Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // April 2014

Hier kommt sie, die siebte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Wer aber versehentlich auf dem Verteiler gelandet ist und schon viel zu viel zu lesen hat: Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Keine weiteren Einsendungen gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon herrscht gespenstische Ruhe im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

 Was war?

Geschrieben habe ich, wie sich das für eine Schriftstellerin ja auch gehört, allerdings noch nicht am zweiten Herzblut-Band für den Kosmos-Verlag, der voraussichtlich im Januar 2016 erscheinen wird, sondern an beiden bereits in den vergangenen Monatsbotinnen erwähnten Büchern zum (zumindest vorerst) „privaten“ Gebrauch. Was nicht ganz stimmt, eines der beiden ist auf jeden Fall für eine Veröffentlichung gedacht, aber ich versuche damit gerade ein Experiment, das ich schon lange in Gedanken bewegt habe: ein Buch komplett fertig zu schreiben, ohne Druck und jegliche Einwirkungen von außerhalb, und es erst dann einem Verlag anzubieten. Die Vorstellung erschien mir immer wie purer Luxus; natürlich aus der Überlegung heraus, sozusagen im Geheimen, zum Vergnügen daran zu schreiben, ohne dass irgendjemand auch nur eine Ahnung hat, worum es gehen könnte.

Luxus auch deshalb, weil man natürlich die Zeit und auch das Geld haben muss, um ohne Vorschuss an einem Buch zu arbeiten. Da ich beides im Grunde aber nicht habe, habe ich schlichtweg mein Arbeitskonzept angepasst: Nun schreibe ich nicht am Stück, sondern immer nur ein bisschen, das aber am liebsten jeden Tag. Was wiederum auch nicht ganz aufgeht, aber immerhin, beide Werke – auch das ein Experiment, in der Regel schreibe ich immer nur an einem Buch, nie an zweien zugleich – gedeihen langsam vor sich hin. Buch 1 umfasst mittlerweile knappe dreißig, Buch 2 über siebzig Seiten. Ich hoffe, Buch 2 bis zum Sommer, Buch 1 bis zum Jahresende fertiggestellt zu haben. Die Monatsbotin wird es verraten … oder aber schamhaft verschweigen. Was sie ja auch darf, schließlich handelt es sich ja um private Projekte, ha!

Ansonsten bot der März einige Lesungen unterschiedlichster Couleur: einen ganzen Schwung Oranienburger Neuntklässler, sowohl Gymnasiasten als auch Gesamtschüler, die am 10. März mit großem Interesse über „Liebe macht Anders“ diskutierten, und das anlässlich der Neueinweihung der Oranienburger Kinder- und Jugendbücherei an neuer Stätte. Überaus gelungen finde ich die architektonische Lösung am neuen Standort gleich am Schlossplatz, mit viel Platz für Lesungen, Leser und Lesesessel …

Drei Tage später bestieg ich in aller Frühe den Intercity nach Leipzig, um zunächst weitere knapp hundert Neuntklässler des Mockauer Brockhaus-Gymnasiums mit Auszügen aus meinen Werken, vor allem aber „Liebe macht Anders“ zu erfreuen. Klappte gut, auch wenn die Zeit zum Diskutieren knapp bemessen war, denn flugs musste ich auch schon weiter zum Messegelände, um in der Lesebude 2 eine weitere Lesung darzubieten. Öffentliche Lesungen auf Messen sind – ähnlich wie die auf Volksfesten oder, schlimmer noch, in Shopping-Malls, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß – immer ein Risiko: Selten sitzen die passenden Altersgruppen im Publikum, sondern gern überdrehte Grundschulkinder mit ihrem lethargischen Lehrpersonal, erschöpfte Messebesucher, die nach einem Sitzplatz gesucht haben und sofort einschlafen, verwirrt gaffende Give-Aways-Jäger mit prall mit Katalogen gefüllten Einkaufstüten. Diesmal aber passte alles ganz gut; den Löwenanteil machte eine 8. Klasse aus Berlin aus, die interessiert zuhörte und sich sichtlich amüsierte. Irritiert war ich nur, als zwischendrin nacheinander drei Jugendliche unvermittelt aufsprangen. Sie rannten allerdings zum Büchertisch und erwarben je ein Exemplar, um es sich hinterher von mir signieren zu lassen. Sowas geht natürlich runter wie Butter.

Schön auch die Begegnung mit einer jungen Dame, die ich auf Anfang Zwanzig geschätzt hatte und für einen Fan meiner Erwachsenenromane hielt, bis sie mir beim Signieren erklärte, sie hätte schon letztes Jahr drei meiner Bücher gelesen und freute sich jetzt sehr auf „Liebe macht Anders“. Auf die Frage, welche drei, entgegnete sie: „Die drei Bücher mit Mike, Robin und Luke!“

Welche das sind? Wer es errät, bekommt ein Exemplar des ersten Bandes zugeschickt – natürlich ebenfalls signiert!

Dennoch hat die Messe wie immer einen komischen Beigeschmack bei mir hinterlassen. Bei meinem ersten Messebesuch in Frankfurt im Oktober 1994, nach Erscheinen meines Erstlings „Und abends mit Beleuchtung“, war es nicht anders: Es gibt wohl keinen anderen Ort, an dem der Schriftsteller nicht unweigerlich mit der Frage konfrontiert wird, welche Bedeutung sein eigenes Werk eigentlich hat. Ob zu den jährlich fast 100.000 Neuerscheinungen noch seins dazu kommt oder eben nicht, welche Rolle spielt das schon?

Nie wieder habe ich mich und meine Arbeit unwichtiger und belangloser empfunden als nach jenem Messebesuch im Jahre 1994. Und obwohl ich seither eine ganze Anzahl höchst umtriebiger und vergnüglicher Messebesuche hinter mir habe, empfinde ich bis heute noch jeden Messebesuch auf subtile Art als desillusionierend und (notwendiges) Übel. Wenn ich nicht muss, fahre ich nicht hin, aber wenn ich fahre, freue ich mich trotzdem darauf. Tja, Zwiespalt ist mein zweiter Name …

Nur einen Tag nach meiner Rückkehr aber folgte der Auftrieb in der Wahlheimat: Im Eisenherz Buchladen an neuer Stätte in der Motzstraße fand die Premiere von „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ statt, stilecht mit Bronkos realem Vorbild Luki, unserem Shih-Tzuh-Mischling, an meiner Seite. Fragen beantwortete er hinterher zwar nicht, aber die große Mehrzahl des Publikums war von seinem gewinnenden Wesen dennoch äußerst betört.

Bei der nächsten Lesung am 26. März in der 10. Berliner ISS in Steglitz musste Luki zwar im Auto ausharren, aber dafür hatten wiederum gut hundert Achtklässler ziemlich viel Spaß mit Manfred aus „Und wenn schon!“, den sie schon zuvor im Rahmen ihrer Klassenlektüre kennen gelernt hatten. Entsprechend gut vorbereitet waren auch die Fragen der jungen Leute, von denen einige zum allerersten Mal ein ganzes Buch durchgelesen hatten – großteils mit Vergnügen, wie sie mir offenherzig verrieten. Einigen von ihnen hatte das Buch allerdings gar nicht gefallen. Warum nicht? Na, pfft, ein Buch lesen eben … Ist doch voll ätzend.

Aber vorzulesen bekommen, das fanden auch sie gut. Immerhin etwas!

