Die Monatsbotin August 2019 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die achtundsechzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen! Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Na, so einiges – und es erweist sich doch als ganz schön große Aufgabe, gleich zwei vergangene Monate zusammenzufassen! Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich am 29. Juni mitsamt Lebensgefährtin, Kind, Hund, Schwester und Schwager ins schöne Schweden reiste, um zwei wunderbare Wochen auf der hübschen Schäreninsel Hasslö zu verbrignen, musste ich dann kurzerhand die Juli- mit der Augustausgabe der Monatsbotin zusammenlegen.

Und da liegt dann die erste Lesereise des Juni schon sooo weit zurück – ist mir aber bestens im Gedächtnis geblieben. Denn auf Einladung der Fachstelle Fachstelle für Katholische Öffentliche Bibliotheken war ich mit „Frieda Fricke“ im Bistum Osnabrück unterwegs und hatte das große Vergnügen, viele, viele muntere emsländische Dritt- und Viertklässler in Renkenberge, Schepsdorf, Papenburg und Langen  zu erleben, die allesamt ihren Spaß mit Frieda und Co. hatten. Die Minischule in Renkenberge – die genau zwei Klassenzimmer, das Lehrerzimmer, einen Medienraum und einen schönen, großen Schulhof umfasst, hat mich schwer beeindruckt: Hier müssen die Lehrerinnen die Pausenklingel noch persönlich betätigen! 

Auch in Haselünne war ich dann noch auf Einladung der dortigen Bücherei zu Gast, für mich immer eine Freude, wenn ich in der Gegend lesen darf, in der ich selbst in den Jahren 1971-1983 zur Schule gegangen bin. Lesungen gab es damals allerdings nicht in den Schulen, aber Computer ja bekanntlich auch noch nicht …

Nach einer fleißigen Schreibphase, in der das Kapitel 4 meines aktuell in Arbeit befindlichen Romans punktgenau fertig wurde, reiste ich dann nach Paderborn, um vom 24. bis zum 26. Juni an der Universität als Ehrengast der  Kinderliteraturtagen zu wirken. Das war ein wahrer Marathon, vor allem bei der auch in Paderborn unerträglichen Hitze, aber sämtliche Veranstaltungen empfand ich als äußerst gelungen – sowohl diejenigen für Studierende, bei denen ich sowohl interessante Präsentationen seitens der Studierenden zu sehen und hören bekam als auch selbst Rede und Antwort zu stehen hatte, als auch die Lesung vor sechs Grundschulklassen, die alle vorab mit einem Buch und einer Einführung durch die umtriebige Professorin Iris Kruse vorbereitet worden waren. Meine öffentliche Lesung aus meinen jugendliterarischen Texten war ebenfalls bestens besucht. Und mehrere Rückmeldungen seitens der Studierenden, die mich danach erreichten, bestätigten mir, dass die drei Kinderliteraturtage nicht nur bei mir haften bleiben werden.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub erwischte mich dann eine böse Magen-Darm-Infektion, aber am 19. Juli war ich dann wieder fit genug, um mich in der nahen Zentral- und Landesbibliothek mit einer guten Handvoll Jugendlicher in einen interaktiven Workshop im Rahmen der Pride-Week zu stürzen. Nach einer Lesung mit anschließendem Gespräch aus „Liebe macht Anders“ und einer Führung durch die Bücherei stellten die Kids mit viel Spaß Buttons mit Parolen und Fahnen zum Christopher Street Day her, dem legendären Aufstand der Schwulen und Lesben in der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street, der seither mit einer alljährlichen Demonstration weltweit gedacht wird und der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feierte.

Auf der Parade in Berlin am 27. Juli übrigens, bei der mehr als eine Million Menschen (!) dabei waren, wurden meine beiden langjährigen Verleger*innen des Querverlags, Jim Baker und Ilona Bubeck, mit dem „Soul of Stonewall“-Award in der Kategorie „national“ ausgezeichnet. Meinen Glückwunsch dazu von dieser Stelle aus – das habt ihr wirklich verdient!

Nach dem Workshop ging es für mich dann am 21. Juli erneut in die schöne Akademie Waldschlösschen, um zum neunten Mal bei der Sommerakademie einen dreitägigen Workshop zu leiten. Wie immer machte das mir viel Freude, die zehn Teilnehmenden bildeten aber auch eine sehr angenehme und höchst heterogene Gruppe, die bei der Abschlusspräsentation ihrer Texte vor der gesamten Akademie verdienten Beifall erhielt. Und ich bekam endlich die langersehnte Ehrennadel – ein Unikat, das es dann auf Nachfrage dann doch gleich dreimal gibt, was meiner Freude keinen Abbruch tat. Mit der Einladung für die nächste Sommerakademie in der Tasche reiste ich dann wieder zurück nach Berlin … was ich dann beim zehnten Mal wohl für ein Unikat erhalten werde??

