Die Monatsbotin September 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die neunundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Sommer, sehr heißer Sommer … und das einen ganzen Monat lang! Dessen ersten Tag im August ich im schönen Ostseebad Binz verbringen durfte, wo ich das wirklich große Vergnügen hatte, im Kurpark vor recht zahlreich erschienenem, geneigtem Publikum vortragen zu dürfen. Zwar nicht aus meinen eigenen Werken und auch nicht unter großen Sonnenschirmen wie die Zuhörerschaft, aber dafür aus der von mir konzipierten und lektorierten Broschüre „Eine* von uns“ mit Texten zu queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben vom Verein Lola für Demokratie. Die dazugehörige Ausstellung un_sichtbar! ist noch bis zum 8. September im Dokumentationszentrum Prora zu sehen.

Das war es dann aber auch schon für den gesamten Monat in Sachen Lesungen, der Schreibtisch rief —und ich folgte ihm gern. Kapitel 5 des in Arbeit befindlichen neuen Romans ist nun – bis auf wenige Seiten – fertig, das Ende also allmählich in Sicht. Und wie üblich sehe ich dem mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen; immerhin habe ich dieses Buch nun seit über zwei Jahren in Arbeit, da fällt der Abschied dann doch schwer. Allerdings, bis dahin dauert es noch ein Weilchen, Kapitel 6 und 7 werden in den kommenden zwei Monaten entstehen, dann folgt eine eingehende Überarbeitung, danach geht das Manuskript dann ins Lektorat. Im Frühjahr 2020 wird es erscheinen. Meine Titelliste allerdings umfasst mittlerweile gleich acht Kandidaten, mal sehen, wer am Ende dann das Rennen macht …

Und was kommt?

Na, das nächste Kapitel natürlich; aber auch weitere Texte sind noch in Arbeit, nicht zu vergessen die Online-Workshops „Kreativ-Quickie“ und „Mein Buch„. Und einige Veranstaltungen stehen im schönen September auch wieder an: Den Anfang macht am 11. September eine Podiumsdiskussion im altehrwürdigen Literaturhaus Berlin, veranstaltet von den Bücherfrauen – Women in Publishing: Gemeinsam mit der Suhrkamp-Lektorin Sabine Erbrich und moderiert von Zoë Beck diskutiere ich über Diversität in der Programmplanung von Verlagen.

Zwei Tage später führt mich eine Kurzreise in das Frauenbildungs- und Tagungshaus Altenbücken bei Bremen, wo ich dem diesjährigen LiN-Fest mit einer Werkschau – einem rasanten Querschnitt durch mein Schaffen samt Wunschlesung – einen guten Start ins Wochenende bescheren möchte.

Am 25. September dann werde ich anlässlich den 31. Tages der Kinder- und Jugendliteratur zwei Lesungen für die achten und neunten Klassen an der Tobias-Seiler-Oberschule in Bernau halten, um direkt danach ins schleswig-holsteinische Henstedt-Ulzburg zu reisen, wo ich dann abends in der dortigen Gemeindebücherei  aus meinem biografischen Roman „Mutter zieht aus“ vortragen werde. Dasselbe Buch führt mich am nächsten Tag nach Lübeck, wo ich im Aranat e.V., in  Kooperation mit dem Pflegestützpunkt Lübeck, ebenfalls eine Lesung daraus halten werde – ein besonderes Vergnügen, spielt doch ein nicht unwesentlicher Teil des Romans, der das Leben meiner eigenen Mutter zum Schwerpunkt hat, dort in Lübeck, meiner Geburtsstadt.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Glewitz, um im dortigen Wasserschloss meine versammelten Cousinen und Cousins zum zweijährlichen Treffen vorzufinden, ebenfalls ein ganz besonders Vergnügen …

Einen beflügelnden September wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im September: 11. September, 20h, Literaturhaus, Kaminzimmer, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin: Diversität in den Programmen von Verlagen // 25. September, 19.30h, Gemeindebücherei und -mediothek, Hamburger Str. 22a, 24558 Henstedt-Ulzburg: Lesung aus „Mutter zieht aus“ // 26. September, 18.30h, Aranat e.V., Steinrader Weg 1, Lübeck: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  am 2. September; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Dmitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters. München, dtv (2016) / Gemeinsam mit seinem Vater macht Dmitrij Kapitelman, geboren in der Ukraine, aufgewachsen in Deutschland, die Reise seines Lebens: nach Israel, wohin die Familie eigentlich hin auswandern wollte, bevor es sie dann doch nach Leipzig-Grünau verschlug. Hier versuchen die beiden in einem mitreißenden, höchst amüsanten und doch zutiefst aufwühlenden Ringen um ihre jüdische Identität, ihre Zugehörigkeit zu finden … oder eben nicht. Kapitelmans biografischer Roman ist eine wirklich lohnende Lektüre zum Thema Herkunft und Heimat! / Und da sind wir auch schon bei meiner Preisfrage des letzten Monats: Warum nur werden so manche junge männliche Autoren für ihre nicht sonderlich herausragenden Werke derart gerühmt?, hatte ich gefragt und Jan Brandts Buch als Präsent für eine überzeugende Erklärung in Aussicht gestellt. Also, entweder kann das wohl niemand wirklich erklären, oder aber niemand wollte das Buch – denn auch die einzige Einsenderin überhaupt, Regina N. aus Berlin, wollte es nicht geschenkt bekommen, hatte aber eine zeitlos überzeugende Erklärung zu bieten:  „Weil Typen immer bevorzugt werden, daran hat sich auch 2019 nix geändert!“ Hat sie etwa Recht?

Die Monatsbotin August 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die achtundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Na, so einiges – und es erweist sich doch als ganz schön große Aufgabe, gleich zwei vergangene Monate zusammenzufassen! Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich am 29. Juni mitsamt Lebensgefährtin, Kind, Hund, Schwester und Schwager ins schöne Schweden reiste, um zwei wunderbare Wochen auf der hübschen Schäreninsel Hasslö zu verbrignen, musste ich dann kurzerhand die Juli- mit der Augustausgabe der Monatsbotin zusammenlegen.

Und da liegt dann die erste Lesereise des Juni schon sooo weit zurück – ist mir aber bestens im Gedächtnis geblieben. Denn auf Einladung der Fachstelle Fachstelle für Katholische Öffentliche Bibliotheken war ich mit „Frieda Fricke“ im Bistum Osnabrück unterwegs und hatte das große Vergnügen, viele, viele muntere emsländische Dritt- und Viertklässler in Renkenberge, Schepsdorf, Papenburg und Langen  zu erleben, die allesamt ihren Spaß mit Frieda und Co. hatten. Die Minischule in Renkenberge – die genau zwei Klassenzimmer, das Lehrerzimmer, einen Medienraum und einen schönen, großen Schulhof umfasst, hat mich schwer beeindruckt: Hier müssen die Lehrerinnen die Pausenklingel noch persönlich betätigen! 

