse vor, die erste öffentliche Lesung darauf folgt dann am 6. April in Mönchengladbach, und spätestens dann stehen auch die Berliner Leseorte fest …

Die kurze Zeitspanne bis zu meiner Studien- und Recherchereise nach Israel in der letzten Februarwoche war wiederum ausgefüllt mit den Vorarbeiten  zum neuen „großen“ Roman, der einige hundert Seiten umfassen wird. Immer noch ist diese von mir sehr geliebte Tätigkeit nicht abgeschlossen, vor allem mit der Bestimmung der Erzählperspektive – eine absolute Grundvoraussetzung für mich, bevor es mit dem eigentlichen Schreiben losgehen kann – bin ich noch nicht ganz im Reinen. Tja, gut Ding will Weile haben, und dann ging es ja auch schon in kompetenter Begleitung nach Israel, um meine privaten Judaistik- und Holocauststudien vorläufig zu vervollkommnen. Die siebentägige Reise war so prall gefüllt mit Aktivitäten und Eindrücken wie kaum eine meiner bisherigen Reisen – mit dem Mietwagen ging es vom Flughafen nach Jerusalem, wo mein guter Freund Dr. Stefan Rasche, seines Zeichens Galerist und Kunsthistoriker und damit natürlich prädestiniert als wandelndes Lexikon, und ich im ungemein schönen „Deutschen Hospiz“ unterkamen. Das wiederum ist ein von Nonnen des Borromäus-Ordens betriebenes christliches Gästehaus mit wunderbar sauberen, ruhigen Zimmern und einem fantastischen Garten. Von dort aus starteten wir zu unseren umfangreichen Besichtigungen, die der liebe Dr. Rasche mit großem Engagement fotografisch festhielt:

Bazar in der Jerusalemer Altstadt
Wartende vorm und im Museum für Moderne Kunst, Tel Aviv
Runde Ecke, Tel Aviv
Straßenszene in der weißen Stadt
Blick aufs Tote Meer und die jordanische Berglandschaft im Hintergrund
Wandernd durch Tel Aviv

 

 

 

 

 

 

die Jerusalemer Altstadt mit Klagemauer, jüdischem Viertel und Grabeskirche standen auf unserem Programm, desgleichen der Ölberg,

 

 

 

 

 

das Tote Meer, die Wüstenstädte Arad, Beer Scheva, die einzige israelische Beduinenstadt Rahat, aber natürlich auch die weltweit größte Holocaust-Erinnerungsstätte Yad Vashem, das ultraorthodoxe Viertel Mea Shearim und die ehemals deutsche Kolonie im Stadtviertel Rechavia.

Nach drei Tagen ging es weiter nach Tel Aviv, wo wir täglich die einstmals wunderschöne, nun recht heruntergekommene von Bauhausarchitekten erbaute „weiße Stadt“ durchstreiften und die alte Hafenstadt Jaffa erkundeten. Aber auch Nazarareth, der See Genezareth, die Hügellandschaft Galiläas, der Berg Tabor und Tiberias standen auf dem Programm, desgleichen die Küstenstädte Netanya und Haifa.

Die krassen Gegensätze und komplett unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen innerhalb dieses kleinen, pulsierenden Landes mit seiner langen, leidvollen Geschichte haben uns schwer beeindruckt und viel zu denken gegeben; von dieser Reise werde ich sicherlich noch lange zehren.

Und was kommt?

Zunächst: die ersten Lesungen des Jahres. Der Reigen beginnt am 6. März mit einer Lesung aus „Alles ist echt“ und weiteren Büchern für Achtklässler des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow, dann steht auch schon die Leipziger Messe an, wo ich am 18. März gleich zwei Neuerscheinungen hintereinander präsentieren werde: Zunächst mein erstes Bilderbuch „Nebeltage, Glitzertage – Kindern bipolare Störungenerklären“ (Psychatrie-Verlag, ab 4), dessen von Heidi Kullgestaltete Illustrationen dabei ebenfalls zu sehen sein werden, dann, wie oben schon erwähnt, mein neuer Roman „Mutter zieht aus“.

