Die Monatsbotin November 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertdritte Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Überraschend warm wurde es im Oktober, aber das wundert ja niemanden mehr in diesen Zeiten … und den Heizkosten kam es auch zu Gute. So ließ es sich im Arbeitszimmer im vierten Stock, zur Nordseite gelegen, noch ganz gut aushalten, ohne die Heizung allzusehr hochdrehen zu müssen. Die Arbeit am nächsten Jugendbuch ging dann auch ganz gut voran und wurde nur von zwei Reisen unterbrochen: Mitte des Monats ging es auf Kurzreise zur lieben alten Freundin nach Kiel und dann weiter zur Mutter nach Meppen, um dort die Wohnung ein bisschen aufzuhübschen; eine Tätigkeit, die mir immer wieder Spaß macht. Das Ergebnis: ein helles, schimmelfreies Schlafzimmer, das sich sehen lassen kann. Und gemeinsames Aussortieren von Unterlagen und Broschüren, die keiner mehr braucht und in die niemand je wieder hineinsehen wird; eine famose Übung in Loslassen, was ja wiederum eines meiner Lieblingsthemen ist, im Beruflichen wie auch Privatem …

Detail aus meinem Hotelzimmer in Bad Homburg

Zurück in Berlin, ging es dann bald wieder los zur Frankfurter Buchmesse, um zunächst im nahen Bad Homburg zu übernachten und dann am nächsten Morgen einen kleinen Messekürlauf hinzulegen:  Nach Kurzbesuchen an den Ständen meiner verschiedenen aktuellen Verlage, als da wären der Querverlag, der Psychiatrieverlag und der konkursbuchverlag Claudia Gehrke, ging es dann zum Verla

Tontechniker Michael vom Oetinger Verlag hatte auch die Monitore bestens im Griff

g Friedrich Oetinger, der mich zu einer Lesung aus meinem neuen Roman „Blindfisch“ eingeladen hatte. Der gut vorbereitete und redegewandte Moderator Lennart Schäfer erfreute mich und das Publikum mit interessanten Fragen, eine gelungene Veranstaltung!

Immer wieder verblüffend: Wofür stehen bloß all diese Menschen an?

All das machte den Kurztripp zu einem wahren Vergnügen – so fuhr ich fröhlich wieder nach Hause. 

Und widmete mich neben der Schreibarbeit dann auch wieder mittwochs dem achtwöchigen Schreibworkshop für den Verein JES NRW e.V., der Interessenvertretung für Drogen gebrauchende Menschen, Ehemalige und Substituierte, der mir ungemein viel Freude macht … 

Und was kommt?

… und noch den ganzen November weiterläuft, dann parallel zum sechswöchigen Online-Workshop, den ich für die Aids-Hilfe NRW e.V. anbieten darf.  Dazu kommen wie immer im November reichlich Lesungen: zunächst am 8. und 10. November die im September krankheitsbedingt ausgefallenen Kinderbuch-Lesungen im Berliner Theater Morgenstern und der Tucholsky-Bibliothek, dann reise ich vom 14. bis 18. November zur Kinder- und Jugendbuchwoche nach Göttingen, um in verschiedenen Schulen in Göttingen, Northeim, Einbeck und Duderstadt vorzutragen, danach geht es dann in der Woche darauf auf Einladung der Pädagogischen Hochschule Luzern nach Wollerau, Edingen und Luzern. Also volles Programm!

Einen ereignisreichen November wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  1. Dezember; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Andrea Rödig: Man kann Müttern nicht trauen. dtv, München 2022 / Ein seltsamer Titel – das finde ich auch nach der ein wenig zwiespältigen, aber immer mitreißenden Lektüre dieses autobiografischen Romans über eine tragische Gestalt, die immer wieder im Leben der Autorin auftaucht und verschwindet und nie so ganz ergründet wird. In den letzten Jahren erscheint ja eine ganze Reihe von Büchern, in denen die Autorinnen mit ihren unnahbaren Müttern abrechnen; dieses hier zählt zu den eindringlichsten. Doch der Klappentext wie auch die sonstigen Zusammenfassungen, die ich über das Buch gelesen habe, sind schlichtweg unrichtig: Nicht hat die Mutter die Familie verlassen, sondern die Kinder wurden ihr entrissen und vorenthalten, als die Ich-Erzählerin 12 Jahre alt war. Für mich als Leserin ändert das vieles im Hinblick auf die Rezeption des Werkes, aber mehr will ich dazu nicht verraten: lieber selbst lesen, es lohnt sich! // Shon Faye: Die Transgenderfrage. Ein Aufruf zu mehr Gerechtigkeit. Hanser Verlag, München 2022 // Wer sich gründlich in das Thema Transgender einlesen möchte, dem sei dieses umfassende Werk an Herz gelegt. Die junge britische Autorin legt damit ein Grundlagenwerk zu allen Themen, die Trans*Menschen betreffen und bewegen, vor und zeigt zugleich Lösungsansätze auf. Ein wenig bedauerlich jedoch: Auch wenn aktuelle Daten aus Deutschland mit in die Übersetzung mit eingeflossen sind, wird dennoch immer deutlich, dass es sich um die Analyse britischer Verhältnisse handelt, eben nicht deckungsgleich mit den deutschen. Gleichwohl sehr informativ. // Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt. Kriminalroman. Rowohlt Verlag, Hamburg 2022 / In derselben Nacht, als Olof Palme in Stockholm erschossen wird, meldet sich wein Mann telefonisch bei der Polizeiwache im südschwedischen Halmstad und erklärt, eine Frau ermordet zu haben: „Und ich werde es wieder tun.“ Kommissar Sven Jörgensson ist der Erste am Tatort, und er ist auch der Erste, der spürt, dass der Täter Wort halten wird … So beginnt der spannende Roman um eine Mordserie, die einen ganzen Landstrich in Atem halten und das Leben mehrerer Familien für immer verändern wird. Carlssons sehr spannend geschriebenes Werk ist beste Kost für lange Winterabende, auch wenn mich ein gravierender Perspektivbruch zu Anfang fast davon abgehalten hätte, weiterzulesen. Aber auch dieser klärt sich am Ende noch auf. Bestimmt nicht das letzte Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe.