Auch in Haselünne war ich dann noch auf Einladung der dortigen Bücherei zu Gast, für mich immer eine Freude, wenn ich in der Gegend lesen darf, in der ich selbst in den Jahren 1971-1983 zur Schule gegangen bin. Lesungen gab es damals allerdings nicht in den Schulen, aber Computer ja bekanntlich auch noch nicht …

Nach einer fleißigen Schreibphase, in der das Kapitel 4 meines aktuell in Arbeit befindlichen Romans punktgenau fertig wurde, reiste ich dann nach Paderborn, um vom 24. bis zum 26. Juni an der Universität als Ehrengast der  Kinderliteraturtagen zu wirken. Das war ein wahrer Marathon, vor allem bei der auch in Paderborn unerträglichen Hitze, aber sämtliche Veranstaltungen empfand ich als äußerst gelungen – sowohl diejenigen für Studierende, bei denen ich sowohl interessante Präsentationen seitens der Studierenden zu sehen und hören bekam als auch selbst Rede und Antwort zu stehen hatte, als auch die Lesung vor sechs Grundschulklassen, die alle vorab mit einem Buch und einer Einführung durch die umtriebige Professorin Iris Kruse vorbereitet worden waren. Meine öffentliche Lesung aus meinen jugendliterarischen Texten war ebenfalls bestens besucht. Und mehrere Rückmeldungen seitens der Studierenden, die mich danach erreichten, bestätigten mir, dass die drei Kinderliteraturtage nicht nur bei mir haften bleiben werden.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub erwischte mich dann eine böse Magen-Darm-Infektion, aber am 19. Juli war ich dann wieder fit genug, um mich in der nahen Zentral- und Landesbibliothek mit einer guten Handvoll Jugendlicher in einen interaktiven Workshop im Rahmen der Pride-Week zu stürzen. Nach einer Lesung mit anschließendem Gespräch aus „Liebe macht Anders“ und einer Führung durch die Bücherei stellten die Kids mit viel Spaß Buttons mit Parolen und Fahnen zum Christopher Street Day her, dem legendären Aufstand der Schwulen und Lesben in der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street, der seither mit einer alljährlichen Demonstration weltweit gedacht wird und der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feierte.

Auf der Parade in Berlin am 27. Juli übrigens, bei der mehr als eine Million Menschen (!) dabei waren, wurden meine beiden langjährigen Verleger*innen des Querverlags, Jim Baker und Ilona Bubeck, mit dem „Soul of Stonewall“-Award in der Kategorie „national“ ausgezeichnet. Meinen Glückwunsch dazu von dieser Stelle aus – das habt ihr wirklich verdient!

Nach dem Workshop ging es für mich dann am 21. Juli erneut in die schöne Akademie Waldschlösschen, um zum neunten Mal bei der Sommerakademie einen dreitägigen Workshop zu leiten. Wie immer machte das mir viel Freude, die zehn Teilnehmenden bildeten aber auch eine sehr angenehme und höchst heterogene Gruppe, die bei der Abschlusspräsentation ihrer Texte vor der gesamten Akademie verdienten Beifall erhielt. Und ich bekam endlich die langersehnte Ehrennadel – ein Unikat, das es dann auf Nachfrage dann doch gleich dreimal gibt, was meiner Freude keinen Abbruch tat. Mit der Einladung für die nächste Sommerakademie in der Tasche reiste ich dann wieder zurück nach Berlin … was ich dann beim zehnten Mal wohl für ein Unikat erhalten werde??

Und was kommt?

Zunächst einmal eine berufliche Kurzreise nach Rügen, wo ich am 1. August im Kurpark Binz die Broschüre „Eine* von uns“ mit Texten zu queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern präsentieren werde. Die dazugehörige Ausstellung un_sichtbar!, erarbeitet vom Verein „Lola für Demokratie“, ist noch bis zum 8. September im Dokumentationszentrum Prora zu sehen, ein umfangreiches Begleitprogramm lädt zur Vertiefung ein. 

Danach geht es an die Schreibarbeit – das Kapitel 5 beginnt auf Seite 310, zwei weitere werden noch folgen.

Aber auch weitere Texte sind noch in Arbeit, nicht zu vergessen die Online-Workshops „Kreativ-Quickie“ und „Mein Buch“ …

Einen lässigen August wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im August:  1. August 2019, 15 Uhr, Kurpark Binz: Präsentation und Lesung aus der Broschüre „Eine* von uns“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  am 5. August; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Lina Bengtsdotter: Löwenzahnkind. München, Penguin Verlag (2019) / Gullspång in Mittelschweden. In einer heißen Sommernacht verschwindet die siebzehnjährige Annabelle. Die Stockholmer Polizei schickt ihre beste Ermittlerin, Charlie Lager. Was keiner weiß: Sie ist in Gullspång aufgewachsen und vor Jahren von dort geflüchtet … Bengstdotter gilt als Schwedens neue Krimikönigin; ob sie die vielen anderen vom Thron stürzen kann, bleibt abzuwarten, aber das Zeug dazu hat sie mit Sicherheit. Wie die Debutatin ihre packend geschriebene Story aufbaut und vor allem ihre widerspenstige Kommissarin in Szene setzt, sucht ihresgleichen. Richtig guter Krimistoff mit Tiefgang! // Jens Andersen: Astrid Lindgren. Ihr Leben. München: Pantheon Verlag (2017) / Es brauchte doch lange Jahre, bis ich mich an die Biografie meiner Lieblingsautorin aus Kinderzeiten herantraute. Und es hat sich gelohnt – Andersens vielfach ausgezeichnete Biografie breitet auf knapp 450 Seiten ihr Leben und Wirken aus, und das so umfassend und interessant, dass ich in Zukunft einige ihrer Werke nochmal lesen und mir alle möglichen weiteren Biografien zu Gemüte führen werde. Ausgelöst hat all das übrigens der bemerkenswert bewegende Film „Astrid“ von Pernille Fischer Christensen, in dem die äußerst schwierigen Jahre als Heranwachsende der späteren weltberühmten Autorin geschildert werden. Tatsächlich kamen mir gleich mehrfach die Tränen, und der Film und die Fragen, die er aufwarf, hallten lange in mir weiter … // Jan Brandt: Eine Wohnung in der Stadt/Ein Haus auf dem Land. Köln: Dumont (2019) / Weitaus weniger begeistert war ich dagegen von Jan Brandts vielgehyptem Doppelroman, der sich einerseits um die langjährige Wohnungssuche des Autors in Berlin und seine Schwierigkeiten, hier Heimat zu finden, rankt, andererseits um seine vergeblichen Versuche, das Haus seiner Vorfahren im ostfriesischen Ihrhove vor dem Abriss zu retten. Das Buch kommt eher wie eine etwas trockene Reportage denn als ein (oder zwei) Roman/e daher, und die umfangreichen Abhandlungen des Autors haben mich weder berührt noch zu Mitgefühl animiert. Löblich natürlich, dass Brandt sich dem Thema Mieten in diesen problematischen Zeiten für Mieter widmet, aber ein oder zwei Artikel in einer Zeitschrift hätten es meiner Ansicht auch getan. Warum nur werden so manche junge männliche Autoren für ihre nicht sonderlich herausragenden Werke derart gerühmt? Wer mir das überzeugend erklären kann, kriegt Jan Brandts Buch von mir geschenkt!

Mehr Lesetipps in meiner monatlichen Kolumne im Magazin Sprache für das Goethe-Institut: Auserlesen! – vorerst zum letzten Mal, denn das Erscheinen wird zunächst aufgrund eines Wechsels in der Leitung ausgesetzt. Sobald Auserlesen! wieder erscheint, gebe ich natürlich umgehend Bescheid!

Die Monatsbotin Juni 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die siebenundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Mit einem wahren Lesungsmarathon begann der Wonnemonat Mai – und zwar im schönen Hildesheim. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft rief, und sie kamen angereist: sieben Kinder- und Jugendbuchautor*innen aus Wien und Österreich, um im Rahmen der 37. Kinder- und Jugendbuchwoche aus ihren Werken vorzutragen. Ich hatte dabei das Vergnügen, in den Haupt- und Oberschulen in Sarstedt, Söhlde, Hohenhameln und Alfeld vor den Klassenstufen 5 bis 8 zu lesen, dazu dann noch in der St. Augustinus-Oberschule in Hildesheim. Diese Reise bleibt mir in bester Erinnerung, zumal ich endlich mal die Gelegenheit hatte, mir das Weltkulturerbe Hildesheims, darunter die wieder aufgebaute St. Michael-Kirche, ausführlich anzusehen. Spektakulär auch das mitten in der Stadt liegende, in einen alten Festungsbau integrierte Frauengefängnis. Das hätte ich durchaus auch gern mal von innen gesehen, aber nur zum Spaß geht das natürlich nicht …

Nach meiner Rückkehr stürzte ich mich gleich in die Arbeit am aktuellen Roman, dessen Konzept noch einmal umgestaltet werden musste. Jetzt aber scheint es stimmig, und deswegen bin ich nun auch schon in Kapitel 4 von sieben geplanten vorgedrungen. In Seitenzahlen? 257. Das ist ungefähr die Hälfte, aber mein Plan, endlich einmal die 500-Seiten-Marke zu knacken, ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Die drei letzten Kapitel sollen nämlich etwas kürzer ausfallen als die ersten drei, aber mal sehen, ob sich daran noch etwas ändert.