Am 21. habe ich dann das Vergnügen, in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam meine dritte Frühjahrsneuerscheinung „Frieda Fricke – unglaublich!“ (Kosmos, ab 8) vorzustellen. In der Frieda diesmal so richtig politisch aktiv wird, und nicht nur sie: Denn Frieda und Mitja belauschen zufällig Mitjas Papa und einen Großstadt-Schnösel-Spekulanten (der übrigens nichts mit Spekulatius zu tun hat, wie die

Frieda Fricke - unglaublich! (ab 8, Kinderbuch, Kosmos Verlag 2018)
Frieda Fricke – unglaublich! (ab 8, Kinderbuch, Kosmos Verlag 2018)

beiden bald darauf herausfinden …) auf dem Deich. Das gibt es doch nicht – die wollen wirklich ein Hotel auf dem Deich bauen und die Schafwiese soll zu einem Parkplatz werden! Klar, dass Frieda und Mitja sich da was einfallen lassen müssen – und ein Haufen Schafskacke ist dabei dann ganz schön hilfreich …

Und natürlich stehen auch weiterhin die Online-Workshops auf dem Programm – und selbstverständlich die Schreibarbeit am kommenden Roman. Viel zu tun also – der Frühling kann kommen!

Einen blühenden März wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im März:  18. März, 13.30h, Messe Leipzig, Lesetreff Halle 2: Lesung aus „Nebeltage, Glitzertage“ / 14.30h, Forum Literatur + Hörbuch, Halle 3, Stand B501: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Der Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 5. März und 3. April – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Martin Schäuble: Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina / Roberto Strasser: Kauderwelsch Hebräisch Wort für Wort / Will Tondok und Burghard Bock: Reiseführer Israel und Palästina // Diese drei Bücher waren für meine Israelreise wirklich unentbehrliche Begleiter: Martin Schäubles fundierter und erfrischend geradlinig geschriebener Text bereicherte meinen Blickwinkel auf die Eigenheiten Israels ungemein; dank Strassers kleinen Wörterbuchs erfuhr ich einen direkten Zugang zur fremden Sprachwelt des Hebräischen und konnte dann auch die wichtigsten Sätze und Floskeln zur großen Freude der Israelis flüssig aufsagen; und der schwergewichtige und ausführliche Reiseführer diente täglich als Nachschlagewerk, Orientierungshilfe und Bettlektüre. Rundum zu empfehlen! // Camilla Läckberg: Die Eishexe / Ach, das hat mich sehr erfreut – nach den letzten beiden mäßigen Werken einer meiner Lieblingskrimiautorinnen ist die Eishexe endlich mal wieder nahezu rundum gelungen: die spannende Geschichte um zwei Morde an kleinen Mädchen am selben Ort, allerdings mit dreißig Jahren Zeitunterschied, zog mich endlich mal wieder richtig in den Bann. Die ebenfalls spannende Parallelhandlung aus der Zeit der Hexenverfolgung aber hätte Läckberg sind meiner Ansicht nach ruhig sparen können, jedenfalls in diesem Zusammenhang. Aber vielleicht macht sie ja noch ein eigenes Buch draus, das wäre dann sicher lesenswert …

Die Monatsbotin Februar 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die zweiundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

… ein tatsächlich arbeitsintensiver Januar liegt hinter mir. Nicht nur die neuen Online-Workshops haben angefangen, sondern mehrere Texte waren zu schreiben: Zunächst mein Herzensprojekt, zwei aktualisierte Kurzgeschichten mit dem Thema „Wie kläre ich mein Kind darüber auf, dass ich HIV-positiv bin?“ für die Deutsche Aids-Hilfe. Die Texte sind als Einleger für die aktualisierte Broschüre zum selbigen Thema gedacht, und mir hat es großen Spaß gemacht, einerseits eine Geschichte für 6-10-Jährige, andererseits für 11-16-Jährige zu entwickeln und beide dann motivisch miteinander zu verbinden.

Ein ganzes Kinderbuch zum Thema allerdings, das habe ich anhand diverser Nachfragen dann feststellen müssen, ist bei einem Kinder- und Jugendbuchverlag offenbar nicht unterzubringen, da die Zielgruppe als zu gering erscheint. Zu schade – aber noch habe ich meine Idee nicht ad acta gelegt …

… genausowenig wie die Acquise für Lesungen aus meinem in diesem Monat erscheinenden Buch „Mutter zieht aus“ Cover Mutter zieht aus“ (konkursbuch Verlag Claudia Gehrke). Zehn Lesungen stehen mittlerweile fest, ein Dutzend weitere sind noch in Planung, in Berlin allerdings ist noch kein geeigneter (Premieren-)ort gefunden. Aber weil es gar so schön ist, hier noch einmal das Cover – mit einem Originalfoto aus dem Jahre 1961. Rechts im Bild: meine Mutter Anke Fessel, damals 24 Jahre jung und frischgebackene Mutter meines großen Bruders, ihres Erstgeborenen, der im Kinderwagen (links im Bild) liegt. Das Originalfoto, von meinem Vater fotografiert, ist übrigens schwarzweiß, nachkoloriert wurde es höchstpersönlich von meiner umtriebigen Verlegerin Claudia Gehrke. Deren Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sich wiederum angelegentlich um Lesungen kümmert und mir in letzter Minute noch einen Leseslot auf der Leipziger Buchmesse besorgen konnte.