Und was kommt?

Zunächst einmal eine berufliche Kurzreise nach Rügen, wo ich am 1. August im Kurpark Binz die Broschüre „Eine* von uns“ mit Texten zu queerem Leben in Mecklenburg-Vorpommern präsentieren werde. Die dazugehörige Ausstellung un_sichtbar!, erarbeitet vom Verein „Lola für Demokratie“, ist noch bis zum 8. September im Dokumentationszentrum Prora zu sehen, ein umfangreiches Begleitprogramm lädt zur Vertiefung ein. 

Danach geht es an die Schreibarbeit – das Kapitel 5 beginnt auf Seite 310, zwei weitere werden noch folgen.

Aber auch weitere Texte sind noch in Arbeit, nicht zu vergessen die Online-Workshops „Kreativ-Quickie“ und „Mein Buch“ …

Einen lässigen August wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im August:  1. August 2019, 15 Uhr, Kurpark Binz: Präsentation und Lesung aus der Broschüre „Eine* von uns“

Online Workshops: Der nächste Kreativ-Quickie startet am  am 5. August; Informationen und Anmeldung auch für die neuen Onlineworkshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ und das Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Lina Bengtsdotter: Löwenzahnkind. München, Penguin Verlag (2019) / Gullspång in Mittelschweden. In einer heißen Sommernacht verschwindet die siebzehnjährige Annabelle. Die Stockholmer Polizei schickt ihre beste Ermittlerin, Charlie Lager. Was keiner weiß: Sie ist in Gullspång aufgewachsen und vor Jahren von dort geflüchtet … Bengstdotter gilt als Schwedens neue Krimikönigin; ob sie die vielen anderen vom Thron stürzen kann, bleibt abzuwarten, aber das Zeug dazu hat sie mit Sicherheit. Wie die Debutatin ihre packend geschriebene Story aufbaut und vor allem ihre widerspenstige Kommissarin in Szene setzt, sucht ihresgleichen. Richtig guter Krimistoff mit Tiefgang! // Jens Andersen: Astrid Lindgren. Ihr Leben. München: Pantheon Verlag (2017) / Es brauchte doch lange Jahre, bis ich mich an die Biografie meiner Lieblingsautorin aus Kinderzeiten herantraute. Und es hat sich gelohnt – Andersens vielfach ausgezeichnete Biografie breitet auf knapp 450 Seiten ihr Leben und Wirken aus, und das so umfassend und interessant, dass ich in Zukunft einige ihrer Werke nochmal lesen und mir alle möglichen weiteren Biografien zu Gemüte führen werde. Ausgelöst hat all das übrigens der bemerkenswert bewegende Film „Astrid“ von Pernille Fischer Christensen, in dem die äußerst schwierigen Jahre als Heranwachsende der späteren weltberühmten Autorin geschildert werden. Tatsächlich kamen mir gleich mehrfach die Tränen, und der Film und die Fragen, die er aufwarf, hallten lange in mir weiter … // Jan Brandt: Eine Wohnung in der Stadt/Ein Haus auf dem Land. Köln: Dumont (2019) / Weitaus weniger begeistert war ich dagegen von Jan Brandts vielgehyptem Doppelroman, der sich einerseits um die langjährige Wohnungssuche des Autors in Berlin und seine Schwierigkeiten, hier Heimat zu finden, rankt, andererseits um seine vergeblichen Versuche, das Haus seiner Vorfahren im ostfriesischen Ihrhove vor dem Abriss zu retten. Das Buch kommt eher wie eine etwas trockene Reportage denn als ein (oder zwei) Roman/e daher, und die umfangreichen Abhandlungen des Autors haben mich weder berührt noch zu Mitgefühl animiert. Löblich natürlich, dass Brandt sich dem Thema Mieten in diesen problematischen Zeiten für Mieter widmet, aber ein oder zwei Artikel in einer Zeitschrift hätten es meiner Ansicht auch getan. Warum nur werden so manche junge männliche Autoren für ihre nicht sonderlich herausragenden Werke derart gerühmt? Wer mir das überzeugend erklären kann, kriegt Jan Brandts Buch von mir geschenkt!

Mehr Lesetipps in meiner monatlichen Kolumne im Magazin Sprache für das Goethe-Institut: Auserlesen! – vorerst zum letzten Mal, denn das Erscheinen wird zunächst aufgrund eines Wechsels in der Leitung ausgesetzt. Sobald Auserlesen! wieder erscheint, gebe ich natürlich umgehend Bescheid!

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