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 2: Heuchelmund (1995)

Im Januar 1994, also knapp zehn Monate vor der Veröffentlichung meines ersten Romans „Und abends mit Beleuchtung im Oktober 1994 konkursbuchverlag Claudia Gehrke in Tübingen erschien im selben Verlag meine erste erotische Erzählung: „Der richtige Name“ wurde im Sammelband „Mein heimliches Auge IX“ gedruckt, ein Text, den ich auf Anfrage des Verlages hin an einem Tag heruntergeschrieben hatte. Erstaunt darüber, wie leicht mir das Verfassen dieser kurzen erotischen Erzählung gefallen war, schrieb ich in loser Folge einige weitere, und mit jeder folgenden wurde mir klarer, dass mir das Verfassen erotischer Texte einfach liegt. Das sah auch meine Verlegerin Claudia Gehrke, die mich deshalb kurz nach der  Frankfurter Buchmesse 1994 fragte, ob ich nicht einen ganzen Band mit derlei Erzählungen schreiben wollte. Wollte ich. Und so machte ich mich mit Feuereifer daran, die nächsten erotischen Geschichten zu schreiben, fast alle mit lesbischen Bezügen, einige davon auch mit leicht sado-masochistischen Anflügen, was kurz nach Erscheinen im Hebst 1995 mehrere der damals noch in allen größeren Städten vorhandenen Frauenbuchläden dazu bewog, mein Buch zu boykottieren und mich nicht zu Lesungen einzuladen. Der Vorwurf: Mein Buch „Heuchelmund“ enthalte gewaltverherrlichende und frauenverachtende Pornografie. Was mich wiederum dazu brachte, mich noch einmal eingehend mit der Definition und Bedeutung von Pornografie zu befassen. Das Resultat: Mein Buch enthält weder Texte, die Frauen verachten noch Gewalt verherrlichen, und auch keine Pornografie, sondern Erotik. Der Unterschied, ganz marginal heruntergebrochen: Pornografie beschreibt sexuelle Akte, um Lust zu entfachen, Erotik schildert sexuelle Thematiken, mit Sehnsucht verbunden. Die Frage, warum ich solche Texte schreibe, kann ich seitdem gut beantworten: Weil ich es gut kann. Viel spannender hingegen finde ich ja auch die Frage, warum die Menschen so gern derartige Texte lesen. Denn „Heuchelmund“ ist bis heute eines meiner meistverkauften Bücher; zu schade, dass die damalige Verlagsauslieferung ein Jahr später in Konkurs ging und mir somit ein hoher vierstelliger Betrag an Autorenhonorar komplett verlorenging. Was mich aber nicht davon abhalten sollte, schon am nächsten Buch zu arbeiten …

Ein ganz besonderes und bisher einmaliges Erlebnis bescherte mir der Erzählband, zu dem meine damalige Freundin Gabriele-Maria Scheda, heute als Künstlerin international bekannt unter dem Namen Jonny Star, sowohl das Umschlagfoto als auch mehrere weitere Fotos im Innenteil beitrug, in einer Berliner Buchhandlung: Ich stöberte gerade im Krimiregal, als ich am Tresen eine Frau fragen hörte: „Haben Sie ein Buch von einer Karin Fessler oder so ähnlich, der Titel heißt ungefähr Heuchelmond?“ Die Buchhändlerin runzelte die Stirn und schlug ihren Katalog auf, und ich nahm meinen Mut zusammen, trat vor und sagte: „Heuchelmund. Das Buch heißt Heuchelmund, von Karen-Susan Fessel“. Die Kundin nickte: „Ja, genau!“, die Buchhändlerin nickte ebenfalls und klappte den Katalog wieder zu, und ich ging mit rotem Kopf und rasendem Herzen hinaus. Hach, war das schön!

Karen-Susan Fessel: Heuchelmund. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1995, 160 Seiten, 10,50 €

Die Monatsbotin Oktober 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hundertzweite Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

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Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der September gestaltete sich wechselhaft, in jeder Hinsicht. Plötzlich war der Sommer vorbei und machte dem erstaunlich kühlen Herbst Platz. Im Arbeitszimmer des vierten Stocks, auf der Nordseite gelegen, sank die Temperatur dann auch in den letzten Tagen auf schon etwas unangenehme 18 Grad, aber die Wegmarke 1. Oktober, ab der wir uns frühestens zu heizen vorgenommen hatten, wurde dann nur um einen Tag verfehlt.  Mal sehen, was der Winter in dieser Hinsicht noch so bringt …

Der September brachte jedenfalls weiterhin eifrige Arbeit am nächsten Jugendbuch, das im nächsten Herbst erscheinen soll. Das Thema, das ich hier noch nicht verraten möchte, erfordert immer wieder neue Recherchen, so das der Text selbst noch nicht im geplanten Tempo entsteht, aber das sind durchaus vorhergesehene Erschwernisse, die meinen Zeitplan keinesfalls durcheinanderbringen. Bis Ende April plane ich fertig zu sein. I, ich werde berichten, ob das auch genau so geklappt hat.

Weitaus weniger komplikationslos als geplant verliefen dahingehend die Septemberveranstaltungen, die auf meiner Agenda standen. Von 18 Lesungen fand nur eine einzige statt, aber die war dann auch besonders gelungen: In der „Fruchtbar“ im schleswig-holsteinischen Heide las ich am 9. September auf Einladung von „Westküste denkt queer“ aus meinem Roman „In die Welt“, das sich anschließende, sehr anregende Gespräch mit dem kleinen, aber feinen Publikum dauerte dann fast länger als die Lesung selbst, eine schöne Sache!

Das Publikumsgespräch bei der nächsten Veranstaltung am 15. September im Rahmen des Dyke-Dog-Literatursalons im Literarischen Colloquiums Berlin musste dann aufgrund des winzigen Zeitfensters leider komplett ausfallen, schade, denn zum Thema „Sichtbarkeit lesbischer Literatur“ gäbe es wirklich viel zu sagen. So aber hatten wir drei Podiumsgäste – Hengameh Yaghoobifarah,  Kaśka Bryla und ich – trotz der fein akzentuierten Moderation  Magda Albrechts nur wenig Zeit, unsere Positionen auszubreiten und zu diskutieren. Interessant fände ich ja eine weitere Diskussion zum Thema „Wer oder was ist eigentlich queer?“, so aber fuhr ich mit vielen weiteren Fragen im Kopf nach Hause und dem vagen Eindruck, dass für viele junge Menschen das Wort „lesbisch“ allmählich in eine graue, weit zurückliegende Vorzeit gehört – auf jeden Fall nicht auf einen Buchrücken, wo es wohl unweigerlich die literarische Bedeutsamkeit des Werkes zu schmälern scheint … Neu ist das nicht für mich, aber fragwürdig weiterhin.

Das war es auch schon mit den Live-Veranstaltungen meinerseits im Monat September, denn die nächste Lesung am 20. vor dem Planetarium in Prenzlauer Berg zum Internationalen Kindertag aus „Selina Stummfisch“ und anderen Büchern fiel buchstäblich ins Wasser und wird voraussichtlich am 26. Oktober in der Berliner Tucholsky-Bibliothek nachgeholt.

Am folgenden Tag erwischte mich dann eine üble Magen-Darm-Infektion, der die für den 23. September im Theater Morgenstern in Berlin-Steglitz geplante Lesung aus „Und wenn schon!“ zum Opfer fiel. Und auch die Lesereise in der Woche darauf zur  15. Jugendbuchwoche in Celle vom 26. bis zum 30. September musste ich krankheitsbedingt absagen – zu schade, aber vielleicht gibt es ja in zwei Jahren bei der nächsten Auflage eine neue Chance.

Sehr erfreulich aber in diesem Monat: Mein aktuelles Jugendbuch „Blindfisch“ (Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2022) wurde im September vom Deutschlandfunk auf die Liste der 7 Besten gewählt, eine feine Auszeichnung, über die ich mich sehr freue!

Und was kommt?