Parallel dazu arbeitete ich mit großer Begeisterung an der Broschüre mit texten von Frauen mit HIV, die Ende Juni vom Schreibtisch sein soll. Das bedeutet vor allem viel Lektoratsarbeit, die mir als Abwechslung zum Schreiben selbst stets sehr willkommen ist.

Aber andere Arten von Abwechslung gab es auch reichlich: mehrere private Festivitäten standen an, darunter auch die humanistische Jugendfeier (ein bekannter Vorläufer: die sozialistische Jugendweihe) des Sprößlings, der dem symbolischen Eintritt ins Erwachsenenalter mit großer Aufregung entgegensah – und mit der Teilnahme am Rahmenprogramm aller vierzehn Termine im Berliner Friedrichstadtpalast ein enormes Pensum zusätzlich zur Schule absolvierte. Das hat sich aber gelohnt; sein Mut, jedesmal vor an die 2000 Besuchern mit einer zentralen Sprech- und Tanzrolle aufzutreten, hat der Stiefmutter in der zweiten Reihe so beeindruckt, dass sie glatt ein paar Tränen verdrücken musste. Aber ob der Knabe nun gleich erwachsener geworden ist? Hmmm …

Im Friedrichstadtpalast schnappte ich mir dann wohl auch die fiese Sommergrippe auf, die mich eine geschlagene Woche lang lahmlegte – wobei ich mich am 21. Mai dennoch pflichtbewusst zur nächsten Lesung vor Schülern (und einer Schülerin!) des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in der Janusz-Korczak-Bibliothek in Pankow begab und direkt danach zu einer weiteren nach Rüdersdorf bei Berlin, mit der im dortigen Rathaus dank der freundlichen Einladung des CDU(!)-Bürgermeisters André Schaller und des Vereins Katte e.V. der Internationale Tag gegen Homophobie gefeiert werden sollte.

Ebendiesen hatte ich bereits am 17. Mai in der Berliner Ellen-Key-Oberschule mit einer Lesung aus „Liebe macht Anders“ gewürdigt und anschließend der feierlichen Banner-Enthüllungszeremonie vor dem Schulgebäude beigewohnt, wo u.a. auch die grüne Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, eine kurze, aber packende Ansprache hielt – lebensnahe Politik, die auch ganz offensichtlich den zahlreichen anwesenden Schüler*innen gefallen hat.

Und was kommt?

Mal wieder eine Lesereise für die Jüngeren: Auf Einladung der Fachstelle für Katholische Öffentliche Bibliotheken reise ich mit „Frieda Fricke“ durchs Bistum Osnabrück, um in den Büchereien in Renkenberge, Schepsdorf, Papenburg, Langen und Haselünne Dritt- und Viertklässler in Friedas freche Abenteuer zu geleiten. 

Ebendiese werden auch in Paderborn zur Sprache kommen, wo ich vom 24. bis zum 26. Juni von der Universität Paderborn zu den Kinderliteraturtagen geladen bin. Neben drei nicht-öffentlichen Veranstaltungen für Studierende und geladene Grundschulklassen werde ich dabei am Montag, 24. Juni 2019 um 15h aus „Steingesicht“ und weiteren jugendliterarischen Texten im Theater Paderborn lesen und um 18h in der Kinderbibliothek auch einen öffentlichen Vortrag mit dem schönen Titel „Sich schreibend engagieren – Karen-Susan Fessel stellt sich vor“ präsentieren.

Dazwischen wird natürlich der Roman weiter an Umfang gewinnen – und am 29. Juni geht es dann für zwei Wochen in Urlaub … in mein Lieblingsreiseland. Welches das ist ? Wer diese Frage als Dritte*r beantworten kann, natürlich per Mail an kontakt@karen-susan-fessel.de, der erhält ein signiertes Exemplar meines neuesten Bilderbuches „Selina Stummfisch“. Adresse nicht vergessen!

Einen geschäftigen Juni wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Juni:  24. Juni 2019, 18 Uhr, Theater Paderborn, Großes Haus, Neuer Platz 6, 33098 Paderborn: Steingesicht und mehr – Karen-Susan Fessel liest aus ihren jugendliterarischen Texten / 24. Juni 2019, 15 Uhr, Kinderbibliothek der Stadt Paderborn,
Rosenstraße 13, 33098 Paderborn: Sich schreibend engagieren – Karen-Susan Fessel stellt sich vor. Öffentlicher Vortrag und Gespräch

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 3. Juni, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Leena Lehtolainen: Das Ende des Spiels. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag (2018) / Die finnische Autorin schreibt einfach richtig gute Bücher, vor allem Kriminalromane, und insbesondere diejenigen gefallen mir, in denen Maria Kallio ermittelt. Diese etwas eigensinnige Ermittlerin lässt einfach nicht locker, als die allseits verachtete Kinderschänderin Tuula Lahti-Haapala direkt nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis entlassen wird. Das stößt auf Missfallen bei ihren Kollegen … Lehtolainen scheut sich nicht, ein heißes Eisen anzupacken; ihre Täterin weckt wahrlich wenig Sympathie, erweist sich als Prüfstein der Menschenrechte, auch für die geneigte Leserschaft. / Hans-Ludwig Kröber: Mord. Geschichten aus der Wirklichkeit. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag (2012) / Spannend und kurzweilig zu lesen sind die Fallbeispiele des ehemaligen Direktors des Instituts für Forensische Psychiatrie der Charité, sogar so gut erzählt, dass man sich unweigerlich fragt, ob hier nicht ein Ghostwriter mit am Werk war … // Hans-Ludwig Kröber: Mord im Rückfall.  45 Fallgeschichten über das Töten. Berlin, MWV (2019) /… vor allem, wenn man sein neuestes Werk in Vergleich dazu setzt. Deutlich trockener, wenngleich immer noch sehr anschaulich  sind die 45 Porträts in Szene gesetzt; die sehr klar formulierte Einleitung aber versetzt die Leserschaft in den aktuellen Stand der forensischen Forschung. Ein hochinteressantes Werk, auch für Laien. Mein Exemplar  übrigens hat mich ungemein belustigt ob der extrem mangelhaften Ausstattung: Nimmt man den Umschlag ab, kommt ein nackter, schlecht verklebter Einband zum Vorschein, dazu das nachlässig geschnittene Papier und der nicht gerade lesefreundliche Satz – wahrlich ein Unikat. Aber das ist eben Literatur zum Anfassen …

Ohne Worte, in der Tat …
… mit erstaunlichen Details!

Mehr Lesetipps? Na klar – in meiner neuen monatlichen Kolumne im Magazin Sprache für das Goethe-Institut: Auserlesen!