Auf meinen letzten Aufruf in der Januar-Monatsbotin gab es gleich einige gute Tipps, aber noch hat keiner zum Erfolg geführt, deshalb hier noch einmal: Wer mir übrigens eine Buchhandlung oder einen Veranstalter vermitteln kann, in der oder durch den dann tatsächlich eine Lesung stattfinden wird, bekommt direkt nach Erscheinen im Februar 2018 ein handsigniertes Exemplar zugeschickt. Also nur her mit den Tipps!

Und was war noch? Eine höchst erfreuliche Nachricht: Im November werde ich als „Poet in Residence“ an die Uni Bielefeld berufen und damit ein Blockseminar für Studierende, eine öffentliche Lesung und zwei Schullesungen halten und im Juni darauf bei den Paderborner Kinderliteraturtagen zu Gast sein. Nicht nur ist mir diese Ehre eine besondere Freude, weil ich damit die Nachfolge so bedeutsamer zeitgenössischer AutorInnen wie Paul Maar, Kirsten Boie, Klaus Kordon und Anja Tuckermann antreten darf, sondern auch, weil in der Folge stets ein eigener Sammelband über den jeweiligen Poeten herausgegeben wird, was mich ungemein freut.

Ja, und die Arbeit an meinem neuen Buch, das im Frühjahr 2019 erscheinen soll, hat begonnen – das heißt, immer noch die Vorarbeit, die im Sichten, Eintippen und Vorsortieren der vielen handgeschriebenen Notizen aus den letzten eineinhalb Jahren besteht.

Und was kommt?

Als nächstes folgt dann die genauere Einteilung in Kapitel und Teile, was sicherlich auch noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird. Die Vorarbeit zu einem „großen“ Roman, der einige hundert Seiten umfassen wird, dauert immer eine ganze Weile, und ich muss auch noch viel darüber nachdenken. Spätestens im März werde ich dann mit dem kontinuierlichen Schreiben beginnen, bis zum Jahresende soll der Roman dann fertig sein, damit er im Frühjahr 2019 – ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant – erscheinen kann.

Damit habe ich reichlich zu tun – außerdem steht auch noch im Februar eine einwöchige Studienfahrt nach Israel an, auf die ich mich seit Jahren freue und vorbereitet habe. Es bleibt also spannend …

Einen anregenden Februar wünscht Karen-Susan Fessel!