Weiterhin die Schreib- und Recherchearbeit an meinem neuen Roman, nicht zu vergessen aber auch die vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung, die ich brav bis zum 15. Oktober hinter mich und dem Finanzamt zur Vorlage bringen muss.

Wenn alles klappt, freue ich mich ab dem 5. Oktober  über einen neuen achtwöchigen Online-Workshop, den ich im Auftrag des Vereins JES NRW e.V., der Interessenvertretung für Drogen gebrauchende Menschen, Ehemalige und Substituierte, jeden Mittwoch anbieten darf.

Und auf meine Lesung am 23. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse freue ich mich auch, wo ich natürlich „Blindfisch“ präsentieren werde. Alle Termine sind auch auf meiner Website und hier einzusehen!

Einen nicht allzu stürmischen Oktober wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  4. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Torbjörn Ekleund: Gehen. Eine Wiederentdeckung. Malik, München 2021 / Ekelund ist Norweger und als solcher dem Wandern viel näher als der gemeine Mitteleuropäer, aber darum geht es in diesem feinen, gut erzählten Essay nicht – sondern um, grob gesagt, das Gehen auf Wegen. Und die Wiederentdeckung des sich nur langsam Fortbewegens, das den Geist in eine ganz neue Offenheit versetzen kann. Auch wenn ich selbst kaum je wandere, dafür aber spazierengehe und radfahre, so hat mir Ekelunds umfassende Betrachtung des Gehens doch viele neue Gedankengänge über das Tempo, in dem wir Menschen heutzutage in jeder Hinsicht unterwegs sind, eröffnet. Ein sehr zu empfehlendes Buch, bei weitem nicht nur für Wanderfreunde, sondern erst recht für Bewegungsmuffel.

Und hier nun wie angekündigt meine neue Rubrik, in der ich alle meine 44 Bücher in chronologischer Reihenfolge vorstellen werde:

Unter der Lupe: Meine Werke

Nr. 1: Und abends mit Beleuchtung (1994)

Nein, was war ich aufgeregt, als ich im März 1993 den Vertrag für mein erstes Buch in den Händen hielt! Der erste Schritt hin zu meinem Traumberuf Schriftstellerin war tatsächlich gemacht, der konkursbuchverlag in Tübingen würde mein Erstlingswerk pünktlich zur Frankfurter Buchmesse 1994 veröffentlichen. Damit würde ich mein großes Ziel erreichen: mein erstes Buch zu veröffentlichen, bevor ich 30 Jahre alt sein würde.

Wie gut, dass ich ein Jahr zuvor so naiv gewesen war und mein Manuskript nach Fertigstellung einfach an zehn Verlage geschickt hatte, die ich mir in der Amerika-Gedenkbibliothek und mehreren Buchläden als ungefähr passend herausgesucht hatte. Die Zeit davor war eine wirklich glückliche gewesen: Nach Abschluss meines Studiums der Theaterwissenschaften, Germanistin und Romanistik in Berlin hatte ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mich an meinen ersten Roman gesetzt, der nun unter dem Titel „Und abends mit Beleuchtungerscheinen würde. Über eineinhalb Jahre hatte ich immer, wenn ich Zeit fand, in meinem Arbeitszimmer mit Blick auf den Berliner Kreuzberg an der Geschichte um die Zwillinge Nan und Leo und einer Handvoll ihrer Freunde gearbeitet, die wilde Abenteuer erleben und herauszufinden versuchen, wohin ihr Leben sie führen soll – oder sie ihr Leben … Heute noch kann ich das überwältigende Gefühl von Freude und Freiheit empfinden, das mich an meinem Schreibtisch in der Wohnung, in der ich heute noch lebe, überkam, das tiefe, klare Bewusstsein darüber, dass ich jetzt und hier genau das machte, was ich schon immer wollte, dass ich meine Bestimmung und meine Berufung gefunden hatte. In meiner Erinnerung hat in dieser langen Zeit an jedem einzelnen Tag die Sonne auf meinem Schreibtisch geschienen, die gesamte Schreibzeit scheint wie in warmes, klares Licht getaucht, in dem ich auf eine bestimmte Art auch heute noch bade.

Wenn ich nicht schrieb, frönte ich dem Nachtleben, arbeitete ich bei der Post und sortierte, vorrangig in Nachtschichten, Briefe und Pakete und war als Fahrradkurier im Auftrag von American Express unterwegs, um Flugtickets an Firmenkunden auszuliefern – tja, damals steckte das Phänomen Internet noch in den Kinderschuhen …

Von den zehn angeschriebenen Verlagen antworteten gleich zwei positiv, beide empfahlen mir jedoch dringend, das damals noch 450 Seiten umfassende Manuskript deutlich zu kürzen. Eine harte Schule für mich, aber eine wirklich hilfreiche. Dass der alte Spruch „In der Kürze liegt die Würze“ tatsächlich gerade beim Schreiben oft seine Wahrheit entfaltet, habe ich damals gelernt – das betrifft übrigens auch den Titel, den sich kaum jemand merken kann. An die 160 Seiten, also knapp ein Drittel des Textes, habe ich gestrichen, die Geschichte gestrafft, ganze Nebenstränge herausgenommen. Dem Roman tat das gut, und die (wenigen) späteren Besprechungen waren auch durchweg positiv.

Das Cover gestaltete eine meiner besten Freundinnen, die 2020 überraschend und viel zu früh verstorbene Illustratorin Heidi Kull; das Original, auf Pappe gezogen, ziert bis heute mein Büro im vierten Stock.

Die Frankfurter Buchmesse 1994 war dann zwar eher ein Schockerlebnis für mich (so viele Bücher, so viele Autoren! Wer sollte sich denn da für mein Buch interessieren?), aber dennoch spannend. Außerdem lernte ich dort meine gleichaltrige Schriftstellerkollegin Regina Nössler kennen, die ebenfalls ihr erstes Buch beim konkursbuch Verlag veröffentlicht hatte und mit der mich bis heute eine gute und enge Freundschaft verbindet. Und meine allererste Lesung aus einem eigenen Buch hielt ich dort auch, ein unvergesslich nervöses Erlebnis.

So ist „Und abends mit Beleuchtung“, das erste von bisher 44 veröffentlichten eigenständigen Werken, also mein Einstieg in den Beruf der Schriftstellerin geworden. Bis ich davon leben konnte, verging allerdings noch geraume Zeit, aber davon in den nächsten Ausgaben mehr!

Karen-Susan Fessel: Und abends mit Beleuchtung. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1994, 288 Seiten, 12 €

Die Monatsbotin September 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die hunderterste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein reger August mit vielen Hitzetagen, aber auch einigen milden Regengüssen liegt hinter mir. Letztere leider ausgerechnet während des von mir kuratierten und von langer Hand vorbereiteten Ruinenfestivals im märkisch-oderländischen Reichenow. Die ersehnte Abkühlung tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch: Zum Glück waren genügend Schirme vorhanden, um Autor*innen wie auch das Publikum damit zu versorgen.

