Die Monatsbotin März 2020 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundsiebzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Freud und Leid liegen ja bekanntlich dicht beieinander – in diesem Monat allerdings ganz besonders.

Dabei begann der Februar ausgesprochen erfreulich, nämlich mit der Aushändigung des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das mir bereits im September des Vorjahres von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für meine literarischen und sozialen Verdienste verliehen wurde. Aus der Laudatio des Staatssekretärs für Kultur des Landes Berlin, Dr. Torsten Wöhlert: „Karen-Susan Fessel engagiert sich gegen Diskriminierung und für Offenheit und Toleranz im Rahmen von Lesungen in Schulen und Bibliotheken. Sie thematisiert den Umgang mit Homosexualität und Transsexuellen und engagiert sich für Menschen mit HIV und Aids. (…) Die Auszeichnung (…) würdigt Frau Fessels literarische Verdienste und ihr hohes Engagement für Humanismus und die kulturelle und soziale Vielfalt unserer Gesellschaft.“ Na, das ist doch was!

Foto: Landesarchiv Berlin/Thomas Platow

Eine ausführliche Trageanleitung lag auch mit dabei, denn im schlichten Schmuckkästchen lagern gleich drei verschiedene Varianten des Kreuzes in verschiedenen Größen und Ausführungen. Die kleinste darf auch zur Alltagskleidung angelegt werden, zum Beispiel bei Familienfeiern. Ob ich aber nun alle meine Lieben bei jedem Geburtstagfeste damit beehre, steht noch dahin …

Ebenfalls gefreut habe ich mich über das Erscheinen des von Petra Josting und Iris Kruse herausgegebenen Bandes „Karen-Susan Fessel“ aus der Schriftenreihe Kinder- und Jugendliteratur aktuell,

in dem verschiedene Aufsätze und Interviews meine diesbezügliche Arbeit behandeln. Die beiden Professorinnen hatten mich 2018 als Bielefelder Poet in Residence und 2019 zu den Paderborner Kinderliteraturtagen eingeladen, zwei sehr schöne Veranstaltungsreihen, die mir höchst positiv im Gedächtnis bleiben werden.

Aber dann hatte die Freude auch schon ein Ende: Am 11. Februar verstarb überraschend meine langjährige enge Freundin, die Illustratorin Heidi Kull, im Alter von 54 Jahren, vermutlich an Herzversagen. Heidi hat das Cover meines ersten Romans „Und abends mit Beleuchtung“ sowie die der Taschenbuchausgaben von „Achtung, Mädchen gesucht!“ und „Achtung, Jungs unterwegs!“ gemalt, zwei weitere meiner Bücher illustriert – „Danke, ich schaff’s alleine!“ und „Nebeltage, Glitzertage“ – und bei mehreren anderen Projekten mit mir zusammengearbeitet, zum Beispiel als Illustratorin der von mir konzipierten Broschüre „Eine* von uns„, die im letzten Jahr erschienen ist . Aber in erster Linie war sie 34 Jahre lang meine Freundin – ich vermisse sie.

Einen gute Ablenkung gab es dann dennoch: Am 25. Februar hatte ich das Vergnügen, für 25 Schüler*innen der elften Klassen des F. F. Runge-Gymnasiums in Oranienburg ein sechsstündiges Seminar abzuhalten, in dem meine schriftstellerische Arbeit, aber auch Fragen zu aktueller Literatur und Lesegewohnheiten der jungen Generation im Vordergrund standen. Das hat mir gut gefallen – und mich ein wenig an die inspirierenden Tage in Bielefeld und Paderborn erinnert.

Und was kommt?

Wieder Freud und Leid gemischt: In diesen Tagen erscheint endlich mein neuer Roman „In die Welt“ im Berliner Querverlag.

Ob ich daraus aber wie geplant am 12. März auf der Leipziger Buchmesse lesen werde, steht noch in den Sternen; die Verlagsbranche rechnet in diesen Tagen mit einer Absage, der Ausbreitung des Corona-Virus geschuldet.

Ebenfalls zur Buchmesse erscheint auch mein neues Bilderbuch „Mamas Püschose“ im psychiatrie-Verlag, das Kindern Psychosen erklären möchte. Die wunderbaren Zeichnungen meines Illustrators Heribert Schulmeyer tragen ganz bestimmt dazu bei.

Vorher aber lese ich am 7. März in der Stadtbücherei Ahrensburg anlässlich des Internationalen Frauentages aus „Mutter zieht aus“ und am 10. März in der Grundschule Übigau-Wahrenbrück aus „Frieda Fricke“. Am 17. März geht es erneut in den Elbe-Elster-Kreis, nach Falkenberg, um die dortigen Grundschüler mit meinen Büchern zu erfreuen. Zwei Tage später lese ich dann in der Stadteilbibliothek Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau, ebenfalls für Grundschüler*innen, um am 24. März dann endlich auch in Berlin meinen neuen Roman vorzustellen. Die Premiere findet im altehrwürdigen Literaturhaus in der Fasanenstraße statt, wo ich seinerzeit als 29-jährige schrecklich nervöse frischgebackene Autorin mein Erstlingswerk präsentierte – ebenjenes „Und abends mit Beleuchtung“, für das meine Freundin Heidi das Cover gemalt hatte:

Und zwischen all diesen Lesungen findet am 14. März dann auch Heidis Beerdigung statt – auf dem meiner Meinung nach schönsten Berliner Friedhof, dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin Schöneberg. Der ist auch ohne diesen traurigen Anlass durchaus einen Besuch wert.

Der März wird also durchaus durchwachsen – und wohl noch nie war es zu Monatsanfang so ungewiss, ob die gemachten Pläne aufrechterhalten werden. Und irgendwie hat das ja auch was …

Einen gesunden März wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  am 2. April, Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Öffentliche Termine im März: 7. März, Ahrensburg, Stadtbücherei, Manfred-Samusch-Str. 3, 22926 Ahrensburg, 18h: Lesung aus „Mutter zieht aus“ mit anschließender Diskussion / 12. März, Leipzig, Buchmesse, Forum Literatur, Halle 5, K600, 16.30h: Lesung aus „In die Welt“ / 24. März, Berlin, Literaturhaus, Kaminzimmer, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin: Berlin-Premiere von „In die Welt“

Ausgelesen Jacky Dreksler: Ich wünsch dir ein glückliches Leben – das Leid meiner Mutter und ihr Geschenk an mich. Köln, DuMont (2016) / Jacky wird kurz nach Kriegsende in Paris gezeugt – und seine jüdische Mutter, die zwei Ghettos und zwei KZs überlebt hat, kurz danach zu Unrecht denunziert und verhaftet. Ihr Sohn wächst in Heimen auf, bis er schließlich mitsamt seiner Mutter von ihrer ehemaligen Gefängniswärterin aufgenommen wird. Aber damit beginnt für den Jungen erneut eine Odyssee … Dreklsers bewegende Biografie hat mich von der ersten Seite an den Bann gezogen. Sein Schicksal – und das seiner armen, bis zum Ende gepeinigten Mutter – steht für eine Epoche der deutschen Zeitgeschichte, in der das erneute Schweigen der Menschen die Oberhand gewonnen und damit größten Schaden angerichtet hat. Ein richtig gutes und zugleich wichtiges Buch.

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