Die Monatsbotin Mai 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die sechsundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

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Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein spannender April liegt hinter mir, in jeder Hinsicht abwechslungsreich.  Vor allem die ersten beiden Wochen standen ganz im Zeichen diverser Veranstaltungen – am 2. startete ich mit einer Lesung in der Grundschule am Eichenwald in Spandau-Hakenfelde, wo ich die versammelten Sechstklässler mit „Und wenn schon!“ in Atem hielt. Den schönen Blumenstrauß, den ich dann am Ende bekam, nahm ich gleich mit nach Wismar, wo ich am Abend das große Vergnügen hatte, ein zweijähriges Projekt glücklich zum Abschluss zu bringen: Gleich vier Autor*innen hatten sich eingefunden, um ihre in der Broschüre  „Eine* von uns“ enthaltenen Texte vorzulesen. Die von der Stiftung Lola für Demokratie e.V. herausgegebene und von Heidi Kull perfekt illustrierte Sammlung befasst sich mit queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern, ist sowohl als hochwertige Printausgabe kostenlos erhältlich oder online herunterladbar.

Wetier ging es am 5. April wieder nach Spandau, diesmal in die Stadttteilbibliothek Falkenhagener Feld, um erneut Sechstklässler mit Lesestoff zu versorgen, bevor ich dann ins malerische bei Celle gelegene Hustedt fuhr, wo ich in der dortigen Heimvolkshochschule für zehn HIV-positive Frauen einen Schreibworkshop leitete, veranstaltet von der DAH Niedersachsen in Kooperation mit der TK. Die Ergebnisse wiederum werden dann später in einer weiteren Broschüre nachzulesen sein. 

Gleich danach ging es am 9. zum Lesetag in die Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien, um erneut die dortigen Sechstklässler mit zwei Lesungen zu beflügeln.

Den Rest des Monats dann widmete ich mich – mit einer kleinen Reise – und einer kleinen Krankheitsunterbrechung  einerseits den Onlineworkshops „Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“, andererseits einigen kleineren Textarbeiten, darunter meiner neuen monatlichen Bücherkolumne fürs Goethe-Institut Auserlesen! Nr. 2, hauptsächlich natürlich aber meinem in Arbeit befindlichen Roman, der nun endlich die 200-Seiten-Schwelle überschritten hat und mich schwer auf Trab hält. Aber so soll es ja auch sein …

Und was kommt?

Neben der Schreibarbeit am Roman und der geplanten Broschüre erstmal eine Lesereise ins schöne Hildesheim, wo ich im Rahmen der 37. Hildesheimer Kinder- und Jugendbuchwoche an diversen Schulen im Umkreis die Klassenstufen 5 bis 8 belesen werde. Den Anfang macht die Schiller-Oberschule Sarstedt, gefolgt von der Hauptschule Hohenhameln und der Oberschule Söhlde, dann lese ich an der Schulrat-Habermalz-Schule in Alfeld und am Ende in der St.-Augustinus-Oberschule in Hildesheim. Eine spannende Mischung!

Danach folgt zunächst eine Reihe von familiären Festivitäten – Geburtstage en masse und die erste Jugendfeier im Kreise der Familie, bevor es mit einer weiteren Lesung für die Achtklässler des Berliner Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in die ruhigere Schreibphase des Monats übergeht. Und dann wartet ja schon die nächste Reise … Aber dazu mehr in der nächsten Monatsbotin!

Einen wonnigen Mai wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Mai:  6. Mai, 19h, Gewölbekeller der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege, Godehardsplatz 6, 31134 Hildesheim: Eröffnungsveranstaltung der 37. Hildesheimer Kinder- und Jugendbuchwoche

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 2. Mai, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Anne Siegel: Frauen, Fische, Fjorde. Deutsche Einwanderinnen in Island. München: Piper Verlag (2015) / Das hat so richtig Spaß gemacht zu lesen und Sehnsüchte nach dieser weit entfernten Insel geweckt: Anne Siegels packende Schilderung von neun ungewöhnlichen deutschen Lebenswegen. 1949 herrscht auf Islands akuter Mangel an Frauen, die zupacken können – also wirbt der isländische Konsul im verarmten Nachkriegsdeutschland um Arbeiterinnen, die mit einem Jahresvertrag in das abgelegene Nordland gehen wollen. Hunderte ergreifen die Chance – und nahezu alle bleiben für immer. Eine wirklich anregende Lektüre! // Michael Rutschky: In die neue Zeit. Aufzeichnungen 1988-1992 und Gegen Ende. Tagebuchaufzechnungen 1996-2009. Berlin: Berenberg Verlag (2017 und 2019) /  Rutschky, einer der bekanntesten Autoren der Apo-Generation und Vordenker der intellektuellen Elite der Bundesrepublik und Ehemann der nicht minder bedeutenden Essayistin Katharina Rutschky, verlegte sich in seinem Alterswerk auf die akribisch genaue Beobachtung von Alltagsgeschehnissen, eigener Befindlichkeiten und zuweilen mürrischer Gedankengänge. In seinem zweiten – für mich von allen drei Bänden besten – Band nimmt er die Zeit der Wende mit ihren Unwägbarkeiten ins Visier und zeichnete zugleich das Bild eines irritierten Endfünfzigers, der seiner eigenen Midlife-Krise einerseits mit Humor, andererseits mit zunehmendem Ingrimm begegnet. Im dritten Band verrutscht diese Zeichnung gelegentlich ins Frustrierte, mancher allzu detaillierter Beschreibungen unschöner körperlicher Vorgänge hätte es meiner Ansicht nach nicht gebraucht, aber was soll’s – der Mensch und seine Maleschen sind eben immer wieder zentrale Themen, sowohl im persönlichen Tagebuch als auch in der Weltliteratur.  Und gelegentlich lässt sich beides auch trefflich verbinden – wenn man schreiben kann wie Rutschky und seine Frau, deren Stimmen nun leider für immer verstummt sind.

Die Monatsbotin April 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein wechselhafter Monat liegt hinter mir, in dem ich mich hauptsächlich in der Tat mit meiner Haupttätigkeit befasste: Schreiben! Und zwar wiederum in der Hauptsache, aber nicht nur, mit meinem in Arbeit befindlichen Roman, der mittlerweile den Arbeitstitel „Anderswo“ trägt. Vor einem Monat hatte ich noch hoffnungsvoll in Aussicht gestellt, diesen Monat die 250-Seiten-Marke zu überschreiten; daraus ist leider nichts geworden: 187 Seiten sind es nun. Was keineswegs etwa daran liegt, dass ich nur wenig weitergeschrieben hätte, sondern daran, dass ich viel schrieb und viel wieder herausstrich und umarbeitete.

Aus drei geplanten Teilen wurden fünf, daraus wiederum sieben; aus zunächst geplanten 350 Seiten Umfang wurden nun ca. 500 – ersichtlich ist daraus gewiss, dass sich das Konstrukt eines „großen“ Romanes sich manchmal – wenn auch bei mir sehr selten – unter der Arbeit verändern kann. Aber das gehört dazu, und es kann auch Spaß machen, vor allem, wenn man einen so verständnisvollen Verleger wie Jim Baker an seiner Seite weiß.

Vorgelesen habe ich aber auch: am 26. März in der Stadtteilbibliothek Marienfelde vor sehr jungem, sehr begeistertem Publikum, nämlich zwei zweiten Klassen, die  erstaunlich ruhig den Abenteuern Frieda Frickes lauschten …

Und natürlich war ich auf wieder auf der Leipziger Buchmesse unterwegs, und zwar am 21. März als Gast auf der von der sehr rührigen und wichtigen Initiative #verlage gegen rechts initierten Podiumsdiskussion „Bei aller Toleranz. Eine Broschüre, ein Bildungsplan und die Angst vor „Frühsexualisierung““. Das Publikum zeigte sich sehr interessiert, meine Hoffnung bleibt, dass derlei Veranstaltungen auch nachhaltig Gehör finden.

Und was kommt?