Im Regen lesen: Alexander Osang und Moderatorin Manuela Kay (vorne rechts) trotzen gemeinsam mit dem tapferen Publikum den Regenschauern am 20. August beim Ruinenfestival Reichenow (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)
Reichenower Jungleser*innen holen sich Autogrammkarten bei meiner (Ersatz-)Lesung am 10. August (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

Das war bereits bei der Auftaktveranstaltung mit dem saarländisch-senegalesischen Künstler Ibrahima Ndiaye der Fall; die  Lesungen von Lutz van Dijk aus „Kampala – Hamburg“, Anne Maar („Mehr Affen als Giraffen“

Lutz van Dijk und Anne Maar (Foto: Jörn Jacob Rohwer, Berlin)

und Heike Brandt („Der tote Rottweiler“) fanden dann vorsorglich lieber im kleinen, aber feinen Vereinsheim delicati statt, wo allabendlich ein köstliches Abendessen serviert wurde.  Für Salah Naoura, der coronabedingt kurzfristig absagen musste, sprang dann am 19. August ich selbst ein, was (nicht nur) die örtlichen Kinder durchaus erfreut zur Kenntnis nahmen. Marion Poschmanns

Marion Poschmann liest in der abendlichen Kulturruine aus „Laubwerk“ (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

darauffolgende Naturlyrik-Lesung wurde wiederum von bestem Sommerwetter begleitet,  während Daniel Höra seinen Roman „Braune Erde“ am Samstagnachmittag unter Schirmen präsentierte, genau wie Alexander Osang „Das letzte Einhorn“ am selben Abend.

Die beiden Workshops jedoch konnten ihre Ergebnisse im Sonnenschein zeigen,

Leseinseln im Sonnenschein: Ilka Schneider erfreut das bequem gebettete Publikum am 21. August bei der Abschlussveranstaltung (Foto: Johanna Lippmann, Berlin)

auch die Abschlussveranstaltung mit örtlichen Autor*innen beim Lese-Speed-Dating fand am Sonntag dann bei gutem Wetter mit Blick auf den See statt.

Alles in allem ein gelungenes kleines Festival, gefördert im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“, einem Projekt der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Literarischen Colloquium Berlin); mal sehen, ob es eine Wiederauflage gibt …

Vom vielgelobten „Butchfunk“, dessen bisherige acht Folgen überall dort zu hören sind, wo es Podcasts gibt, wird es allerdings in nächster Zeit keine Wiederauflage geben, zumindest nicht in der bisherigen Besetzung. Meine Mitstreiterinnen Manuela Kay, Ina Rosenthal und ich haben im Moment zu viele andere Projekte, um uns dem „Butchfunk“ so widmen zu können, wie er es verdient hätte.  Schade zwar, aber unumgänglich, jedenfalls im Moment …

Mein neues Jugendbuch „Blindfisch “ (ab 13, Verlag Friedrich Oetinger 2022) startet ziemlich gut durch und wurde bereits in den Berliner Zeitungen Tagesspiegel und Morgenpost ausführlich und sehr gut besprochen.

Besonders interessant dabei: Über Lons sexuelle Identität kursieren die unterschiedlichsten Meinungen. Ich selbst halte mich dahingehend bedeckt und habe beschlossen, Lons für mich wahre Identität erst in genau zehn Jahren zu lüften. Das dürfte dann ungefähr in der 211. Monatsbotin der Fall sein, denn: Ja, es bleibt bei der monatlichen Erscheinungsweise!

Dafür haben sich nahezu alle gut vierzig Leser*innen ausgesprochen, die meinem Aufruf aus der letzten Monatsbotin gefolgt sind und mir geschrieben haben, mit zum Teil sehr ausführlichen, fruchtbaren Vorschlägen für eine Neugestaltung. Und unschlagbar überzeugend fand ich die Argumentation von Holger F. aus Bielefeld: „Stell Dir den Aufwand vor, Du müsstest dann alle zu versendenden Mails in Zweimonatsbotin umschreiben. Das Wort allein sieht schon schrecklich aus.“ Stimmt haargenau – also bleibt es bei der Monatsbotin!

Ich werde aber dem Vorschlag von Margit M. aus dem Schwarzwald folgen und nun ab der nächsten Monatsbotin in jeder Ausgabe eins meiner nunmehr 44 Bücher vorstellen, in streng chronologischer Reihenfolge, mit einer kleinen Hintergrundgeschichte zu jedem einzelnen.

Die  Gewinner*innen der signierten Ausgabe von „Blindfisch“ bzw. „Unter meinen Händen“: Axel J. und Stefan R. (beide Berlin) und Michaela W. aus Cuxhaven. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Lesen!

Und was kommt?

Nun stehen neben der Schreib- und Recherchearbeit an meinem aktuellen Jugendbuch eine Reihe von Veranstaltungen an: Zunächst lese ich am 9. September im schleswig-holsteinischen Heide auf Einladung von „Westküste denkt queer“ aus meinem Roman „In die Welt“

In die Welt (Roman, 2020)

, dann werde ich am 15. September im Rahmen des Dyke-Dog-Literatursalons auf dem Podium des Literarischen Colloquiums Berlin zusammen mit Hengameh Yaghoobifarah und Kaśka Bryla, moderiert von Magda Albrecht, über Strategien und Perspektiven lesbischer Literaturproduktion diskutieren. Am 20. dann lese ich vor dem Planetarium in Prenzlauer Berg zum Internationalen Kindertag aus „Selina Stummfisch“ und anderen Büchern, um am 23. wiederum im Theater Morgenstern in Steglitz „Und wenn schon!“ zu präsentieren. 

Und dann geht es zur 15. Jugendbuchwoche in die schöne Fachwerkstadt Celle, um vom 26. bis zum 30. September täglich drei Lesungen in verschiedenen Schulen des Ortes und der Umgebung zu halten. Ein wahres Mammutprogramm also, das ich mit Vergnügen gestalten werde!

Alle Termine sind auf meiner Website und hier einzusehen!

Einen abwechslungsreichen September wünscht Karen-Susan Fessel!

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Ausgelesen: Åsa Larsson: Wer ohne Sünde ist. C. Bertelsmann, München 2022 / Larsson gilt als die große Landschaftskünstlerin der schwedischen Literatur, und genau das kann ich nur bestätigen:  Ich lese ihre spannungsreichen, sprachgewaltigen Romane besonders gern, um meine Sehnsucht nach Lappland wenigstens ein bisschen stillen zu können  … In ihrem sechsten und vorläufig letzten Band der Reihe um die in den Ort ihrer Kindheit zurückgezogenen Staatsanwältin Rebecka Martinsson verwebt Larsson geschickt zwei Handlungsstränge ineinander: Martinsson muss sich zum einen erneut mit ihrer tragisch-traumatischen Familiengeschichte auseinandersetzen, zum anderen den Fall eines nach Jahrzehnten aufgetauchten Toten untersuchen, den auch dessen Sohn, der Boxer Börje Ström, aufklären will. Beide kommen sich auf unangenehme Weise in die Quere … Ein Muss für Lappland-Fans, eine Bereicherung für alle, die tiefenpsychologische Kriminalromane schätzen.