 

Und was kommt?
Ausräumen und umräumen. Und aussortieren und renovieren, denn der Schreibtisch im vierten Stock zieht um – innerhalb der Wohnung. Nach zweiundzwanzig Jahren (!) verlagere ich meinen Arbeitstisch wieder ins Nordzimmer, wo ich zuletzt als Studentin, als die Wohnung noch stets drei bis vier jungen Leuten als WG diente, meine Ideen in schwarze Notizbücher einschrieb. Die hatte ich in diesen Tagen auch wieder in den Händen, als ich mein neues Büro einrichtete: das wiederum ist nun in der ehemaligen Speisekammer untergebracht, einem 3,50 Meter mal 1,10 Meter großem Raum neben der Küche mit großem Fenster. In liebevoller Handarbeit hat meine allerbeste Freundin Ingrid, ihres Zeichens Tischlerin, mir dort passgenau ein Regalsystem hineingezimmert, das nun alle meine Ordner, Kästen, Unterlagen, Schreibutensilien, Fotos und Dokumente in perfekter Übersicht beherbergt, inklusive großer Arbeitsplatte, über der die alte Arbeitslampe meines Vater nun alles ins rechte Licht setzt. Ich bin entzückt – ins Nordzimmer zieht nun also nur noch das Nötigste mit, Tagebücher, PC, Schreibutensilien und jede Menge Texte. So stelle ich mir das auch vor in einer richtigen Schreibkemenate, dazu zwei Regalreihen Bücher, ein bequemes Bett und ein Lesesessel, vorm Fenster rauscht die Birke … perfekt!

Nach Ostern dürfte alles fertig sein. Und erst dann geht es ans nächste Buch, den Herzblut-Roman, mit frischem Schwung und strengem Zeitplan, auch wenn noch viel Zeit bleibt bis zur Veröffentlichung. Schriftsteller aber brauchen ja immer mindestens zwei feste Konstanten: Disziplin und Durchhaltevermögen.

Na ja, und anderes auch: Liebe und Bindungen, Zuversicht, Spaß. Den werde ich übrigens noch an diesem Wochenende haben, beim 50. Geburtstag einer altgedienten Freundin, die mir ja nur gut acht Monate voraus hat …

Und natürlich steht außer Renovieren, feiern (darunter auch Ostern), umziehen und schreiben auch noch lesen und leiten an: am 8. April halte ich wieder einmal zwei Lesungen in meiner Lieblings-Grundschule „Menschenskinder“ in Schönwalde-Glien bei Berlin, und am 26. und 27. April freue ich mich auf eine kleine, feine Schar interessierter Damen zum Schreibworkshop „Biografisches Schreiben“ im wunderschönen schleswig-holsteinischen Bordesholm. Noch sind Restplätze frei!

 Öffentliche Termine im April:

8. April, Schönwalde-Glien, Grundschule Menschenskinder, 9h und 11h: Lesungen aus „GG-was ist das?“ und anderen Kinderbüchern // 26./27. April, Bordesholm, Galerie Göldner: Schreibworkshop „Biografisches Schreiben für Frauen“; Informationen und Anmeldung unter www.rundumkunst.de

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Neu erschienen: Bronko, meine Frau Mutter und ich (Querverlag, Berlin)

Bronko, meine Mutter und ich

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Informationen zu “Schattenblicke” online

“Schattenblicke” – weitere Informationen zu meinem neuesten Jugendthriller, der unter anderem in Ungarn und Serbien spielt und für den ich Dank des Grenzgänge-Stipendiums dort recherchieren konnte, hier: http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/52543.asp

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // März 2014

Hier kommt sie, die sechste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Wer aber versehentlich auf dem Verteiler gelandet ist und schon viel zu viel zu lesen hat: Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Keine weiteren Einsendungen gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon herrscht gespenstische Ruhe im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

 

Was war?
Ja, richtig, der angekündigte Abstecher in meine Heimatstadt Meppen, wo erstmalig in einer Ferienwohnung logiert wurde. Die war riesig und vor allem so blitzeblank, wie ich als versierte Hotelschläferin es selten erlebt habe, eine Wohltat für ein so pingeliges Wesen wie mich. Anlass, einmal nachzuzählen: im vergangenen Jahr habe ich aus geschäftlichem Anlass genau 49 Nächte in Hotel- oder Tagungshausbetten verbracht. Wo ich diese Statistik noch einmal unterbringen kann, weiß ich noch nicht, aber vielleicht möchte das Deutsche Literaturarchiv Marbach diese Erhebung einmal einarbeiten. Noch mehr Zahlen gefällig? In 2013 hielt ich 17 Lesungen für Erwachsene und 33 für Kinder und Jugendliche, dazu vier Schreibseminare an insgesamt 20 Tagen. Und Wasserski bin ich bedauerlicherweise nur insgesamt an fünf Tagen gefahren. Das muss dringend anders werden!

Ansonsten habe ich Februar einiges geschrieben, und zwar in der Hauptsache an zwei Büchern zum „privaten“ Gebrauch (zumindest vorerst); dazu aber habe ich mit der Vorarbeit für den nächsten, zweiten Band in der Herzblut-Reihe im Kosmos-Verlag begonnen. Und der erste Schreibworkshop des Jahres stand auch an: eine kleine, aber feine Truppe aus hochambitionierten Damen hatte sich am 21. Februar im Schreibatelier Rathjen eingefunden, um in den beiden folgenden Tagen ihre in Arbeit oder Planung befindlichen Buchprojekte weiter auszuarbeiten. Der erste Schritt bestand für alle in einer eingehenden Konzeptionierung ihrer Bücher, die allesamt sehr interessant klingen und eines gemeinsam haben: mehr oder minder autobiografische Bezüge. Arbeitsintensiv und sehr kurzweilig war es, und fruchtbar dazu. Auf die Ergebnisse in Buchform darf man gespannt sein … Aber bis dahin dauert es noch eine Weile; erstmal müssen die Werke geschrieben werden.

Und was kommt?

Genau das: Geschrieben wird! Und zwar von März an bis vermutlich Juni am zweiten Herzblut-Band, der mir schon unter den Nägeln brennt. Über den Inhalt darf ich (siehe die letzte Monatsbotin) noch nichts verraten, aber wie schon „Liebe macht Anders“ wird ein sehr ungewöhnliches Thema im Mittelpunkt stehen. Wie „Liebe macht Anders“ übrigens bei den Oranienburger Jugendlichen ankommt, werde ich dann am 10. März bei meinen beiden Lesungen in der nach Umzug neueröffneten Kinderbibliothek Oranienburg erfahren – und wie ihnen „Schattenblicke“, der im letzten Monat bei dtv erschienene, unter anderem in Ungarn und Serbien spielende Thriller zusagt, genauso.

„Liebe macht Anders“ werde ich dann am 13. März auch im Rahmen der Leipziger Messe vorstellen können – morgens für die drei neunten Klassen des Brockhaus-Gymnasiums, nachmittags dann auf der Messe selbst in der Lesebude.

Übernachten werde ich aber bei der Gelegenheit nicht in fremden Betten, denn abends geht es zurück nach Berlin, wo ich am folgenden Tag im Buchladen Eisenherz meine erste Premiere nach ihrem Umzug in die neuen Räume in der Schöneberger Motzstraße halten werde: „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ ist seit kurzem erhältlich. Die Geschichte um Mai-Britt, die ihrer Mutter einen sehr hässlichen, kleinen Hund von einem Gnadenhof mitbringt und unversehens dadurch in wilde Turbulenzen gerät, hat mir enorm viel Spaß gemacht. Seit langem schon spukte mir die Idee unter dem Arbeitstitel „Die Tierärztin“ im Kopf herum, und jetzt war es endlich an der Zeit, sie niederzuschreiben. Handlungsorte sind meine emsländische Heimat Meppen, die schöne Stadt Zug in der Schweiz und der Gnadenhof Melief im emsländischen Sögel, dem ich fünf Prozent meines Honorars aus dem Buch spenden werde. Aus gegebenem Anlass: Stammt doch unser Shih-Tzu-Mischling Luki, der nun seit fast zwei Jahren bei uns lebt und alle Herzen mit seinem schrecklichen Unterbiss und dem gewinnenden Wesen erfreut, von dort.