Auch diesen Monat vorrangig die Arbeit am Schreibtisch; neben dem Roman arbeite ich auch an mehreren anderen Projekten, zum Beispiel den neuen Online-Workshops „Mein Buch“ und „Kreativ-Quickie“, aber auch an einer geplanten Broschüre für die AIDS-Hilfe Niedersachsen, in der Texte von Frauen mit HIV zum Thema „Aids, Kinder und Familie“ erscheinen werden. Zu diesem Anlass findet auch vom 5. bis 7. April eine Schreibwerkstatt in der Nähe von Celle statt; die entstandenen Texte sollen Eingang in die Broschüre finden. Noch ein (kostenloser) Platz ist frei, Interessentinnen melden sich zügig unter mumm@niedersachsen.aidshilfe.de.

Eine weitere Broschüre, die lange brauchte, um richtig gut zu werden, ist soeben erschienen: „Eine von uns* – Texte zu queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern; herausgegeben von Lola für Demokratie e.V. Die meisten der enthaltenen Texte sind 2017 auch in einem von mir geleiteten Schreibworkshop entstanden, für das Konzept und Lektorat zeichne ich ebenfalls verantwortlich – und morgen, am 2. April findet dann auch punktgenau die Präsentation statt, im Wismarer Rathaus, wo heute Abend wiederum die dazugehörige Ausstellung „Wir* hier“ eröffnet werden wird. Lesen werden drei der Autor*innen, weitere Texte werden von mir präsentiert.

Und dann gibt es auch noch brandneu mein Projekt für das Goethe-Institut: die monatlich online erscheinende Bücherkolumne „Auserlesen!“, in der jeden Monat neu tolle Bücher zu gewinnen sind … nur ein bisschen aktiv werden muss die werte Leserschaft dazu!

Und Lesungen für die Jüngeren unter uns stehen natürlich auch auf dem Programm: am 2. April in der Grundschule am Eichenwald in Berlin-Spandau, am 5. in der Stadtteilbücherei Falkenhagener Feld, ebenfalls in Berlin-Spandau, und am 9. April in meiner Lieblingsgrundschule im Berliner Umland, der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien. So werden am Ende des Monats also ca. 140 Sechstklässler mit meinen Büchern Bekanntschaft gemacht haben; mal sehen, wie viele sich dann auch später eigenständig in die Bücher vertiefen werden!

Einen prickelnden April wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im April:  2. April, 19h, Rathaus WIsmar, Am Markt 1: Präsentation der und Lesung aus der Broschüre „Eine* von uns“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 1. April und am 2. Mai, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Anja Tuckermann: Muscha. Berlin: Klak Verlag (2015) / Josef versteht die Welt nicht mehr: Was haben die Leute plötzlich gegen ihn? Warum wird er überall angefeindet, beschimpft und geschlagen? Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erfährt er den wahren Grund … Anja Tuckermann, preisgekrönte Jugendbuchautorin, die sich gern auch schwieriger Thematiken annimmt, erzählt in klarer, einfacher Sprache die wahre Lebens- und Leidensgeschichte des Sintojungen Muscha in der Zeit des Nationalsozialismus und danach. Tuckermann gelingt das Kunststück, die Vergangenheit ganz dicht heranzuholen und dadurch erfahrbar zu machen. Ein beeindruckendes Buch! /Yoko Tawada: Abenteuer der deutschen Grammatik. Tübingen: konkursbuch Verlag Claudia Gehrke (2017) / Abenteuer der deutschen Grammatik / Allein schon der Titel zeigt das komische Talent der vielfach ausgezeichneten japanischen Autorin, die seit 1982 in Deutschland lebt und mittlerweile auf deutsch und japanisch schreibt: In beiden Sprachen zu Hause, nimmt Tawada die Fallstricke der deutschen Grammatik humorvoll aufs Korn. Immer wieder gelingt es ihr, einen neuen Blick auf unsere Sprache zu werfen und ihre Leserschaft zum Rätseln zu bringen: er hemt / wenn ich bluse. Ein Vergnügen, auch für Menschen, die einen großen Bogen um Lyrik machen! / Roman Voosen/Kerstin Signe Danielson: Erzengel. Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag (2018)/ Fall Nr. 6 für die langsam etwas altersmüde Kommissarin Ingrid Nyström und ihre Borderline-kranke junge Kollegin Stina Forss, die in den vergangenen Fällen endlich gelernt hat, ihre Affekte zu regulieren. Die Geschichte um sieben ermordete junge Metal-Musiker ist die beste, die das deutsch-schwedische Erzählerduo bislang geschaffen hat, das lässt auf noch weitere, gute Krimis der beiden hoffen! // Freya Klier: Wir letzten Kinder Ostpreussens. Freiburg: Herder Verlag (2017) / Um diesen Stoff habe ich jahrzehntelang einen Bogen gemacht, riecht er doch nach Deutschtümelei und heimatvertriebenen Landsmannschaften, die sich nach den blühenden Landschaften Königsbergs zurücksehnen. Was sie sicher auch tun, aber die Geschichte der Kriegskinder Ostpreussens ist sowohl spannend als auch schockierend zugleich und hat mein Bild auf diese Region komplett neu aufgestellt. Sehr informativ und wissenswert, an keiner Stelle pathetisch oder von überkommenem Gedankengut triefend. Auch diese Geschichte gehört zu Deutschland, wer sie liest, versteht mehr vom Krieg an sich und seinen grausamen Folgen.

Die Monatsbotin März2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die vierundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der Monat begann mit einer leicht missglückten Schneereise ins nördliche Tschechien. Doch, Schnee gab es, aber leider zuviel! Schon die Anreise war beschwerlich, aber dann gelang es mir mithilfe meiner Begleitung, der weltbesten Autofahrerin, dann doch, mit meinem flotten Toyota Auris Hybrid an mehreren in den Schneeverwehungen liegengebliebenen dicken Karren vorbeizuziehen. Allerdings: Nur die Zufahrt zum Hotel war freigeräumt, von eigenmächtigen Wanderungen im Wald wurde wegen Schneebruchgefahr dringend abgeraten – und bei über einen Meter fünfzig hoher Schneedecke wäre es auch gar nicht gegangen. So führten wir den Hund mehrfach täglich die Auffahrt hoch und runter, aßen uns durch die Hotelspeisekarte und lümmelten in Pool und Sauna herum, um dann noch einen kleinen Abstecher ins weniger verschneite Prag zu unternehmen. Schön war es dennoch …

Die ausgedehnte Schreibphase am heimatlichen Schreibtisch – der in Arbeit befindliche Roman ist mittlerweile schon auf knapp 180 Seiten angewachsen, aber der anvisierte Umfang ebenfalls – wurde am 13. Februar mit einer Lesung in Meppen im Café Koppelschleuse unterbrochen. Eine denkwürdige Lesung: komplett ausverkauft, fünf Männer und 67 Frauen hörten meinem Vortrag aus „Mutter zieht aus“ zu, natürlich in Gegenwart der Hauptfigur, meiner Mutter. Danach aber wurde, absolute Premiere, keine einzige Frage gestellt, was dem Buchverkauf und der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat.

Ebenfalls bemerkenswert war dann mein dreitägiger Gastaufenhalt an der Nordendschule in Eberswalde, Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, gefördert durch den Boedecker-Kreis Berlin-Brandenburg. Vier Jungen und acht Mädchen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren verfassten unter meiner Anleitung eifrig und mit viel Spaß und Engagement Geschichten, Gedichte und Dialoge und sich dann auch noch trauten, diese vor Publikum vorzutragen. Zuvor hatte ich noch das Vergnügen, vor den Schüler*innen der dritten bis siebten Klassen meine Bücher vorzustellen. Und reich beschenkt wurde ich dann auch noch, mit handgefertigten Unikaten, wofür die engagierte Lehrerin Frau Mücke verantwortlich zeichnet. Ein tolles Erlebnis!