 

Die Monatsbotin August 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

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Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Die beiden ersten Sommermonate hatten es in sich – vor allem mit positiven Nachrichten. Allen voran erreichte mich die überaus erfreuliche Mitteilung, dass der Deutsche Literaturfonds e.V. mich mit einem zehnmonatigen Stipendium bedacht hat, um meinen bereits in Arbeit befindlichen Jugendroman in Ruhe zu Ende schreiben zu können. Das hat mich sehr beglückt, ich musste in der Tat ein bisschen in meinem Arbeitszimmer umhertanzen und jubeln.

Genau passend dazu habe ich Ende Juni mein Co-Autorinnen-Buchprojekt in Rohfassung fertigstellen können und mich kurz danach an meiner aktuellen Neuerscheinung, dem Jugendbuch „Blindfisch „,

Blindfisch (ab 13, Verlag Friedrich Oetinger 2022)erschienen im Verlag Friedrich Oetinger, erfreuen können.

„Blindfisch“ ist mein 44. Buch und erzählt die Geschichte von Lon, 16 und am seltenen Usher-Syndrom erkrankt, das zum einen eine fortschreitende Schwerhörigkeit mit sich bringt, zum anderen in den meisten Fällen auch noch eine sich zusehends verschlechternde Sehfähigkeit, die zur völligen Erblindung führen kann. Das sich zunehmend verengende Gesichtsfeld wird zu einer echten Herausforderung, denn Lon erzählt niemandem davon, selbst der Mutter oder dem Arzt nicht. Und auch Nelly und Oscar, Lons Freunde, ahnen nichts.  Auf dem Weg in die Dunkelheit sehnt sich Lon nur nach einem: Liebe. Und schwankt dabei gehörig hin und her … im körperlichen wie übertragenen Sinne.

Ich selbst schwanke auch: Soll ich die Monatsbotin nach nunmehr 100 Ausgaben in dieser Variante beibehalten, oder wäre eine zweimonatliche Ausgabe attraktiver? Was sagt denn meine Leserschaft dazu, gibt es von dieser Seite vielleicht auch andere Vorschläge und Ideen? Unter allen Zuschriften, die mir dazu bis zum 15. August per Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de zugehen, verlose ich drei signierte Exemplare von „Blindfisch“!

Mitmachen können dabei natürlich auch die insgesamt 20 Teilnehmer*innen der diesjährigen Sommerakademie im Waldschlösschen bei Göttingen, mit denen ich vom 24. bis zum 31. mit viel Spaß, Vergnügen und Ideenreichtum beim Schreibworkshop zusammengearbeitet habe, zum nunmehr 12. Mal!

Und was kommt?

Und natürlich gingen und gehen auch die Vorbereitungen für das von mir ins Leben gerufene und kuratierte „Ruinenfestival Reichenow: Zukunft lesen„, das am letzten Berlin-Brandenburger Ferienwochenende vom 18. bis zum 21. August im märkisch-oderländischen  Reichenow stattfinden und im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“ – ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung von Kultur und Medien (Förderprogramm „Kultur in ländlichen Räumen“) und des Literarischen Colloquiums Berlin gefördert wird.  Das bunte Programm aus acht Lesungen und zwei Workshops richtet sich an alle Altersgruppen und will nicht nur Literatur aufs Land holen, sondern zum Zuhören und Mitreden anregen. Namhafte Kinder- und Jugendbuchautor*innen wie Anne Maar, Salah Naoura, Heike Brandt und Daniel Höra laden zur Auseinandersetzung mit Glück und Pech, Waffenhandel und braunen Sekten ein. Die Lyrikerin Marion Poschmann und der Autor und Kulturjournalist Alexander Osang präsentieren ihre Sicht auf Stadt, Land, Menschen und Natur, während Lutz van Dijk und Ibrahim Ndiaye den Blick über Europa hinaus auf ferne Länder richten. Ein Theaterworkshop der örtlichen Theatermacherin Janina Sasse lädt Jugendliche zum Mitmachen ein, während die Reichenower Schreibgruppe zum Biografischen Schreiben animieren möchte. Den Abschluss des Festivals gestalten eine Reihe von örtlichen Profi- wie auch Amateurautor*innen. Moderiert werden die Tage von Inga Selck, Moritz von Rappard, Manuela Kay und mir selbst, die dem ganzen mit Spannung entgegensieht. 

Wer also vom 18. bis 21. August nochmal so richtig in Kultur und Literatur schwelgen möchte, ist in Reichenow herzlich willkommen!

Einen entspannten August wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  3. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Helene Flood Aakvaag: Die Psychologin. btb, München 2022 / Saras Mann ist verschwunden. Sigurds letzter Anruf sollte sie beruhigen, aber nach und nach stellt sich heraus, dass er offenbar gelogen hat – statt mit Freunden in den Bergen zu einem Ausflug ist er offenbar ist seine eigene, abgelegene Hütte gefahren.  Und nicht nur das – Sara fühlt sich zusehends mehr bedroht. Jemand geht nachts in ihrem Haus ein und aus, und die Angst beginnt, zu einem alltäglichen Begleiter zu werden. Floods vielfach prämiertes Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine geschickt konstruierte Handlung mit Tiefgang aus, was es zu einer idealen Ferienlektüre macht.

 

Die Monatsbotin Mai 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die achtundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein viel zu trockener, aber freundlicher April liegt hinter uns, den ich in der Hauptsache mit ganz schriftstellerinnengemäßer Schreibarbeit verbrachte – abgesehen von einer einwöchigen Privatreise, die mich zunächst zu meinem lieben Mütterlein nach Meppen führte, dann weiter zur lieben alten Freundin in die Nähe von Kiel, um mit ihr dann wiederum weiter nach Sylt zu reisen, wo sie als junges Mädchen in einem Kindererholungsheim nahe Hörnum tätig war und später dann in einem Müttergenesungsheim in Keitum. Hund Luki war auch wieder mit von der Partie, hatte aber erstaunlicherweise auf der von Osterbesucher*innen überschwemmten Insel wenig Platz zum Auslauf. Die mit Seegras bewachsenen Dünen (die laut Freundin Margret vor 69 Jahren noch komplett sandig waren, ohne jeglichen Bewuchs!) sind nicht betretbares Schutzgebiet, was ja auch gut ist, aber auf den gangbaren Fuß- und Radwegen tummelten sich Scharen von maritim gekleideten Urlaubern. Und frei laufen durfte der arme Hund nirgendwo so richtig. Aber nun gut, das Wetter war prächtig und der Ausblick aufs Wattenmeer prima. Und zum 84. gab es auch einen selbstgebackenen Marmorkuchen vom Hotelkoch!

Ansonsten: Fleißiges Schreiben stand an, sowohl am Jugendbuch als auch am Ghostwriterroman, aber auch an den im Juli im Verlag Friedrich Oetinger erscheinenden Jugendroman Blindfisch musste letzte Hand angelegt werden. Das bedeutet im Einzelnen: Die aktuellen Satzfahnen (die den Text im Druckformat zeigen) ein letztes Mal überprüfen und überhängende Satzteile „einbringen“, sodass sich die Zeilenanzahl auf jeder Seite nicht allzusehr unterscheidet. Da muss dann noch das eine oder andere Wort oder der eine oder andere Halbsatz dran glauben, aber so ganz nebenbei entdeckt man dann doch noch hie und da eine Wortwiederholung … Eine Tätigkeit, die mir diesmal besonders viel Spaß gemacht hat. Vielleicht auch, weil ich mich dabei immer wieder im eigenen Buch festgelesen habe, was ja ein gutes Zeichen ist!

