Die Monatsbotin Dezember 2019 // Notizen aus dem vierten Stock


Hier kommt die zweiundsiebzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Der November hatte es in sich, in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal in reisetechnischer: Der bunte Reisereigen begann mit meinem alljährlichen Schreibworkshop beim Bundestreffen der HIV-positiven Frauen in der Akademie Waldschlösschen. Seit 2003 habe ich das Vergnügen, hier mit den unterschiedlichsten Frauen zusammenzuarbeiten, wieder einmal entstand eine Reihe von beeindruckenden, bewegenden und auch vergnüglichen Texten!

Danach verblieb ich gleich für weitere fünf Tage in meinem Lieblingszimmer in der Akademie und startete von dort aus jeden Morgen zu drei Lesungen in verschiedenen Schulen des Kreises Göttingen und Northeim. Den Anfang aber machte am 3. November die feierliche Eröffnung der von der GEW und dem Friedrich-Boedecker-Kreis veranstalteten 51. (!) Kinder- und Jugendbuchwoche im altehrwürdigen Saal des Alten Rathauses, wo ich ganz am Ende eine kurze Passage aus „Und wenn schon!“ vortragen durfte. Das war dann auch das Buch, aus dem ich in der folgenden Woche am häufigsten las – in der Göttinger Montessori-Schule, der Heinrich-Böll-Förderschule und dem Felix-Klein-Gymnasium, dem Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt, der Schule am Botanischen Garten in Hannoversch Münden wie auch in der Sollingschule Uslar, der IGS Einbeck und der Erich-Kästner-Förderschule in Northeim. In Northeim beglückte ich dann zum krönenden Abschluss der Woche auch die 10. Klassen der Thomas-Mann-Hauptschule mit zwei Lesungen aus „Alles ist echt“, „Steingesicht“ und weiteren Büchern. Dazwischen las ich auch mal für Kleine: in der Grundschule Diemarden aus „Frieda Fricke – unmöglich“.

Ebendieses Buch war dann wiederum in der darauffolgenden Woche bei den Schleswig-Holsteinischen Kinder- und Jugendbuchwochen das meistgelesene: Sowohl in Reinbek wie auch in Bordesholm und Bad Segeberg hatte ich in den dortigen Büchereien zahlreiche Dritt- und Viertklässler vor mir sitzen, die Friedas Abenteuern mit höchster Konzentration lauschten.

In der Stadtbücherei Wedel und der Lensahner Gemeinschaftsschule wiederum las ich dann erneut aus „Und wenn schon!“ und weiteren Titeln für die 6. bis 8. Klassen.

Nach 25 Lesungen in 13 Tagen war ich dann doch auch froh, wieder nach Berlin fahren zu dürfen. Da wartete dann eine traurige Nachricht – ein plötzlicher Todesfall in der Familie brachte alle Pläne durcheinander. Infolgedessen musste ich dann auch die Veranstaltungen für das nächste Wochenende in Hannover und Göttingen absagen bzw. verschieben (die Lesung im Andersraum Hannover findet nun am 1. April statt).

In die letzte Novemberwoche startete ich dann schreibend – und punktgenau am 27. November war dann auch mein neuer Roman mit dem, wie ich finde, wunderschönen Titel „In die Welt“ in der Rohfassung fertig. 526 Seiten sind es geworden; ob das so bleibt, wird sich zeigen, meist fallen noch einige Seiten dem Lektorat zum Opfer, eventuell aber kommen auch noch einige dazu, wer weiß …

Am nächsten Tag dann aber lag eine Nachricht das Staatssekretärs für Kultur im Briefkasten, die mich erstmal sprachlos machte: In Anerkennung meiner „um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste“ hat mir Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Überreicht wird es mir im Februar des kommenden Jahres.

Ich freue mich sehr über die Ehrung und bin immer noch ein bisschen sprachlos …

Bei der Recherche dazu bin ich wieder einmal auf die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft gestoßen, was mich dazu bewogen hat, endlich Mitglied zu werden. Die ELSG will das literarische und künstlerische Werk während der Nazizeit verfolgten und 1945 in Palästina gestorbenen Schriftstellerin (eine meiner Lieblingsdichterinnen!) zu pflegen und als wichtigen Beitrag zur deutsch-jüdischen Kultur lebendig zu erhalten. Sie versteht sich als „politische“ Lyrikgesellschaft, deren besonderes Anliegen das „Else-Lasker-Schüler-Zentrum der verfolgten Künste“ als nationale Einrichtung gegen das Vergessen ist. Angesichts den neu erstarktem Antisemitismus finde ich diese Anliegen wichtiger denn je!

Eine weitere Neuigkeit von Bedeutung gibt es auch noch: Ab sofort werde ich von der Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler aus München vertreten.