 

Der neue Roman übrigens wird, ganz aktuell vereinbart, nun doch nicht in diesem Herbst, sondern im Frühjahr 2020 erscheinen. Ja, gut Ding will eben wirklich Weile haben …

Und was kommt?

Schreibarbeit natürlich, denn der Roman soll jetzt endlich an Fahrt gewinnen und auf mindestens zweihundertfünfzig Seiten in diesem Monat anwachsen. Mal sehen, ob ich das schaffe; möglich ist es durchaus, denn die Handlung und auch der genauere Inhalt der insgesamt voraussichtlich sieben Teile stehen nun in groben Zügen fest. 

Allerdings habe ich noch andere Dinge in Arbeit: ein spannendes Projekt für das Goethe-Institut (nächsten Monat mehr dazu!), mehrere weiterlaufende Onlineworkshops, ein Sachbuchlektorat, nicht zu vergessen die Gespräche mit verschiedenen Verlagen über eventuelle Veröffentlichungen unterschiedlichsten Inhalts und dann auch noch zwei Veranstaltungen: die Teilnahme an der von der Initiative Initiative #verlagegegenrechts veranstalteten Podiumsdiskussion „Bei aller Toleranz. Eine Broschüre, ein Bildungsplan und die Angst vor „Frühsexualisierung““ am 21. März auf der Leipziger Messe, zusammen mit Thomas Kugler und Stephanie Nordt von „KomBi – Kommunikation und Bildung“, einer Berliner Bildungseinrichtung zu Diversity, Gender und queerer Bildung und, passend dazu, am 26. März eine Lesung vor Zweitklässlern in der Stadtteilbibliothek Berlin-Marienfelde aus „Frieda Fricke“. Das neue Jahr nimmt also Schwung auf!

Einen frühlingsbunten März wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im März:  21. März, 16h, Messe Leipzig, Forum Sachbuch Halle 3, Stand E201: Podiumsdiskussion zum Thema Pädagogischer Umgang mit sexueller Vielfalt, elterliche Sorgen und politische Instrumentalisierung

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 4. März, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Angelika Schrobsdorff: Die Herren / Im Erscheinungsjahr 1961 sorgte dieses Buch für einen handfesten Skandal; die unverblümte Schilderung weiblicher Begierden und sexueller Aktivitäten schien der Vor-Apo-Zeit vollkommen anrüchig und unangemessen. Mich hat wiederum die poetisch-klare Sprache Angelika Schrobsdorffs in den Bann gezogen; was mich bei anderen Autoren vielleicht stören würde  – der stete autobiografische Bezug – wirkt hier belebend und spannend. Endlich mal ein Gegenpart zur egomanischen Männerliteratur von Knausgård und Co., aber auf wohltuend leicht zurückgenommene weibliche Weise. // Elizabeth Strout: Alles ist möglich / Vielgerühmt, hymnisch besprochen, aber mich überzeugte diese zusammengebastelte Beschreibung diverser Kleinstadtbiografien aus einer amerikanischen Kleinstadt nicht recht. Zu gewollt erschienen mir die ausgedachten Leben, auf jeder Seite war ich mir der Konstruktionsfreude der Autorin, die sichtlich Spaß am gekonnten Fabulieren hatte, nur zu bewusst. Die besten Bücher sind ja immer noch die, denen man die akribische Konstruktion nicht anmerkt. Das ist Strout, jedenfalls was mich angeht, absolut nicht gelungen, und da nützt auch die unbestrittene Schreibkunst der Autorin nichts. // Schoschana Rabinovici: Dank meiner Mutter / Erst, als ich das Buch wieder zuschlug, entdeckte ich die Altersangabe auf dem Buchrücken: ab 12. Aber ja, dieses absolut spannend und locker geschriebene Werk sollte durchaus von allen ab 12 gelesen werden: Rabinovici schlägt den großen Bogen von einer glücklichen Kindheit alsEinzelkind jüdischer Eltern in Wilna über die Deportation als Elfjährige zusammen mit der Mutter in verschiedene Konzentrationslager, das Überstehen des Todesmarsches, die Befreiung aus Stutthof und schließlich die Rückkehr nach Wilna. Gerade die letzten Passagen haben mich besonders gefesselt; die meisten Berichte von KZ-Überlebenden enden doch mit der Befreiung, was danach geschah, wird meist in ein paar Sätzen abgehandelt. Absolut empfehlenswert! 

Die Monatsbotin Februar 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die dreiundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein guter Einstieg ins neue Jahr liegt hinter mir – das nämlich begann mit zwei Wochen ausgedehnter Schreibzeit. Der neue Roman für Erwachsene, der höchstwahrscheinlich noch diesen Herbst erscheinen soll, ist nach mehreren Anläufen und umfangreichen Überarbeitungen auf mittlerweile 138 Seiten angewachsen, zugleich aber haben sich meine Planungen hinsichtlich des Gesamtumfanges geändert und sind ebenfalls mitgewachsen. Es sieht also so aus, als ob ich meinem alten Ziel, endlich mal einen Roman mit mindestens 500 Seiten zu schreiben, durchaus näher komme. Wieviel genau es am Ende sein werden, weiß ich naturgemäß dann erst kurz vorher; noch bin ich selbst gespannt, ob ich die „alte“ Ziellinie überschreiten werde – oder wie 2010 mit „Leise Töne“ (497 Seiten) um einige Seiten verfehlen werde …

Vorgelesen habe ich auch: am 15. Januar in der Berliner Janusz-Korczak-Bibliothek in Pankow vor Achtklässlern des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums aus „Alles ist echt“; am 24. Januar dann im Klotener Schulhaus Spitz aus diversen Jugendbüchern. Kloten? Ja, ganz richtig, Kloten in der Schweiz im Kanton Zürich, wo ich zu meiner Freude zum nunmehr 18. Mal in Folge vom Volksschulamt zu einer einwöchigen Lesereise eingeladen wurde. Diesmal allerdings leitete ich hauptsächlich Schreibworkshops für Siebent- bis Neuntklässler, jeweils einen Vormittag lang. Das machte viel Spaß, auch wenn natürlich nicht lauter begeisterte Schreibfans auf mich warteten. Mitgemacht haben aber dann alle, zumeist mit großer Begeisterung. Und so manch eine Lehrkraft war dann auch ganz erstaunt, was für Texte dabei herauskamen …

Und was kommt?

Zunächst einmal eine kleine Schneereise, erstmals nach Tschechien. Nein, nicht mit Skiern und großem Brimborium, sondern mit Schlitten und Hundewintermantel. Mit Schnee sind wir Berliner nämlich bislang noch nicht gesegnet worden, und in der Schweiz lag davon auch nur wenig davon herum. Hoffentlich ist das im Sandsteinlabyrinth der Tyssaer Wände anders!

Danach geht es dann wieder einmal in heimatliche Meppen an der Ems, wo ich am 13. Februar im Café Koppelschleuse aus meinem aktuellen Buch „Mutter zieht aus“ vorlesen werde, natürlich in Gegenwart der Hauptfigur – meiner Mutter!

Die folgende Woche widme ich dann wieder mit großem Eifer meinem Roman, um die letzten drei Tage des kurzen Februars an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Nordendschule in Eberswalde, Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, zu besuchen. Am 26./27. darf ich mit einigen freiwilligen Schüler*innen einen Schreibworkshop gestalten, dessen Ergebnisse dann am dritten Tag vor großem Publikum präsentiert werden, flankiert von zwei Lesungen aus meinen Kinder- und Jugendbüchern. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon sehr!  

