Die Monatsbotin Oktober 2017 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die achtundvierzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein durchwachsener September, den ich zunächst mit dem erneuten Überarbeiten von „Frieda Fricke – unglaublich!“ verbrachte, dem zweiten Band mit der frechen Frieda in der Hauptrolle, die allerhand auf die Beine stellt, um das Spekulantentum in ihrem schleswig-holsteinischen Dorf zu unterbinden … Denn die Gentrifizierung macht ja auch vor Dörfern nicht halt!

Den restlichen Monat aber verbrachte ich in der Hauptsache sinnierend und vorbereitend. Das ist immer so, wenn ein neuer, umfangreicher Roman für Erwachsene geschrieben werden will, und die Phase vor dem eigentlichen Schreiben macht mir stets besonders viel Spaß. Diesmal hatte ich mich dazu ja im südschwedischen Halland eingemietet und eingeigelt, in einem wunderbar schlichten Apartment mit Ausblick auf eine Mühle, Felder und Pferdekoppeln. Zum Kattegat waren es mit dem mitgenommenen Mountainbike fünf Minuten, und die menschenleeren Strände in nächster Nähe wurden täglich von mir und meinem kleinen vierbeinigen Begleiter aufgesucht.

Sonnenuntergang in Haverdalsstrand

Unsere kleine temporäre Mitbewohnerin (wohnhaft im Mülleimer), die ich allerdings umgehend wieder an die schwedische Luft beförderte

Luki auf den Klippen in Steninge-Strand

Unsere weiteren Mitbewohnerinnen, wohnhaft außerhäusig

Mein temporärer Arbeitsplatz

Beste Voraussetzungen für meine Schreibklausur und die Grübelphase, die aber auch äußerst knifflig sein kann, wie ich diesmal wieder neu bemerken musste: Zwar steht das grobe Gerüst – oder, anders ausgedrückt, das Handlungskonzept -, aber die Erzählperspektive bereitet mir noch Kopfzerbrechen. Ich muss also noch ein wenig weiter sinnieren, bevor es an den Schreibprozess geht. Dass damit bereits jetzt der Abgabetermin im Juli 2018 leicht ins Wanken gerät, lässt sich leider nicht ändern. Wenn aber alles glatt geht, erscheint der Roman mit dem Arbeitstitel „Anderswo“ im Oktober 2018. Wenn nicht, dann eben später …

Zurück in Berlin, hatte ich die Freude, der stolzen Gewinnerin Margit K. aus Innsbruck den Reiseführer Toskana und die dazugehöre Straßenkarte zuschicken zu dürfen, denn sie hatte als Erste Einsenderin den Monte Amiata richtigerweise als Lösung des Preisrätsels erkannt. Und fährt nächsten Monat gleich selbst dorthin …

Danach lag „Frieda Fricke – unglaublich!“ dann noch einmal auf meinem Schreibtisch, für den dritten und letzten Durchgang des Lektorats. Einmal aber kommt das Manuskript dann noch einmal zu mir, diesmal dann in Gestalt der sogenannten Fahnen, also der druckreif gesetzten Fassung, die ich dann endgültig abzusegnen habe, bevor sie in Druck geht.

Und was kommt?

Allerhand Spannendes: Zunächst einmal geht es am Wochenende an die Ostsee zum selbstorganisierten Treffen der Cousinen und Cousins unserer Familie, den Nachkommen meiner Mutter und ihrer sechs Geschwister. Nur vier von uns werden leider nicht dabei sein, aber auch die verbleibenden 13 haben sich teils seit vielen Jahren, einige seit Jahrzehnten nicht gesehen. Das wird sicher sehr aufregend …

Dann folgt am 13. Oktober in Berlin die erste Herbstveranstaltung für mich, und das ist eine ganz besondere: Zusammen mit Oliver Sechting präsentiere ich im Buchladen Eisenherz seine Autobiografie „Der Zahlendieb„, an der ich als Co-Autorin und Lektorin mitgearbeitet habe. Oliver Sechting, Sozialpädagoge, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen und langjähriger Lebensgefährte des Filmemachers Rosa von Praunheim, erzählt in „Der Zahlendieb“ von seinem ganz persönlichen Kampf mit seiner schwierigen Biografie und seiner Zwangserkrankung. Ich habe diese sehr besondere Lebensgeschichte verschlungen, als ich sie als Lektoratsanfrage auf dem Tisch liegen hatte, und freue mich sehr darüber, dass ich daran mitarbeiten durfte.