Luki selbst, der Bronko als Vorbild diente, hat das Werk zwar noch nicht gelesen, auch meine Mutter noch nicht, die erstaunliche Ähnlichkeit mit der Frau Mutter im Buch aufweist, aber zumindest Letzteres wird sich bald ändern: Reise ich doch morgen zu einem kurzen Abstecher nach Meppen, und Luki selbst und ein Exemplar von „Bronko“ für meine Mutter sind mit von der Partie!

Und so endet diese Monatsbotin, wie sie begonnen hat: aktiv und unterwegs …

 

Öffentliche Termine im März:
10. März, Oranienburg, Kinderbibliothek, 9h und 11h: Lesungen aus „Liebe macht Anders“ und „Schattenblicke“ // 13. März, Leipzig, Messe, Lesebude 1, Halle 2, Stand E 305, 14.30h: Lesung aus „Liebe macht Anders“ // 14. März, Berlin, Eisenherz Buchladen, Motzstraße 23, 20.30h: Premiere von “Bronko, meine Frau Mutter und ich” // 21. bis 23. März, Berlin: Schreibworkshop „Meine Nacht“ – erotische Geschichten; Informationen und Anmeldung unter www.lektorat-fessel.de

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // Februar 2014

Hier kommt sie, die fünfte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

 Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Wer aber versehentlich auf dem Verteiler gelandet ist und schon viel zu viel zu lesen hat: Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Keine weiteren Einsendungen gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon herrscht gespenstische Ruhe im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ja, was war? Eigentlich wäre dieses Mal eine gute Gelegenheit, darüber zu schreiben, was eben nicht war … zum Beispiel habe ich noch nicht damit begonnen, meine eigenen Bücher als Hörbücher einzusprechen, die dann später per Download heruntergeladen werden können. Und auch die Arbeit am nächsten Buch, dem zweiten Band in der Herzblut-Reihe im Kosmos-Verlag, habe ich noch nicht begonnen. Dafür war einfach zu viel anderes zu tun – Büroarbeit, die Steuererklärung, Organisatorisches und die Weiterarbeit an einem anderen Projekt, über das ich an dieser Stelle, abergläubisch, wie ich gelegentlich bin, noch nicht sprechen will … Nur so viel: Es wird ein eigenständiges, autobiografisch gefärbtes Buch, von dem ich allerdings noch nicht weiß, ob ich es nur für mich und vielleicht auch meine Lieben oder aber im Hinblick auf eine Veröffentlichung schreibe. Ja, so was kommt vor …

Übrigens: Nicht nur mein Hang zum Aberglaube („Ich spreche nicht über meine Bücher, bevor sie nicht zu einem Drittel geschrieben sind, sonst werden sie nichts“) hindert mich daran, über die weiteren Pläne und Projekte, die sich noch in der Schwebe befinden, zu schreiben, sondern auch die Tatsache, dass ich es in manchen Fällen schlicht und einfach nicht darf. Stoffe und Themen werden in der Bücher- und Filmwelt oftmals wie die Koordinaten zu einem Schatz gehütet, der nicht von anderen gehoben werden soll. Plaudert man sie aus, so die Befürchtung, ist der Schatz futsch und das tolle Thema schon von einem anderen in Bearbeitung. Und so schweige ich lieber darüber, worüber ich nicht sprechen darf. Was die Monatsbotin allerdings ein wenig ihrer besonders spannenden Passagen beraubt, aber keine Sorge, zu gegebener Zeit kommen sie schließlich alle auf den (virtuellen Schreib-)Tisch.

Und was habe ich noch so im Januar gemacht? Genau, sechzehn Lesungen gehalten und eine Rede. Letztere zum 60. Geburtstag eines lieben Freundes, zwei Tage nach meiner ersten Lesung des Jahres am 16. Januar, auf der ich in Berlin in den Räumen des Town&Country-Houses unter anderem den Anfang von „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ vorgestellt habe. Mit bangem Gefühl wie immer bei einer Vorpremiere; immerhin kannte niemand den Text, und da es sich um eine Tragikomödie handelt, soll natürlich sowohl mitgelitten als auch gelacht werden. Letzteres klappte bestens, weshalb ich nun der richtigen Premiere am 14. März in den neuen Räumen des Eisenherz-Buchladens in Berlin etwas entspannter entgegensehe. Der Roman ist übrigens in diesen Tagen endgültig fertig überarbeitet, lektoriert und korrigiert worden und geht noch diese Woche in Druck.

Am Tag nach der Rede ging es dann in die Schweiz, wo ich im Kanton Zürich im Laufe der folgenden Woche vierzehn Schullesungen hielt, hauptsächlich für die SchülerInnen der siebten bis neunten Klassen. Da passte es bestens, dass ich am Abreisetag im Briefkasten das Vorausexemplar meines neuen Buches „Schattenblicke“ (dtv) vorfand; einem Thriller für Leute ab 14, für den ich 2011 mithilfe des von der Robert-Bosch-Stiftung verliehenen Grenzgänger-Stipendiums in Serbien recherchieren konnte. Meine dortigen Recherchen konnten zwar nicht in dem Umfang in den Roman einfließen, den ich mir gewünscht hatte, aber immerhin hat sich die Reise gelohnt – „Schattenblicke“ erzählt eine spannende Entführungsgeschichte, die in Berlin beginnt, wo die 16jährige Alexandra aufgeregt mit ihrer Klasse einen Bus besteigt, um zu einer einwöchigen Klassenfahrt an den ungarischen Plattensee zu reisen. Aber dann kommt alles ganz anders …

Die meisten Lesungen aber hielt ich auf der Zürcher Lesereise aus „Liebe macht Anders“, das einige Klassen bereits als Schullektüre gelesen und entsprechend viele Fragen dazu hatten. Das Buch kommt durchweg gut an, was mich sehr freut – lese ich doch ausgesprochen gern daraus vor, so auch dann am 29. Januar in meiner Geburtsstadt Lübeck, wo ich im Rahmen der diesjährigen Jugendbuchwochen unter dem Motto „Toastbrot und Toastbrotine“ eingeladen war. Die Gastgeber, die mehrfach für ihre hervorragende Jugend- und Kulturarbeit ausgezeichneten www.buecherpiraten.de, haben das Glück, dank einer literaturbegeisterten Mäzenin in einem wunderschönen Lübecker Altstadtgebäude residieren zu dürfen, mit viel Platz für Arbeits- und Veranstaltungsräume. I-Tüpfelchen obendrauf: das Schreibkontor www.geschichtenfischer.de im ausgebauten Dachboden, wo fünf meiner Kolleginnen ihre Werke zu Papier bringen, und das in äußerst lockerer und schöner Atmosphäre. Und wenn ich jemals nach Lübeck zurückziehe (womit ich durchaus gelegentlich liebäugele), dann rücken sie alle zusammen, damit für meinen Schreibtisch auch noch Platz ist, das haben sie mir versprochen …

Und was kommt?