Einen knackig kalten Februar wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Februar:  13. Februar, 20h, Café Koppelschleuse, Helter Damm 1, 49716 Meppen: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am 4. März,Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Angelika Schrobsdorff: Du bist nicht so wie andre Mütter / Für mich die Neuentdeckung des vergangenen Jahres: Die 2016 verstorbene Autorin stand für mich schon lange auf der Leseliste; eindeutig zu Recht – die klare, eindringliche Sprache, in der die Autorin, die ihr Leben lang rastlos und umtriebig blieb und lebte, ihre eigene Mutter und Familiengeschichte porträtiert, hat mich wirklich in den Bann gezogen. So sehr, dass ich nun nach und nach möglichst alle Werke der Autorin lesen werde. // Angelika Schrobsdorff: Von der Erinnerung geweckt / Über tausend Erzählungen sind im Laufe ihres langen Lebens entstanden, fünfzehn davon versammelt dieser wunderbar lakonisch-amüsant-bewegende Erzählband. Mit präziser Beobachtungsgabe porträtiert Schrobsdorff Menschen und ihre Marotten, zerrissene Biografien und Nachkriegswirren in Jerusalem. Das macht wirklich Lust auf mehr! // Walter Zwi Bacharach (Hg.): DIes sind meine letzten Worte … Briefe aus der Shoah / A propos Jerusalem: Dieses Werk wollte ich mir schon bei meinem letztjährigen Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vachem in Jerusalem zulegen, aber leider versäumt. Umso erschütternder nun die Lektüre der sorgsam übersetzten und gesammelten letzten Briefe und Grüße von an die zweihundert Menschen, die in den Vernichtungslagern oder auf dem Weg dorthin umgebracht wurden, manche im Bewusstsein dessen, was sie erwartete, andere in verzweifelter Hoffnung auf Rettung geschrieben. Wie Bacharach schreibt: „Wir sind in der Tiefe angekommen. Noch tiefer geht es nicht; ein noch erbärmlicheres Menschendasein gibt es nicht …“ Es sollte jede*m eine selbst auferlegte Pflicht sein, diese Zeugnisse nicht gehörter Stimmen zu lesen. // Max Mannheimer: Spätes Tagebuch und mit Marie-Luise von der Leyen: Drei Leben / Ein weiteres Zeugnis, in zweifacher Ausführung: Max Mannheimer, Jude tschechischer Herkunft, hat fünf KZ überlebt und sich viel später daran gemacht, seine Erlebnisse im Späten Tagebuch niederzuschreiben. Die zweite Fassung Drei Leben entstand wiederum 25 Jahre später, als Mannheimer sich längst aufgemacht hatte, Schulklassen als Zeitzeuge vor dem nationalsozialistischen Gedankengut zu warnen. Nicht nur im unmittelbaren Vergleich sehr berührend und erhellend zu lesen.  // Ketil Bjørnstad: Die Unsterblichen / Bjørnstads behutsames Porträt eines Endfünfzigers, der rückblickend Bilanz zieht und dabei mit Erschrecken erkennt, welche Chancen nicht nur er, sondern seine gesamte Familie verpasst haben, kommt leise und nachdenklich daher, kann aber auch wachrütteln – für den zögerlichen Helden allerdings leider zu spät …

Die Monatsbotin Januar 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die zweiundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein mäßig geruhsamer, aber schöner Dezember liegt hinter mir, in dem ich mich erstmal ein wenig von den extrem arbeits- und reiseintensiven Wochen davor erholen musste. Da machte dann die einzige Lesung des Monats besondere Freude: Drei dritte Klassen einer Tempelhofer Grundschule lauschte am 12. Dezember in der Bezirkszentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg den Abenteuern Frieda Frickes und erfreuten mich danach mit einer Reihe von lustigen Fragen – und Aussagen. Die Krönung dabei: ein niedlicher Achtjähriger, mit dem ich folgendes Gespräch beim Signieren seiner Autogrammkarte führte: „Wie heißt du denn?“
„Ammar!“
„Mit zwei M, ja?“
„Ja.“
„Ammar, das ist doch ein arabischer Name, oder?“
„Ja!“
„Der hat doch sicher eine Bedeutung. Weißt du vielleicht, was dein Name bedeutet?“
„Ja.“
„Und was?“
„Bauarbeiter.“

Ich habe später nachgesehen: Ammar bedeutet so etwas wie „langes, glückliches, wohlhabendes Leben“. Das kann man ja auch in der Tat als Bauarbeiter haben …

Den restlichen Monat über widmete ich mich meinem in Arbeit befindlichen Roman; noch liege ich im Zeitplan zurück, aber …

Und was kommt?

… das kann sich in diesem Monat durchaus ändern. Den Januar werde ich nämlich hauptsächlich zum Schreiben nutzen, abgesehen, von der vierten Kalenderwoche, die ich wieder einmal in der Schweiz verbringen werde, um im Kanton Zürich diverse Schulen mit Schreibwerkstätten und Lesungen zu besuchen. Schüler*innen der Klassen 7 bis 9 sind eingeplant, mein besonderes Steckenpferd. Obwohl es natürlich immer einen Unterschied macht, wenn die Jugendlichen sich freiwillig für eine Schreibwerkstatt anmelden oder als ganze Klasse „zwangsverpflichtet“ werden. Das aber weckt dann wiederum meinen besonderen Ehrgeiz; wenn es gelingt, die sich sträubenden Jugendlichen dann doch mehr oder minder zu begeistern, ist eventuell ein kleiner Keim gesät.

In den zurückliegenden Jahren habe ich immer wieder erlebt, dass gerade diejenigen, die vorher nicht das geringste Interesse an Sprache und Schreiben zeigten, dann am Ende sichtlich stolz waren, einen eigenen, unverwechselbaren Text vorweisen und im Idealfall auch präsentieren zu können. Mal sehen, was sich diesmal entwickelt!

Einen guten Jahreseinstieg  wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie und die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 7. Januar; Informationen und Anmeldung auch für das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Eva Schloss: Evas Geschichte: Anne Franks Stiefschwester und Überlebende von Auschwitz erzählt / Ein bisschen geschummelt ist es ja schon, aber Klappern gehört zum Handwerk: Zwar ist Eva Schloss durch die Heirat ihrer Mutter mit Anne Franks Vater tatsächlich zu Anne Franks Stiefschwester geworden, aber eben erst lange nach deren Tod. Das tut dem glänzend geschriebenen Erfahrungsbericht aber keinen Abbruch – die Besonderheit liegt hierin nämlich für mich in der detaillierten Beschreibung der ersten Tage und Wochen nach der Befreiung von Ausschwitz und der Irrfahrt durch halb Europa, bis Eva Schloss und ihre ebenfalls überlebende Mutter – Vater und Bruder starben auf einem der grausamen Todesmärsche – endlich wieder ihre Heimatstadt Amsterdam erreichten. Damit beleuchtet Schloss eine bislang wenig geschilderte Phase zwischen Holocaust und Nachkriegszeit, die leider für allzuviele Menschen immer noch den Tod mit sich brachte. Sehr empfehlenswert! // Barbara Bišický-Ehrlich: Sag‘, dass es dir gut geht! Eine jüdische Familienchronik / Und auch bei diesem Werk gibt es ein sehr interessantes Alleinstellungsmerkmal: Bišický-Ehrlich, deutsche Jüdin aus Frankfurt am Main, erzählt spannend und klar, wenn auch ein wenig holprig konzipiert, von ihren tschechischen Vorfahren. Dreiviertel der jüdischen Familie wurden im Holocaust umgebracht, alle Großeltern aber überlebten die Lager; eine Seltenheit sondergleichen. Einmalig auch der Familienzusammenhalt, aber auch die Offenheit, mit der die Autorin von ihren eigenen Schwächen und Ängsten berichtet. 

Die Monatsbotin Dezember 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die einundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein extrem reisefreudiger Monat mit vielen, vielen Veranstaltungen. Der November ist ja stets DIE Lesungs-Hochzeit, für diesen Monat werden die meisten Autor*innen bereits lange im voraus gebucht, denn in zahlreichen Städten finden stets im November jährliche Lesewochen und Lesetage statt. Warum ausgerechnet im November, weiß ich nicht so recht, vermutlich, weil es langsam dunkler und kälter wird und das Lesen sich zur Einstimmung auf die dunkle Jahreszeit empfiehlt.