Natürlich gingen auch die Onlineworkshops, diesmal „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“, weiter. Und drei Lesungen standen auch an: Die 6. Klassen der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien nahe Berlin lauschten interessiert meiner Darbietung aus „Ein Stern namens Mama“, „Und wenn schon“ und „Hiphop, Hund und Herzgehüpfe“. Und ein überaus vielseitiges und köstliches Büffet gab es im Lehrerzimmer noch dazu. Vielen Dank dem engagierten Kollegium und den emsigen FSJlerinnen!

Und was kommt?

Natürlich geht die Arbeit an meinen aktuellen Projekten weiter, desgleichen am Podcast „Butchfunk – Lässig. Lustig. Lesbisch.“, dessen Maiausgabe leider krankheitsbedingt erst demnächst aufgenommen werden kann und dann nachgereicht wird. Zu Gast diesmal: Joey Juschka, aus Halle an der Saale gebürtige Autorin und Sextrainerin.  Die bisherigen sechs Folgen sind zu hören auf vielen Plattformen, unter anderem auch hier auf Pink.Life. Und: Wem es gefällt, nicht vergessen, zu liken und zu abonnieren!

Und lesen werde ich in diesem Monat auch, zum Einen am 10. Mai in der Stadtbücherei Falkenhagener Feld für die dort ansässigen Grundschüler*innen, zum anderen am 18. Mai in der Privatklinik Dr. Fontheim im niedersächsischen Liebenburg aus „Paare mit Paketen“. Um Anmeldung – siehe hier!Plakat_Lesung_Fessel_E2 – wird gebeten!

Einen blühenden und grünenden Mai wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 5. Mai und am 2. Juni; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Christina Clemm: AktenEinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt. Verlag Antje Kunstmann, MÜnchen 2020 / Nach den neuesten Zahlen des BKA ist jede dritte Frau in Deutsch­land von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Das kann und mag man sich kaum vorstellen – dabei hilft dann dieses sehr klare und eindringliche Werk, in dem die Strafrechtsanwältin Clemm anhand von fiktiven, aber auf der Wahrheit fußenden Fällen verschiedenste Fallbeispiele erzählt, von der versuchten Vergewaltigung über Gewalt in der Ehe bis hin zum Femizid. Die Erzähltexte sind mit einfachen, aber hinreichenden Erklärungen der juristischen Fachbegriffe durchsetzt. Wer dieses Buch gelesen hat, wird hoffentlich genauer hinsehen, wenn ihm eine Frau mit leerem Blick und blauen Flecken am Handgelenk begegnet. Und vielleicht eher tätig werden als vor der Lektüre.

Die Monatsbotin März 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die sechsundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ja, der Februar hatte es in sich. Leider legte mich gleich zu Beginn des Monats eine lästige Sehnenscheidenentzündung meiner rechten Hand lahm. Nein, es handelt sich nicht um das Karpaltunnelsyndrom, sondern um den sogenannten Hausfrauendaumen. Diesen Begriff finde ich allerdings dermaßen antiquiert, dass ich es kaum fassen kann – aber egal, Orthese drüber, Spritze rein und los – denn Lesung konnte ich zum Glück ja auch ohne Daumen halten, so am 18. Januar live vor den 8. Klassen des Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und vorher vom 10. bis 14. Januar online für die Schüler*innen des Schweizer Kantons Zürich. Zwei dieser Lesungen allerdings mussten in die erste Märzwoche verschoben werden, da einige der Lehrkräfte positiv getestet wurden. Am 2./3. März also lese ich dann online für die dortigen Schüler*innen – und der geplante Schreibworkshop mit den 11.-Klässlern der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in Braunschweig musste auch leider verschoben werden – auf 9. März und steht damit unmittelbar bevor. Ich bin gespannt!

Ebenfalls verschoben werden musste der geplante Schreibworkshop „Biographisches Schreiben “im Bremer Gehörlosenzentrum; neuer Termin: 24. bis 26. Juni. Da ist es dann hoffentlich schön warm und Corona kann uns nichts mehr anhaben!

Corona zum Opfer gefallen ist zudem die neue Episode Nummer 6 unseres Podcasts „Butchfunk – Lässig. Lustig. Lesbisch.“, die nun erst am Donnerstag, dem 7. April veröffentlicht werden wird. …Wer sich die bisherigen fünf Folgen noch nicht zu Gemüte geführt hat, kann es sehr gern jetzt nachholen: Der Podcast ist zu hören auf vielen Plattformen , unter anderem auch hier auf Pink.Life. Und: Wem es gefällt, nicht vergessen, zu liken und zu abonnieren!

Umso mehr Zeit hatte ich dann aber für meine beiden zurzeit in Arbeit befindlichen Bücher, das Jugendbuch für den Querverlag und mein neues Ghostwriterprojekt. Und für noch ein sehr spannendes, ganz neues Projekt, das mich mit großer Freude erfüllt: das Reichenower Ruinenfestival „Zukunft Lesen“, für das der Verein Kulturschäferei e.V., in dem ich Mitglied bin, soeben eine voraussichtlich fast die Kosten deckende Förderung erhalten hat: »Und seitab liegt die Stadt« ist ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Literarischen Colloquiums Berlin und fördert bundesweit literaturbezogene Veranstaltungen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder in Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern im Rahmen des BKM-Förderprogramms »Kultur in ländlichen Räumen«. Die Mittel stammen aus dem Bundesprogramm »Ländliche Entwicklung« (BULE) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Ziel ist es, die Literaturvermittlung zu stärken und möglichst vielen Menschen Möglichkeiten zu eröffnen, kulturelle und gesellschaftliche Debatten mitzugestalten. Für die literarische Planung zeichne ich in der Hauptsache verantwortlich und bin nun gerade mit Feuereifer dabei, die geplanten acht bis zehn Lesungen und zwei Workshops zu bestücken. Das ist eine Menge Arbeit, die sich mit Sicherheit lohnen wird! Die einzelnen geförderten 36 Projekte kann man hier nachlesen.

Und was kommt?

Zunächst die oben bereits erwähnten Online-Lesungen in der Schweiz, dazu dann noch vier weiter Live-Veranstaltungen, neben dem Braunschweiger Workshop- und Lesetag dann auch zwei Lesungen an der Astrid-Lindgren-Schule im brandenburgischen Falkenberg am 22. März und eine weitere Lesung für die 8. Klassen des Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasiums.

Und dann heißt es natürlich weiterschreiben … das ist ja schließlich meine Haupt- und Lieblingsbeschäftigung!