Zunächst ein dreitägiger Abstecher in meine Heimatstadt Meppen, erstmalig mit Übernachtung in einer Ferienwohnung. Ja, so geht es, wenn die Familie größer und die Wohnung der Mutter kleiner geworden ist …

Und danach dann an die Arbeit: ein weiteres Projekt ist noch in der Schwebe, über das ich (seufz!) noch nicht reden kann, aber mit der Schreibarbeit am zweiten Kosmos-Jugendbuch werde ich in diesem Monat beginnen. Zeit dafür habe ich, denn der Februar ist einer der seltenen lesungsfreien Monate. Dafür aber steht der erste Berliner Schreibworkshop in diesem Jahr an: „Mein Buch“ vom 21. bis 23. Februar. Auf die Arbeit mit den Damen, die ihr eigenes Buch in Arbeit oder Planung haben, freue ich mich sehr!

Öffentliche Termine im Januar:

21. Bis 23. Februar, Berlin: Schreibworkshop „Mein Buch“ für Frauen, die ein eigenes Buch in Planung oder Arbeit haben. Informationen und Anmeld

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // Januar 2014

Hier kommt sie, die vierte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Wer aber versehentlich auf dem Verteiler gelandet ist und schon viel zu viel zu lesen hat: Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Keine weiteren Einsendungen gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon herrscht gespenstische Ruhe im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen – und ein gutes, gesundes und aufregendes Jahr 2014 wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Dezember, mein Lieblingsmonat, begann beschaulich und emsig zugleich. Die Dauerverabredung mit meinem Schreibtisch zeitigte Erfolg … Pünktlich zu Weihnachten – und einige Tage, nachdem ich knackige 49 Jahre alt geworden war – stand die Rohfassung von „Bronko, meine Frau Mutter und ich“, dem neuen Roman, der im Frühjahr im Berliner Querverlag erscheinen wird. Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mich, was den Umfang angeht, ein bisschen verschätzt – „Bronko“ ist von 192 geplanten Seiten auf 245 Seiten Umfang angewachsen, nicht zuletzt deswegen, weil das Schreiben daran doch so viel Spaß machte, dass ich nicht aufhören konnte … Und wie so vieles, das gut werden soll, muss auch so ein Roman erstmal liegen, bevor es an die Überarbeitung gehen kann. Da kamen die Feiertage gerade recht – Heiligabend im Kreise der „erweiterten“ Familie, die Feiertage dann bei Muttern in Meppen und über Silvester ein ruhiger Aufenthalt bei einer lieben älteren Freundin im schleswig-holsteinischen Ottendorf bei Kiel. Aber dann war das Werk gut abgehangen genug, um noch einmal gründlich überarbeitet zu werden. Und wiederum pünktlich am Dreikönigstag schickte ich den werdenden Roman dann an den Verlag.

Und was passiert nun damit?
Zunächst einmal wird es gelesen, vom Lektor und Verleger in Personalunion höchstpersönlich. Der wiederum wird es mir, diesmal nicht per Mail, sondern postalisch, zurückschicken, mit Anmerkungen und Vorschlägen versehen, die ich dann einarbeiten muss. Dabei gilt folgende Regel: Fehler muss ich verbessern, stilistische, sprachliche und inhaltliche Vorschläge kann ich annehmen – oder auch ablehnen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen AutorIn und LektorIn zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass man stets eine gute, einvernehmliche Lösung für auch knifflige Fragen findet. Und da der Lektor des Querverlages, Jim Baker, und ich schon ein eingespieltes Team sind und „Bronko“ auch schon unser zwölftes gemeinsames Buch – ohne „Nur die Besten!“ und „Steingesicht“, die als Originalausgaben in anderen Verlagen erschienen, dann aber vom Querverlag neu aufgelegt wurden, mitzuzählen – werden wir auch sicherlich diesmal gut miteinander arbeiten. Und schließlich ist der passende Umschlag auch schon gefunden: ein Foto der Bremer Fotografin Gaby Ahnert, die mich schon einige Male zu Pressezwecken fotografiert hat. Dies wiederum wird vom Grafiker der Querverlages, Sergio Vitale, in gewohnter Professionalität dann noch bearbeitet und mit dem passenden, bereits fertiggestellten Klappentext für die Rückseite und der passenden Schrift versehen.

Zweimal noch wird das fertige Manuskript zwischen Autorin und Verlag hin- und hergehen, bis die letzten Änderungen stehen. Dann müssen die KorrekturleserInnen ran, um möglichst alle Fehler herauszufiltern – was aber selten gelingt, denn Fehler übersehen ist eben menschlich; es heißt, es gäbe kein druckfehlerfreies Buch über 100 Seiten. Schließlich kommen als letztes die sogenannten „Fahnen“ ins Haus geflattert, in denen das Buch bereits fertig gesetzt ist – und diese muss ich dann mit meiner Unterschrift als druckfertig erklären. Sollte ich im Nachhinein dann doch noch Änderungen wünschen – zum Beispiel die Hauptperson umbenennen wollen oder dergleichen – dann müsste ich die erneut anfallenden Satzkosten persönlich tragen. Aber das ist noch nie vorgekommen, und so soll es auch bleiben … Erst dann geht das Buch in Druck; und bereits jetzt kann ich es kaum erwarten, ein Exemplar in den Händen zu halten – irgendwann im schönen Monat März!

 

Und was kommt?
Durchatmen und planen vor allem in den nächsten Wochen. Die diesjährigen Lesetermine für „Bronko“ organisiere ich zum Teil selbst, und auch die Werbung für die Berliner Schreibworkshops in der ersten Jahreshälfte übernehme ich persönlich. Übrigens: Der erste Workshop „Mein Buch“ vom 21. bis 23. Februar ist bereits ausgebucht, auch die Warteliste füllt sich langsam…

Was noch ansteht im Januar, ist natürlich das, was viele Selbstständige aufstöhnen lässt: die Umsatzsteuererklärung für das vierte Quartal 2013 und die Vorbereitung der Steuererklärung für das vergangene Jahr … Ohnehin ist der Beruf der Schriftstellerin mit viel Büro- und Organisationsarbeit verbunden, aber genau das gefällt mir auch wiederum – Schreiben macht Spaß, ist aber sehr anstrengend, Büroarbeit hingegen zwar manchmal lästig, aber wiederum auch entspannend. Auch die Lesereisen und Workshops vereinen beide Aspekte in sich, nicht zuletzt deswegen ist mein Beruf einer der abwechslungsreichsten, die ich mir vorstellen kann. So vieles daran liegt in meinen eigenen Händen – manchmal treibt mich das zwar zur Erschöpfung, aber meistens feuert es mich umso mehr an. Platz für Mut, Träume und Zuversicht ist immer genug; alles ist möglich, und das bis zum letzten Tag, an dem ich einen Stift halten … oder ins Diktafon sprechen kann …

A propos sprechen: Noch in diesem Monat werde ich damit beginnen, einige meiner eigenen Bücher als Hörbücher einzusprechen, die dann später per Download heruntergeladen werden können. Näheres dazu dann zu gegebener Zeit. Erstmal aber steht die Arbeit am nächsten Buch an – nach „Liebe macht Anders“, meinem ersten, im letzten Juli erschienenen Thriller in der neu angelaufenen Herzblut-Reihe im Kosmos-Verlag, geht es im zweiten um ein weiteres hochspannendes Thema, das sicher nicht nur jüngere LeserInnen interessieren wird.