Onlineworkshops: Die nächsten Onlineworkshops „Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 5. März und 3. April – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte“ / Ein merkwürdiges Buch: Die hochgelobte Autobiografie des bekannten Literaturkritikers, Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, hat mich nicht recht berührt. Der erste Teil kommt als intellektuell angelegter Miniroman in personaler Erzählperspektive daher, dann wechselt Mangold, als wäre ihm die Puste ausgegangen, in die Ich-Perspektive und schildert seine Jugend in Heidelberg, seine wenigen Erfahrungen mit unverstecktem Rassismus und seine distanzierte Beschäftigung zu seiner afrikanischen Familie, mit der er im Grunde wenig anfangen kann. Mangold schildert die patriarchalischen Machtverhältnisse ohne jegliche auch nur leise Kritik daran, sondern wie naturgegebene Tatsachen. Bei einem sonst so kritischen Geist wie ihm ist mir das übel aufgestoßen. // Susanne Mayer: Die Kunst, stilvoll älter zu werden. Erfahrungen aus der Vintage-Zone / Tja, warum habe ich mich über dieses Buch eigentlich geärgert? Der Titel sagt doch eigentlich alles. Um stilvolles Altern als gutsituierte Frau, Mitglied oder Möchte-Gern-Mitglied der oberen Zehntausend geht es, darum, auch jenseits der 60 noch attraktiv zu wirken, nicht aus der Rolle zu fallen und stets die Haltung zu bewahren. Dieses Zielpublikum mag sich bei der Lektüre im Cocktailsessel zurücklehnen und gepflegt schmunzeln, natürlich mit der behandschuhten Hand. Für alle anderen bietet das Werk keinerlei Erkenntnisgewinn. // iO Tillett Wright: Darling Days. Mein Leben zwischen den Geschlechtern / Nein, meiner Ansicht nach ist dies kein Buch über Genderfragen, höchstens am Rande. Wrights akribisches Protokoll einer schwierigen Kindheit und Jugend in New York sehe ich als das alarmierende Portrait einer Kindesverwahrlosung mit Ansage unter dem Deckmantel des libertinären Künstlertums, ignoriert und übersehen von Verwandten, Bekannten, Freunden. Wright schildert das Leben mit einer amphetaminsüchtigen und psychisch kranken Mutter, und die Entscheidung der Siebenjährigen, fortan als Junge leben zu wollen – die er mit 13 dann wieder revidiert -, begreife ich als einen Hilfeschrei und den einsamen Versuch, wenigstens in einer Hinsicht nicht das allerschwächste Glied zu sein. Wie kaum ein anderes Buch hat dieses mich wütend gemacht, aber nicht nur wegen des geschilderten Martyriums, sondern auch wegen der Vermarktungsstrategie. Solange solche Werke romantisierend verklärt als Genderbooks angepriesen werden, wird das Wegsehen gefördert. Wer verklärt, sieht nicht wirklich hin. Und genau das wäre bitter nötig, auch heute, auch in unserer nächsten Umgebung. // Alex Gino: George / Da passte die nächste Lektüre ja perfekt: Das erste Kinderbuch über einen transidentischen Jungen, ebenfalls aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt, hat mich allerdings auch nicht ganz überzeugt. Was nicht am gut aufbereiteten Thema liegt – George fühlt sich als Mädchen und tritt mit Hilfe seiner besten Freundin Kelly dann auch als ein solches auf, allerdings nur in einem Theaterstück und bei einem Zoobesuch -, sondern am leicht drögen Erzählstil. Und die wichtige Frage, wie denn am Ende der geschiedene Vater reagiert und wie es nun weitergehen soll jenseits der Fantasiewelten, die bleibt leider komplett unbeantwortet.

Die Monatsbotin Januar 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein endlich mal recht entspannter Lieblingsmonat Dezember, denn diesmal gelang es mir tatsächlich, die anvisierte Arbeitspause einzulegen. Allerdings erst in der zweiten Monatshälfte, denn immerhin liefen die Onlineworkshops ja weiter. Und eine letzte Lesung gab es auch noch, am 7. Dezember in der Stadtbücherei Berlin-Prenzlauer Berg, wo ich zwei sechste Klassen der Käthe-Kollwitz-Grundschule mit einer Lesung aus „Und wenn schon!“, „Ein Stern namens Mama“ und „Hip-Hop, Hund und Herzgehüpfe“ zum Lachen und vielleicht auch Nachdenken brachte.

Lesungen vor Schüler*innen in diesem Alter, aber auch vor älteren Schülern, beginne ich zunächst damit, von meinem Leben und meinem frühen Wunsch, Schriftstellerin zu werden, zu erzählen. Dann stelle ich meine wichtigsten altersgerechten Werke vor und präsentiere Auszüge aus zwei bis drei Büchern, anschließend gibt es Zeit für Fragen, wobei jüngere Kinder gern auch mal zwischendurch etwas Wichtiges auf dem Herzen haben oder einen Kommentar loswerden möchten. Eine Faustregel gibt es dabei: je jünger die Schüler*innen, desto zahlreicher die Fragen. (Und je jünger die Schüler*innen, desto eher strömen sie beim Hereinkommen nach vorn in die erste Reihe. Ab der achten Klasse setzen sich alle lieber nach hinten, werden dann aber von mir freundlichst nach vorn komplimentiert.) Am Ende dann gibt es auf Wunsch noch signierte Autogrammkarten – und natürlich greift auch hier die Regel: Je jünger die Kinder, desto mehr Karten sind gewünscht …

Und was kommt?

