Die Monatsbotin Juli 2017 // Notizen aus dem vierten Stock

Hier kommt die fünfundvierzigste Ausgabe der Monatsbotin von Karen-Susan Fessel – mit Notizen, Gedanken und Terminen vom Schreibtisch aus dem vierten Stock in Berlin-Kreuzberg!

Wem sie gefällt: liebend gern weiterempfehlen:  Eine kurze Mail mit dem Hinweis „Monatsbotin gewünscht“ an kontakt@karen-susan-fessel.de – und schon liegt sie Monat für Monat im virtuellen Briefkasten …

Viel Spaß beim Lesen wünscht Karen-Susan Fessel!

Was war?

Ein durchwachsener Juni, der es in sich hatte, sowohl wetter- als auch arbeitsmäßig. Wie geplant ist pünktlich zum Monatsende die Rohfassung des zweiten Bandes von „Frieda Fricke“ fertig geworden. In „Frieda Fricke – unglaublich!“ droht dem fröhlichen Landleben im schleswig-holsteinischen Hof hinterm Deich Unheil: Ein reicher Hamburger will dort ein Riesenhotel hinbauen, direkt neben das von Frieda und ihren Freunden neugegründete Altersheim für Kühe und andere alte Leute. Klar, dass Frieda, Mitja und co. sich da dringend was ausdenken müssen!

Dazwischen lockerte ein Pfingst-Kurzurlaub im schönen Schleswig-Holstein und einige Lesungen die Schreibtischarbeit auf: Am 12. Juni las ich erstmals in meinem ehemaligen Gymnasium, dem Meppener Windthorst-Gymnasium, aus meinen Jugendbüchern vor. Die fünf neunten Klassen lauschten ausnehmend ruhig (also, früher waren wir nicht ganz so still, meine ich …) den Erlebnissen der Jugendlichen in „Alles ist echt“ (Oetinger Taschenbuch), „Steingesicht“ und „Was in den Schatten ruht“, das ja im nahen Dankern spielt. Eine kleine Führung durch die veränderte Gebäudelandschaft mit der netten Direktorin gab es auch noch, und so überkamen mich heimatliche Gefühle, die ich zwei Tage später bei meinen beiden Lesungen im zwanzig Kilometer entfernten Harener Gymnasium noch vertiefen konnte.

Am selben Nachmittag kamen dann die Kleinen und ganz Großen dran: In der Katholischen Öffentlichen Bücherei Altharen stellte ich „Frieda Fricke – unmöglich“ vor rund zwanzig Kindern und Erwachsenen vor und durfte dann noch als Glücksfee für die büchereiinterne Preisverleihung fungieren. Bei dieser Lesung, organisiert von der Harener Giraffenbuchhandlung Monika Kremer, handelte es sich dann um den letzten Nachzügler meiner Lesereise zum Welttag des Buches, die vom Börsenverein des deutschen Buchhandels gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) verlost wurde und vom Kosmos-Verlag finanziert wurde.

Danach ging es wieder zurück in die Berliner Wahlheimat, um dort im Rahmen des Kinder- und Jugendprogrammes der Lit:Potsdam am 23. Juni im Gymnasium Michendorf vor den siebten und am 28. Juni in der Rosa-Luxemburg-Schule vor den fünften Klassen je eine Lesung zu halten. Wir hatten viel Spaß zusammen, und ewig in Erinnerung bleiben wird mir die Sporteinlage der flotten Lehrerin bei der letzten Lesung. Wow! So macht Schule Spaß …

Ein kleiner Nachtrag: Pit Terjung, der Berliner Landessieger beim diesjährigen Vorlesewettbewerb der 6. Klassen, bei dem ich im Mai als Vorlesende und Jurorin mit dabei war, konnte sich im Finale zwar leider nicht durchsetzen und musste Jarik Foth aus Schleswig-Holstein den Vortritt lassen, aber dennoch hat er eine glänzende Leistung abgeliefert. Gratulation an alle Teilnehmer*innen!

Und was kommt?

Erstmal natürlich die Überarbeitung von „Frieda Fricke – unglaublich!“; bis Mitte des Monats soll der erste Feinschliff erledigt sein. Dazu wartet noch ein kurzfristig angenommenes Lektorat auf mich, und dann geht es für elf Tage hintereinander in die Akademie Waldschlösschen – zu gleich drei Schreibworkshops hintereinander. Den Anfang macht das Bundespositiventreffen, bei dem ich seit vielen Jahren mit meinem Workshop mit von der Partie bin, gefolgt vom Treffen junger HIV-infizierter Menschen bis 30 Jahre, bei dem ich erstmalig einen Workshop anbiete. Danach folgt zum krönenden Abschluss mein Auftritt bei der Sommerakademie, die – wie auch die beiden anderen Workshops – schon seit längerem komplett ausgebucht ist. Ich bin sehr gespannt auf die Teilnehmer*innen und das, was sie schreiben werden!

Einen warmen Juli wünscht Karen-Susan Fessel!

Öffentliche Termine im Juli:  Leider keine öffentlichen Termine in diesem Monat!

Onlineworkshops: Die nächsten Kreativ-Quickies starten am 3. Juli und 4. September – Informationen und Anmeldung auch für die weiteren  Workshops „Mein Buch“ und „Biografisches Schreiben“ sowie Einzelcoaching unter www.karen-susan-fessel.de/seminare

Ausgelesen Henning Mankell: Die schwedischen Gummistiefel / Über dieses Buch musste ich eine Weile nachdenken – nicht etwa, weil es so kompliziert wäre, sondern weil mich immer wieder das deutliche Gefühl beschlich, dass Mankell, der wenige Monate nach der Veröffentlichung dieses seines letzten Romans 2015 starb, hier zugleich in Eile als auch mit großer Erschöpfung schrieb. Die Geschichte um den ehemaligen Chirurgen Welin, dessen Haus auf einer schwedischen Schäreninsel abbrennt und der sich so noch im Alter vor einen erzwungenen Neuanfang gestellt sieht, erzählt viel über Einsamkeit und das Altern. Zugleich versucht Mankell, möglichst viele Geschichtenstränge ansatzweise hineinzuweben, als würde er darauf verweisen, wieviel er eigentlich noch zu erzählen hätte, wenn er denn noch könnte. Leider konnte er nicht mehr; und diese unterschwellige Sehnsucht hat mich beim Lesen immer wieder innehalten lassen. Vielleicht ist genau das ein Charakteristikum eines Alterswerkes: das Bewusstsein, dass nicht mehr genug Zeit bleibt, um alles erzählen zu können. Und das steht wohl allen Autor*innen bevor, die ihren Beruf als Berufung empfinden. // Robert Gernhardt: Die K-Gedichte / Dazu passend das dichterische Alterswerk dieses grandiosen deutschen Dichters. K wie Krieg und Krebs … das soll man komisch, ernst und witzig zugleich hinkriegen? Kann man, wenn man „Krankheit als Schangse“ nimmt … Gernhardt hat die Veröffentlichung seines Gedichtbandes ebenfalls nur um einige Monate überlebt und damit auch ein ganz eigenes Alterswerk hingelegt.  // Anno Frank Leven: Vier Palmen /Dieser Dichter und Maler hatte wiederum leider nicht die Chance, ein Alterswerk zu erstellen. Leven starb mit Mitte 40 an einem Hirntumor, mit seinen anrührenden, klaren Gedichten aber bleibt er für mich einer meiner Lieblingslyriker.

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