Ein privates Schreibprojekt, das ich seit Jahren verfolge, wird in den nächsten Monaten ebenfalls weiter Gestalt annehmen; ja, ich schreibe nicht nur beruflich, sondern auch privat gern – dazu übrigens auch besonders gern Briefe. Und Gedichte, aber die stehen auf einem anderen Blatt …

Und: Natürlich rollt der Lesezirkus wieder an, beginnend mit einer Lesung am 16. Januar an einem ungewöhnlichen Ort in Berlin, auf der ich nebst Passagen aus „was du willst“, meinem letzten Erwachsenenroman, erstmals auch vorab Auszüge aus „Bronko, meine Mutter und ich“ vorstellen werde. Am 19. geht es dann wie jedes Jahr zu einer Woche mit 14 Schullesungen in den Kanton Zürich, und am 29. freue ich mich auf eine Lesung im Rahmen der 8. Lübecker Jugendbuchtage bei den „Bücherpiraten“ in meiner Geburtsstadt!

 

Öffentliche Termine im Januar:
16. Januar, 19h: Berlin, HS solid-Town and Country, Hallerstraße 6, 10587 Berlin: Lesung aus „was du willst“ und „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ im Rahmen der Midissage von Nadja Schüller-Ost // 29. Januar, 11h: Lübeck, Kinderliteraturhaus, Fleischhauerstr. 71: Lesung aus „Liebe macht Anders“

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // Dezember 2014

Hier kommt sie, die dritte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wer sie ab jetzt nicht mehr verpassen will, der schickt eine kurze Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de und schon landet die Monatsbotin ab der nächsten Ausgabe im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Zunächst einmal: Das Preisrätsel aus der letzten Monatsbotin ist gelöst! Es brauchte mehrere Anläufe, aber am Ende riet sie richtig: Eva Avellano aus der Nähe von Innsbruck. Sie war die einzige Rätselfreundin, die ahnte, dass die erste Übersetzung von „Bilder von ihr“ im kommenden Jahr Wirklichkeit werden könnte – und zwar ins Slowenische! Belohnt wird sie mit einem druckfrischen Exemplar gleich nach Erscheinen. Herzlichen Glückwunsch!

Rätseln musste auch ich selbst gleich am ersten November in Norderstedt bei Hamburg: Wer heißt wie? Die Namen von gleich 20 schreibfreudigen Neuntklässlern des Lise-Meitner-Gymnasiums galt es sich zu merken; das klappte gut, und ebenfalls gut klappte das Texteschreiben … Da kam Erstaunliches, Witziges und Nachdenkliches zustande, und auch die gutgelaunte Deutschlehrerin durfte mitmachen und war dann mit Feuereifer dabei. Ein gelungener Auftakt für die diesjährigen Kinder- und Jugendbuchwochen in Schleswig-Holstein, bei denen ich seit mehreren Jahren zu Gast bin, allerdings zum ersten Mal als Leiterin eines Schreibworkshops, eine besondere Freude für mich.

Zwei weitere Lesungen im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchwochen führten mich dann zunächst in die Deutsche Bücherei ins dänische Sonderburg, wo die fünften bis achten Klassen der Deutschen Schule interessiert den Auszügen aus „Und wenn schon!“ oder „Liebe macht Anders“ lauschten und in lupenreinem Deutsch auch die eine oder andere Frage stellten. Die Schülerinnen und Schüler der Privatschule kommen zum Großteil aus deutschstämmigen oder deutschen Familien und werden von Anfang an zweisprachig unterrichtet, aber auch Schüler ohne deutsche Wurzeln, dafür aber mit Migrationshintergrund sind mit von der Partie. Diese sprechen dann in der Regel drei Sprachen, und das teils akzentfrei!

Zu zwei weiteren Lesungen ging es dann wieder nach Norderstedt, diesmal aber in die Stadtbücherei Mitte. Drei sechste Klassen der Gesamtschule Harksheide und dann die 9. und 10. Klasse der Horst-Embacher-Hauptschule waren zu Gast in der altbewährten Lesearena. Letztere – eher leseschwache SchülerInnen ab 14 Jahren – gelten gemeinhin als „schwieriges“ Lesepublikum, oft schwer zu begeistern und ablehnend, was so manchen Kollegen dazu veranlasst hat, vor diesen Klassenstufen grundsätzlich nicht zu lesen, auch wenn man Bücher für diese Altersgruppe im Programm hat. Meine Erfahrungen mit diesem Publikum sind bis auf wenige Ausnahmen durchweg sehr gut, entpuppen sich die SchülerInnen doch oftmals als höchst diskussionsbereit und interessiert, wenn sie entdecken, dass die Themen meiner Bücher tatsächlich mit ihnen und ihrer Lebenswelt zu tun haben.

Ob die Jugendlichen dann hinterher tatsächlich zu lesen beginnen, weiß ich nicht; die meisten vermutlich nicht, aber eben einige wenige schon. Ich glaube ohnehin nicht daran, dass man alle erreichen kann; aber wenn die Jugendlichen insgesamt aus so einem Vormittag mit dem Gefühl hinausgehen, ernst genommen und vielleicht auch ein wenig verstanden worden zu sein, dann bin ich schon ziemlich zufrieden. Und wenn der eine oder die andere dann doch noch nachlesen möchte, ob denn nun Leontine aus „Steingesicht“ tatsächlich mit Malin zusammenkommt … umso besser!

Eine der Schülerinnen erzählte übrigens hinterher, dass sie bereits das dritte Mal bei einer Lesung von mir war; das tat mir ja fast Leid, sie aber war begeistert und berichtete, dass sie in der 8. Klasse „Steingesicht“ (mein Jugendbuch über ein lesbisches Coming-Out) als Klassenlektüre gelesen hatte: „Einige aus meiner Klasse waren ein bisschen schockiert, aber die allermeisten fanden es toll, dass so ein Thema mal richtig angesprochen und dann auch noch im Unterricht behandelt wurde.“ Klar, dass mich das überaus freut! In solchen Momenten habe ich das Gefühl, dass das, was ich mache, genau richtig ist und Sinn hat. Oft genug hadere ich nämlich genau damit: mit der Frage nach dem Sinn des Bücherschreibens … Aber das gehört auch nach fast zwanzig Jahren Autorinnendaseins wohl dazu.

Diese Lesung war dann auch die letzte Lesung des Jahres aus den Kinder- und Jugendbüchern und damit der krönende Abschluss; die restlichen vier Lesungen des Jahres waren dann den Erwachsenen gewidmet. Am 17. November stellte ich in Hamburg im Café endlich und am 22. November im Wuppertaler Frauenzentrum urania „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ vor, dazwischen am 20. November im Duisburger Kleinkunsttheater „Die Säule“ auf Einladung von LiDu Duisburg „Leise Töne“ und „was du willst“. Das erste und letzte Mal am gleichen Ort in Duisburg hatte ich übrigens 2010 am Vorabend der unglückseligen Love Parade noch Auszüge aus dem seinerzeit noch nicht erschienenen „Leise Töne“ gelesen; eine wunderbare Veranstaltung, im Nachhinein natürlich eine zwiespältige Erinnerung.