Am 19. Oktober dann wiederum habe ich die Ehre, wieder einmal auf einem Podium mitzudiskutieren: Im Berliner Theater im Aufbauhaus feiert das Stück „Eva, Adam & ich“ der Frl. Wunder AG Premiere, das die Biographien intersexueller Menschen thematisiert; das moderierte Nachgespräch dazu wird sicher spannend!

Weiter geht es dann nach Meppen in Niedersachsen, wo ich ja den größten Teil meiner Kindheit und Jugend verbracht habe, vorrangig im Stadtteil Esterfeld. Dort liegt auch die Anne-Frank-Schule, deren 9. Klassen ich am 24. Oktober mit einer Lesung aus „Alles ist echt“ und weiteren Werken zu erfreuen hoffe. Um anschließend nach Bremen zu reisen und dort in drei Stadtteilbibliotheken sowie der Zentralbibliothek zweimal aus „Frieda Fricke – unmöglich!“ und „Alles ist echt“ vorzulesen. Bremen stand schon längere Zeit nicht mehr auf meinem Reiseplan, weshalb ich mich nun besonders darauf freue. Wird dort doch mein abendliches Lieblingsgetränk gebraut …

Einen friedlichen Oktober wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Oktober: 13. Oktober, 20.30h: Berlin-Schöneberg, Eisenherz Buchladen, Motzstr. 23, Schöneberg: Lesung mit Oliver Sechting aus „Der Zahlendieb“ / 19. Oktober, 20h: Berlin-Kreuzberg, Theater im Aufbauhaus, Prinzenstr. 85f: „Adam, Eva & ich“, Premiere und Nachgespräch

Onlineworkshops: Der nächste Kreativ-Quickies startet am 4. Oktober – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens – Tagebuch aus der Einsamkeit/ Eigentlich finde ich Biografien von Einsiedlern ja spannend, vor allem, wenn sie sich in winterlichen Gefilden aufhalten. Aber Tessons preisgekrönter Bericht über sein halbes Jahr am Baikalsee hat mich eher angeödet denn gepackt, was hauptsächlich an seinen selbstverliebten, zu Hauf eingestreuten Lebensweisheiten lag. Was dieser gelegentlich zum Selbstmitleid neigende Schlaumeier da oben im Norden tat und dachte und wie viel Wodka er mit seinen Eremitenkollegen trank, hat mich schlichtweg nicht weiter interessiert. // Henning Mankell: Wallanders erster Fall / Nach Mankells abschließendem Werk Die schwedischen Gummistiefel machte ich mich jetzt doch noch daran, eins seiner ersten zu lesen, und das eigentlich durch Zufall, denn der aus mehreren Erzählungen bestehende Band lag eines Morgens vor meiner Wohnungstür, mir vermutlich vom Zeitungsboten zugedacht, der das gebrauchte Buch wiederum im Hof gefunden haben wird. Manche dieser Morgengaben habe ich gleich wieder unten zurückgelegt, dies aber auf meine Schwedenreise eingepackt – und mit Genuss gelesen. Die Texte sind vor den Wallander-Krimis entstanden und erzählen Wallanders Werdegang bis zum ersten großen Fall; durchaus spannend, hie und da ein wenig holprig, aber immer gut zu lesen. Ein bisschen wie ein Lehrstück, als ließe Mankell uns an seiner Entwicklung zum Krimiautor am praktischen Beispiel teilhaben. // Jo Nesbø: Durst / Und richtig packend geraten ist Nesbøs neuester Wurf, für mich die beste seiner bisherigen Arbeiten. Harry Hole ist wieder zurück und assistiert seiner früheren Kollegin Katrine Bratt beim Aufspüren eines Vampiristen, der die beiden schon Jahre zuvor auf Trab gehalten hat. Äußerst blutrünstig, ein wenig übertrieben, aber ungemein fesselnd geschrieben. Wenn schon, denn schon – der Norwegische Starautor hat hier so richtig aus dem Vollen geschöpft.

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