Und wer noch weiterlesen will: hier im Blog der Berliner Spreeautoren, dem Netzwerk professioneller Berliner AutorInnen und IllustratorInnen aus dem Bereich Kinder- und Jugendbuch, findet sich ab dem 7. März ein ausführliches Interview mit mir.

Einen frühlingshaften März wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 3. März; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Dilek Güngör: Vater und ich. Verbrecher Verlag, Berlin 2021 / Ein schmales, gut zu lesendes Werk, das die leicht lakonisch-distanzierte Sicht der türkischstämmigen Autorin auf den schweigsamen Vater, der seine Kinderseele nur der kleinen Tochter zeigen konnte, genüsslich zelebriert. Die Mittdreißigerin Ipek, frisch von ihrem Freund getrennt, besucht ihren Vater, während die Mutter mit drei Freundinnen ein Wellnesswochenende verbringt – aber so richtig ins Gespräch kommen Vater und Tochter dennoch nicht. Immerhin aber schließt Ipek letztlich ihren Frieden damit – getreu der Maxime: Nimm hin, was du nicht ändern kannst. Am interessantesten für mich sind auf den 103 Seiten Ipeks Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Schüchternheit.

Die Monatsbotin Januar 2022 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Dezember ist ja nicht nur aufgrund der schön niedrigen Temperaturen mein Lieblingsmonat, sondern auch, weil dann diverse Festivitäten anstehen. Und ein wenig Ruhe einkehrt, so auch diesmal.  Da keine Veranstaltung mehr anstand, konnte ich mich ganz entspannt meinen diversen Projekten widmen, allen voran dem neuen Jugendbuch für den Querverlag, aber auch den Online-Workshops „Biografisches Schreiben“ sowie dem „Kreativ-Quickie“.

Für einen dreitägigen vorweihnachtlicher Besuch bei meiner lieben Frau Mutter im emsländischen Meppen fand ich dann auch noch Zeit, mehrere Lektoratsanfragen aber musste ich aus Zeitgründen leider absagen oder auf Mitte nächsten Jahres verschieben, aber das ist nötig, um mich auf meine Hauptarbeit, das Bücherschreiben, konzentrieren zu können. Neben dem Jugendbuch steht nämlich noch ein weiteres Buch aus der Kategorie „Ghostwriting“ an, zu dem ich zu gegebener Zeit genaueres erzählen werde. Und einen weiteren Roman für Erwachsene habe ich auch in Planung, der allerdings noch nicht sonderlich weit gediehen ist.

Und was kommt?

Ich habe also reichlich zu tun, was mir wie immer ausnehmend gut gefällt. Dazu gehört auch die Arbeit am Podcast „Butchfunk – Lässig. Lustig. Lesbisch.“, dessen nächste Folge am Montag, dem 3. Januar online gehen wird. Bei der Live-Aufnahme der Episode 4  auf den Berliner „LGBT-Winterdays“ lag unsere Mitstreiterin Ina Rosenthal leider krank darnieder und ich weilte noch im Zug aus Osnabrück, so dass Manuela Kay bei eisiger Kälte allein mit der Musikerin Katharina Franck auf der Bühne saß und über die 80er-Jahre sprach. Was sie natürlich mit Bravour bewältigte; kein Wunder, immerhin ist ja auch sie seit dem 10. Dezember stolze

Der scheidende Justizsenator Berlins, Dirk Berendt, überreicht Manuela Kay gutgelaunt den wohlverdienten Orden. Foto: Karen-Susan Fessel

Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande, dank ihres großen und unermüdlichen Einsatzes als Aktivistin, Verlegerin und Sprachrohr für die Belange der queeren Community. An dieser Stelle also nochmals ganz offiziell: herzlichen Glückwunsch!

Der Podcast ist zu hören auf vielen Plattformen , unter anderem auch hier auf Pink.Life. Und: Wem es gefällt, nicht vergessen, zu liken und zu abonnieren!

Einige Lesungen stehen in diesem Monat wiederum erneut an, aber die Lesereise vom 10.-14. Januar in den Kanton Zürich muss ich aufgrund der steigenden Coronainzidenzen dann doch zu allseitigem Bedauern wieder online halten. Hoffentlich aber gilt das nicht für die Lesung am 18. Januar vor den 8. Klassen des Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und auch nicht für den Schreibworkshop mit den 11.-Klässlern der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in Braunschweig. Ich bin gespannt!

Einen beschwingten Januar wünscht Karen-Susan Fessel!

Online-Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 3. Februar; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen: Rumaan Alam: Inmitten der Nacht. btb, München 2021 / Ferien auf Long Island. Amanda, Clay und ihre beiden Teenagerkinder freuen sich auf schöne Tage im Luxusferienhaus. Aber mitten in der Nacht steht dort plötzlich ein älteres, schwarzes Ehepaar vor der Tür, angeblich die Hausbesitzer. Und angeblich liegt die ganze Ostküste lahm, Strom und Licht seien ausgefallen … Alams dritter Roman entfaltet nach und nach eine apokalyptische Vision, die zugleich elementare Gesellschaftsfragen berührt: Amanda und Clay müssen sich nicht nur mit ihrem Misstrauen auseinandersetzen, sondern auch mit der Frage, woher er rührt. Sind sie vielleicht doch tief im Herzen Rassisten? Und ist es angeraten, immer ehrlich zu sein? Fragen, mit denen sich lesend auseinanderzusetzen nicht nur Sinn, sondern auch Spaß macht … // Arttu Tuominen: Was wir verschweigen. Lübbe, Köln 2021  / Ein Messermord unter Alkoholikern, in einem Holzhaus am See, typisch finnisch eben, denkt Kommissar Jari Paloviita. Aber dann entdeckt er den Namen des Hauptverdächtigen, und die Erinnerungen kommen zurück … Tuominens als „Bester finnischer Krimi des Jahres“ ausgezeichneter Roman entpuppt sich als solide, handwerklich gut gemachte Krimikost, aber mehr auch nicht. Dazu würde dann eine überraschende Wendung gehören, aber auf die habe ich vergebens gewartet. Gut unterhalten wurde ich dennoch. // Kim Faber und Janni Pedersen: Winterland. Blanvalet, München 2021 / Ganz anders, nämlich ungemein spannend und wendungsreich der erste Band der Krimitrilogie des dänischen Duos Faber und Pedersen, ausgezeichnet mit dem Preis für des beste Debüt der Dänischen Krimi-Akademie. Der kleine Ort Sandsted wird von einem brutalen Doppelmord erschüttert, zeitgleich explodiert eine Bombe auf dem Kopenhagener Weihnachtsmarkt. Martin Juncker, nach Sandsted zwangsversetzt, und seine Kopenhagener Kollegin Signe Kristiansen stehen vor den größten Herausforderungen ihrer Karrieren. Und entdecken schließlich, dass beide Fälle zusammenhängen … Zu meiner Freude erscheint der zweite Band in wenigen Wochen, denn die beiden wunderbar charaktervoll geschilderten Ermittler sind bereits jetzt ganz oben in meine Krimi-Favoritenliste aufgestiegen. Unbedingt zu empfehlen!