 

Die allerletzte Lesung des Jahres führte mich dann, wieder einmal in perfekter Begleitung, nach Wien in den Schwulen Buchladen Löwenherz, um die beiden aktuellen Neuerscheinungen „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ zu präsentieren. Letzteres, der Jugendthriller um das Thema Intersexualität, hat gerade aufgrund der aktuellen Gesetzesänderung in Deutschland neue Aktualität gewonnen: Nun können zunächst Eltern offenlassen, welches Geschlecht ihr Kind hat, wenn dieses bei der Geburt nicht feststeht. Das betrifft ca. eines von 2000 Neugeborenen, eine für mein Gefühl erstaunlich hohe Rate in Anbetracht des großen Tabus, mit dem dieses Thema immer noch behaftet ist. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie persönlich von betroffenen Eltern gehört, und kennen gelernt habe ich bislang auch nur zwei Intersexuelle, obwohl es deutlich mehr sein müssen. Und nahezu alle, die ich kenne, kennen wiederum niemanden, der betroffen ist … Es herrscht also noch großer Aufklärungsbedarf. Vielleicht kann „Liebe macht Anders“ ein wenig dazu beitragen.

Eine bedauerliche Nachricht erreichte mich dazwischen, die mich immer noch beschäftigt: Nach 32 Jahren wird am Jahresende die altehrwürdige Frankfurter Frauenschule schließen. Barbara Köster, streitbares Urgestein der Frauenbewegung und redegewandte Alt-Achtundsechzigerin, hat trotz aller Bemühungen keine passende Nachfolgerin finden können, um den einstmals und immer noch wichtigen Ort gemeinsamen Denkens und Lernens von Frauen weiterzuführen. Ich persönlich war im Laufe der Jahre oft mit Lesungen und Workshops in der Frauenschule zu Gast und wünsche Barbara mit Dankbarkeit für ihre wichtige Arbeit alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand – und viele Gäste auf der öffentlichen Abschiedsparty am 14. Dezember 2013, ab 18 Uhr in den Räumen der Frauenschule, Hohenstaufenstr. 8!

Und was kommt?

Ich selber werde leider nicht teilnehmen können, da ich an diesem Abend selber feiere … und zwar in meinen 49. Geburtstag hinein … in ungleich kleinerem, dafür aber sehr privatem Rahmen.

Und gut zwei Wochen später heißt es dann: Willkommen 2014 – und „Bronko, meine Frau Mutter und ich“, der neue Roman, der im Frühjahr im Querverlag erscheinen wird. Der Titel steht nach langem Ringen nun fest, das Titelfoto noch nicht, aber eins ist sicher: Hundefans mit Humor werden auf ihre Kosten kommen …

Im Monat Dezember gibt es keine öffentlichen Termine mehr, nur noch private … und vor allem eine Dauerverabredung mit meinem Schreibtisch, bis die letzten 40 Seiten von „Bronko“ geschrieben sind.

Achtung aber: Langsam füllen sich die Anmeldelisten für die Workshops im kommenden Jahr. Wer jetzt noch kein passendes Weihnachtsgeschenk für die Liebste(n) oder sich selbst hat, sollte vielleicht noch einmal auf www.lektorat-fessel.de nachsehen, ob nicht ein Workshop in Frage kommt. Bei Interesse bitte eine Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de, und der persönliche Gutschein kommt noch rechtzeitig vor den Feiertagen!

Allen Leserinnen und Lesern eine schöne Adventszeit, ruhige Feiertage und ein prima 2014!

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // November 2013

Hier ist sie, die zweite Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wem sie zusagt, schickt eine kurze Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de und schon landet die Monatsbotin ab der nächsten Ausgabe im virtuellen Briefkasten … Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?
Der Oktober begann mit einer guten Aussicht: Die erste Übersetzung eines meiner Bücher für Erwachsene bahnt sich an! Einige meiner Kinder- und Jugendbücher sind ja bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt worden – zum Beispiel „Und wenn schon!“ nach Taiwan und China oder „Ein Stern namens Mama“ nach Korea, China, Taiwan, Japan und Polen –, aber von meinen Werken für Erwachsene ist bislang nur eine Kurzgeschichte in einem US-amerikanischen Erzählband veröffentlicht worden. Sofern alles gut geht, wird nun also „Bilder von ihr“ (1996 erstmalig erschienen) in absehbarer Zukunft in einer europäischen Sprache zu lesen sein. Wer diese als Erste oder Erster richtig errät, bekommt dann nach Erscheinen ein druckfrisches Exemplar, vielleicht ein schöner Anstoß, genau diese Sprache zu erlernen … Zuschriften unter kontakt@karen-susan-fessel.de

Bereits in der letzten Monatsbotin erwähnt: das Schreibseminar „Biografisches Schreiben für Frauen“, das vom 3. bis 6. Oktober im Kreuzberger Schreibatelier Rathjen stattfand. Die fünf Teilnehmerinnen aus Berlin und Niedersachsen hatten derart viel Spaß am gemeinsamen Arbeiten, dass der nächste Workshop im Februar 2013 bereits schon wieder fast ausgebucht ist: „Mein Buch“ – Schreibworkshop für Frauen, die ein eigenes Buch in Planung oder Arbeit haben. Dabei kann es sich um ein belletristisches oder biografisches Werk, aber auch ein Sachbuch handeln; wichtig ist nur, dass die Teilnehmerinnen vorab ein Exposé (Inhaltsangabe) und evtl. vorhandene Textproben einsenden.

Und die Termine für die folgenden Workshops stehen auch schon fest: 21. bis 23. März 2014: Meine Nacht – Erotische Geschichten; 11. bis 13. April: Mein Text – Kurze Geschichten; 29. Mai bis 1. Juni: Meine Geschichte – Biografisches Schreiben für Frauen. Weitere Informationen und Anmeldung unter lektorat@karen-susan-fessel.de.

Aus Berlin ging es dann am 9. Oktober für mich mit perfekter Begleitung nach Bern, in die mit ihrer historischen Altbauten sehr malerisch anmutende Hauptstadt der Schweiz, wo ich anlässlich der neugegründeten Lesefestes „Bern liest queer“ auf Einladung des sehr engagierten Buchladens queerbooks „Leise Töne“ und „was du willst“ vorstellte. Und weil die Altstadt, umringt von der unglaublich blaugrün schimmernden Aare, so schön war, hängten wir gleich noch einen Tag an – eine Seltenheit in meinem vollgepackten Terminkalender. Aber wir blieben nicht nur aus Schönheitsgründen länger, sondern vorrangig zu Recherchezwecken: Gibt doch die Schweiz erstmalig die Kulisse für eines meiner Bücher ab, nämlich für dasjenige, an dem ich nunmehr seit einigen Wochen arbeite: „Bronko“ (Arbeitstitel), dem Roman für Erwachsene, der im Frühjahr 2014 im Berliner Querverlag erscheinen wird. „Bronko“ selbst, ein kleiner, nicht gerade ansehnlicher Hund, der eine allerdings sehr ansehnliche Nebenrolle spielt, ist mittlerweile auf Seite 101 angekommen und damit, und so schließt sich der Bogen, in der schönen Schweiz  … Allerdings in Zug und nicht in Bern selbst, wo es derartig in Strömen regnete, dass ich den ausgedehnten Stadtrundgang nur unter einem im Hotel ausgeliehenen, mit bunten Häschen verzierten Regenschirm bewältigen konnte; auch das Münster zu besteigen, gelang nur ansatzweise, und das Hotelzimmer der ersten Nacht war zwar recht schäbig, aber dafür das teuerste, in dem ich bislang jemals untergebracht war. Aber dafür reisten wir dann auch mit zwei nagelneuen Regenschirmen und mannigfaltigen Eindrücken im Gepäck zurück die deutsche Hauptstadt. Nein, so schön wie die schweizerische ist Berlin nicht, aber dafür ungleich größer und lebendiger. Oder, um hier bei dieser Gelegenheit einmal meine geschätzte Freundin, die Journalistin und Verlegerin Manuela K. zu zitieren: „Bei uns in Berlin ist das Bier zwar warm, aber dafür haben wir Ratten in den Vorgärten.“

