Die Monatsbotin November 2021 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die dreiundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Oktober begann mit einem Paukenschlag: Unser brandneuer Podcast „Butchfunk – Lässig. Lustig. Lesbisch.“

Butchfunk: Der Podcast. Mit Manuela Kay (links), Ina Rosenthal und Karen-Susan Fessel (rechts)

schlug richtig gut ein und kletterte gleich mal auf einen sagenhaft guten Platz 6 in den Apple Podcast Charts in der Kategorie Gesundheit und Fitness: Sexualität. Letzteres mag vielleicht nicht die passendste Rubrik sein, denn über Sexualität reden meine Mitstreiterinnen Manuela Kay und Ina Rosenthal und ich zwar eigentlich gar nicht mit unseren Gäst*innen, aber die US-Amerikaner*innen bieten eben nur eine begrenzte Anzahl an Rubriken.  Dennoch ein schöner Erfolg, der uns drei natürlich weiter beflügelt …

Dass der Podcast eine gute Reichweite hat, erwies sich für mich dann gleich auch bei meiner einzigen Lesung im Oktober am 8. 10. in der Alten Schmiede in Lichtenberg. Im Rahmen der „Lichtenberger Pride Weeks“ hatte der Verein Leslefam e.V. mich eingeladen, und das zahlreich erschienene Publikum lauschte nicht nur interessiert meiner Lesung aus „In die Welt“ und „Mutter zieht aus“, sondern stellte hinterher viele Fragen und rückmeldete nur Positives zum Podcast. Eine höchst erfreuliche Lesung, die mich beschwingt in die Lichtenberger Nacht entließ.

Mein zweites Ghostwriterprojekt habe ich im Oktober abgeschlossen, auch die Arbeit am Roman für den Querverlag lief weiter, zudem die Online-Workshops, vor allem der achtwöchige für die Aids-Hilfe NRW, der sehr gut angenommen wird. Jeden Dienstagabend bin ich also von 18-21h damit beschäftigt …

Und was kommt?

… nur in der ersten Novemberwoche nicht, wenn ich zur Bad Harzburger Jugendbuchwoche in den Harz reisen werde.  Jeden Tag werde ich das Vergnügen haben, in unterschiedlichen Schulen in Bad Harzburg, Liebenburg und Goslar aus meinen Kinder- und Jugendbüchern vorzulesen. Desgleichen auch am 19. November in Osnabrück, wo ich drei Lesungen für die Fünft- bis Zehntklässler der Bertha-von-Suttner-Oberschule halten werde. Und vom 22. bis zum 26. November reise ich dann ins schöne schweizerische Luzern, um dort an acht Lesungen in unterschiedlichen Schulen meine Bücher zu präsentieren.

Der Veranstaltungsmonat November endet dann am 30. mit einer neuerlichen Lesung in der Stadtteilbibliothek Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau, wo ich wieder einmal das Vergnügen haben werde, Drittklässler mit den Abenteuern von Frieda Fricke zu erfreuen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Bahn mich komplikationslos nach Osnabrück und in die Schweiz fährt, anders als am 25. Oktober, als ich aufgrund von Zugausfällen um ein Haar die Beisetzung meiner langjährigen guten Freundin, der Philosophin, Psychologin und Feministin Barbara Köster aus Frankfurt verpasst hätte. Barbara Köster, einer der streitbarsten und klügsten Köpfe der linksalternativen Szene, Mitbegründerin der Frankfurter Frauenschule und umtriebige Aktivistin der deutschen Studenten- und Frauenbewegung, ist am 8.10. im Alter von 74 Jahren leider überraschend verstorben; ihre leidenschaftliche Stimme wird nicht nur mir fehlen.

Zu hören ist hingegen ab dem 1.11. die zweite Folge von „Butchfunk – der Podcast!“. Diesmal haben wir die Berliner Friseurmeisterin Marianne Graff zu Gast, mit der wir so interessante Dinge wie Wasserwellen und Szenefrisuren intensiv diskutieren. Ab sofort auf vielen Plattformen , unter anderem auch hier auf Pink.Life.

Einen muscheligen November wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 2. Dezember; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Gesine Palmer: Tausend Tode. Über Trauer reden. PalmArtPress, Berlin 2020 / Nein, es geht nicht etwa darum, wie Trauernde miteinander kommunizieren, sondern um eine Trauerrednerin und ihre Erfahrungen mit Trauernden, aber auch mit ihren eigenen Gedanken über Tod, Trauer und Sterben, aus denen sie ihre Trauerreden herausschöpft. Gesine Palmers schmales, aber sehr lesenswertes Buch  beleuchtet unsere heutige Trauerkultur auf vielfältige, kluge und auch immer wieder amüsante Weise und versöhnt damit auch mit den vielen Fehltritten, die den modernen Trauernden, aber auch den professionell damit Befassten unterlaufen können. Unterschwellig schwingt immer ein tiefes Verständnis der Autorin für die menschlichen Unzulänglichkeiten mit – sehr angenehm in diesen oft, um mit der aktuellen Buchpreisträgerin Antje Ravíc Strubel zu sprechen, „zänkischen Zeiten“ … // Eileen Myles: Chelsea Girls. Matthes & Seitz, Berlin 2020 / Dass  Prosatexte von Eileen Myles, nichtbinärer Kultfigur der US-amerikanischen queeren Literaturszene, auch endlich ins Deutsche übertragen wurden (einige Gedichte wurden bereits im vergangenen Jahr von Regina Nössler für das im konkursbuch Verlag erschienene Lesbische Auge übersetzt), ist an sich schon mal eine feine Sache. Aber für Myles‘ atemlose Prosa braucht es a) durchaus den Willen, sich auf die temporeiche Fahrt durch ein vielschichtiges Seelenleben und deren gedanklichen Auswüchse auch einzulassen und b) gutes Durchhaltevermögen. Dann aber wird man belohnt mit einem schillernden Gedankenreichtum, der seinesgleichen sucht. Hätte der Verlag sich allerdings dazu durchringen können, die Myles’sche Sprachgewalt mit wohlgesetzten Absätzen ein wenig lesefreundlicher zu gestalten, dann wäre der Lesegenuss deutlich höher ausgefallen, zumindest bei mir … // Rosa von Praunheim: Wie wird man reich und berühmt? Wie dreht man Filme, schreibt man Gedichte, malt man Sterne und Schwänze? / Martin Schmitz Verlag, Berlin 2017 / Geradezu entspannend dagegen die vom Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim verwendete kurze Form in seinem nunmehr 8. Buch, das nicht nur angehenden Filmstudenten einiges über die Kunst des im kommenden Jahr 80 Jahre alt werdenden, international bekannten Filmregisseurs verrät. Von Praunheim plaudert in diesem kurzweiligen Werk aus dem kunstsinnigen Nähkästchen und geizt dabei weder mit Kostproben seiner Lyrik noch mit Zeichnungen. Und das Ganze auch noch eingefasst in ansprechendes Rosa!

 

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