Die Monatsbotin Mai 2018 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundfünfzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein sehr abwechslungsreicher und intensiver Monat mit frischem Wind, viel Sonne und pladderndem Regen, wie sich das für einen wechselhaften April so gehört … Begonnen hat er natürlich mit den Einsendungen zum Preisrätsel: Manjack D. aus Berlin war schneller als alle anderen und wusste, dass ich erst nach einem geschriebenen Drittel über mein in Arbeit befindliches Werk spreche. Ein signiertes Exemplar von „Nebeltage, Glitzertage“ ging also auf die Reise nach Friedrichshain, also sozusagen nach nebenan …

Der April war reiseintensiv: Zunächst stand am 6. April die erste „richtige“ (nach der kurzen Messe-) Lesung aus „Mutter zieht aus“ auf dem Programm, und zwar in der Buchhandlung Prolibri in Mönchengladbach. Neben den gespannt lauschenden ZuhörerInnen – viele davon Mitglieder bei LesLie e.V., dem einladenden Verein – saß auch der wichtigste Ehrengast im Publikum: meine Mutter, der ich das Buch ja zum 80. Geburtstag in einer leicht verkürzten Fassung geschrieben und geschenkt habe. Ein bewegendes Ereignis, über das wir uns auf der gemeinsamen nächtlichen Rückfahrt nach Meppen noch längere Zeit unterhielten.

Ein paar Tage später hielt mich wiederum ein 80. Geburtstag in Atem: Zu dem nämlich begleitete ich meine liebe Nenntante nach Sylt; durchaus eine wunderschöne Insel mit einer sehr interessanten Vogelwelt und vielerlei merkwürdigen anderen Säugetieren auf zwei Beinen.  Der Wind pfiff mir dabei tüchtig um die Ohren und pustete den mitreisenden kleinen Hund fast über die Dünen ins weite, tosende Meer. Aber dann hätten ihn die riesigen Möwen mir sicher wieder zurück gebracht … oder eine der schicken Segelyachten, von langhaarigen Naturburschen gehobenen Alters in Bogner-Jacken gesteuert …

Am 19. April stand dann die Berlin-Premiere von „Mutter zieht aus“ im „Goldenen Handwerk“ an. Dabei handelt es sich um meine sehr zu empfehlende urige Berliner Eckkneipe hier unten in der Obentrautstraße, zwei Häuser weiter. Und da ich immer besonders nervös bin, wenn sich Menschen, die ich kenne, im Publikum befinden, war ich so aufgeregt wie fast noch nie vor einer Lesung. Die dann zu einem ganz wunderbaren Erlebnis geriet: Nur zwei Personen im zahlreich erschienen Publikum waren mir nicht persönlich bekannt, auch aus der Nachbarschaft hatten sich einige Leute eingefunden, ganz zu schweigen natürlich von Familie und Freunden. Ein denkwürdiges Ereignis, für das ich dem aufgeschlossenen Wirt Micha und seinem liebenswert-ruppigen Personal noch einmal herzlich danken möchte!

Damit war der Lesereigen erst so richtig eröffnet: Am 23., dem Welttag des Buches, las ich in der Bibliothek Falkenhagener Feld vor Sechtsklässlern aus „Hiphop, Hund und Herzgehüpfe“, und, noch eine Premiere!, vor Viertklässlern aus „Frieda Fricke – unglaublich!“, dem neu erschienenen zweiten Band um die freche Frieda, die es mit Hilfe ihrer Freunde schafft, einen fiesen Spekulanten zu vergraulen – oder besser: zu bekehren …

Am nächsten Tag erfreute ich die Sechstklässler der Grundschule Menschenskinder in  Schönwalde-Glien mit zwei Lesungen und wurde wiederum im Gegenzug prompt mit der Einladung zum nächsten Jahr erfreut. Und zwei Tage später las ich dann in der Zentralen Landesbibliothek Berlin wiederum vor einer vierten Klasse aus „Frieda Fricke – unglaublich!“. Um einen Tag darauf zur Akademie Waldschlösschen abzureisen, wo ich beim Treffen HIV-positiver Frauen zum wiederholten Mal in Folge einen Schreibworkshop leitete, was mir ungemein viel Freude bereitete. Diesmal standen angeleitete Porträts HIV-positiver Frauen auf dem Programm, und ich hoffe sehr, dass sich eines Tages ein Medium zur Veröffentlichung für diese berührenden Texte finden wird.