In ebendiesem Berlin bestritt ich dann eine gute Woche später, am 18. Oktober, zusammen mit Regina Nössler, Cecilia Jönsson und meiner ersten Verlegerin Claudia Gehrke eine Gemeinschaftslesung, in der Band 12/13 des aktuellen „lesbischen Auges“ vorgestellt wurde, eines munteren Sammelsuriums aus Texten, Bildern und Fotos zum lesbischen Leben, der alljährlich im Tübinger konkursbuch-Verlag erscheint. Präsentiert wurde der Abend von der umtriebigen Verlegerin Claudia Gehrke höchstselbst, die bei dieser Gelegenheit auch noch einmal erzählte, wie sie im Jahre 1992 mein erstes Manuskript während einer Zugfahrt las und sich sofort entschloss, es ins Programm aufzunehmen. Mit dem Erscheinen von „Und abends mit Beleuchtung“ zwei Jahre später verhalf Claudia Gehrke mir somit zu meiner ersten Buchveröffentlichung, wofür ich ihr bis in alle Ewigkeit dankbar sein werde. Besonders amüsant erzählte sie die Geschichte übrigens schon einmal im Mai 2011 im Rahmen der Laudatio, die sie anlässlich des an mich verliehenen Rosa-Courage-Preises hielt.

Der Abend im Eisenherz-Buchladen war zugleich die letzte Veranstaltung in der alten Liegenschaft in der Schöneberger Lietzenburger Straße, denn zum Monatsende zog der Buchladen in die neuen Geschäftsräume in der Motzstraße 23 um; somit bestritt ich also die letzte Lesung am alten Ort – dazu passt, dass ich seinerzeit auch die erste Lesung am alten Ort hielt: 2006 aus „Abenteuer und Frauengeschichten“. Ich freue mich auf viele weitere Lesungen an neuen und alten Orten und wünsche dem Buchladen viel Erfolg in den neuen Räumen!

Gleich am nächsten Morgen ging es nach Stuttgart, wo ich abends im Rahmen der „Stuttgartnacht“ im schwullesbischen Veranstaltungszentrum Weißenburg e.V. aus „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ las. Mit im Publikum saßen gleich vier Damen aus dem Kosmos-Verlag, im dem letzteres Werk in diesem Juli in der Reihe Herzblut erschienen ist, und wir nutzten die Gunst der Stunde nicht nur, um darauf anzustoßen, sondern auch über zukünftige Werke zu sprechen: Ebenfalls in der Reihe Herzblut wird voraussichtlich im Frühjahr 2015 ein weiterer Thriller erscheinen, bereits im Juli 2014 kommt ein zusammen Regina Nössler verfasster ???-Kids-Midi-Band heraus, und noch ein weiteres Buch ist im Gespräch …

Den restlichen Oktober widmete ich mich neben der Arbeit an „Bronko“ der Berliner und Brandenburger Jugend: In vier Lesungen in der Edith-Stein-Bibliothek Lichtenrade, der Bezirkzentralbibliothek Tempelhof und der Kreuzberger Lenau-Schule lauschten jeweils zwischen zwanzig und achtzig Fünft- und Sechstklässler Ausschnitten aus „Ein Stern namens Mama“, „Und wenn schon!“ sowie „Achtung, Mädchen gesucht!“.

Zwei weitere Lesungen führten mich in die Nordendschule nach Eberswalde, wo zunächst die Fünft- und Sechstklässler der Förderschule Louise aus „Ein Stern namens Mama“ und Manne aus „Und wenn schon!“ kennen lernten. Sie dankten es mir nicht nur mit großer Aufmerksamkeit und lebhaften Fragen, sondern auch mit einem selbstverfassten Büchlein in Heftform mit dem schönen Titel „Was ich über Schriftsteller weiß“. Darin erfuhr wiederum ich Dinge, die mir bis dahin ganz neu waren: dass Schriftsteller dick sind und Fäden um den Hals tragen und das Papier ihrer Bücher erstmal kauen, um zu sehen, ob es auch schmeckt … Die zweite Lesung an der Nordendschule hielt ich dann vor den Jahrgängen 9 und 10, für mich ein besonderer Genuss und eine besondere Herausforderung. Jugendliche ab 14 sind generell kein leicht zu eroberndes Lesepublikum, und so begegneten mir die Jugendlichen auch zunächst mit großer Skepsis, die sich aber im Laufe der Lesung in sichtliches Interesse und gemeinsames Amüsement wandelte, woran sicherlich Leontine aus „Steingesicht“ und Mike, Robin und Luke aus „Polarchaoten“ ihren Anteil trugen. Auch die Neunt- und Zehntklässler überreichten mir am Ende der Veranstaltung ein Präsent, einen selbstgebrannten Tonbecher für Stifte, mit denen ich in Zukunft vielleicht auch meine Eindrücke aus Eberswalde notieren werde. Denn beide Lesungen werden mir in bester Erinnerung bleiben; unter anderem auch, weil die Schulbibliothek im Vorfeld zur Lesung gleich nahezu alle meine Kinder- und Jugendbücher angeschafft hat – neun Stück an der Zahl. Das hat Seltenheitswert, freut mich aber für die Eberswalder Förderschüler ganz besonders, denen ich viel Spaß beim Weiterlesen wünsche!

Und was kommt?
Der November ist traditionell wie der Oktober Reisezeit für Autoren, sind in diesen beiden Monaten doch die meisten Lesefeste und -wochen bundesweit angesiedelt. Für mich geht es zunächst zu einem Schreibworkshop nach Norderstedt, dann nach Sonderburg/Dänemark und noch einmal nach Norderstedt, alles Veranstaltungen im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Kinder- und Jugendbuchwochen. Danach sind dann die Erwachsenen dran: nach Lesungen in Hamburg, Duisburg und Wuppertal steht als krönender Abschluss die letzte Veranstaltung des Jahres in Wien an. Danach heißt es dann hauptsächlich schreiben, und zwar ungefähr noch hundert Seiten – Endspurt für „Bronko“: Kurz vor Weihnachten ist Abgabetermin! Wie gut, dass mir das Schreiben so viel Freude macht …

Öffentliche Termine im November:
17. November, 17h: Hamburg, Café Endlich: Lesung aus „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ // 20. November, 20h, Duisburg, Kleinkunsttheater „Die Säule“: Lesung aus „Leise Töne“ und „was du willst“ // 22. November, 19h: Wuppertal, Frauenzentrum Urania: Lesung aus „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ // 27. November, 20h: Wien, Buchhandlung Löwenherz: Lesung aus „was du willst“ und „Liebe macht Anders“

 

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Die Monatsbotin: Notizen aus dem vierten Stock // Oktober 2013

Wie angekündigt – hier ist sie, Karen-Susan Fessels brandneue Monatsbotin mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg.

Wem das zusagt, schickt eine kurze Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de und schon landet die Monatsbotin ab der nächsten Ausgabe im virtuellen Briefkasten … Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der September begann mit einem Abschied: Mein temporäres Schreibstudio in meinem ehemaligen Elternhaus im emsländischen Meppen gibt es nicht mehr! Alle, die mich schon länger kennen, wissen, dass ich mich in den nunmehr einundzwanzig Jahren meiner schriftstellerischen Tätigkeit immer wieder auch phasenweise in das Haus meiner Eltern zurückgezogen habe, um dort intensiv und konzentriert an meinen Büchern zu arbeiten.