Mit dem Schritt, mit einer Literaturagentur zusammenzuarbeiten, habe ich lange gezögert; immerhin konnte ich mich doch seit mehr als zwanzig Jahren sehr gut selbst auf dem Literaturmarkt vertreten, aber die Zeiten und Gepflogenheiten haben sich geändert. Heutzutage arbeiten wiederum fast alle Verlage mit Agenturen zusammen, die im Grunde eine Vorauswahl treffen und diese dann den Verlagen vorlegen. Wenn es früher also in erster Linie darum ging, einen Verlag zu finden, geht es heute für (angehende) Autor*innen eher darum, eine Agentur zu finden. Neue Zeiten eben …

Und was kommt?

Die Überarbeitung von „In die Welt“ steht an, das ja dann im Frühjahr erscheinen wird. Das Cover ist übrigens noch viel schöner als der Titel: Erstmalig ist ein Gemälde darauf zu sehen, meines niederländischen Lieblingsmalers Jan Roes nämlich. Dessen Werke wiederum in meiner Lieblingsgalerie Rasche Ripken zu sehen sind. Mit Sicherheit ein passender Zwischenstopp für einen Adventsspaziergang in Berlin-Mitte. In der nächsten Monatsbotin gibt es dann auch ein Foto des Covers!

Natürlich stehen auch noch die Onlineworkshops und ein weiteres Lektorat an; außerdem werde ich mir ein paar Gedanken zum nächsten Bilderbuch für den Psychiatrie-Verlag machen, und ein in Arbeit befindliches Kinderbuch liegt auch noch auf meinem Tisch …

Eine letzte Lesung steht auch noch an, am Tag nach meinem 55. Geburtstag: Am 16. Dezember lese ich in der Berliner Ellen-Key-Oberschule zum Auftakt des dortigen Vorlesetages.

Und dann genieße ich den Advent! Der Adventskalender, einst vor über fünfzig Jahren von meiner lieben Mutter selbst gefertigt und jetzt wieder einmal neu mit selbst verpackten Geschenken für den nunmehr 14-Jährigen bestückt, hängt jedenfalls schon mal!

dav

Einen besinnlichen Dezember wünscht Karen-Susan Fessel!

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  am 6. Januar; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Stina Jackson: Dunkelsommer. München, Goldmann (2019) / Lelle kann das Verschwinden seiner Tochter nicht verwinden. Meja muss ihre borderlinekranke Mutter ertragen und die Tatsache, dass diese sie überall hin mitschleift, diesmal ins öde Norrland. Da sind die drei interessanten Brüder eine willkommene Abwechslung. Dass die Familie ihre ganz eigenen Ansichten über den Staat und das moderne Leben hat, stört Meja zu Anfang nicht, aber dann überschlagen sich die Ereignisse … Der Debütroman Jacksons ist ein solide geschriebener Krimi mit einer abenteuerlichen Konstruktion, die aber vollends aufgeht … und dabei wichtige Themen wie den völkischen Rechtsextremismus im ländlichen Raum aufgreift. Hat mir gut gefallen! // Michelle McNamara: Ich ging in die Dunkelheit. Hamburg, Atrium (2019) : Gar nicht gefallen hingegen hat mir dieses erzählende Sachbuch nach einer wahren Geschichte. Michelle McNamara führte einen True Crime Blog und setzte sich zum Ziel, den »Golden State Killer«, einen der schlimmsten Serienmörder in der Geschichte der USA, zu entlarven – privat, wohlgemerkt. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber beim Lesen des postum erschienen Buches habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wer eigentlich was damit bezweckt. Die Frage, warum man sich mit solcher Hingabe der Aufklärung eines Verbrechens widmet (der Mörder wurde nach dem Tod der Autorin von der Polizei gestellt), bleibt für mich genauso offen wie vor Lektüre des Buches. Eher ist mein Unverständnis noch gewachsen. Um es ganz einfach zu sagen: Was soll das? // Doris Unzeitig: Eine Lehrerin sieht rot. Plassen, Kulmbach (2019) / Was dieses Buch hingegen soll, erschließt sich mir hingegen sehr wohl: Hier möchte eine sich als nicht genügend gewürdigt sehende Schulleiterin nach ihrem Abgang aus Berlin ordentlich auf das Berliner Schulsystem und die beteiligten Politiker schimpfen. Dass Unzeitig von vielen Eltern und weiteren Beteiligten als arrogant und belehrend empfunden wurde, verstehe ich nach der Lektüre dieses zähen, sich unentwegt um sie selbst und ihre bahnbrechenden Ideen rankenden Werkes sehr gut. Aber Unzeitig sitzt ja nun wieder im ländlichen, beschaulichen Österreich, wo sie mit Sicherheit besser wirken kann als im bösen Berlin.

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