Die Monatsbotin September 2021 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundneunzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten … Wer lieber Ruhe wünscht, desgleichen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein ereignisreicher August liegt hinter mir, der zunächst mit einer höchst kurzweiligen Lesung am 5. August in Berlin begann. Vor der Bibliothek am Wasserturm in Pankow

hatten zwei Dutzend Wagemutige dem unmittelbar vorhergehenden Platzregen getrotzt und lauschten meiner ersten Live-Lesung des Jahres aus „In die Welt„, meinem neuesten im Berliner Querverlag erschienenen Roman, der ja pünktlich zum ersten Lockdown im letzten Jahr erschienen war. 

Die Lesung gestaltete sich erstaunlich vergnüglich, und eine spontane Preisverleihung gab es auch: die einzige Zuhörerin im Publikum, die erklären konnte,

Selfmade Woman

worum es sich bei Microblading handelt – Christine K. aus Berlin -, gewann ein Exemplar meines ebenfalls brandneuen Werkes „Selfmade Woman„, der Biografie der Eye-Brow-Artistin Sofia Ghasab, das ich zusammen mit ihr im letzten Monat beim Riva-Verlag veröffentlicht habe. 

Jim Baker (links), Karen-Susan Fessel und Marc Lippuner. Foto: Anne Küster

So waren auch mein Querverleger Jim Baker und Mitgesellschafter Marc Lippuner nach der Lesung in höchst erfreuter Stimmung, wie man sehen kann …

Beide freuen sich natürlich auch auf mein nächstes Jugendbuch, das im kommenden Frühjahr im Querverlag erscheinen wird und mit dem ich in diesem Monat dann auch begonnen habe. Zunächst bedarf es noch einer intensiven Recherche, darunter Gespräche und Interviews mit einigen Fachärzt*innen und Psychotherapeut*innen. Warum, verrate ich erst kurz vor Erscheinen – das Thema des Buches ist nämlich derart brisant.

Ein weiteres Jugendbuch für einen anderen Verlag ist ebenfalls in Arbeit: im Verlag Friedrich Oetinger, in dem ich seit 1999 bislang 13 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht habe, wird es im kommenden Jahr erscheinen. Eine schöne Überraschung!

Überraschend heiter verliefen dann auch die beiden Lesungen für Schulklassen in diesem Monat, deren Ausfall aufgrund der steigenden Inzidenzen schon zu befürchten war: Am 24. August las ich in der Stadtbibliothek am Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau vor munteren Erst- und Zweitklässlern aus „Frieda Fricke, unglaublich!“, einen Tag später in der Kreuzberger Lenau-Schule für eine sechste Klasse. Die Fünfte musste leider in Quarantäne und damit zu Hause bleiben,

Zwei Tage später reiste ich dann ins wunderschöne Bremen,  um dort einen zweitägigen Schreibworkshop für Biografisches Schreiben zu leiten, der von zwei umtriebigen Bremerinnen initiiert wurde und bereits zweimal Corona wegen verschoben werden musste. Gleich dreizehn Schreibfreudige nutzten die Gelegenheit, im geräumigen Veranstaltungssaal des Gehörlosenzentrums eigene Erlebnisse, aber auch kreative Texte zu schreiben und in der Gruppe zu diskutieren. Eine Wiederholung im kommenden Februar ist bereits in Planung, was mich ungemein freut!

Und noch etwas war natürlich auch: Aus den gut zwanzig Einsendungen nach meiner letzten Monatsbotin zog ich die fünf Gewinnerinnen: Margot N. aus Braunschweig, Taikka T. aus Berlin, Petra S. aus Saarbrücken, Mirjam S. aus Bollingen (CH) und Verena S. aus Velten können sich über je ein Exemplar von „Selfmade Woman“ freuen!

Und was kommt?

Natürlich reichlich Recherche- und Schreibarbeit am Jugendbuch für den Querverlag; noch dazu ist ja auch mein zweites Ghostwriterprojekt weiter in Arbeit. Wobei auch hier fraglich ist, wie die Zusammenarbeit am Ende bezeichnet werden wird, denn ursprünglich war ja auch „Selfmade Woman“ als Ghostwriterprojekt gedacht. Nun aber steht am Ende mein Name zwar nicht auf dem Titel des Buches, wohl aber innen unter dem Namen der „Hauptautorin“, und als Autorin bin ich auch hinten mit einer Kurzbiografie verzeichnet. Mal sehen also, wie es mit Projekt Nr. 2 dann weitergeht …

Und Veranstaltungen wird es im September ebenfalls geben: Den Anfang macht am 5. die feierliche Preisverleihung des „THEO„, des Berlin-Brandenburgischen Preises für Junge Literatur“, benannt nach dem Schriftsteller Theodor Fontane. Bis zum 15. Januar 2021 konnten junge Schreibtalente aus aller Welt Gedichte und Kurzgeschichten zum Thema „Auf der anderen Seite“ einreichen, aus den gut 700 hat die Jury, bei der ich mitwirkte, nun die 15 Siegtexte bestimmt. Bei der Preisverleihung werde ich unter anderem auch einige Laudationen halten. 

Am 7. dann lese ich erneut in der Stadtbibliothek Falkenhagener Feld in Spandau, diesmal vor Fünft- und Sechstklässlern, um am 15. und 16. wiederum in der Nordendschule in Eberswalde einen zweitägigen Schreibworkshop mit Siebt- und Achtklässlern zu leiten. Das freut mich besonders, handelt es sich bei der Nordendschule doch um meine liebste Förderschule, in der ich schon mehrfach zu Workshops und Lesungen zu Gast war.  In der dortigen Schulbücherei sind auch tatsächlich sämtliche meine Kinder- und Jugendbücher vorhanden … und werden gern gelesen!

Und am Monatsende, am 25. , habe ich dann das Vergnügen, beim LiN-Sommerfest im Frauenbildungs- und Tagungshaus Altenbücken aus „In die Welt“ vorlesen zu dürfen. Ein sehr abwechslungsreicher Veranstaltungsmonat liegt also vor mir, höchst erfreulich nach der langen, durch die Corona-Pandemie verursachten Durststrecke!

Und noch etwas am Rande: Seit letztem Monat bin ich auch auf Instagram unter @karensusanfessel zu finden! Noch bedarf es ein wenig Übung meinerseits, um einen flotten Account zu installieren, aber es geht vorwärts – und ich freue mich über jeden Like und jeden Abonnierenden.

Einen milden September wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 2. September und 4. Oktober; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Nikola Madzirov: Versetzter Stein. Gedichte. Hanser, München 2011 / Mehrere Male war ich in Mazedonien auf Lesereisen, und der eigenwillige Charme des Landes, seine Zerrissenheit und von politischen und sozialen Verwerfungen geprägte Geschichte wird mir auf jeder Seite dieses schmalen Gedichtbandes wieder neu vor Augen geführt. Madzirov, einer der erfolgreichsten Dichter seines Landes, präsentiert in seinem dritten Gedichtband einen Reigen aus verhaltener und traumgleicher Lyrik, die immer über das schnöde Ich hinausweist und an den Menschen als soziales Wesen appelliert. Hoffentlich wird bald mehr von ihm ins Deutsche übersetzt!