Mit dem letztlich schon länger fälligen Umzug meiner Mutter in eine flotte, behindertengerechte Zweizimmerwohnung in einer Seniorenwohnanlage ist das heimatliche Schreibstübchen nun dahin – schade, aber notwendig. Geliebt habe ich den Ausblick auf die gegenüberliegende Wiese mit den Obstbäumen, auf der sich abends zahlreiche Rehe und Damhirsche einfanden, und viele Szenen und Passagen meiner Bücher sind dort entstanden.

Doch in jedem Abschied liegt ja bekanntlich auch ein Neuanfang, und so mache ich mich beschwingt daran, nun fürs erste ausschließlich in meinem Arbeitszimmer im vierten Stock mit Ausblick auf den Kreuzberg zu schreiben – und zu berichten!

Eine schöne Neuigkeit gab es gleich zu Anfang des Monats: „Ein Stern namens Mama“ soll verfilmt werden! Nun berichte ich das zwar zum wiederholten Male, denn bislang wurde der Stoff meines ersten, ursprünglich 1999 im Verlag Friedrich Oetinger erschienenen Kinderbuches schon vier Mal optioniert, aber diesmal stehen die Zeichen günstig. Mit im Boot ist nämlich der Berliner Filmregisseur Kai S. Pieck, der bereits ein fertiges Drehbuch vorgelegt hat. Ich hoffe sehr, dass es klappt!

Und für Abwechslung durch Lesereisen ist übrigens weiter gesorgt – im September zunächst mit einer Reise ins bayerische Saulgrub, wo ich auf Einladung des Deutschen Blindenvereins eine sehr lange, ausführliche Lesung vor gut 50 vom Usher-Syndrom Betroffenen hielt, die sich in diesem idyllischen Ort mit Blick auf die Voralpen zu einem Begegnungsseminar versammelt hatten. Saulgrub liegt nur knapp fünfzehn Kilometer von Murnau entfernt – für mich schon allein deshalb eine besondere Fahrt, weil hier zeitweilig der Stummfilmregisseur F.W. Murnau lebte, über dessen Werke ich 1991 meine Magisterarbeit schrieb. Murnau gefiel es hier so gut, dass er den Ortsnamen zu seinem Nachnamen machte – und ihn mit in die Südsee nahm, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Es war mein erster Aufenthalt in Murnau, und allein der Anblick in einer Talsenke gelegenen Staffelsees lässt mich F.W. Murnau bestens verstehen … ich bin sicher, dass ich auch noch einmal hierherkommen werde, diesmal aber länger.

Menschen mit Usher-Syndrom leiden von Geburt an unter Hörproblemen bis hin zu völliger Gehörlosigkeit; später kommt dann noch eine Degeneration der Netzhaut hinzu, die unweigerlich zu völliger Erblindung führt und nicht behandelbar ist. Die Veranstaltung fand im Aura-Hotel statt, das sich auf die Beherbergung von Blinden spezialisiert hat; auch für Sehende ein sehr zu empfehlendes Mittelklassehotel! Mich haben die Begegnungen dort nachhaltig beschäftigt – und den mehrfach vom Publikum geäußerten Wunsch, ich möge in einem Buch doch auch einmal Hör- und Sehbehinderungen als zentrales Thema behandeln, bewege ich seitdem immer wieder in meinen Überlegungen. Vermutlich wird es ein Jugendbuch, sogar einen Arbeitstitel habe ich schon … aber ein Weilchen wird es noch dauern, bis ich mich an die Umsetzung machen kann. Zunächst einmal schreibe ich mein neues Erwachsenenbuch zu Ende, das im Frühjahr im Berliner Querverlag erscheinen wird: „Bronko, meine Mutter und ich“ lautet der Arbeitstitel, und vielleicht ist es nicht ganz erstaunlich, dass darin ein Hund und die Mutter der Icherzählerin die Hauptrolle spielen … und erstmalig als Kulisse mit dabei: die schöne Schweiz!

Zwei Schullesungen in Berlin standen im September auch auf dem Plan: zum einen in der wunderschön gelegenenen Grundschule am Vierrutenberg in Lübars, wo die beiden sechsten Klassen mit viel Begeisterung Auszügen aus „Ein Stern namens Mama“, „Und wenn schon!“ und „Achtung, Mädchen gesucht!“ lauschten; zum anderen in der Amerika-Gedenkbibliothek – nur ein paar hundert Meter von meinem Zuhause entfernt.

Und ein Schreibseminar stand ebenfalls auf dem Programm, das bereits Anfang Oktober – erstmalig eins in Berlin: Biografisches Schreiben für Frauen. Die Teilnehmerinnen arbeiteten sich im Laufe der vier Tage tief in ihre Texte und Biografien ein, und ich mich mit ihnen. Der „Testlauf“ im Kreuzberger Schreibatelier Rathjen mit Platz für max. sechs TN ist wunderbar geglückt, und so sind für das kommenden Jahr gleich vier Workshops geplant: Biografisches Schreiben für Frauen, Erotische Geschichten, Kurze Geschichten und Mein Buch – ein Workshop für Frauen, die ein eigenes Buch planen oder bereits in Arbeit haben. Termine folgen in Kürze!

Und was kommt?

Der Rest des Oktobers wird arbeits- und abwechslungsreich: Zunächst geht es nach Bern zur Queeren Lesewoche, danach folgt eine Gemeinschaftslesung im Berliner Eisenherzbuchladen mit einer Lesung aus dem neuen „Lesbischen Auge“, anschließend geht es nach Stuttgart in die Weißenburg. Und dann stehen gleich noch sechs Lesungen für Kinder und Jugendliche in Berlin auf dem Plan, in Lichtenrade, Steglitz, Kreuzberg, gefolgt vom Schreibkurs „Kurzer Text und Langer Atem – Kurzgeschichten schreiben“. Und dazwischen wird natürlich noch fleißig selbst geschrieben – an “Bronko”, versteht sich. Denn der muss ja noch in diesem Jahr ins Körbchen ;-)), damit er im Frühjahr 2014 die Leserschaft erfreuen kann …

 

Öffentliche Termine im Oktober:

9. Oktober, 19.30h: Bern, Frauenraum: Lesung aus „Leise Töne“ und „was du willst“ // 18. Okober, 20.30h: Berlin, Eisenherz Buchladen: Gemeinschaftslesung aus dem aktuellen „Lesbischen Auge“ // 19. Oktober, 19.30h; Stuttgart, Weißenburg: Lesung aus „was du willst“ und „Liebe macht Anders“ // Schreibworkshop: „Kurzer Text und langer Atem“ – Kurzgeschichten schreiben; Anmeldung und Information unter www.lektorat-fessel.de

 

 

 

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Rundbrief in Arbeit

Die einen nennen es Newsletter, die anderen Rundbrief. Oder vielleicht Monatsbote? Auf jeden Fall ist ein solcher in Arbeit; ab Ende Oktober/Anfang November wird es monatlich, später vielleicht auch zweiwöchentlich Nachrichten vom Schreibtisch und aus dem Arbeits- und Reiseleben Karen-Susan Fessels geben, inklusive aller wichtigen Termine für den kommenden Monat. Wer gern aktuell informiert sein möchte, schickt einfach eine kurze Mail, dann geht es auf die Verteilerliste – und bald schon landen die neuesten Nachrichten im virtuellen Briefkasten …

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