Meine diesjährigen Novemberveranstaltungen hatten aber allesamt nichts mit etwaigen Lesewochen zu tun, sondern es handelte sich um lauter Einzelveranstaltungen – und sehr interessanten noch dazu. Den Anfang machte meine Lesung aus „Mutter zieht aus“ am 7. November im schleswig-holsteinischen Neumünster, wo eine recht ansehnliche Zahl von Zuhörenden sich danach noch in eine rege Diskussion vertiefte – was bei den Lesungen aus diesem Buch fast schon der Regelfall ist. So auch drei Tage später im Berliner Eisenherz Buchladen, wo ich im Rahmen des „Lsebischen Literatursalons“ zudem aus der neuen Taschenbucherscheinung „Liebe macht Anders“ vorlas.

Zwei Tage später dann hatte ich im Regenbogencafé Falkensee das Vergnügen, vor einer bunten Zuhörerschar im Alter zwischen vier und vierundsechzig einen ebenso bunten Querschnitt meiner Bücher zu präsentieren: Auszüge aus „Frieda Fricke“ für die Kleineren, „Liebe macht Anders“ und „Steingesicht“ für die Mittleren und „Bilder von ihr“ und „Mutter zieht aus“ für die Älteren. 

Auch in der Leselounge der Universität Hildesheim am 14. November zeigte sich die Zuhörerschaft altersmäßig sehr gemischt, sodass ich auch hier – neben „Mutter zieht aus“ – spontan einige Bücher auch für Teenager vorstellte. Der jüngste Fan aus Hildesheim war leider dann doch zu jung für die Lesung, aber zum Trost tauschte ich mit Eliot Paul (9) dann vorab unsere Werke: „Die drei ??? Kids – Achtung Katzendiebe!“ für ihn, während ich von ihm wiederum eine signierte Ausgabe von „Fip und Kicki und die verzauberten Tiere“ überreicht bekam. Ja, so ähnlich habe ich früher auch angefangen, wer weiß, was wir von dem jungen Hildesheimer noch zu lesen bekommen …

Ziemlich junge Leute (und eine auch noch gar nicht so alte Deutschlehrerin) waren dann auch bei meiner Lesung am 16. November in Berlins erstem queeren Jugendzentrum dabei, bei der ich auf Einladung vom Jugendnetzwerk Lambda e.V. „Liebe macht Anders“ und andere Jugendbücher mit queerem Personal vorstellte, genau wie drei Tage später im erstaunlich großen Bielefelder Jugendzentrum „begin“.

Am darauffolgendenTag dann aber begann eine besonders spannende Aufgabe für mich: Im Rahmen meines Aufenthaltes als Bielefelder „Poet in Residence“ hatte ich das große Vergnügen, an die dreißig überaus interessierte Studierende der Fakultät für Literaturwissenschaften und Linguistik an drei Tagen  während eines Blockseminars zu unterrichten – über meine eigene Arbeit als Kinder- und Jugendbuchautorin und diverse werkimmanente Aspekte. Das machte mir großen Spaß, was nicht zuletzt auch an der wunderbaren, engmaschigen Betreuung durch Prof. Dr. Petra Josting lag. Den krönenden Abschluss bildete dann die zentrale Lesung, eine Werkschau, während der jährlichen Lesenacht vor knapp dreihundert Zuhörenden, gefolgt von zwei weiteren Lesungen am folgenden Morgen, bei denen zunächst ebensoviele Drittklässler Frieda Frickes Abenteuern lauschten und hinterher zahlreiche Fragen stellten. Bei der zweiten Lesung waren es dann gut zweihundertfünfzig Achtklässler, die sich konzentriert auf „Alles ist echt“ einließen und kaum weniger Fragen hatten. Alles in allem eine sehr spannende, anregende, dabei auch höchst intensive Woche – die noch einen späten Nachhall finden wird, denn im kommenden Winter wird eine von den Studierenden erarbeitete Monografie über all die angesprochenen Themen in meinen Büchern und meine Arbeit als Kinder- und Jugendbuchautorin erscheinen. Auf die ich mich ungemein freue!

Damit war der November aber noch nicht vorbei: Am 26. erfreute ich wie alljährlich die Sechstklässler der Berliner Lenau-Schule mit einer Lesung, um zwei Tage später bei der Lübecker Jugendgruppe von Lambda e.V. „Steingesicht“, „Jenny mit O“ und „Liebe macht Anders“ zu präsentieren. Und am nächsten Tag dann packte ich Hund Luki ins Auto, um ganz nach Süden, nach Mühldorf am Inn in Oberbayern zu reisen. Ein knappes Dutzend hauptamtlicher Mitarbeiter*innen des St- Anna-Hospiz-Vereins hatte sich im lichten, großen Dachgeschoss des örtlichen Pflegeheims versammelt, um unter meiner Leitung Texte über ihre wichtige und oftmals sehr belastende, aber auch sehr erfüllende Arbeit zu schreiben und daran bis hin zur Druckreife zu feilen.

Foto: Meta Biehn

Ein sehr bewegender und schöner Abschluss dieses kräftezehrenden, aber ebenfalls sehr erfüllenden Monats!

Und was kommt?

Endlich mein Lieblings- und Geburtstagsmonat, der Dezember! In dem ich mich erstmal ein wenig erholen muss von den zurückligenden Reisen, aber dann geht es natürlich weiter mit der Arbeit am neuen Roman ab Seite 64 …

Einen gemütlichen Dezember wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Dezember:  12. Dezember, Bezirkszentralbibliothek Tempelhof – Schöneberg, 10h: Lesung aus „Frieda Fricke – unmöglich!“ 

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 3. Dezember und 7. Januar, der nächste Kreativ-Quickie beginnt am 7. Januar; Informationen und Anmeldung auch für das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Joan Didion: Blaue Stunden / Didion gilt als eine der größten amerikanischen Autorinnen, elegant und intellektuell. Letzteres stimmt mit Sicherheit, doch ist Didions von Trauer getränkte Erinnerung an ihre verstorbene Adoptivtochter weitaus einfacher zu lesen, als ich bei all den ehrfürchtigen Huldigungen im deutschen Feuilleton vermutet hätte. Die Welt der Autorin ist eine extravagante, reiche, fremde, sie lebt im Luxus und Überfluss, und ich weiß bis zur letzten Seite nicht, ob es daran liegt, dass mich ihre gestochenen Einlassungen und Nachdenklichkeiten nicht wirklich bewegen. //Barbara Vine: Aus der Welt / Zur Hand genommen habe ich diesen relativ neuen Roman der britischen Bestsellerautorin eigentlich nur, weil er den Titel trägt, den ich mir für meinen eigenen neuen Roman ausgesucht hatte – und der damit natürlich bereits vergeben ist. Aber Vines detaillierte Studie einer dysfunktionalen, einstmals reichen Oberschichtsfamilie auf dem platten Lande in den Sechziger Jahren, deren unausgesprochene Probleme in einem Desaster enden, hat mich dann doch gepackt.  Vine, Pseudonym der ebenso erfolgreichen Autorin Ruth Rendell, glänzt hier mit anhaltendem Spannungsaufbau und feinen Psychogrammen; auch wenn das Ende dann ein wenig mager daherkommt. // Stephan Harbort: Wenn Kinder töten / In einer Bahnhofsbuchhandlung erworben und in einem Rutsch durchgelesen: Harborts schnörkellose Beschreibung der Taten Unter-14-Jähriger wirkt von der ersten bis zur letzten Seite ernüchternd und beklemmend. Und lässt mich ratlos, aber sehr nachdenklich zurück.