Aber nicht nur Reisen und Lesen stand in diesem Monat im Vordergrund, sondern auch Schreiben: am neuen Roman natürlich, der so ganz langsam vor sich hin wächst. Und daneben arbeite ich auch immer wieder an den Onlineworkshops, die mir immer ganz besonders viel Spaß machen. Ich weiß ja nie im voraus, was da kommt an Texten, vor allem beim Biografischen Schreiben. So bleibt es stets spannend …

Und was kommt?

Selbstverständlich der Wonnemonat Mai, in dem ich den Faden wieder aufnehme und weiterspinne. Und zu Himmelfahrt zum Familientreffen der Geschwister meiner Mutter und deren Nachkommen nach Meppen in die dortige Jugendherberge reise. Über siebzig Familienmitglieder werden dort einige Tage miteinander verbringen. Aber auch dort ruft die Arbeit: Lese ich doch am Freitag, dem 11. vor ebendieser Sippe, die ja am Rande auch mitporträtiert ist, aus „Mutter zieht aus“ vor, und danach ist eine Frage- und Diskussionsrunde angezeigt. Eine der letzten Gelegenheiten sicherlich, im Kreise fast aller Geschwister meiner Mutter – meine Tante Thyra ist leider im letzten Monat verstorben – etwaigen Familiengeheimnissen auf den Grund zu gehen und unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren. Ich bin gespannt!

In der historischen Adlermühle, dem Vereinsheim des Berliner Schwimmvereins BSV Friesen e.V., lese ich dann am 17. Mai erneut aus „Mutter zieht aus“ – nicht nur für Vereinsmitglieder, sondern für alle Interessierten; die vorerst letzte Gelegenheit, mich in Berlin aus dem Buch lesen zu hören. Wer in Osnabrück lebt, hat dazu dann wiederum am 29. Mai im Rahmen von „Gay in May“ die Gelegenheit, und in Mülheim/Ruhr anlässlich des Saarner Bücherfrühlings am Folgetag, dem 30. Mai. Wenn das mal keine guten Aussichten sind …

Einen blühenden Mai wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Mai:  17. Mai, 20h, Berlin, Buchsteinweg 32, Vereinsheim Adlermühle: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 29. Mai, 20h, Spitzboden in der Lagerhalle: Lesung aus „Mutter zieht aus“ / 30. Mai, 19.30h, Buchhandlung Hilberath&Lange, Düsseldorfer Str. 11, Mülheim an der Ruhr: Lesung aus „Mutter zieht aus“

Online Workshops: Die neuen Onlineworkshops „Der Kreativ-Quickie“ und „Biografisches Schreiben“ starten am 7. Mai und am 4. Juni – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin tot / Ein seltsames Werk, dieses hochgelobte und vielfach ausgezeichnete Buch über eine englisch-amerikanische Familie, die schwer unter Depressionen und ihren gravierenden Folgen zu leiden hat. Mich wiederum hat schwer irritiert, dass alle Protagonisten immerzu druckreife und ellenlange Gedanken hegen. Nichts geschieht, ohne dass das Familienmitglied, aus dessen Perspektive gerade erzählt wird, bedeutungsschwangere Interpretationen dazu liefert. Alle beobachten einander und denken schlaue Sachen dazu. Das ermüdet dann doch, auch wenn der Roman ansonsten eine interessante Thematik behandelt. Für mein Gefühl aber wollte der Autor einfach zu sehr zeigen, was er alles drauf hat. Das nennt man vermutlich übermotiviert. // Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel / 1971 überlebte die 17-jährige Tochter eines Naturforscherehepaares als einzige einen Flugzeugabsturz aus 3.000 Meter Höhe über dem peruanischen Regenwald. Nach elf Tagen erreicht sie schwer verletzt die erste menschliche Niederlassung und wird gerettet. Vierzig Jahre später erzählt sie in diesem hochinteressanten, spannenden und erstaunlich umfangreichen Buch ihre Lebensgeschichte. // Robert Pleyer mit Axel Wolfsgruber / Der Satan schläft nie. Mein Leben bei den Zwölf Stämmen / Pleyer, 2011 aus der Sekte ausgestiegen, erzählt in diesem nüchtern und klar erzählten Buch von den haarsträubenden Praktiken der vermeintlichen Urchristen im Hinblick auf Kindererziehung. Schläge, Bewegungs- und Sprechverbot sind ab dem jüngsten Kindesalter gängige Erziehungsmethoden. Auch wenn es nur ca. 2.500 Mitglieder weltweit gibt, die 1.500 Kinder darunter verdienen es, besser geschützt zu werden – durch ein radikales Verbot der Sekte. Zu einem anderen Schluss lässt sich nach der Lektüre wohl kaum gelangen.

 

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