… ein wiederum arbeitsintensiver Januar. In diesem Monat nämlich starten nicht nur wieder neue Online-Workshops, sondern mehrere „Textarbeiten“ stehen an. Zunächst werde ich mich einem Herzensprojekt widmen, das ich schon vor vielen Jahren zum ersten Mal in Angriff genommen habe: zwei Kurzgeschichten mit dem Thema „Wie kläre ich mein Kind darüber auf, dass ich HIV-positiv bin?“ für die Deutsche Aids-Hilfe stehen an. Die Broschüre „Wie sag ich’s meinem Kind? – Tipps und Anregungen für HIV-positive Mütter und Väter“, für die ich im Erscheinungsjahr 2010 bereits eine extra einliegende Kurzgeschichte verfasst habe, muss nun aufgrund der veränderten Entwicklung der Behandlungsmöglichkeiten von HIV dringend aktualisiert werden, und damit steht auch eine Überarbeitung der Kurzgeschichte an.

Danach warten dann die Einkommenssteuererklärung für das vergangene Jahr und die Umsatzsteuer-Voranmeldung für das vierte Quartal 2017; desweiteren steht eine umfangreiche Acquise an: Um die Lesungen aus dem im Februar erscheinenden Buch „Mutter zieht aus“ Cover Mutter zieht aus“ (konkursbuch Verlag Claudia Gehrke) nämlich kümmere ich großenteils gern selbst.

Wer mir übrigens eine Buchhandlung oder einen Veranstalter vermitteln kann, in der oder durch den dann tatsächlich eine Lesung stattfinden wird, bekommt direkt nach Erscheinen im Februar 2018 ein handsigniertes Exemplar zugeschickt. Also nur her mit den Tipps!

Einen friedlichen Januar wünscht Karen-Susan Fessel!

Onlineworkshops: Die nächsten Onlineworkshops „Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 8. Januar – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Åsne SeierstadZwei Schwestern. Im Bann des Dschihad“. Aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock. / Das neue Werk meiner Lieblingsjournalistin musste ich natürlich sofort nach Erscheinen lesen – den biografischen Roman um zwei norwegische Mädchen, die in den Dschihad ziehen, hat Seierstad derart gut konstruiert und recherchiert, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen habe. Entstanden nach einer wahren Geschichte, zeichnet der dokumentarische Roman die Radikalisierung der 16- und 18-jährigen Norwegerinnen mit somalischen Wurzeln auf der einen Seite und den verzweifelten Versuch des Vaters, seine Kinder aus Syrien zurückzuholen, bis ins kleinste Detail nach. Bis zur letzten Seite bleibt offen, ob die mittlerweile in Rakka verheirateten und Mütter gewordenen Töchter zurückkehren; und deshalb werde ich das Ende hier auch nicht verraten. Das Werk lässt die Leser sehr gut informiert, aber dennoch ratlos zurück. // Åsne SeierstadDer Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte. / Im Sog der klaren Sprache Seierstads griff ich dann doch zum letzten ihrer Werke, das ich noch nicht gelesen habe. Große Lust hatte ich bislang nicht, mich mit einer afghanischen Familie eingehend zu befassen, da hätte ich andere Ethnien spannender gefunden. Das aber hat sich grundlegend geändert: Einen derart spannenden, feinfühligen Einblick in eine mir vollkommen fremde Kultur habe ich nicht erwartet. In vielen einzelnen Erzählungen, die diverse Mitglieder der afghanischen Großfamilie zur Hauptperson machen, berichtet Seierstad, die selbst ein halbes Jahr in der betreffenden Familie gelebt hat, von fremdartig anmutenden, extrem frauenverachtenden Traditionen und Gebräuchen. Die Dominanz der männlichen Familienoberhäupter aber führt nicht nur zu ausufernder Unterdrückung von Frauen und Mädchen, sondern auch jüngerer männlicher Familienmitglieder. Das Buch, entstanden 2002, ein Jahr nach dem Fall der Taliban, hat mich schockiert und zornig gemacht wie kaum ein anderes – ob sich in Afghanistan seither viel geändert hat, scheint fraglich. Das Oberhaupt der afghanischen Familie jedenfalls hat Seierstad nach dem Erscheinen des Buches Ausnutzung seiner Gastfreundschaft vorgeworfen, einer seiner Ehefrauen, die 2006 nach Norwegen geflüchtet war, mussten Seierstad und ihr Verlag Schadensersatz zahlen, da nicht für alle Behauptungen Belege vorgelegen hätten. Da nützte es Verlag und Autorin auch nichts, dass sie extra auf den fiktiven Erzählcharakter des Romans verwiesen. Ein Roman ist zwar eigentlich ein Roman, aber manchmal eben doch kein Roman …